Autor:
Heiner Lobenberg
Heiner ist der Gründer und Chef von Lobenbergs Gute Weine. Als Jäger und Sammler und Wein-Trüffelschwein ist sein Ziel, den Kunden die beste und interessanteste Weinauswahl in Deutschland zu bieten. In seinem Blog erzählt er interessante und schöne Geschichten von großartigen Weinen und Winzern.

Bordeaux 2015 und 2016

Verkostungsnotizen 2016

Was unterscheidet diese beiden, noch vor 1989 und 1990, 2000 und 2005, besten Jahrgänge der bisherigen Geschichte Bordeauxs voneinander? Und können Sie das bisherige Traumduo 2009/2010 in der Qualität erreichen oder gar übertreffen?Zuerst: Alle 4 Jahrgänge sind für mich ganz groß, alle 4 sind besser als 89/90 und 2000 und 2005. Höheres Rebalter, Wissenszuwachs im Weinberg, Nachhaltigkeit und Bio, voranschreitender Klimawandel. Und alle 4 sind ganz anders, einzigartig, gleichgut, auch wenn es gewisse Analogien gibt.2009 und 2015 sind verwandt in ihrer offenen Art, in der Süße, Süffigkeit und Köstlichkeit. Butterweiche Tannine und tiefe Säure. Beide recht hoch im Alkohol, 2009 ist fetter, 2015 ist verspielter und leichtfüßiger. Richtig leckere und freundliche Jahrgänge. 2009 ist mir vielleicht etwas zu fett, 2015 macht zumindestens mir in seiner leichtfüßigen Köstlichkeit und etwas größeren Frische mehr Trinkfreude. Wer aber reiche Wucht und tiefe Säure bei satter Frucht vorzieht, der möge zum wahren Turbo-82er 2009 greifen.

Die anderen Geschwister sind weniger Zwillingshaft, und doch gehören 2010 und 2016 zusammen. Die Tannine und Säure=Frische liegen einen Level höher jetzt, trotzdem gibt es in beiden Jahren hohe Reife. Beides Jahrgänge für ewiges Leben. 2010 ist massiv, reife Blockbuster mit fulminanten Gerbstoffen, wuchtige Kraftbolzen, die Zeit zur Reife brauchen. Richtige Monster, aber grandios, weil eben hohe Säure, sattester reifer Gerbstoff und ein eher hoher Alkohol eine hervorragende Balance bilden. Eben alles Champions-League. Und nun kommt 2016. Genau soviel Tannin, nur ganz ganz weich und sehr reif. Weil die unter der butterzarten Tannindecke überhaupt nicht spürbare Säure noch höher ist, und gleichzeitig der Alkohol ein Grad tiefer liegt, kommt die Frucht besser durch. Die Weine sind stylisch und schick und köstlich vom ersten Moment. Eine Harmonie wie im Himmel. Und wie 2010 für viele Jahrzehnte haltbar. Man glaubt es kaum, weil sie ja von Beginn an köstlich und lecker sind. Aber man darf sich da nicht täuschen lassen, die entscheidenden Regler stehen ganz rechts. Aber jeder muss da schon selbst über seine Geschmacksvorliebe entscheiden. Zwei Riesen-Zwillinge, nur nicht eineiig wie 09 und 15, sondern nur gleich extrem in der überragenden Qualität.

Die Verkostungsnotizen

Lobenberg: Geerntet wurde d'Aiguilhe vom 30. September bis zum 13. Oktober. 49 Hektoliter pro Hektar, 85% Merlot, 15% Cabernet Franc. Fermentationszeit 30 Tage, 30% Ausbau im neuen Holz. Chateau d'Aiguilhe ist eines der Weingüter von Stephan Graf Neipperg von Canon la Gaffelière. Ein hoher Anteil an Kalkböden mit Lehm-, Sand-, Kiesauflage. Im Weinberg wird vermehrt darauf gesetzt, ganz dicht zu pflanzen und nur die eigenen Klone zu verwenden, also Selection Massale. 65 Hektar groß, ein Riese in Castillon, 13,5% Alkohol im 2016. Bei d'Aiguilhe wird komplett biologisch gearbeitet, es ist aber noch nicht zertifiziert. Inzwischen wird ein Anteil von 20% komplett Bio bearbeitet, der Rest ist in der Umstellung. Stephan versucht darüber hinaus einfach, wie viele andere Biowinzer ebenfalls, den Einfluss von Kupfer drastisch zu reduzieren. Bekannt ist, dass Kupfer in Wirklichkeit die Fruchtbarkeit der Böden, Pflanzen und Tiere, sowie die Schalenstruktur der Beeren stark beeinträchtigt. Kupfer führt zu mehr Botrytis und die physiologische Reife der Kerne weicht immer mehr vom Zuckergehalt des Saftes ab. Die Konsequenzen sind bekannt, bspw. an der südlichen Rhône, die Weine brauchen dort manchmal 16% Alkohol um in Kernen und Schalen überhaupt physiologisch zu reifen. Die Umstellung auf biologische Arbeit ist der wirkliche Weg der Zukunft. Zusätzlich weg vom Kupfer, hin zur besseren Harmonie. Das Erstaunliche beim 2016er d´Aiguilhe ist, dass er schon vom Naseneingang deutlich feiner, geschliffener, polierter rüberkommt als der ziemlich kraftvolle, üppige, eindrucksvolle 2015er. Das Ding ist ultra fein und überaus präzise. Er bleibt überwiegend auf schwarzer Frucht. Darunter ein kleiner Hauch Pfirsich und Aprikose. Der Mund zeigt ein extrem reifes, üppig weiches Tannin. Die Tannin-Mengen bei d'Aiguilhe liegen in 2016 deutlich höher als in allen bisher dagewesenen Jahre. Aber der Wein ist komplett reif und butterweich. Die Säure liegt nach französischer Messung bei 4,3. Dies entspricht einem deutschen Wert von über 7 g/l. Also hohe Säure. Wegen der kalten Nächte im Sommer. Das Ganze endet in einer unglaublich feinen Balance. Castillon ist so eine spannende Appellation. Wir haben so verschiedene Stilistiken. Auf der einen Seite d'Aiguilhe und in Perfektion in der gleichen Stilistik Chateau Le Rey sowie die beiden überlegene Domaine de L´A. Und auf der anderen Seite so etwas wie ein Loire Typ mit Clos Puy Arnaud. Und dann den Superstar Clos Louie, „a class of its own“ aus 130 Jahre alten Reben. CPA und Louie in eine deutliche feinere Richtung gehend. Der Mund des Aiguilhe tänzelt, ist balanciert, ist dicht, reif und trotzdem total fein. Eine Dominanz der schwarzen Frucht, aber darunter wieder diese Pfirsich/Aprikosen/Orangen Note. Das Ganze ist köstlich und schick und insgesamt eben präziser als der 2015er. Nicht deutlich besser, aber klarer. Besserer Geradeauslauf. Auf jeden Fall ein fantastischer d'Aiguilhe und in Castillon sicherlich zu den besten Weinen zu rechnen. 94-95/100

Lobenberg: Ein 100%er Merlot von Denis Durantou von Eglise Clinet. Geerntet zwischen dem 09. Oktober und dem 15. Oktober. 9 Hektar, 50 Hektoliter pro Hektar Ertrag, Ausbau in neuem Holz, ungefähr 50000 Flaschen Produktion. Sehr feine rot- und schwarzfruchtige Nase, sehr geschliffen, seidig und fein. Auch im Mund sehr saftig, ein überaus schicker Saint Emilion. Eine Ode an die Freude, ein ausgesprochen süffiger, trinkiger, Freude bereitender Wein mit überwiegend süßer und dunkelroter Frucht, Zwetschge, feiner Lorbeere und Eukalyptus, auch Veilchen und Minze. Schön getragen. Kein Riese, nichts zum Niederknien, aber für kleines Geld ein ziemlich schicker Saint Emilion und mit Chateau Gaillard und Valade wohl der beste Einstieg in die Appellation. 93-94+/100

Lobenberg: Vor vier Jahren aufgewerteter 1er Grand Cru Classé A von Hubert de Bouard. 2016 ist der Blend 60% Merlot, 40% Cabernet Franc. 2015 hatte Hubert de Bouard erstmalig seine Vinifikation ganz auf die Finesse und Eleganz gesetzt. Auf feine Weine, weg vom Blockbuster, weg von der Überextraktion. Und 2016 kommt zum Glück genauso ultrafein in die Nase. Zwar mit voluminöser, satter, aber nicht fetter schwarzer Kirsche, reichlich Brombeere. Aber alles gut verwoben, nicht süß, nicht schwer, sondern fein und getragen. Fast etwas stylisch. Der Mund ohne Ecken und Kanten. Tanninmassen, aber butterweich und fast leichtfüßig. Wieder üppige schwarze Kirsche, Brombeere. Große Fülle zeigend. Darunter Schlehe und tolle salzige Länge. Grandioses Finish im Unendlichen. Dieser Wein ist nicht ganz so ultrafein wie Troplong Mondot, der ja häufig ein ähnlicher Blockbuster ist. Angelus ist etwas voluminöser, etwas erotischer, dichter, Rubenshafter. Trotzdem kommt am Ende eine wunderschöne Säure. Auch Pink Grapefruit kommt zusammen mit Johannisbeere und Sauerkirsche wieder hoch. Das ist schon ultrafein. Diese Komposition ist schick, raffiniert, lang und sogar elegant und verspielt. 99-100/100

Lobenberg: Zu Mouton Rothschild gehörend. In guten und warmen Jahren, ist d’Armailhac so etwas wie ein dichter, runder Wein für die Freude. Opulent, süß. Aber eben nur in guten Jahren, ansonsten kann er sehr banal werden. Das müsste ja in 2016 richtig passen. 62% Cabernet Sauvignon, 28% Merlot, 8% Cabernet Franc, 2% Petit Verdot. Die Nase zeigt eben genau diese d’Armailhac-Note. Aber daneben etwas, dass es selten dazu gibt, nämlich große Feinheit. Hohe Intensität, Brombeere, aber auch Cassis, süße Maulbeere und dunkle, schwarze Lakritze. Deutlich Veilchen, Röstaromen dahinter. Fast ein bisschen an Saint Estèphe erinnernd in seiner würzigen Röstung. Der Mund dann viel deutlicher Pauillac. Auch maskulin, mit einem ungewohnten Angang in Sachen Tanninmassen. Zwar poliert, aber massiv. Große Frische, intensive Mineralität, viel Salz auf der Zunge, viel Druck. Insgesamt ein Wein mit außergewöhnlich viel Power. Ein d’Armailhac in seiner typischen, charmanten Rundheit, mit gleichzeitig maskulinem Druck und einer, für diesen Wein, ungeheuren Intensität und Länge. Fast groß. Ich glaube so einen guten d’Armailhac hatte ich noch nicht und er ist auf dem gleichen Level wie der ebenfalls grandiose ausgefallene Duhart Milon von Rothschild, wenngleich im Charakter komplett anders. Trotzdem beeindruckend. 94-96/100

Lobenberg: Barde Haut ist der im gegenüberliegenden Hang von Tour Saint Christophe wachsende Wein, also eines der besten Kalkstein-Terroirs in Saint Emilion überhaupt. In der Vergangenheit war er vielleicht zu extrahiert, trotz riesigem Potential. 2016 ist zumindest die Nase, trotz der fruchtigen Dichte, sehr fein. Der Mund ist fast noch schöner, fast schick. Süße Frucht, sehr komplex. Rote und schwarze Kirsche, Brombeere, Maulbeere. Nicht ganz so stylisch, wie der in der besseren Exposition liegende Clos Saint Christophe. Aber auf jeden Fall für Barde Haut ein Meilenstein. Ein wirklicher Topwert in Saint Emilion. 94-95/100

Lobenberg: Schöner, schwarzer Gripp in der Nase. Sehr Cabernet. Reif und trotzdem eine gute, kraftvolle Rustikalität ausstrahlend. In der Charakteristik irgendwo zwischen Pauillac und Saint Estèphe. Im Mund etwas spröde, gute Frische, hohe Intensität, aber ein Hauch Grün. Erstaunlich für diesen Jahrgang 90-92/100

Lobenberg: Chateau Beauregard hat in den letzten Jahren große Investitionen im Weinberg und Chateau getätigt. Das ist nunmehr abgeschlossen. Alles sehr schick. Aber die Hauptarbeiten geschahen im Weinberg. Das Chateau gehört der Familie Moulin, der auch die Galeries Lafayette gehört. Mitbesitzer sind die Cathiards von Smith Haut Lafitte. Das Terroir gehört schon immer mit zu dem Besten. Es ist der Nachbar von Chateau La Croix. Es sind lehmige, sandige Böden, also sehr feine Weine. Jetzt wird alles entsprechend in den Keller gebracht. Die Umstellung zur Biodynamie ist komplett abgeschlossen. Die Arbeit in den Weinbergen geschieht überwiegend mit dem Pferd. Alle Weine sind inzwischen biologisch zertifiziert. Auf den unteren sandigen Böden wird kein Erstwein erzeugt, die Ernte geht in den Zweitwein. Beauregard ist auf dem Weg an die erweiterte Spitze der Appellation. Sicherlich nicht in die Reihe der Top 10, aber nahe dran. Der Regisseur Vincent Priou ist auf jeden Fall einer der talentiertesten und genialsten Regisseure auf dem rechten Ufer. Der Cabernet Franc Anteil ist im Lauf der letzten Jahre immer weiter erhöht worden. Der 2016 Beauregard besteht aus 75% Merlot sowie 25% Cabernet Franc. 13,5% Alkohol bei totaler Säure von 3,2 und einem pH-Wert von 3,7. Die genaue Größe von Beauregard beträgt 17,5 Hektar. Das Durchschnittsalter der Reben liegt bei 35 Jahren. Gesamtproduktion sind 35.000 Flaschen. Nach dem trockenen Sommer gab es, wie bekannt, im September ein bisschen Regen. Die Blockade in den Weinbergen stoppte und die Ernte erfolgte dann in den ersten zwei Oktober-Wochen. Dass die Nase an den Nachbarn Chateau La Croix erinnert, ist eigentlich kein großes Wunder. Die feinen sandig, lehmigen Böden entwickeln einfach diese wahnsinnig schöne, saftige Frucht. Eine helle Kirsch-Nase. Auch ein bisschen Schwarzkirsche darunter, aber mehr rote Kirsche, feine Schlehe, Zwetschge, Pflaume. Alles schön süß und harmonisch, duftig. Auch der Mund zeigt diese feine Kirschfrucht. Noch mehr Kirsche als Schlehe, auch ein bisschen Johannisbeere. Feine Eukalyptus und Minze nebst einigen floralen Noten. Veilchen aber auch Jasmin. Das ganze süß, köstlich, ja man muss richtiggehend sagen: lecker! Beauregard hat nicht ganz die Größe des Nachbarn La Croix oder ich interpretiere das Tannin nicht ganz richtig, denn das Tannin hier ist ultrafein. Der Wein hat kaum Ecken und Kanten und trotzdem schiebt er gut von unten. Die Säure obendrauf ist sehr verspielt. Das Ganze endet in feiner, kirschiger Köstlichkeit. Ein ausgesprochen leckerer und feiner Wein. Ein Wein, der richtig Freude macht und von der ersten Sekunde an trinkig ist. Ich finde es keinen Nachteil, wenn man von einem Wein sagt, er sei extrem lecker. Denn lecker bedeutet nicht simpel oder gar banal, sondern das, um was es bei Wein wirklich geht, köstlicher Genuss. 97/100

