Blaufränkisch – es gibt große Weine zu entdecken!

Autor:
Felix Peters
Felix Peters ist Winzer & Geschäftsführer des Weinguts Sankt Antony in Rheinhessen. Die Eigenschaften, die den Quereinsteiger an Weinen begeistern, sind Finesse, Ausgewogenheit und Aromenvielfalt.

Es gibt eine Anekdote zum Namen Blaufränkisch, sie steht bei Wikipedia. Ich weiß nicht, wer sie dort eingestellt hat, aber ich mag diese Geschichte sehr und kann sie auch nachvollziehen.
Der Name Blaufränkisch geht auf eine Anekdote aus dem 18. Jahrhundert zurück. Napoleons Truppen sind während einer ihrer Feldzüge durch Ungarn gezogen und haben dort eine längere Station gemacht. Um die Feldzüge zu finanzieren, bezahlte Napoleon seine Truppen zu dieser Zeit mit „roten“ Francs. Die offizielle Währung in Frankreich waren jedoch „blaue“ Francs. Schnell wurde klar, dass die blauen Francs mehr Wert waren als die Roten.

Die Franzosen haben von den ortsansässigen Winzern auch Wein gekauft, wobei ein spezieller Rotwein es den französischen Truppen besonders angetan hatte. Die ungarischen Winzer begriffen schnell, dass dieser Wein von den Franzosen bevorzugt wird und wussten über die zwei verschiedenen Währungen Bescheid. So verkauften sie den beliebten Wein nur für blaue Francs, da die roten Francs viel weniger Wert waren. So entstand der Name „Kékfrankos“ (blau = kék, Francs = Frank), zu Deutsch Blaufränkisch.



Ich habe drei Jahre in Österreich gearbeitet und gelebt und habe dort durch meinen guten Kumpel Markus Altenburger aus Jois neben seinen eigenen beeindruckenden Gewächsen in nächtlichen Verkostungen viele Blaufränkische kennengelernt. Anfang der 2000er gab es noch nicht viele Herkunftsweine, es gab Urgesteine. Allen voran der erste große Blaufränkisch Österreichs: der 1986er Marienthal von Ernst Triebaumer. Unter Kollegen wird er ET genannt, nicht zuletzt weil er wie ein Außerirdischer mit seinem monumentalen Blaufränkischen zu Zeiten des Glykolskandals (1985) wie mit einem Flagschiff zielsicher im Burgenland landete. Blind verkostet kamen mir die Marienthal-Weine wie eine wunderbare Mischung aus Pomerol und traditionellem linken Ufer Bordeaux vor, mit einer tollen Eigenschaft zu reifen. Triebaumer wurde Ende der 90er für diesen Wein entdeckt, während sicherlich auch viele andere Erzeuger schon beachtliche Blaufränkisch auf die Flasche brachten, wie etwa Krutzler mit alterungsfähigen Blaufränkischen ebenfalls aus den 80er und sicherlich einige mehr, die ich noch nicht getrunken habe.

Man kann Blaufränkisch vergleichen mit den großen Weinen des Piemont, der nördlichen Rhône, auch mit dem Pinot Noir aus dem Burgund oder mit traditionellen Bordeaux Weinen; er wird aber immer eigen sein, sein Terroir ausdrücken und für Blaufränkisch stehen. Das macht ihn so faszinierend.

Heute baue ich aus der damaligen Inspiration heraus selbst Blaufränkisch in Deutschland an. Es ist eine authentische Rebsorte, die eigene große Weine erzeugt, wie heute vor allem in Österreich bewiesen wird.

Einer meiner größten Inspiratoren ist Uwe Schiefer. Er baut am Eisenberg im Südburgenland fantastische Blaufränkisch an. Auf Schieferböden werden diese Weine kirschfruchtig und fein wie ein Burgunder. Aus der Lage Reihburg entstanden wegweisende Blaufränkisch für viele, auch für mich. Diese Feinheit und Eleganz ist großartig und jeder, für den der Blaufränkisch nicht zur „fine wine Welt“ zählt, sollte in der ultraklaren präzisen Kirschfrucht seiner Eisenberg Blaufränkischen ertrinken. Die Weine sind an der Säure gebaut. Das macht sie in der Jugend fordernd. Man muss Geduld wahren und die Weine von Uwe in ihrer größten Phase abpassen, dann begegnet man diesen großen Weinen auf Augenhöhe. Legen Sie sich 6 Flaschen 2010er Reihburg in den Keller, machen Sie bald mal eine auf, dann werden sie verstehen wovon ich schwärme.