Lobenberg: Das Weingut liegt auf bestem Terroir an den Hängen Saint Emilions, oben auf dem Plateau. Reiner Kalkstein mit etwas Lehm. Seit einigen Jahren im Schatten des extrem wiedererstarkten Beausejour Duffau und Canon. Die Nase wirklich schick. Tolle Merlotfrucht mit dieser dichten, schwarzen Kirsche, etwas Brombeere. Aber sehr fein, sehr getragen und erhaben. Die Nase gefällt mir extrem in ihrer Feinheit, in ihrer niemals süßen Dichte. Der Mund kommt mit einer wahnsinnigen Intensität daher. Auch hier wieder Schwarzkirsche, aber auch Sauerkirsche. Extrem viel helle Lakritze und viel Salz. Unglaublich lang, dicht, erst nach Minuten endenden. Die Augen und der Mund ziehen sich zusammen. Das Tannin ist total geschliffen. Der Wein zeigt grandiose Intensität und trotzdem unheimliche Raffinesse und Feinheit. Im Grunde bin ich kein riesen Freund von Becot, aber der 2016er ist für dieses Weingut ganz großes Kino. Das ist einer der schönsten Becots die ich je probiert habe in dieser raffinierten Feinheit, bei gleichzeitig hoher, kirschiger Dichte. So intensiv. Ein Blockbuster in Feinheit und Raffinesse. Top Stoff. Nicht zu den Top 10 Saint Emilions gehörend, aber nicht weit davon entfernt 96/100

Lobenberg: Seit vielen Jahren nun der Verfolger von Ausone und Cheval Blanc um die Krone des besten Wein des Jahrganges in Saint Emilion. Direkt auf dem Plateau an der Kante, in Folge von Ausone gelegen. Kalksteinplateau, in Nachbarschaft Canon, zur anderen Seite dann Ausone. Lange, lange Jahre lag Beausejour Duffau im Dornröschenschlaf, nachdem sie 1990 einen glasklaren 100 Punkte Wein hatten. Erst als, erstmalig mit dem Jahrgang 2008, das Duo Thienpont und Derenoncourt die Regie und die Weinbereitung übernommen hat, geht es hier ungebrochen richtig aufwärts. Das Erstaunliche ist, dass der Nachbar Ausone immer so ganz anders im Charakter ist. Beausejour Duffau ähnelt deutlich mehr Canon. Vielleicht auch eine Frage der Weinbergszusammensetzung. Wir haben hier deutlich mehr Merlot als bei dem Cabernet Franc-lastigen Ausone. Auch wird hier reifer geerntet. Dichte Kirsche, hauptsächlich Schwarzkirsche in der Nase. Schwarze Lakritze, aber nicht fett sondern ganz fein. Dem Jahrgang entsprechend sehr raffiniert und voller Frische. Der Mund voll auf Kirsche laufend, alles mit extrem hoher Intensität. Nase und Mund ziehen sich zusammen. Tolle Sauerkirsche und frische Zwetschge dazu. So viel Rasse und total raffiniert. Sehr lang, salzig, verliert sich erst nach Minuten. Wow, hallt das lange nach. Das ist ein superfeiner, raffinierter Blockbuster, der sicherlich mit Troplong Mondot in diesem Jahr der ernsthafteste Verfolger der absoluten Superstars ist, ja der vielleicht sogar dazu gehört. Ein superber Beausejour Duffau. 100/100

Lobenberg: Dieses Bioweingut besteht aus 12 Hektar Rebfläche, davon nur 5 Hektar auf Kalkstein für den Erstwein. Der Rest geht in den Zweitwein. 40-50 Jahre alte Reben. Der Ertrag aus Dichtpflanzung liegt bei 35 hl/ha. Önologischer Berater ist Christian Veyry, früher Mitarbeiter von Michel Rolland und selbst Besitzer eines kleinen Weingutes. Ein sehr kleines Team eines Familienweinguts, nämlich Corinne Chevrier-Loriaud mit ihren Töchtern und dem Sohn arbeiten hier zusammen. Alles wird per Hand gelesen und zur Vergärung komplett entrappt. 4 Wochen Fermentation, und anschließend nochmals mindestens 4 Wochen Mazeration auf der Schale. Die Rebsorten-Zusammensetzung ist 65% Merlot sowie 35% Malbec. Die Fermentation findet spontan im Edelstahl statt, die Malo und der Ausbau im Barrique. Allerdings nur zum kleinen Teilen im neuen Holz. Der Großteil findet den Weg ins 500 Liter Tonneau, um weniger intensiven Holzeinfluss zu haben. Das Auffallende an der ersten Nase ist, im Gegensatz zum grandiosen 2015ner, die höhere Dichte. Die Frucht ist so ungeheuer intensiv, so wuchtig und süß, fast berauschend. Viel schwarze Kirsche, darunter Zwetschge, aber auch vom Malbec geprägt ein wenig Maulbeere und Holunder. Alles üppig, dabei aber tänzelnd und fein bleibend. Nicht zu schwer. Im Mund überaus edel und fein. Das ist so zart und gleichzeitig so unglaublich dicht. Der Malbec spielt im Mund eine deutlich größere Rolle. Maulbeere und Holunder mit viel schwarzer Erde und einem satten Tannin. Der Mund zieht sich zusammen. Das Ganze ist extrem pikant und so unglaublich lang. Hinten raus rollt süße Cassis mit einem tollen Säureschwanz wieder hoch. Das Ganze ist sehr dicht, aber bleibt trotzdem so fein und verspielt, so tänzelnd. Das ist ganz schwierig zu benoten, denn 2016 fängt mit den ersten Weinen so sagenhaft gut an. Ich glaube nicht, dass ich einen so guten, besser gesagt einen so delikaten Jahrgang in Bordeaux schon einmal in meinen vergangenen 25 Jahren verkostet habe. Dieser Bel Air La Royere ist nebenbei nochmals intensiver als der 2015er, zumal im 2016er der unglaublich dichte Malbec mit diesem satten Tannin-Gerüst und der feinen Säure die Dominante spielt. Ein wirkliches Unikat, ein wunderschöner Wein aus Blaye. 95+/100

Lobenberg: Das Top Saint Emilion Weingut von Christian Moueix. Oben auf dem Plateau als direktester Nachbar von Ausone gelegen. Hat früher nur Belair geheißen und im Besitz von Pascal Delbeck. Nun seit vielen, vielen Jahren von Moueix betrieben, und wiederum seit vielen Jahren eines der besten Weingüter in Saint Emilion. Das Weingut ist mit 23 Hektar relativ groß. Reines Kalkstein-Plateau. Auch ein bisschen blauer Lehm darüber, speziell wenn es etwas den Hang runter geht. Blauer Lehm, der ja auch eine Kalksteinvariante ist, und der auf Grund der Metallanteile unglaublich reichhaltige, kraftvolle Weine ergibt. 92% Merlot und 8% Cabernet Franc. Diesen Wein bei Moueix nach all den Pomerols zu präsentieren zeugt von dem Zutrauen, den die Mannschaft in diesen Wein hat. Unglaubliche Würze. Wir sind überhaupt nicht so fein, so verspielt, so tänzerisch wie Ausone. Wir sind mehr im totalen Druck wie der andere Nachbar Beausejour Duffau. Satte, reiche, schwarze Kirsche, süße Maulbeere, konzentrierte Zwetschge, feine Lakritze, viel Veilchen. Hohe Intensität, aber butterweich dabei. Im Mund extrem druckvoll. Das hatte ich aber auch schon beim Nachbarn Beausejour Duffau. Diese unglaubliche Power. Dieses Schiebende der schwarzen Kirsche mit Lakritze. Maulbeere, Holunder, satte Veilchen-Intensität dazu. Ganz viel sattes Tannin. Nicht hart, überaus geschliffen, dabei unglaublich präsent. Mit einer traumhafter Frische. Säure, die mit Salz ins Unendliche zieht. Ich weiß nicht, ob ich Belair Monange in diesem Jahr für besser halte als Beausejour Duffau. Im letzten Jahr war das der Fall. Aber wir sind hier auf alle Fälle in der Oberliga Saint Emilions, wenn wir denn diesen druckvollen Stil, im Gegensatz zum Finesse-Stil Ausones wollen. Power für ein ganz langes Leben. 99-100/100

Lobenberg: Das Haut Medoc Chateau liegt direkt neben Chateau Lagrange, Saint Julien, und ist seit vielen Jahren der eigentlich bessere Saint Julien. Seit etwa 10 Jahren wird kräftig in den Weinberg investiert. Das Haus gehört zur Champagner Familie Thienot. Chateau Belgrave hat 54 Hektar an Weinbergen in Produktion. 50% Merlot, 46% Cabernet Sauvignon und 4% Petit Verdot. Die Zielsetzung aller Top-Chateaus auf dem Plateau, von 10000 Stöcken pro Hektar, ist hier schon erreicht. Der Ertrag liegt bei unter 500 Gramm je Weinstock. Kiesböden mit Lehm, identisch wie beim Nachbarn Chateau Lagrange. Überwiegend biologische Arbeit im Weinberg. Spontane Vergärung, Ausbau in überwiegend neuem Holz. Das ist eine unglaublich spannende Verkostung, da das Haut Medoc im Jahrgang 2016 so unglaublich gut performt. Wir haben im Norden mit Clos Manou, Carmenere, Charmail und Haut Maurac vier echte Stars des Jahrganges. Auch unten im Süden bei Margaux performten Du Retout und Cambon la Pelouse nebst Clement Pichon ganz überragend. Und im Grunde sollte jetzt mit Belgrave vom Terroir und der Arbeit her der Superstar neben Clos Manou im Glas sein. Die Nase ist reich und dicht. Voller Harmonie. Satte Kirsche, auch schwarze Frucht darunter. Beerig, aber nicht fett. Eher fein, dicht, sehr reich. Feine Lakritze neben dieser reichen, dunklen Beerenfrucht und schwarzer Kirsche. Der Mund ist sehr dicht und mit total polierten Tanninen. Keinerlei Härte, aber hohe Intensität in Sachen Gerbstoff. Wunderbare Frische mit einem langen, kirschigen, mineralisch salzigen Zug, der über Minuten anhält. Ich bin begeistert von diesem Belgrave, der so fein ist, der so gar keine Rustikalität enthält, aber trotzdem das Terroir von Saint Julien so gut widerspiegelt. Im Grunde ist dies ein perfekterer Saint Julien als der direkte Nachbar. Es ist vom Stil auch irgendwie der deutlich bessere Langoa Barton. Wir können ihn mit normalen Haut Medoc Maßstäben nicht messen, und auch wenn er sich dem nördlicheren, Pauillac-artigen Clos Manou beugen muss, ist es ein ganz großer Belgrave. Ziemliche Perfektion in dichter, würziger Kirsche, Lakritze, Jasmin, Eukalyptus. So schick, so lang. Die Salzmenge mit der frischen Zwetschge schwappen wieder hoch. Der Wein kommt immer wieder hoch in seiner dichten Finesse. Das ist der beste Belgrave, den ich je probiert habe. Und es ist im Haut Medoc nach Clos Manou, und wahrscheinlich noch vor Carmenere und Haut Maurac, der allerdings auch deutlich günstiger ist, der zweitbeste Wein aus dem Haut Medoc. Und wie ich schon sagte: Im Grunde ein Saint Julien, der als Verfolger der Leoville Barton, Leoville Poyferré durchaus geeignet wäre vielen Saint Juliens durchaus den Rang abzulaufen. Nach dem hochanständigen 2015 ist 2016 wirklich eine andere Liga. 96+/100

Lobenberg: Belle-Vue ist in großen Jahren wie 2009, 2010, 2015 und nun auch 2016, immer ein köstlicher Wert. Totale Konzentration auf die Merlot in diesem südlichen Medoc-Weingut, was in der Nähe von Cambon la Pelouse liegt, südlich der Appellation Margaux. Immer sehr üppig, wuchtig und extrem köstlich und reif in den, wie gesagt, warmen Jahrgängen. Und 2016 spiegelt das perfekt wider. So reife, schöne, schwarze Kirsche, reife Brombeere, aber nicht süß sondern einfach voluminös. Schokolade, Eukalyptus, Minze. Nicht so eine Traumwolke wie die Nachbarn Du Retout und Cambon la Pelouse, sondern eher eine sanfte, einnehmende, charmante Wucht, die den Genießer empfängt. Aber das hat schon extrem hohen Charmefaktor, das zieht einen schon fast ins Glas. Der Mund zeigt zu der schwarzen Kirsche viel frische Zwetschge, auch ein bisschen Sanddorn und Sauerkirsche. Bleibt aber insgesamt recht üppig. Fein, charmant, voluminös. Ein extrem leckerer, dichter, reifer Haut-Medoc-Wert. Eben anders als die mehr zur Finesse gehenden, anderen Topwerte. Im Grunde ein bisschen wie eine etwas kleinere Ausgabe eines Charmails, der auch in diese Wuchtrichtung tendiert. Aber in Belle-Vue bleiben wir eine Liga darunter. Einfacher, aber trotzdem extrem lecker. Nicht so außergewöhnlich anspruchsvoll, aber als Haut Medoc Einstieg im obersten Niveau ist das eine richtig gute Empfehlung. Dieser Belle-Vue macht schon jung unglaublich Spaß und wird trotzdem lange leben. Ein sehr sicherer, charmanter Wert. 93-94/100

Lobenberg: Bellefont Belcier liegt an den Hängen des Kalksteinplateaus. Er ist der übernächste Nachbar von Chateau Pavie, direkt nach Larcis Ducasse, stylischer als dieser, mehr klassische Ausrichtung als das Süßmaul Larcis. Bestes Terroir. Die Pflanzdichte liegt bei 7000 Stöcken pro Hektar und bewegt sich in Richtung 10000. Alles im Weinberg geschieht per Handarbeit. Die Exposition von Bellefont Belcier mit 13 Hektar ist komplett südlich, alles in einer leichten Amphitheater-Form. Der direkte Nachbar zur anderen Seite, neben Larcis Ducasse zu Linken, ist zur rechten Tertre Roteboeuf. Also das Terroir ist schon aller erste Sahne. Purer Kalkstein, darauf etwas Lehm und Kies. Die Vergärung erfolgt bei etwa 28-30 Grad. Das Ganze spontan. Danach verbleibt der Saft etwa noch 6 Wochen auf der Schale. Eine Prozedur, um die Tannine in Summe reicher und weniger bitter zu haben. Bellefont Belcier 2016 besteht aus 65% Merlot, 20% Cabernet Franc, 15% Cabernet Sauvignon. In diesem Jahr etwas mehr Cabernet-lastig, da diese Traube in diesem Jahr auf dem rechten Ufer extrem gut ausgefallen ist. Diese Nase ist mal etwas besonderes, denn sie ist extrem traubig. Nicht so sehr in Richtung Kirsche und Brombeere wie viele anderen, sondern in Richtung Weintraube. Er langsam kommen die Kirschnoten, und darunter rote Kirsche, frische Zwetschge, sehr feine Milchschokolade, ganz feine, helle Lakritze, etwas Holunder, ein kleiner Hauch Veilchen. Und dann folgt dieser traubigen Nase ein fast explosiver Mund. Ein Kirschmund. Sauerkirsche, süße rote Kirsche, schwarze Kirsche, auch frische Zwetschge. Nichts von der üblichen Brombeer-Ausrichtung. Wir bleiben in den vielen Spielarten der Kirsche, aber mit ungeheurer Dichte und Konzentration. Mit seidigen, total polierten Tanninen. Aber immens präsent. Der ganze Mund wird eingenommen und zieht sich zusammen. Eine lange, seidig, salzige Spur läuft über die Zunge und verhallt erst nach Minuten. Was für eine schöne, was für eine grandiose Intensität in dieser frischen, fast wollüstigen, traubigen, kirschigen Dichte. Erst im zweiten und dritten Versuch kommen auch langsam die Aromatik von ein bisschen Cassis und einem Hauch Brombeere dazu. Aber alles bleibt doch final mehr in der Kirsche, in einer so hohen Konzentration und unglaublichen Dichte. Das macht Spaß und ist eindrucksvoll. Das ist eine köstliche Delikatesse mit einer schönen Dramatik. Ein super Spannungsbogen. Aber die entscheidende Kommentierung kann nur sein: Ein unglaublich köstlicher, intensiver, spannungsgeladener, aber höchst eindrucksvoller Saint Emilion. Delikat und voller Rasse. Und weit davon entfernt ein Standard Saint Emilion zu sein. Dafür ist er einfach zu fein und viel zu burgundisch, trotz dieser hohen Intensität. Eine richtige raffinierte Feinheit. 2015 war auch großes Kino, 2016 steht dem aber in keinem Fall nach. Ich glaube sogar, dass 2016 der deutlich langlebigere Wein wird, weil die Tanninmassen viel höher sind. Der Alkohol von ungefähr 14,5% ist nicht spürbar, wird von der Frische eingesogen. Das gleiche gilt für das Holz. Überwiegend neues Holz, aber auch das nicht spürbar. Schicker Wein. Wir haben den 2015er und 2014er rückverkostet und wenn man diese Entwicklung sieht, ist es einfach schön diesen 2016er zu prognostizieren, und auch irgendwie sehr einfach. 97+/100

Lobenberg: Das zweite Saint Emilion Weingut von Hubert de Bouard von Chateau Angelus. An den direkten Hangausläufern des Plateaus gelegen, etwas tiefer. Die Nase typisch Bellevue. Nämlich nie so dicht und üppig wie Angelus aber trotzdem reich. Voller Frucht und mit etwas süßer Wucht daher kommend. Sehr schöne Beerenfrucht. Sehr modern intensiv. Gute Feinheit im Mund. Recht stimmiger Wein. Aber ich frage mich halt immer, was ich mit diesen Weingütern wie Bellevue, Faugeres, Fombrauge etc. anfangen soll. Das ist sehr moderne Mittelklasse oder mittlere Mittelklasse des Saint Emilions, und es hat so unglaublich viel bessere Weine im gleichen Preisbereich. Alles ist gut, aber nichts ist ein muss. 94/100

Lobenberg: Das Weingut gehört zu Gérard Perse. Süd-Ost Exposition in Saint Emilion, aber ganz oben auf dem Plateau. Nachbar von Graf Neippergs La Mondotte und Tertre Roteboeuf. Also bestes Kalksteinterroir. 90% Merlot, 5% Cabernet Franc, 5% Cabernet Sauvignon. 50 Jahre alte Reben, nur 18 Hektoliter Ertrag. Hohe Säure von 3,8 und pH-Wert von 3,4. Leicht überreife, pflaumige Maulbeere, Brombeere-Nase. Cassis, fast eingekocht, schon konfitürig in der Nase. Unglaublich wuchtig. Dieser Eindruck der Überreife setzt sich auch im Mund fort, tut gleichzeitig etwas weh. Extreme Extraktion und sehr trocken vom Holz. Das mag in 20 Jahren durchaus ein interessanter Wein sein, aber für den Moment von allem einfach zu viel. Vor allem etwas zu süß, etwas zu marmeladig. Einfach zu viel gemacht. Eine Stilistik wie es auch Pavie Decesse in diesem Jahr hat. Im Grund unnötig, denn der Jahrgang selbst hatte von sich aus schon ein solch riesiges Potenzial, man musste nicht so brutal arbeiten, man hätte einen schicken, stylischen Wein machen können. Das hat der Nachbar La Mondotte auch geschafft, der ja auch ein potenzieller 100-Punkte-Wein ist. Vom Terroir könnte es hier auch so sein. Es wird einfach ein bisschen zerstört. Das Potenzial nehme ich an, die Größe wage ich zu erkennen. Nur macht der Wein so keinen Spaß. 93-94/100

Lobenberg: Auch dieses Weingut wird von Stephan Derenoncourt önologisch betreut. Das war mal früher ein Geheimtipp, danach verfiel es lange einem Dornröschenschlaf. Sehr schöne, dichte, reiche, süße, schwarze Kirsche mit viel Unterholz. Durchaus spannend. Kalter Rauch. Eleganz, Druck und Schwarzbeerigkeit zugleich, aber nicht fett. Druckvoller Mund, aber auch fein. Auch hier wieder sehr auf schwarze Kirsche laufend. Bisschen schicke Maulbeere daneben. Insgesamt sehr beerig. Er hat auch ein bisschen Blaubeere. Aber nur einen Hauch. Insgesamt gute Harmonie, sehr dicht, gute Frische, gute Länge. Ein Wein in Harmonie und Druck. Kein Riese, aber sehr stimmiger Berliquet. 94-95/100

Lobenberg: Direkt aus Pauillac kommend, das erste Weingut in der Kurve zu Saint Julien. Im weitesten Sinne zum Lafite-Imperium gehörend. Hohe Intensität im Mund. Aber auch spröde, sehr extrahiert, Bitterstoff von den Kernen. Auf Länge, Wucht und Aufmerksamkeit getrimmt. Nicht mein Stil. 91-92/100

Lobenberg: Das Heimatweingut von Michel Rolland, welches ihm persönlich gehört. Sehr süß, sehr rund, sehr lecker. Schöne rote Kirsche, zerdrückte Himbeere und Erdbeere. Feiner, überaus leckerer Wein. Das Tannin ist nicht spürbar. Ich bin völlig überrascht. Der Wein ist unglaublich köstlich. Was ihm ein wenig fehlt, ist die Struktur. Es wundert mich, dass so ein tanninreiches Jahr, hier vom Tannin so gut versteckt wurde. Diese Vergärung im geschlossenen Barrique bei Bon Pasteur und die Art des Ausbaus muss sein Übriges dazu tun, dass dieser Wein einfach nur lecker ist. Das ist kein Nachteil. Kann er altern? Wir werden sehen. Aber der Charme und Köstlichkeitsfaktor ist allemal gut. Best ever für mich. 94-95+/100

Lobenberg: Die unglaublich typische Branaire Ducru Nase. Dafür lieb ich diesen Wein. Irgendwie noch archetypischer Saint Julien als Lagrange. Im Mund schöne Süße aber auch stylische Finesse. Wunderbare Kirschfrucht, perfektes Holz. Volumen und Frische passen hervorragend zusammen, irgendwie eine etwas kleinere Ausgabe des burgundisch kirschigen Leoville Poyferres, Branaire did it very well, wenn der Preis stimmt ein wunderschöner und köstlicher Wein. 95-96+/100

Lobenberg: Der unter 10 Hektar große Nachbar von Poujeaux, nunmehr seit einigen Jahren, vielleicht sogar seit 2009, der Primus Inter Pares in dieser Appellation. Poujeaux hat zwar unter Stephan Derenoncourt zwischenzeitlich deutlich aufgeholt, aber der Winzling Branas ist wieder vorbei gezogen. 2015 war es ein großer Unterschied. 2016 stellt sich genauso dar. Sehr reife, gleichzeitig aber sehr stylische Nase. Sehr präzise, viel schwarze Frucht aber auch Unterholz. In seiner Würze fast an einen Saint Estèphe erinnernd. So viel Süße und Harmonie ausstrahlend. Schöner, dichter Mund. Warm und reich. Schwarzkirsche, süße Maulbeere, darunter Holunder, Lakritze, schönes Unterholz. Das Holz schön eingewoben, die Tannine geschliffen, trotzdem diesen leichten, Moulis typischen Hauch von Rustikalität zeigend. Aber in einer Art, wie es auch in Saint Estèphe häufig vorkommt. Das ist kein ultra geschliffener Wein, sondern eine würzige Wuchtbrumme mit schöner Feinheit und Frische sowie relativ viel Druck. Kein ganz großer Wein, das geht in Moulis nicht. An Margaux oder das südliche Haut Medoc kommt es nicht heran. Dennoch ist dieser Branas Grand Poujeaux klar der beste Wein der Appellation of all times. Das gefällt mir sehr gut. 94-95/100

Lobenberg: Sehr ausgewogene, eher schwarzfruchtige Nase. Fein, schwebend, sehr delikat und erhaben. Auch der Mund ist sehr stimmig. Butterweiche, polierte, seidige Tannine. Nichts tut weh. Sehr verspielt im Mund. Neben schwarzer Kirsche im Mund auch ein bisschen rote Kirsche, Sauerkirsche, Eukalyptus, helle Lakritze. Das passt sehr gut, ist komplex. Alles versehen mit einer schönen Länge. Nicht die allererste Reihe in Margaux, aber in sich sehr stimmig, lecker. Ein köstlicher Wein mit gewisser Größe und mit enormer Frische. 95-96/100

Lobenberg: Das Weingut hat 55 Hektar, davon 45 Hektar in Produktion. 56% Cabernet Sauvignon, 35% Merlot, 7% Cabernet Franc, 2% Petit Verdot. Der Generaldirektor ist Laurent Dufau und seit ewigen Zeiten ist der Weinmacher Vincent Mellet. Önologischer Berater und Superstar des Medocs, der alle Premier Crus berät, ist Eric Boissenot. Eric Boissenot ist bekannt dafür, dass er Frische im Wein erhält. Er erntet nie zu spät, nie in Überreife. Das ist eigentlich sein Markenzeichen. Das Ganze wird gepaart mit immer sehr niedrigen Erträgen pro Pflanze. Das heißt Dichtbepflanzung. Hier sind wir inzwischen auf 8.000 Pflanzen pro Hektar. Natürlich alles per Hand gelesen. Zusätzlich danach händische und mechanische Sortierung der entrappten Beeren u.a. mit speziellen Rütteltischen und danach nochmal eine Handsortierung. Auf Calon Segur wird immer schon alles zu 100% entrappt, was im nördlichen Teil des Medoc durchaus Sinn macht, denn hier gibt es häufig auch etwas grüne Rappen. Der Jahrgang 2016 hat 14% Alkohol, eine totale Säure von 3,75 und anders als in anderen Jahren, ist hier die Assemblage 60% Cabernet Sauvignon, 18% Cabernet Franc, 20% Merlot und 2% Petit Verdot. Der pH-Wert liegt bei stattlichen 3,6. 20 Tage Vergärung, 100% Barrique, Spontanvergärung. Calon Segur 2016 ist so ganz anders als der 2015er. 2015 gab es hier oben im nördlichen Medoc noch einige Regenprobleme mit denen ein leichter Hauch Unreife einherging. Die Ernte in 2016 begann, entsprechend der Philosophie von Eric Boissenot, relativ früh, nämlich am 01. Oktober, und sie war am 15. Oktober komplett beendet. Dementsprechend haben wir eine wunderbar frische Aromatik in der Nase, aber auch ganz reife Frucht. Ganz anders eben als 2015. Obwohl die Merlot in ihrem Anteil gar nicht so hoch ist, kommt sie doch mit der frischen Zwetschge und der schwarzen Kirsche gut durch. Aber auch feiner Eukalyptus, Minze, dann erst kommt auch ein Hauch Cassis und Brombeere. Aber alles sehr fein bleibend, sehr schwebend. Total balancierte, ausgewogene Nase. Der Mund noch aromatischer als die Nase. Der Wein ist köstlich und das ist schon etwas Besonderes hier auf Calon Segur. So jung getrunken, hat er doch häufig einen recht stürmischen Angang mit massiven Tanninen. 2016 ist das Tannin total geschliffen, butterweich, ganz fein und trotzdem haben wir die Würze Saint Estèphes. Wir haben schwarze Johannisbeere noch vor der Brombeere und total über der schwarzen Kirsche liegend. Mit total viel Grip, feiner Säure, langer mineralischer salziger Spur auf der Zunge. Und einen Calon Segur von einer Finesse, Feinheit und Frühform, wie man das selten trifft. Trotzdem bleibt die Frische erhalten. Definitiv kein Mangel an Säure, aber 2016 einfach auf einem unheimlich hohen Balance Level. In so guter Frühform habe ich Calon Segur noch nie probiert in meinen 25 Jahren. Das ist echt ein schicker Wein. Und trotzdem bleibt er ein typischer Saint Estèphe. Gefällt mir sehr, sehr gut. Eigentlich best ever und 100, aber Cos und Montrose sind einfach so sensationell gut, deshalb die fast gemeine Abwertung zu: 97-99/100