Ein zweiter Betrieb, den ich leider erst nach meiner Zeit in Österreich kennenlernte, ist Wachter Wiesler – ebenfalls aus dem Südburgenland. Diese Weine sind so enorm entspannt, voller roter Frucht und ultrafein wie ein Kaschmir-Pulli. Neues Holz sucht man vergebens und die klare, hedonistische Art der Weine erinnert irgendwie an Jacques-Frédéric Mugnier aus Chambolle-Musigny. Dass die Jungs von Wachter Wiesler vielleicht gar nicht wissen, wer das ist, ist ihnen vollkommen egal. Sie leben in einer Symbiose aus präzisem Handwerk und authentischer feiner Küche, wie man sie im Burgund nur an wenigen Stellen antrifft. Schon mit dem Bela Joska hat man einen beeindruckenden Wein im Glas, bei all seiner Ursprünglichkeit ist alles fein gewoben. Wir reden hier von knapp über 10 Euro, und man hat wirklich burgundische Anmut im Glas. Großes Kino liefert der 2011er Eisenberg Alte Reben. Er bringt alles, was ich an diesem Weingut so gerne habe: Größe, Trinkspaß, Feinheit und Hedonismus in Flaschen.

Was wäre Blaufränkisch, wenn man Moric nicht erwähnt. Der ehemalige Croupier Roland Velich hat legendäre Blaufränkisch aus Lutzmannsburg und Neckenmarkt erzeugt. Das sind beeindruckende, wegweisende Weine.  Leider ist 2009 und 2010 bei Heiner ausverkauft. Das würde ich bei Lutzmannsburg und Neckenmarkt empfehlen zurzeit. Jahrgang 2012 (Lutzmannsburg & Neckenmarkt) wird sicherlich die Größe dieser Weine aufweisen, aber geben Sie den Weinen Zeit!

Wenn es nach dem Wirt der bekanntesten Weinbar Deutschland geht, steht Krutzler bei Blaufränkisch an Nummer eins. Die Rede ist von der Cordobar in Berlin, mit seinem Chief Executive Wirt Willi Schlögl aus Österreich. Wenn Sie bei ihm eine Blaufränkisch-Reise im Glas bestellen, dann müssen Sie drei, vier Flaschen trinken bis das große Finale mit Krutzler eingeläutet wird. Willi Schlögl fördert zu Recht diesen tollen Betrieb. Die Blaufränkischen sind allesamt aus dem Eisenberg-Gebiet, also ähnlich wie Schiefer und Wachter Wiesler. Die Weine besitzen mehr Kernigkeit und Struktur, alles in allem sehr seriöse Großkaliber. Perwolff ist sein größter Wein – benannt nach einem alten Namen seiner Herkunft, nämlich Deutsch-Schützen. Ein grandioser Wein, der viel Furore gemacht hat und unbedingt mit etwas Reife in jeden Weinkeller gehört! Probieren Sie mal den Eisenberg aus 2015 für kleineres Geld um einen Eindruck seiner Klasse zu bekommen.

Eines der größten Terroirs für Blaufränkisch ist sicherlich die Dürrau. Im Hochplateau von Horitschon stehen seit weit mehr als über einem Jahrhundert Blaufränkisch-Weingärten und damit auch Reben im entsprechenden Alter. Die Familie Weninger hat für mich bis dato die beeindruckendsten Blaufränkisch aus dieser Grand-Cru-Lage gezaubert. Der Besitz an ursprünglichen alten Rebbeständen ist ein großer Schatz in der Familie Weninger. Dürrau hat etwas Tiefes, Großes, aber auch eine Gelassenheit, die sich nur den besten Weinen der Welt erschließt. Ich verneige mich vor dieser Lage.

Blaufränkisch gehört zu den großen Weinen der Welt; es braucht nur das Terroir dazu!


Über Felix Peters

Eigentlich wollte er Lehrer werden, aber eine Reise der Eltern bringt den Weinvirus aus dem Piemont mit ins Hause Peters und infiziert den damals 18-Jährigen.
Neu orientiert tritt er 1998 seine Ausbildung zum Restaurantfachmann im Zwei-Sterne-Restaurant „Le Val d’Or“ an, das er aufgrund der großen Weinkarte aussuchte. In den folgenden zwei Jahren seiner Ausbildung belegt er den zweiten und schließlich den ersten Platz der Rangliste deutscher Nachwuchs-Sommeliers.
Es folgt ein Praktikum auf dem Weingut Schloss Vollrads und das Studium „Weinbau und Oenologie“ an der Hochschule Geisenheim. Während des Studiums arbeitete er ein Jahr auf der Domaine de la Vougeraie im Burgund und anschließend bis 2005 als Betriebsleiter auf Schloss Halbturn im Burgenland.
2006 übernimmt er das Weingut Sankt Antony und arbeitet bis heute daran seine Ideen, Vorstellungen und Visionen auf die Flasche zu bringen.