Lobenberg: Cambon La Pelouse, im südlichen Haut Medoc gelegen, besteht zu 55% aus Merlot, 40% Cabernet Sauvignon und 5% Petit Verdot. Cambon la Pelouse liegt nahe der Appellation Margaux, klar südlich sogar, ein Terroir, was gute Wetterkonditionen braucht, was 2016 und 2015 eindeutig der Fall war. Cambon la Pelouse braucht Wärme und dann hatte es schon sensationelle Ergebnisse wie in 2005, 2009, 2010 und nun die Dreierserie 2014, 2015 und vielleicht mit dem Höhepunkt 2016. Wie auch die Appellation Margaux tut sich dieser Teil des Haut Medocs immer sehr schwer mit den feuchtkalten Zwischenjahrgängen. Verblüffend, direkt nach dem 2015er probiert, der so unglaublich viel Charme hatte und fast erotisch rüberkam, kommt jetzt der 2016er in einer großen Präzision, Klarheit und einem tollen Geradeauslauf. Aber auch, wie schon 2015, überhaupt nicht hart oder spröde. Ich bin auch sicher, dass es ein großes Margauxjahr wird (die Nachbarappellation). So schöne Reife in der Frucht, aber gleichzeitig so unheimlich klar. Schwarze Frucht mit darunter liegender Eukalyptus. Minze, Veilchen, auch gelbe Frucht. So fein, so schwebend, lecker. Und trotzdem klarer Medocstil. Sattes, aber total poliertes Tannin, welches deutlich massiver ist als 2015. Grandiose Frische, tolle Salzspur. Viel schwarze Kirsche. Deutlich weniger Blaubeere und Brombeere als in manch anderen Jahren. Sehr viel feiner bleibend. Fast erhaben in seinem Geradeauslauf. Ein extrem schicker Haut Medoc. Immer wieder rollt auch schwarze Kirsche hoch, was ja eher ungewöhnlich ist in diesem Bereich Bordeaux. Auch Sauerkirsche und wieder diese gelbe Frucht, Eukalyptus, Minze, Salz. Köstlich und sehr komplex, fokussiert und klar. Für mich ein Meilenstein hier bei Cambon La Pelouse, wenn man denn komplexe Feinheit als Maßstab sieht. Ich bewerte ihn vorsichtig genauso hoch wie den 2015er, obwohl der 2016er klarer, präziser und meines Erachtens dem 2015er in der neuen Komplexität und Präzision überlegen ist. Fast eine neue Dimension für Cambon La Pelouse. 94+/100

Lobenberg: Dieser Premier Grand Cru Classé ist im gleichen Besitz wie Chateau Rauzan-Segla und auf dem Weg ein rarer Kultwein zu werden. Wirklich schwer zu bekommen. Canon liegt direkt auf der Kalksteinkante. Ist ein Nachbar im Verlauf der Weingüter Ausone und Beausejour Duffau. Also allerbestes Terroir. Und wie schon 2015, ist die Nase auch in 2016 unglaublich fein. Würzige, schwarze Kirsche, nur ein Hauch von Cassis und anderen dunklen Beerenfrüchten. Rote Kirsche und etwas Sauerkirsche darunter. Fast etwas süßlicher Duft wie Lavendel, Vergissmeinnicht und auch Veilchen. Die Nase macht Freude. Der Mund ist dann noch stimmiger, denn er ist hochkomplex. Und er bekommt ein Sammelsurium an roten Früchten dazu. Neben Sauerkirsche, viel roter Kirsche auch Sanddorn, Schlehe, zerdrückte Himbeere, ein ganz leichter Hauch von süßer, zermahlener Kirsche, vielleicht mit einem Hauch Erdbeerwürze darin. Eine tolle Erdbeermarmelade darunter. Aber der Wein ist insgesamt nicht zu süß, nicht zu marmeladig, hat aber unheimlich charmante Fruchtsüße. Er ist köstlich, man mag ihn sofort trinken. Das Tannin ist total poliert und in Massen vorhanden. Sehr feiner, langer Wein. Ich werde ihn kaum bekommen und anbieten können, denn er ist wirklich rar. Aber er gehört definitiv wieder zu den besten Weinen aus Saint Emilion in diesem Jahr. 97-98/100

Lobenberg: Lese vom 26. September bis zum 15. Oktober mit etwas über 40 Hektoliter pro Hektar. Der Wein ist seit 2014 organisch zertifiziert. 55% Merlot, 35% Cabernet Franc, 10% Cabernet Sauvignon. Gut 30 Tage Fermentation, 60% neues Holz. Die Böden bestehen aus Sand auf kalkhaltigem Lehm. Die Umstellung auf biologischen Weinbau hat dazu geführt, dass die Aromatik des Canon la Gaffelière sich in den letzten 5-6 Jahren deutlich verändert hat. Sie ist deutlich feiner geworden. Weniger schwer, viel frischer. Minze dominiert heute. Auch hier Cabernet Franc ganz vorne dabei. Reife, gekochte Himbeere und trotzdem extrem feine, von Beerenfrüchten herrührende Säure. Große Feinheit ausstrahlend, extrem aromatisch. Sehr komplex und breit aufgestellt. Die Brombeere ist nie fett, die Johannisbeere ist süß. Himbeere vermählt sich mit Brombeere. Das passt perfekt und ist trotzdem frisch. Das zeigt fast ein bisschen super reife Rhabarber, reife Orange und Grapefruit. 2015 hatte schon diese Strahlkraft, Dynamik und Spannung. Was macht den Unterschied zu 2015? 2016 ist vielleicht noch etwas tänzelnder, verspielter, etwas schicker in der Säure, bei gleichzeitig massivem, aber ultrareifen, feinen, geschliffenen Tanninen. Der Gesamteindruck der höheren Frische bei gleichzeitig größerer Tiefe ist wahrscheinlich der wesentliche Unterschied. Wir haben zweimal einen großen Wein in beiden Jahrgängen. Aber ich traue 2016 deutlich mehr Potenzial im Hinblick auf die Alterung zu. Ich würde locker für 40 Jahre oder mehr die Hand ins Feuer legen. Das ist 2015 mit einem Plus an Frische und reifer Tannin-Intensität bei ähnlich intensiver Aromatik. Alles sehr präzise. Sehr schön ist auch der tanninreiche Nachhall mit einer feinen Salzspur und einer deutlichen Mineralität. Schwer 2015 qualitativ von 2016 abzugrenzen. Auf ganz lange Sicht wird 2016 aber die Nase vorne haben. Perfekter Wein. 97-98/100

Lobenberg: Schöne reife Schwarzkirsche in der Nase. Eukalyptus, darunter Minze. Schwarze, dunkle Schokolade ohne Bitterstoffe. Fein, sehr ausgewogen. Deutlich schlankerer Mund. Etwas trocken. Gute Komplexität. Aber insgesamt den Naseneindruck nicht ganz wiederholen könnend. Ein netter, kleinerer Margaux, der in anderen Jahren vielleicht mal groß wäre, aber in diesem Jahrgang gibt es einfach zu viel Konkurrenz. Bleibt im unteren Bewertungsbereich hängen. 91-92/100

Lobenberg: Der Castillon von Chateau Faugeres, direkt angrenzend an die Weinberge von Faugeres. Das ist der direkte Übergang von Saint Emilion und Castillon. 2016 für mich seit langer Zeit mal wieder ein guter Cap de Faugeres. Der Wein hat 85% Merlot, 10% Cabernet Franc und 5% Cabernet Sauvignon. Die Cabernet dominiert hier aber klar mit ihrer wunderschönen Johannisbeere. Sehr ausgewogener, stimmiger, schöner, leckerer Castillon mit mittlerer Länge und sehr anständiger Harmonie. Er gehört nicht zu den großen Weinen und vielleicht auch nicht unbedingt zu den Muss-Käufen des Jahrganges. Dafür gibt es einfach zu viele grandiose Weine in diesem Jahr. Aber es ist ein sehr gelungener Cap de Faugeres. 91-92/100

Lobenberg: Chateau Carmenere, im obersten Bereich des Medoc gelegen, ist inzwischen drei Jahre im Besitz einer optischen Nachsortiermaschine, die im oberen Qualitätsbereich schon länger bekannt ist. Lasergesteuerte Aussortiermaschine per Luftschuss. Diese gebrauchte Maschine kommt von Ducru Beaucaillou, die sich neuere Technik gekauft haben. Dies führt, zusätzlich zur händischen Auslese, zu weiteren 10% Ausschuss nicht vollreifer Beeren. Die Perfektion schreitet weiter voran. Extreme Weinbergsarbeit in Verbindung mit einer extremen Handauslese mit nachträglicher optischer Auslese. Das Beerenmaterial ist schon außerordentlich. Der Jahrgang 2016 war deutlich unproblematischer, trotz der Trockenperiode im Sommer und der Feuchtigkeit bis im Juni. Die Gesamterntemenge ist 45 Hektoliter pro Hektar. 45% Cabernet Sauvignon, 35% Merlot, 10% Carmenere. Eine Rebsorte, die in Europa fast ausgestorben ist. Hier in Bordeaux, ein wen in Italien, und noch mehr in Südamerika beheimatet. Trotz der Beratung durch Eric Boissenot, der ein Verfechter der großen Frische ist, hat man hier erst relativ spät gelesen. Am 08. Oktober fing man mit der Lese des Merlot, am 12. Oktober mit Petit Verdot und erst nach dem 15. Oktober mit der Cabernet Sauvignon an. Die Erträge sind auch relativ unterschiedlich, je nach Dichtpflanzung und Pflanzalter. Cabernet und Carmenere sind nur etwas über 30 Hektoliter pro Hektar. Hier wird der Weinberg in bis zu 70 kleine Plots und Fermentationsbehälter aufgeteilt. Das Ganze geschieht im Zement und der Ausbau zu 50%  in neuen Barriques. Die Fermentation geschieht bei kleinen Chargen auch in 400 Liter Tonneau. Die Nase des 2016er erstaunt mich dann aber schon, speziell bei diesem önologischen Berater, der persönlich anwesend war bei unserer Verkostung. Dieser Verfechter der Frische präsentiert hier eine erstaunlich reife Komposition. Die Nase: Dunkle Zwetschge, Pflaume, süße Maulbeere, ganz süße Schwarzkirsche, fast ein bisschen Amarena. Etwas rosiniert das Ganze. Mit etwas Luft stellt sich dann aber doch eine erhabene, frische, schicke Art ein. Was erst nur Rosine und dunkle Pflaume war, wandelt sich Stück für Stück zu schwarzer Kirsche. Ganz erhaben, ganz schick. Nichts Maskulines. Die Würze liegt ganz fein darüber. Der Mund entspricht eher dem südlichen Medoc. Eher Margaux denn der Typizität des Nordens. Es ist nicht Saint Estèphe, es ist nicht diese maskuline Art wie Clos Manou oder Charmail. Wir haben Fülle und trotzdem Frische und vor allem Feinheit. Die Cabernet ist sehr geschliffen, sehr poliert. Das Ganze schwingt fein und endet in einer sehr eleganten, sehr feinen Mineralität. Sattes Tannin, total poliert. Wir sind deutlich stylischer, geschliffener und präziser als 2015. Nicht besser, aber klarer, eindeutiger im Geradeauslauf. Das ist selbstverständlich dem Jahrgang geschuldet. In Summe ist 2015 zu 2016 gleichwertig, aber im Charakter sehr unterschiedlich. Dieses Plus an Charme, an süßer Opulenz von 2015 hat 2016 dann im stylischen, präzisen Geradeauslauf. Und 2016 wird eindeutig länger halten. Ich bewerte beide Jahrgänge, die ich noch einmal verkoste, gleich, und es ist zusammen oder nach Clos Manou und knapp vor Haut Maurac und Charmail das Beste, was der Norden zu bieten hat. Ein Muss Kauf für kleines Geld. 95-97/100

Lobenberg: Chateau Carmes Haut Brion ist der direkte Nachbar von Chateau Haut Brion und seit einigen Jahren total auf der Überholspur. Manchmal ist Carmes Haut Brion nicht weit entfernt von Haut Brion. Hier gab es Besitzer- sowie Önologenwechsel. Dichtpflanzung, enorm viel Aufwand. Und der früher immer etwas spröde Stil eines massiven Carmes Haut Brion hat sich komplett in Richtung Eleganz gewandelt. Ultra feine, typische Pessac-Nase aus dem Stadtgebiet Bordeaux. Das macht große Freude. So fein schwingend. So viel Kirsche, süße Maulbeere, aber auch Holunder, Lorbeere. Wieder, typisch für dieses Jahr, kommt Minze und Eukalyptus hinzu. Blumigkeit, Veilchen. Schicke Nase. Aber was ist das für ein Mund? Ein Mund der mich erinnert an Seguin. Aber alles vielleicht noch eine Ebene oberhalb von Seguin einzuordnen. Obwohl ich das für fast nicht möglich halte. Sagen wir: Einfach der gleiche Level wie dieser Überflieger. Carmes Haut Brion ist so fein. Eine unglaublich komplexe Mineralik und Länge. Hallt für Minuten nach. Kirsche, feine Zwetschge, nichts Brachiales. Das Tannin ist ultra geschliffen. Was ist hier passiert? Der früher massive Carmes Haut Brion ist ein tänzelndes Finessewunder geworden. Ich muss einfach anerkennen, dass er zu den Top-Werten der Appellation überhaupt gehört. Ein begeisternder, komplexer, feiner und trotzdem immenser Wein mit super feinen Tanninmassen. Echt ein schicker Wert. Ein Muss-Kauf, wenn er nicht zu teuer wird. 97-100/100

Lobenberg: Nur 5,5 Hektar groß. Der Untergrund besteht aus Lehm mit tiefem Kies darüber. 65% Merlot, 31% Cabernet Franc, 4% Cabernet Sauvignon. Der hohe Cabernet Anteil ist natürlich dem hohen Kiesanteil geschuldet. Das ist der direkte Nachbar von Vieux Chateau Certan, der häufig eine ähnlich feine Cabernet-Ausrichtung hat. In diesem Jahrgang ist VCC deutlich mehr auf Merlot. Hier sind sie bei der eher klassischen Cabernet Ausrichtung geblieben weil die Cabernet, sobald sie gut mit Wasser versorgt war, also abhängig von den Böden auf der sie stand, 2016 ein überragendes Jahr hat. Certan de May hatte mehr Glück mit der Cabernet dieses Jahr als VCC, und steht trotz deshalb anderen Charakters in Summe VCC 2016 nicht nach, und ist zusammen mit Latour a Pomerol mein persönlicher Liebling im Rahmen der Moueix Weine. Diese Nase ist unglaublich profund, man hätte wie bei VCC an reinen Merlot gedacht. Aber diese Cabernet ist so tief und würzig. Unglaublich viel Cassis, dunkelste schwarze Kirsche, satte schwarze holländische Lakritze. Schon in der Nase salzig. Dann Wacholder, Olivenpaste, ganz viel Druck. Unglaubliche Power und Wucht in der Nase ausstrahlend und trotzdem ultrafein. Nichts ist rau, nichts ist überextrahiert. Das Holz stützt, aber ist nicht zu viel. Das ist eine unglaubliche, eine berauschende Nase. Der Mund ist deutlich feiner und deutlich frischer. Mehr Schwarzkirsche, dann viel zerdrückte Himbeere, nur etwas Cassis, Lakritze, schwarzer Pfeffer. Tolle Würze, fast Schärfe von der salzigen Mineralität. Minze, Eukalyptus. Sehr lang, sehr intensiv aber nichts tut weh. Die Tannine sind butterweich, alles ist poliert, und trotzdem ist der Wein hochintensiv. Er zeigt Raffinesse, ist pikant, schön lang. Das ist ein brillanter Certan de May. Besser als ich ihn hier je probiert habe. Ein toller Pomerol mit Struktur und Länge. 97-100/100

Lobenberg: Chateau Charmail liegt ganz im Norden, der direkte Nachbar von Sociando Mallet, den er seit vielen Jahren überflügelt hat. Phelan Segur zur anderen Seite. Eine überwiegend auf Merlot basierende Cuvée, die in warmen Jahren mit zu dem Besten gehört, was das Haut Medoc zu bieten hat. 2015 gab es auf Grund der Wetterkapriolen in diesem Kleinklima einige Probleme. Ich habe 2015 daher ausgelassen. 2016 allerdings ist er zurück. Die Nase, so wie in den großen Jahren 2009 und 2010, dicht und wuchtig. Dazu blumig, starke Veilchen-Note, auch Holunder, schwarze Kirsche, reife Pflaume, Eukalyptus, Minze und etwas Aprikose darunter. Der Mund hat süße Schwarzkirsche mit reifer Zwetschge. Was kommt dann? Langsam komme ich dahinter. Es ist eine Mischung aus Sanddorn und eingekochter Himbeere, auch aus sanftem Cassis und süßer Maulbeere. Das Ganze mit einer genialen Salzspur unterlegt. Tolle Mineralität. Unglaubliche Tanninmassen, aber superfein, total poliert. Das Ganze mit einer grandiosen Frische ausgestattet. 2016 ist quasi der 2010er Charmail mit einem Plus an total geschliffenem Tannin, Frische und Mineralität. Kurz zuvor habe ich den Cambon La Pelouse probiert. Charmail ist nochmals eine Spur darüber. Charmail ist zwar knapp hinter den Topwerten Haut Maurac, Clos Manou und Belgrave, aber er ist mit dem ebenfalls so schwarzfruchtig kraftvollen du Retout der ärgste Verfolger, und er gehört ebenfalls zu den absoluten Topwerten, Ich werde ganz sicher in 2016 wieder einsteigen, ein Muss in Haut Medoc. Das ist der beste Charmail, den ich je probiert habe. Ich bin wirklich schwer begeistert. 95/100

Lobenberg: Chasse Spleen war lange Jahre mein Liebling aus Moulis/Listrac. Bis Branas Grand Poujeaux und Poujeaux auf Grund von neuer Weinbergsarbeit sowie neuen Beratern so stark vorbeizogen und Chasse Spleen schwächelte. Chasse Spleen ist sehr traditionell, früher immer so schön in der roten Frucht, aber in den letzten Jahren häufig nicht reif. Anders 2016. Die Nase ist deutlich dunkler als früher. Immer noch schön in der Kirsche laufend, aber mehr schwarze Kirsche und auch frische Zwetschge. Sehr feine, harmonische Nase. Kein Überflieger aber sehr stimmig. Etwas spröder Mund, etwas extrahiert. Auch hier: Scheinbar nicht ganz reif. Vielleicht zu früh gelesen. Trocken. Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Es bleibt dabei, Chasse Spleen hat gegen Poujeaux und Branas Grand Poujeaux einfach den Anschluss verloren. Guter Wein, aber nicht mehr. 90-91/100

Lobenberg: Die Besonderheit von Chateau Cheval Blanc ist die Lage, das Terroir. Wie das auch beim Nachbarn Jean Faure genau so zum Ausdruck kommt. Wir haben einen Untergrund komplett aus Lehm. Darüber ein sehr hoher Kies-/Sandanteil. Aber 60% ist Lehm, 40% Kies und Sand. Kies und Sand macht die Feinheit aus. Der Lehm hält das Wasser. Es gab also auf diesen Untergründen mit diesem hohen Lehmanteil keine Probleme in Form von Wasserstress, trotz der Trockenperiode. Im Jahr 2016 gab es aber vier Plots mit jungen Reben, die nicht tief genug verwurzelt waren. Sie wurden komplett im Fass verkauft. Weil sie durch den Trockenstress dann doch größtenteils ausfielen oder schwache Ergebnisse brachten. Resistent gegen diesen Trockenstress der extrem trockenen drei Monate, nach den zuvor extrem großen Regenfällen der Monate April bis Juni, waren nur die tief wurzelnden, uralten Reben. Das Problem in 2016 war, dass Cheval Blanc diese vier Plots mit jungen Reben komplett mit Cabernet Franc bestockt hatte, und dass zeitgleich weitere vier Plots mit zu alten Cabernet Franc komplett von Reben zur Neubepflanzung gerodet wurden. Mit dem Ergebnis, dass Cheval Blanc untypische 60% Merlot, nur 37% Cabernet Franc und 3% Cabernet Sauvignon aufweist. In der Zukunft, in weiteren 10 Jahren, wenn die Cabernet Franc wieder da ist, ist aber die 50/50 Cabernet-Merlot Relation wieder das Ziel. Cheval Blanc hat insgesamt 33 verschiedene Plots. 77% des Weines sind Erstwein. Dichtpflanzung und biologische Bearbeitung, genau wie der Nachbar Jean Faure. Spontanfermentation und Ausbau im neuen Barrique. Der neue Kellermeister und zukünftiger Direktor Pierre Olivier Clouet erklärte uns ausgiebig die Besonderheiten der Veränderungen im Weinberg. Die Nase von Cheval Blanc verblüfft jedes Jahr aufs Neue. Mal ist sie feiner als erwartet, mal voluminöser. Das ist 2016 der Fall. In diesem feinen Jahrgang kommt eine unglaublich voluminöse Duftwolke, eine Reichhaltigkeit aus dem Glas, die wirklich verblüfft. So viel Süße, zerdrückte Himbeere von der Cabernet Franc. Auch zerquetschte süße Kirsche, Schattenmorellen, aber nichts Säuerliches. Alles süß, reif und dicht. Dann noch ein bisschen Schwarzkirsche darunter. Sehr pikant. Süße und Säure zugleich ausstrahlend, aber alles in totaler Eleganz. So erotisch, so einnehmend. Im Mund kommt dann noch etwas rote, süße Johannisbeere dazu. Es bleibt aber bei der sehr reichen, üppigen, dichten, roten Frucht in dieser totalen Süße. Sehr stylischer, sehr lecker, sehr modern. Das ist der Gegenentwurf zu dem extrem naturverbundenen Nachbar Jean Faure, der viel mehr Dampf hat, und der durch die teilweise Rappenvergärung deutlich mehr Würze ausstrahlt, viel mehr Frische und Power ausstrahlt. Cheval Blanc ist die Seidigkeit schlechthin. Ist wie Ausone fast abgehoben in der Feinheit und Delikatesse. Ich weiß nicht welche Richtung ich bevorzuge. Beides hat seinen Sinn. Aber Cheval Blanc ist in jedem Fall sehr modern, ultra schick und in dieser Ausrichtung Saint Emilions sicherlich einer der absoluten Tops. 98-100/100

Lobenberg: Clauzet hat in großen Jahren wirklich große Weine. Ein Terroir so gut wie Phelan Segur, und in guten Jahren kann es auch an diese Klasse heran. 2016 ist das für mich der Fall. Wunderschöne, sehr reife, aber nicht überreife Nase. Zwetschge, viel Kirsche, aber auch süße Maulbeere, darunter Veilchen, tolle Blumigkeit, reichhaltig. Schon in der Nase die Frische anzeigend und den totalen Schliff im Tannin. Dann kommen ein bisschen Mango und Passionsfrucht. Die Reife der Merlot voll zeigend, sehr aromatisch, sehr schick. Ein erstaunlich üppiger Mund dazu. Ein Mund der noch üppiger ist als 2005 und 2010, eher mehr noch als 2015, und der stilistisch den noch etwas gezehrten 2005 um unendliche Längen toppt. Wir sind dicht. Schwarze Kirsche, Maulbeere, tolle Holunderwürze, viel Minze und Lakritze. Salzige Spur auf der Zunge. Tabakkiste. Nicht so viel Holz, kalter Rauch. Das macht Freude. Das ist ein Wein, der im Mund sogar an Lilian Ladouys vorbei marschiert. Der sich schon in die Top Sphären bewegt. Der fast so gut ist wie der übernächste Nachbar, Chateau Charmail in Haut Medoc. Das ist der beste Clauzet, den ich je getrunken habe. Aber wie ich es früher schon einmal sagte: Wenn man genug in den Weinberg investiert, ist hier richtig was angesagt. Ein Top-Wert für einen kleinen Saint Estèphe. Das Schöne bei Clauzet ist, dass er, ganz anders als Charmail, ein sehr typischer Saint Estèphe ist in dieser unglaublich schönen schwarzen, würzigen Frucht. Eine Saint-Estèphe-Charakteristik, wie sie Phelan Segur, Montrose und Cos alle aufzeigen. Saint Estèphe kann so einzigartig, unikathaft sein. Und das hat Clauzet 2016 auf jeden Fall. Würziger, schwarzer Saint Estèphe mit großer Würze und Feinheit. Wenn es preislich stimmt, ein Pflichtkauf. 94+/100

Lobenberg: Clement Pichon ist fast der direkte Nachbar von Cambon La Pelouse im südlichen Haut Medoc, nahe der Appellation Margaux. Seit Jahren einer der Topwerte dieser Sektion des Haut Medoc. Und 2016 steht dem 2015er in keinster Weise nach, im Gegenteil. In seiner unglaublichen Feinheit und Eleganz ist er nochmals eine Spur darüber. Das ist knapp die gleiche Liga wie Cambon La Pelouse. Das ist unglaublich poliert. Rote und schwarze Frucht, Tanninmassen in total geschliffener Form. Ich kann den Wein einfach nur ultraschick nennen. Schöne Länge und Mineralität. 2016 stellt im Haut Medoc etwas dar, was das Haut Medoc nie hatte. Es verliert sämtliche spröde Rustikalität. Es geht komplett in die Eleganz. Clement Pichon ist nur sehr knapp hinter Cambon La Pelouse. Fast ein Muss-Kauf, wenn man diese unglaubliche Eleganz, dieses total polierte Tannin mit schöner Frische möchte. Sehr komplexer Wein. Für kleines Geld ein fantastischer Haut Medoc. 94/100

Lobenberg: Ein weiteres Chateau der Mouton-Rothschild-Gruppe. Clerc Milon ist im Grunde immer der perfekte, kleine Mouton, der perfekte Zweitwein. Und eigentlich immer besser als der wirkliche Zweitwein von Mouton Rothschild, und dabei kostet er in der Regel die Hälfte. Clerc Milon zeigt genau das, was Mouton Rothschild eine Nummer darüber auch zeigt. 55% Cabernet Sauvignon, 27% Merlot, 13% Cabernet Franc, 2% Petit Verdot, 3% Carmenere. Die Nase des Clerc Milon ist wesentlich eleganter als die Nase des Schwesterweingutes d’Armailhac. Hier sehr feine, dunkle Lakritze mit schwarzer Kirsche, etwas schwarzer Johannisbeere, weiche Maulbeere, sehr elegant, sehr geschliffen schick. Darunter etwas gelbe Frucht. Mango, Aprikose. Allein das Riechen ist ein Traum. So etwas Feines. Fast Pomerol-artig in seinem Schick. Der Mund ist irgendwie genial, denn er hat die Würzigkeit eines Pauillacs, Lakritze und Johannisbrotbaum, Maulbeere und Cassis, aber auch tolle Säure. Sauerkirsche, rote Johannisbeere. Unglaublich komplex und breit aufgestellt. Wenn das der kleine Bruder von Mouton ist, dann muss der eigentliche Mouton der Wahnsinn sein, denn dieser Clerc Milon ist in seiner Komplexität, seiner raffinierten Art, in seiner totalen Dichte, mit polierten Tanninmassen, und mit seiner tollen Frische einfach grandios. Schöne Salzspur auf der Zunge. Wenn d’Armailhac „best ever“ war, dann ist Clerc Milon definitiv eine Liga darüber. Das ist fast ein ganz großer Wein. Dieser Clerc Milon gefällt mir unglaublich gut. Ein Pflichtkauf. Hat überhaupt nichts Rustikales. Hat in seiner Maskulinität nichts Negatives, wie es manchmal im Pauillac vorkommt, sondern einfach die totale Expression eines großen Jahrgangs für Pauillac. 96-97+/100

Lobenberg: Climens aus Barsac ist in meiner Erfahrungswelt in den letzten Jahren, zusammen mit Yquem aus Sauternes immer der klarste Süßwein aus Bordeaux. Für mich der beste Wein aus Barsac und häufig vor Yquem, oft der spannendste, weil finessenreichste Wein überhaupt. Die Nase ist so typisch Climens. Dieses komplett auf Kalkstein gewachsene Gewächs zeigt eine unheimlich schöne Aromatik. Nie fett, nie üppig, nie wie viele Sauternes so überreif. Alles da: Mango, Papaya, Litschi, reife Netzmelone, viel Reneklode, dazu schon in der Nase eine unheimlich schöne Mineralik. Superbe Frische im Mund. Der Wein zeigt unheimlich viel Druck. Ich hab nicht geahnt, dass 2016 im Süßwein so imposant ist und so eine große Rasse zeigt. Exotische Frucht, dann kommt Passionsfrucht, Reneklode, Ananas, Papaya, die Mango geht etwas zurück. Reife, überreife Birne. Dazu diese wunderschöne Säure. Nicht spitz, aber das Ganze tragend. Das ist eine Qualität einer Spitzen-Beerenauslese in Deutschland. Es ist nicht zu üppig oder fett. Es macht Freude und ist richtig schön trinkbar mit dieser wunderbaren Frische und dieser Fülle an exotischer Frucht. Ungeheuer komplex. Das ist ein traumhafter Süßwein. Wenn er preislich passt, ist das fast ein Muss-Kauf. Lange nicht einen so guten Süßwein aus Bordeaux getrunken. 98-100/100

Lobenberg: In 2016 aus 90% Merlot und 10% Cabernet Sauvignon. Die Besonderheit dieses Weingutes sind eben die besagten 10% Cabernet Sauvignon. Clinet ist der Nachbar von Eglise Clinet. Bestes Terroir. Lehm, aber darauf auch Kies und Sand. Deshalb Cabernet Sauvignon. Sicherlich eine der tiefsten und würzigsten Nasen Pomerols in diesem Jahr. Fast noch wuchtiger und dichter als Evangile. Aber unglaublich fein. So eine hochkonzentrierte schwarze Kirsche. Daneben diese feine, ganz reife, süße rote Johannisbeere, feine süße Maulbeere darunter mit Schlehe. Dichte, schwarze Lakritze. Eine Wuchtbrumme, ein kleines Monster im Duft, und trotzdem nichts Hartes oder Sprödes. Vor allem nichts Süßes oder Marmeladiges, sondern ganz fein, nur extrem pikant von der Cabernet. Im Mund kommt dann die rassige, rasante, große Frische. Die Cabernet spielt sofort ihre Stärke aus mit toller Säure in roter und schwarzer Johannisbeere. Unglaublich viel schwarze Lakritze hier. Druck zeigend. Dann erst kommt schwarze Kirsche, würziges Unterholz, Holunder. Unglaublich viel Gripp in diesem Jahrgang. Ein Gripp, wie manche Weine auf der Medoc Seite haben. Erinnert mich irgendwo an Leoville Las Cases. Auch Figeac in Saint Emilion, nur mehr Druck hier. Sicherlich der Pomerol mit der meisten tiefen Würze und mit Trotanoy der größten Kraft. Mit der größten Wucht und Power. Obwohl er überhaupt nicht überextrahiert ist, sondern fein und erhaben. Sogar ein bisschen schick. Ein überraschend druckvoller Pomerol. Genialer Wein, sehr eigenwillig, sehr stilsicher, sehr sexy, sehr pikant, sehr Chateau Clinet. Best ever? 100/100 

Lobenberg: Späte Ernte vom 10. Oktober bis zum 17. Oktober. 49 Hektoliter pro Hektar, 90% Merlot, 10% Cabernet Franc und 45% neues Holz. Das Weingut hat sandige Böden, ein bisschen Lehm und Kies aber einen geringeren Kalkanteil als bei Aiguilhe oder Canon la Gaffelière. Das heißt, Clos de l’Oratoire ist darauf angewiesen gute Jahre zu haben. Ich finde es in schwachen Jahren auch wirklich immer schwach, während es in guten Jahren enorm köstlich sein kann. 2016 wird die Nase dominiert von der Cabernet Franc. Wir haben wunderschön eingekochte, reife Himbeere. Auch ein Hauch Erdbeere, etwas Orange und Aprikose. Das Ganze unterlegt von einer Milchschokolade, etwas Brombeere. Der Mund mit sehr schöner Frische ausgestattet. Fast etwas spitz in der Säure. Etwas Grapefruit aber auch grüne Orange, Johannisbeere. Leicht grüne Tendenzen. Vielleicht gab es einen kleinen Stilstand in der Trockenphase im Juli/August. Jedenfalls scheint er mir im Mund nicht ganz ausgereift zu sein. Insgesamt etwas spröde. Ein ganz spannender Wein in der Ausrichtung. Frische geht vor Überreife. Aber in Sachen Köstlichkeit, hat es mir zu viele spröde, grüne Tendenzen. Toller Wein, aber insgesamt keiner meiner Favoriten in Saint Emilion. 92-93/100

Lobenberg: 70% Merlot, 30% Cabernet Franc. Nur 1,5 Hektar direkt neben der Kirche gelegen und umgeben von den Weinbergen von Chateau L’Eglise Clinet. Hier hat man sicherlich das Top-Terroir und mit das Beste in Pomerol. Kies auf Lehm mit einem Eisenuntergrund. Der Weinberg ist über 60 Jahre alt. Der Wein hat gut 14% Alkohol. Das Besondere hier ist die enorme Wasserspeicherkapazität der Böden bei trotzdem guter Drainage. Das heißt, es gibt keinen Trockenstress in den heißen Monaten Juli und August. Selbst in 2016 haben die Reben in diesen heißen Monaten zwar zugemacht und so die Säure erhalten, aber es gab keine wirklichen Probleme. Wir haben kurz zuvor den L´Ambroisie probiert, welcher aus 80-100 Jahre alten Reben aus Lalande Pomerol stammt. Mit 100% Merlot. Und trotzdem ist dieser Clos de la Vieille Eglise doch eine etwas andere Liga, weil er einfach ein Plus an Feinheit und Frische bringt. Und dies sogar im direkten Vergleich zu dem 2015er, den wir parallel probieren dürfen. 2015 ist ein fast 100-Punkte-Wein, aber 2016 ist so superklar gezeichnet. Er ist dabei so fein und geradeaus. So präzise. Dieser Duft ist so charmant. So viele schwarze und rote Früchte und trotzdem ist jede Frucht für sich wahrnehmbar, präzise. Das Ganze schiebt nur geradeaus ohne jemals zu wuchtig, marmeladig oder zu süß zu wirken, sondern nur voller Charme. Im Mund kommt dann eine wahnsinnig schöne Frische dazu. Das Ganze ist ungeheuer delikat und klar geradeauslaufend. Die Kanten sind sauber gezeichnet. Das Ganze hallt für Minuten nach. Immer wieder rollt eine feine, salzige, mineralische Spur die Zunge hoch. Die Kirsche kommt wieder, aber auch viele Waldbeeren. Dennoch gibt es hier eine Dominanz in schwarzer Kirsche und sehr feiner schwarzer Brombeere. Wir sind hier auf dem gleichen Level und durchaus mit einer gewissen Ähnlichkeit wie La Mondotte von Graf Neipperg in Saint Emilion, der in 2016 auch den besten Wein in seiner Karriere geschaffen hat. Das ist hier ebenfalls zutreffend. Das ist eine Schönheit par Excellence. Eine Delikatesse wie es besser nicht sein kann. Es wird sicherlich noch einige Weine mehr in diesem Jahrgang geben, die zum anbeten sind. Dieser Wein ist einfach zu schön, charmant und zu trinkig. Man wird ihn nicht nur anbeten. Man wird ihn saufen. So gnadenlos gut ist er. 100/100

Lobenberg: Top gelegenes Chateau, seit Jahren im Aufwind, aber immer sehr intensiv und extrahiert. Auf Power getrimmt. Im Mund dicht, kraftvoll, viel Holz, aber durchaus eine gewisse Feinheit. Sehr trocken vom Holz. Ein auf Power getrimmter, feiner Wein. Nicht schlecht, aber dieses Jahr hat es zu viel gute Konkurrenz. 93-94/100

Lobenberg: Das ist das zweite, absolute angesagte Weingut der Familie Trocard in Saint Emilion. Der Wein steht auf dem Kalksteinplateau oberhalb von Fombrauge, direkt oben auf der Kuppe. Benoit Trocard wohnt dort persönlich, es gibt täglichen Kontakt zu den Reben. Nur 7 Hektar. 100% Kalkstein. Alte Reben, er kaufte das Ganze Hektar für Hektar alte Reben. 85% Merlot und 15% Cabernet Franc. Der Ansatz ist allerdings ein total anderer wie bei Clos de la Vieille Eglise in Pomerol. Hier verwendet Benoit doch einen großen Anteil neuen Holzes (70%). Die Weine haben aber auch dementsprechend viel Power und Säure hier oben. 2015 war ich etwas misstrauisch, weil das Holz doch ziemlich deutlich war. 2016 mit dieser noch strammeren Säure, dieser größeren Frische, saugt es das Holz förmlich weg. Die Nase hat gar keine Prägung davon, sondern kommt mit einer wunderschönen, dichten, reifen, Johannisbeer-Himbeer-Mischung daher. Darunter Zwetschge, feine Sauerkirsche, auch ein bisschen gelbe Frucht. Ätherisch, duftig, fein, schwebend, fast erhaben. Im Mund satter Druck. Schwarze und rote Frucht. Viel Zwetschge, aber auch wieder diese Johannisbeere/Kirsch/Himbeere-Mischung. Sehr wuchtig aber völlig unsüß, komplett durchgegoren, kein einziger Hauch Marmelade. Das ist ein ultrafeiner, schicker, delikater Wein, der aber doch gleichzeitig unheimlich viel Power hat. Das ist ein kleines Monster. Ein Blockbuster und trotzdem ultrafein. Ich würde ihm locker 10 Jahre geben bis ich ihn öffnen würde. Vielleicht sogar länger. Ein Wein für viele, viele Jahrzehnte des Reifens. Alle 2016er können meines Erachtens unheimlich altern. Auch der Clos de la Vieille Eglise aus gleichem Haus kann locker viele Jahrzehnte weggelegt werden. Dieser Clos Dubreuil muss es sogar, denn für die nächsten 10 Jahre hätte er mir einfach zu viel Dampf, obwohl er auch so fein ist, dass man ihn dereinst problemlos trinken wird, und eine ganze Flasche auch alleine leer bekommt. Ein super delikater Power Saint Emilion. Das ist mindestens so gut wie 2015. Über die Lebendige Frische und Präzision vielleicht noch einen Hauch besser, denn 2015 war vielleicht dezent voluminöser. 98+/100

Lobenberg: Dieser Wein des 2016 verstorbenen Denis Dubourdieu ist eigentlich immer der perfekte Einstiegs-Sauvignon Blanc in Pessac Léognan. Zusammen mit Fieuzal und Smith Haut Lafitte hat man die ganze Aromatik- sowie Preisrange ausgeschöpft. Den besten Einstieg, das beste gehobene Mittelfeld, mit hoher Aromatik, und den besten Sauvignon Blanc. Es geht meines Erachtens nach nur um diese drei Weine, deswegen laufe ich auch nur hinter diesen dreien her, obwohl ich die anderen immer probiere. Clos Floridene ist wie ein Sauvignon Blanc aus dem Bilderbuch, weil er eben auch diese Wärme hat, die Steinobst Qualität die bspw. ein Fieuzal auch hat. Er hat weißen Pfirsich, Aprikose, hinzu kommen Steinigkeit und leicht grünliche Elemente. Er hat Avocado, Litschi, ein bisschen Kiwi ,aber auch grüne Birne. Das macht richtig Freude. Es tänzelt umher. Die leichte Holzuntermalung hält den Wein in der Balance. Das ist kein riesiger Wein, das ist kein Weltklasse-Sauvignon Blanc, aber das repräsentiert für mich das archetypische, weiße Bordeaux. Ich bin hochzufrieden mit dem 2016er, gerade weil er hochfrisch ist. Mir gefällt er noch besser als der 2015er. Toller Wert. 94+/100

Lobenberg: Clos Fourtet liegt mit 20 Hektar auf dem Plateau von Saint Emilion. Gegenüber der Kirche. Lehm und Kalkstein-Terroir. 85% Merlot, 10% Cabernet Sauvignon, 5% Cabernet Franc. Clos Fourtet ist nun seit so vielen Jahren einer der Superstars in Saint Emilion. Zwischendurch einige Jahre mal sehr fett, aber inzwischen wieder komplett zurück in der Eleganz. Ultra feine Schwarzkirsche, fast schick und abgehoben. Schwebend, ganz fein. Ein Mund mit toller mineralischer Schärfe. Viel Salz, Feinheit, gute Länge und Frische zeigend. Viel Sauerkirsche zeigend. Insgesamt gut gelungen und sehr individuell und stylisch, aber er kann an die Superstars Beausejour Duffau oder Troplong Mondot nicht heran. Sehr guter Wein, aber kein Riese. 96-97/100

Lobenberg: Dieses Weingut gehört der gleichen Besitzerin wie Chateau Barde Haut in Saint Emilion. Der direkte Nachbar von Eglise Clinet. Leicht überreife Nase, sehr Merlotbetont. Im Mund wird die Wucht der Nase aber sehr schön durch große Präzision, Klarheit und tollem Geradeauslauf eingefangen. Keinerlei harte Tannine, überhaupt nicht überextrahiert. Vielleicht ein bisschen viel junges Holz in diesem Stadium, aber insgesamt eine ganz hervorragende Balance. Er reiht sich an dritter Stelle der direkten Nachbarschaft nach Eglise Clinet und Clos de la Vieille Eglise ein. Er passt hervorragend zu seinen Nachbarn. Das ist die gleiche Stilistik und ein ähnlich feiner Wein. Wäre er günstiger, wäre das fast ein Pflichtkkauf. Auf jeden Fall ein begeisternder Wein. 96-97/100

Lobenberg: Ein Weingut des Imperiums von Monsieur Perse. Kalkstein mit ein bisschen Lehmauflage. Also bestes Terroir. 8,5 Hektar. 80% Merlot, 10% Cabernet Franc, 10% Cabernet Sauvignon, 40 Jahre alte Reben, 30 Hektoliter Ertrag, knapp unter 15% Alkohol, pH-Wert 3,5. Diesen Wein habe ich bisher noch nicht gekauft, da er in den früheren Jahren immer dramatisch extrahiert, und dann im Holz zu Tode geritten wurde. Der 2016er ist zumindest von der Nase her sehr interessant. Wenn auch für das Gebiet Castillon mit seinem extrem feinen Terroir unglaublich wuchtig. Schwarze Kirsche, Brombeere, süße rote Kirsche , aber auch Eukalyptus und Holunder. Durchaus nicht unspannend mit seiner ganzen süßen Frucht. Im Mund ein ganz klein bisschen konfitürig. Süße rote Kirsche, aber auch sattes Tannin. Etwas trocken, viel Holz, aber die Balance stimmt trotzdem. Das Jahr 2016 passt in Castillon einfach hervorragend und Monsieur Perse scheint etwas vorsichtiger geworden zu sein, was die Extraktion und den Holzeinsatz angeht. Insgesamt eine gute Harmonie mit einer schönen Länge zeigend. Der Wein braucht Zeit, aber nach 5-10 Jahren wird das durchaus ein sehr guter Castillon werden. Auch wenn er nicht in die Fußstapfen von Clos Louie oder Domaine de l'A passt. Es ist nichtsdestotrotz ein sehr akzeptabler Wert mit viel Volumen und Kraft. In 10 Jahren sicherlich ein köstlicher Spaßmacher mit einem durchaus gehobenen Anspruch. 93-94/100

Lobenberg: Ein Weingut mit nur 0,85 Hektar am Rande der Appellation, hin zu Saint Emilion gelegen. Direkter Nachbar ist Eric Jeanneteau von Tertre de la Mouleyre aus Saint Emilion. Clos Louie hat bis zu 150 Jahre alte wurzelechte Reben. Prephyloxera. Merlot, Malbec, Carmenere und Cabernet Franc. Über einer Eisenauflage auf reinem Kalkstein gelegen, biologische Bearbeitung, Grass und Kräuter Bewuchs. Die Lehmauflage über dem reinen Kalkstein ist etwa 30cm dick. Der Ertrag ist auf Grund des hohen Alters der Reben extrem gering, ganz natürlich unter 25 Hektoliter pro Hektar. Alles wird in Handarbeit entrappt und auf einem Tisch händisch sortiert und entrappt. Ein Aufwand, welchen sich ein großes Weingut gar nicht leisten könnte. Die Lese entspricht allen biologisch arbeitenden Winzern, und dank des geringen Kupfereinsatzes und der frühen Reife erfolgt die Lese wie bei Clos Puy Arnaud in der Regel schon im September. Der alte Weinberg ist mit 6.500 Stöcken pro Hektar bepflanzt und es gibt weniger als 4.000 Flaschen dieses Weins. Das Weingut ist auch biozertifiziert. Der Weinberg steht in der Gemeinde Saint-Philippe-d´Huile. Die Bio-Zertifikation gilt seit 2012. Der Önologe ist Claude Gros. Besitzer sind Pascal und Sophie Lucien-Douteau. Die Rebsortenzusammensetzung ist auf Grund des gemischten Satzes der 150 Jahre alten Reben nicht genau festzulegen. Die Weine werden im Zement aber auch im offenen 30 Hektoliter Inox Stahltank vergoren, danach zusammen im 500 Liter Stockinger Tonneau ausgebaut. Sie bleiben 1 ½ Jahre ohne Bâtonnage in diesen Fässern. Unberührt bis zur Abfüllung. Der Holzeinsatz ist zu 50% in neuen und 50% in gebrauchten Tonneaus sowie zum Teil in 300 Liter Fässern. Die Lese war im Jahre 2016 vom 08. bis zum 15. Oktober. Der Lesezeitpunkt liegt also etwas später als bei Clos Puy Arnaud, vielleicht auch, weil wir hier etwas mehr in einer Talsenke liegen. Was wir schon beim Zweitwein realisieren konnten, ist diese ungeheure Dichte, dieses butterweiche Tannin. Das ist Samt, aber auf keinen Fall üppig, fett, marmeladig, kaum vom Holz geküsst. Und wenn wir bei „Louison und Leopoldine“ noch in einem Bereich von gekochter Himbeere mit Kirsche waren, bekommen wir hier deutlich mehr Schwarzkirsche und Aromen von Maulbeere dazu. Aber das Ganze bleibt sehr delikat, fein und schwebend, dabei aber ungeheuer dicht. Schöner Schoko-Touch. Wie sagt man dass, wenn ein Wein üppig und reich rüber kommt, aber nicht den Hauch ordinär und vulgär ist, sondern so einen feines, schwebendes Teil? Wann hab ich das probiert? Ja vor einer Woche hab ich den Ridge Monte Bello 2016 probiert. Das war ähnlich. Leicht kalter Rauch darüber. Ungeheuerlich in der Feinheit. Der schwarzbeerige, aber super feine Mund zieht sich bis ins Unendliche. Das ist sowas von das Gegenteil eines Blockbusters. Das ist nur fein, delikat, lang und köstlich. Man mag reinspringen. Und er ist weniger vordergründig als der „Louison und Leopoldine“. Der Clos Louie selbst ist schwebend, abgehoben, erhaben über viele andere Weine. Und wenn Clos Puy Arnaud, der Nachbar noch ein schwebend, tänzelnder Loire Wein war, so sind wir hier eine Liga darüber. Wir sind bei einem ganz großen Jahrgang eines Loire Weines oder auch eines hervorragenden Kaliforniers. Der Vergleich mit Ride Monte Bello war nicht so falsch, weil hier auch die Merlot eine deutliche Rolle spielt. Die Schwarzkirsche ist aber unendlich fein. Die Säure ist da, aber die Pikanz ist nie aufdringlich. Alles bleibt zierlich und doch so intensiv. Das ist Perfektion und Trinkbarkeit vom ersten Schluck an. Großes Kino für Leute, die feine Weine wollen und gleichzeitig nicht auf Intensität, Dichte und Tannin-Massen verzichten wollen. Das ist eine ziemliche Quadratur des Kreises. Das als einen der ersten 10 Weine des Jahrgangs zu probieren, macht es für alles was danach kommt ziemlich schwer. Ich finde ihn sensationell. Das ist die Art von Wein, die ich gerne trinke. 100/100 

Lobenberg: Dieses kleine Weingut liegt im äußersten Norden des gesamten Medoc Gebiets, weit nördlich von Saint Estèphe. Der Nachbar ist Chateau Haut Maurac. Dieser nördliche Teil war 2015 sehr gut. 2016 stellt nun aber das gesamte Saint Estèphe und das nördliche Haut Medoc den vielleicht besten Teil des gesamten Medocs dar. Womöglich das Spitzengebiet des linken Ufers mit Margaux und Pessac. Clos Manou wird vom Besitzer Stéphane Dief persönlich bearbeitet. Zwar in einer nicht zertifizierten, aber extrem biologischen Weinbergsbearbeitung mit winzigen Erträgen, Dichtpflanzung (über 10.000 Stöcke pro Hektar). Ertrag pro Pflanze unter 500 Gramm, winzige Träubchen, sehr tief und nahe am Stamm. Wenn man die Arbeit im Keller sieht, die Stephan durchführt, wird einem schwindelig ob dieses wahnsinnigen Einsatzes. Er hat spezielle Rütteltische zur Entrappung, inzwischen sogar optische Nachsortierung der Trauben. Die Gärung erfolgt im Beton und Holz, Ausbau zum Teil auch in Betonamphoren. Hier wird nichts unversucht gelassen. Stephan ist ein echter Fanatiker der Qualität. Und wäre es nicht Haut Medoc sondern Pauillac, wären seine Weine, zusammen mit Pontet Canet, immer im 100-Euro-Bereich. Das ist seit vielen, vielen Jahren großes Kino und wird auf Grund der Randlage und zahlreicher "nur Etikettentrinker" total unterbewertet. Die Nase des 2016er ist eine Spur reifer als die des 2015ers, den ich kurz zuvor probiert habe. Unglaublich erhaben, sehr dicht, tolle Würze. Schwarze Kirsche, Sanddorn, reife zermahlene Himbeere, viel Zwetschge, Cassis und Brombeere, aber fein, erhaben. Nichts Wuchtiges, sondern mit einer seidigen und trotzdem extrem dichten Frucht rüberkommend. Eine Wolke. Schon die Nase ist berauschend in ihrer Dichte. Der Mund ist super präzise, ein großer Geradeauslauf, aber mit hoher Mineralität und Frische. Viel Zug und enorme Spannung. Die Augen werden schmal, der Mund zieht sich zusammen, so eine Intensität. Sanddorn, Schlehe, Veilchen, schöne Blumigkeit, aber auch totale Konzentration ohne dabei überextrahiert zu sein. Sauerkirsche, Cassis, Brombeere, auch schwarze Kirsche, aber immer extreme Frische ausstrahlend. Große Länge, Salz, alles läuft über die Zunge. Wacholder, Oliven, auch Lorbeere, Johannisbrot, Holunder. Dann kommt ein deutlicher Hauch Minze auf der Zunge nebst Eukalyptus. Das Ding hat unglaubliche Spannung, nimmt den ganzen Mund ein, verhallt erst nach Minuten. Das ist in diesem feinen Jahrgang, bei total poliertem Tannin, dennoch ein maskuliner Wein. Ein Wein, wie ein super konzentrierter, feiner Pauillac. Für einen Haut Medoc ist das fast eine eigene Dimension. Selbst der Nachbar, der „best ever“ Haut Maurac, sogar der perfekte Chateau Carmenere, kann dieser Spannung, dem Druck und der unvergleichbaren Konzentration nicht ganz folgen. In der Stilistik ist das ein Pauillac mit konzentriertem Saint Estèphe. In der Feinheit & Finesse ist das aber auch sehr an Calon Segur erinnernd. Vielleicht ist es am Ende der beste Vergleich. Ich kann nur jedem raten, sich für kleines Geld, einen so großen Wein, der Jahrzehnte halten wird, in den Keller zu legen. Viel mehr Wein für dieses relativ überschaubare Geld kann man nicht bekommen. 97-98/100 

Lobenberg: Thierry Valette ist ein Biodynamiker. Er arbeitet aber Jahr für Jahr mit weniger als des erlaubten Kupfereinsatzes. Seine Trauben reifen aufgrund der Biodynamie und besonders wegen der Verringerung von Kupfer grundsätzlich sehr viel früher. Entsprechend findet die Ernte ebenfalls früher statt. Seine Weine werden spontan im Zement vergoren, der Ausbau erfolgt zu 20% in toskanischen Tonamphoren und zu 80% im Barrique. Ein Teil davon aber auch in 500 Litern Tonneaus um den Holzeinfluss weiter zu begrenzen. Thierry liebt dennoch den oxidativen Ausbau, deshalb gibt es auch diese Tonamphoren. Wobei er nach ersten Experimenten den Anteil an Amphorenwein deutlich verringert hat. Er sieht sich noch in einer Experimentierphase, weil er glaubt, dass Merlot und Cabernet Franc in der Amphore zu oxidativ werden. Deshalb beschränkt er das auf den Zweitwein und auf die Cabernet Sauvignon. Dafür hat er einen höheren Anteil im sogenannten Halbstück ausgebaut. Rebsortenanteile sind 70% Merlot und 30% Cabernet Franc. Der Cabernet Franc Anteil wird von Jahr zu Jahr größer, Thierry hat immer mehr Weinberge mittels Selection Massale umgestellt. Er hat alte Merlot und Cabernet Franc Reben über diesen Weg neu gepflanzt. Die Zielrichtung ist eindeutig hin zu einem eher Loire geprägten Cabernet-Franc-Stil. Clos Puy Arnaud liegt auf einem Plateau, das aus reinem Kalkstein mit etwas Lehmauflage besteht. Hier gibt es kaum Wasserstress. Weder in 2015, noch in 2016. Für diese Lage waren diese beiden Jahre nahezu perfekt. Es gab im Sommer wie überall ein bisschen Trockenstress, aber nicht so viel wegen des Terroirs und um den 10. September fielen dann 15 Millimeter Regen, gerade genügend um alles wieder in Gang zu bekommen. Thierry hat zwischen dem 21. September und dem 28. September geerntet. Er war damit natürlich der Einzige. Nur Biodynamiker mit diesem Terroir haben diese extrem schnelle Reife. Thierry war damit über 2 Wochen vor den Nachbarn aus Castillon oder auch Saint Emilion. Die Nase verblüfft mit einem unglaublich dichten Angang nach intensiver Beerenfrucht, roter Grütze und Fruchtkaltschale. Das ganze Potpourri von kleinen roten und schwarzen Beeren in sehr hoher Intensität. Etwas Sauerkirsche, darunter aber viel Johannisbeere, Brombeere und überhaupt Waldbeeren aller Couleur. Fein, schwebend, unglaublich aromatisch. Im Mund noch verblüffender. Weil der Wein so tänzelt, so schwebt. Wieder diese Beerenkomposition, die gar nicht einzeln festlegbar ist, dafür ist sie zu komplex. Vielleicht jetzt etwas mehr Kirsche, etwas mehr Himbeere von der Cabernet Franc, die sich nach vorne schiebt. Die Cabernet Franc dominiert trotz des geringeren Anteils den Blend eindeutig. Wir kommen hier schon ein ganzes Stück Richtung Loire. Das macht ungeheure Freude. Der Wein hat ein sehr gutes Tanningerüst, was aber total reif ist. Darüber eine Säure, die nicht spitz ist, sondern mild, die das Ganze aber schwebend trägt. Dieser 2016 ist in seinem ungeheuren Charme schon fast trinkfertig. Er erscheint trotz des satten Tannins weniger druckvoll, weniger wuchtig als manch frühere Jahre. Er bewegt sich ins Burgund und an die Loire. Er geht in die Richtung, die Thierry anstrebt. Ein tänzelnder, charmanter, sehr finessenbetonter Wein. Das ist im Grunde weg von Bordeaux, weg von dichtem Castillon, obwohl er von der Struktur, Säure und Tannin alles mitbringt. Blind hätte ich ihn an die Loire gesteckt. Er ist sicher einer der Vorreiter, wenn diese - von vielen angestrebte – Richtung nicht nur beschritten sondern auch erreicht wird. Für mich der feinste, finessenreichste, schwebendste, eleganteste Clos Puy Arnaud, den ich je probiert habe. Wenn auch ohne die Wucht früherer Jahre. Die Assoziation an Thierry Germain und Clos Rougeard von der Loire ist sicherlich nicht zufällig. 95-96+/100

Lobenberg: Dieses nur 1,2 Hektar große Weingut im Herzen von Saint Emilion befindet sich am Eingangskreisel und gehört Cathérine Papon-Nouvel. Die Reben sind fast 85 Jahre alt, es werden weniger als 6.000 Flaschen produziert. Der Wein ist biologisch zertifiziert. Der Clos St Julien besteht aus 50% Merlot und 50% Cabernet Franc. Die 1,2 Hektar befinden sich zu 100% auf Kalkstein, reiner leicht poröser Fels und darunter liegen die Höhlen, die in die Stadt führen. Reiner Fels mit einer leichten Sand-, Lehm- und Kiesauflage. Dieses Terroir ist so extrem, dass es in dieser Extremität nur noch auf Clos Fourtet und Clos Saint Martin gibt. Hier wird komplett entrappt und bis zu 22 Monate im zum Teil gebrauchten, aber überwiegend neuem Holz ausgebaut. Spontan vergoren im kleinen Holz. Erstmalig in 2016 wird hier die auf Ausone kreierte Methode der Beerensortierung im Wasserbad praktiziert. Das heißt, es wird komplett entrappt. Oft sogar händisch um komplett alles sauber zu haben. Dann fallen diese Beeren nach einer optischen, händischen Sortierung über ein Band in ein mit Zuckerwasser gefülltes Bad. Die Wasser-/Zuckerkonzentration entspricht dabei genau dem Saft reifer Beeren. Mit dem Ergebnis, dass nur die reifen Beeren, die man optisch von den etwas Unreiferen nicht unterscheiden kann, in diesem Wasserbad heruntersacken. Die mit etwas weniger Zuckerkonzentration ausgestatteten Beeren schwimmen in dem Wasserbad folgerichtig dann oben und werden abgeschöpft. Zum Teil wird es im Zweitwein verwendet, auf jeden Fall kommt es nicht mit in die Fermentation des Erstweines. Das Beste wird dann kurz gereinigt und dann fermentiert. Es gibt zwar einen weiteren Ausschuss von ca. 20%, dass Ergebnis ist aber 100% reif. Nur perfektes Material kommt in die spontane Fermentation. Clos Saint Julien ist im Charakter schon deutlich anders als der zur gleichen Besitzerin gehörende Petit Gravet Ainé, welcher normalerweise noch deutlicher Cabernet Franc dominiert ist, dieses Jahr aber fast komplett auf der Merlot läuft. Clos Saint Julien hat deutlich mehr Cabernet Franc in der Nase. So schöne Reife, butterweiche Himbeere, hohe Aromatik. Etwas schwächer darunter hervor kommt die reife Pflaume, frische Zwetschge, Sauerkirsche, Schwarzkirsche sowie etwas Brombeere und Cassis. Sehr aromatisch und trotzdem fein schwebend, erhaben. Leicht bleibend, schwingend. Sehr mineralischer, frischer, fast rotfruchtiger Mund. Die Cabernet Franc ist ganz vorne. Reife, fast körnige Himbeere. Sattes, butterweiches, geschliffenes Tannin aber sehr präsent. Sehr viel Struktur zeigend. Die Säure ist überaus präsent, die Augen ziehen sich zusammen. Der ganze Mund wird von dieser Intensität zusammengezogen. Die Cabernet Franc dominiert die Geschmacksexplosion. Die Merlot ist klar im Hintergrund. Hätte ich blind probiert, hätte ich wahrscheinlich anders herum interpretiert und hätte den Petit Gravet Ainé für Clos Saint Julien gehalten und umgekehrt, denn wir haben hier eine so deutliche Cabernet-Franc-Ausrichtung, dass es schon ein bisschen in Richtung Figeac mit seinem Cabernet Sauvignon oder noch mehr in Richtung Cheval Blanc geht. Das ist sehr profund, einzigartig. Der Wein braucht wohl für 2016 erstaunlich viel Zeit. Ich würde ihn mal 8-10 Jahren weglegen. Er hat so unglaubliches Potenzial, ist so dicht und reichhaltig, und trotzdem schwebend, elegant darüber. Mit dieser unendlich langen, mineralischen, salzigen Säurespur auf der Zunge. Immer wieder hochrollend, Kirsche, Sauerkirsche, Johannisbeere aber auch Spuren von Sanddorn. Und eine irgendwie von der roten Johannisbeere gezeichneten Säure. Die Zungenspitze bleibt für Minuten emotional salzüberzogen. Das ist schon großer Stoff und für Clos Saint Julien, was ich kaum für möglich hielt, nach 2015 noch eine leichte Steigerung. Allerdings ist es ein Wein, der im ersten Angang weniger zugänglich ist als 2015. Dafür ist die Intensität zu hoch. Ein Wein für ein sehr langes Leben. Großer und einzigartiger biodynamischer Stoff aus Saint Emilion. Und jetzt bin ich froh, dass wir in Saint Emilion andersrum angefangen haben zu probieren, nämlich mit Tertre Roteboeuf als ersten Wein. Jetzt kann ich es einsortieren. Tertre Roteboeuf war auch schon so eine Art positives Blockbuster Monster und Clos Saint Julien schafft das auch. Beide Weine brauchen lange Zeit. Beide Weine sind ganz groß. Und wenn das der Jahrgang in Saint Emilion wird, bin ich hier sehr zufrieden. Toller Stoff. 98/100

Lobenberg: Ein super 2eme Cru, der zusammen mit La Mission, Las Cases, Pichon Lalande und Ducru relativ nahe dran ist an den Premier Crus. Zumindest qualitativ. 2016 besteht der Blend aus 76% Cabernet Sauvignon, 23% Merlot, 1% Cabernet Franc. Cos d´Estournel kommt 2016 mit fast dramatisch geringem Alkohol von 13 Volumenprozent. Das ist ziemlich perfekt. 3,3 totale Säure und fast 3,7 pH-Wert. Die Ernte ging vom 26. September bis zum 15. Oktober. Cos ist wie Montrose, wie Ducru und Las Cases eines der Weingüter, wo besonders penibel sortiert wird. Nicht nur mehrfache grüne Lese, sondern auch noch auf optischen Sortiergeräten, welche die entrappten Beeren nochmals nachsortieren. Hier kommt nur perfekte Reife in die Kelter. Fermentation überwiegend im Stahl, Ausbau überwiegend im neuen Holz, die Vergärung erfolgt spontan. 2016 ist ein Cos-Jahr wie ich es liebe, wie es aber im Grunde fast nie vorkommt. Die Nase ist butterweich. Das ist fast eine schicke Pomerolnase. Als sei es ein Merlot. Das ist ja eine Kuriosität, wie wir es auch manchmal in Kaliforniern haben. Und daran erinnert er auch. Keinerlei Marmelade, aber total geschliffenes Tannin. So weich, so präzise, so geradeauslaufend. Unter der Zwetschge und schwarzen Kirsche liegt viel gelbe Frucht. Mango, schöner Weinbergspfirsich, Aprikose, dann zerquetschte Himbeere. Aber die Kirsche bleibt die Dominante, nur langsam schält sich etwas Cassis und süße Maulbeere heraus. Es bleibt aber ein super eleganter, ja fast an einen Ride Monte Bello erinnernder Traum-Saint-Estèphe, der anders als Montrose und Calon Segur ein klein wenig die Herkunft Saint Estèphes, diese leichte Rustikalität, verloren hat. Einfach eine Spur zu perfekt, aber unglaublich schick. Der Mund bringt dann aber doch den Grip Saint Estèphes, wenngleich die Tannine extrem poliert sind. Hier tut gar nichts weh. Ganz anders als in früheren Jahren wo man schon mal über die hohe Extraktion meckern konnte, ist das massiv vorhandene Tannin 2016 total poliert. Der Geradeauslauf ist sensationell. Auch hier haben wir die gelbe Frucht unter der schwarzen Kirsche, Cassis, zerdrückte Himbeere, Brombeere. Aber alles ultra fein und köstlich, raffiniert und mit einer mehrminütigen salzigen Spur auf der Zunge verbleibend. Das ist schon ein Cos d´Estournel einer anderen Art. Ein bisschen wie im Himmel. Ein für mich perfekter Cos mit leichten Saint-Estèphe-Erinnerungen. Mit der Würzigkeit, aber gleichzeitig dieser unglaublichen Eleganz und Länge. Wahrscheinlich mit einem ewigen Leben. Sie werden ihn wegen des Preises nicht kaufen, ich werde ihn also ganz wenig verkaufen. Die Fairness gebietet aber eine ehrliche Bewertung. Best ever hier! 100/100

Lobenberg: Das ist ein Wein, der im südlichen Bereich, direkt an der Grenze zu Castillon liegt. Er stellt in diesem Preisbereich eine wirkliche Einzigartigkeit dar. Ich arbeite mit diesem Weingut schon seit dem Jahrgang 2005 zusammen. Denis Barraud ist der Winzer. Spontanvergoren, biologische Weinbergsarbeit ohne Zertifizierung, kleine Erträge, Ausbau in neuen und gebrauchten Barrique, Fermentation im Zement. Die Nase zeigt unglaublich viel Würze, fast wie ein Saint Estèphe. Viel schwarze Frucht, Cassis vom Cabernet Anteil, Brombeere vom Merlot. Würze und Wucht, sehr dicht. Eine Duftwolke. Der Mund greift die schwarze Johannisbeere und die Brombeere wieder auf, ist so würzig. Eine tolle Spannung, schöne Länge, feine Salzspur. Man mag es gar nicht glauben, dass so ein Wein, den man locker in der 20 Euro Liga unterbringen würde, in so einem Preisbereich beheimatet ist. So eine tolle frische, wunderbare Säure. Geschliffenes Tannin. Das ist ein kleiner aber fast großer Wein. Das ist ziemlich Perfektion und eine meiner aller besten Weine in Sachen Preis-/Genussverhältnis. 93/100

Lobenberg: Eine kleine 27 Hektar große Domaine südlich von Castillon. Ursprünglich gegründet von Stephane Asseo, der heute in Kalifornien mit L’Aventure einer der Top-Erzeuger ist. Das Weingut wurde dann von Dominique Meneret übernommen. Diese Weine sind immer gleichwertig zu Castillon und dafür extrem preiswert. 70% Merlot, 20% Cabernet Sauvignon, 10% Cabernet Franc. Das Terroir ist Lehm mit Kalkstein. Seit vielen, vielen Jahren ist Courteillac kein Geheimtipp mehr, sondern in diesem Preisbereich einer der Superstars. Die Weine kosten en Primeur in der Regel nicht über 10 Euro, und es gibt nicht viele Weine in diesem Preisbereich, die ihm das Wasser halten können. Schon der 2010 war genial. 2014 war eine superbe Finesse. 2015 fast eine Geschmacksexplosion, und 2016 steht dem nicht nach. So feine süße rote und schwarze Kirsche. Hohe Intensität, Schlehe dahinter. Feines Süß-Sauer-Spiel. Pikant. Etwas rote Johannisbeere. Auch der Mund unglaublich schick mit viel Sauerkirsche, roter Johannisbeere, toll verwoben. Ein Wein fast von der Klasse eines Puygueraud von der Cotes de Francs, mit gewissen Ähnlichkeiten in der roten Frucht. Aber nochmal günstiger. Ein ultraschicker, feiner, stylischer Castillon Style mit deutlich mehr roter Frucht und unheimlicher Finesse. Zart und raffiniert. Das macht unglaublich viel Spaß. Es ist ein Bordeaux, wie er für Bordeaux Einsteiger besser nicht gemacht sein könnte. Auf dem gleichen Level, wenn nicht besser als 2015. 93-94/100

Lobenberg: Das Weingut war bis 1985 Grand Cru Classé und möchte das heute auf Grund erbrechtlicher Problematiken nicht mehr sein. Die Weitergabe an die nächste Generation wird dadurch viel zu teuer. Heute nur Grand Cru. Chateau Coutet liegt direkt oberhalb von Chateau Angelus, an den Südhängen des Kalksteinfelsens von Saint Emilion. Die weiteren direkten Nachbarn sind Beausejour Duffau, Chateau Bellevue und Chateau Beausejour Becot. Viel besser geht es vom Terroir her kaum. Ein Drittel dieser Hanglage ist reines Kalksteinplateau, ein Drittel Lehmböden und der unterer Teil ist sandig kiesiger Boden. Dreifaltigkeit. Da kann man richtig spielen in der Komposition des Erstweins. Uralter Bestand an Reben. Zum Teil über 100 Jahre alt. Coutet ist das älteste Bioweingut in ganz Bordeaux. Es besteht seit 1599 und es ist seit dem im Besitz der Familie David Beaulieu, also seit unzähligen Generationen. Und vom ersten Tag an biologisch organisch bearbeitet. Es wurden über die Jahrhunderte nie Herbizide oder Pestizide oder künstliche Dünger verwendet. Hier existieren noch längst ausgestorbene Blumenarten und eigentlich ausgestorbene Kröten und Salamander. Wenn es woanders nur grün oder später braun ist in der Natur, ist es hier immer noch bunt. Naturkundler der ganzen Welt geben sich zur Besichtigung die Klinke in die Hand. Die Familie gehörte immer der naturalistischen Bewegung an, wir sind hier also im Herzen des natürlichen und biologischen Arbeitens der Weingüter Bordeaux. Trotzdem hat sich das Weingut erst 2012 biologisch organisch zertifizieren lassen, da die Generationen zuvor das für nicht nötig hielten. 60% Merlot, 30% Cabernet Franc, 5% Malbec und 5% Cabernet Sauvignon. Die Besonderheit besteht in der Art der Merlot, welche aus Jahrhunderte altem, ausgestorbenem Ursprungsbestand der Rebsorte kommt, und eine viel kleinbeerigere Merlot ist. Nur diese Merlotform verfügt auch ohne Schalenkontakt über roten Saft. Eine Merlotform, wie es sie andernorts schon lange nicht mehr gibt. Einige Nachbarn haben sich eine Selection Massale von hier gesichert. Ansonsten ist diese Form seit dem Zweiten Weltkrieg ausgestorben. Die Fermentation geschieht selbstverständlich spontan. Das Ganze passiert im Stahltank und wird dann lange auf den Schalen belassen. Der Ausbau geschieht zu 25% im neuen Holz und zu 75% im gebrauchten Holz. Die Nase ist so ungewöhnlich wie die Geschichte dieses Weines und die speziellen Reben. Wir haben hier nicht die klassische, Merlot bedingte Brombeere sondern die süße Maulbeere, viel Unterholz, auch Holunder. Schöne würzige, erdige Komponenten. Ganz tief, ganz fein, weich, freundlich. Aber hocharomatisch duftig in dieser dunklen, erdigen Frucht. Der Mund ist geprägt von schönen Tanninmassen die butterweich sind. Hier ist nichts Kantiges. Dann kommt aber relativ starker Grip. Die Säure des Jahres 2016 ist wirklich famos. Wir haben diese unglaublich süße, erdige Frucht und darüber die feine, sehr mineralische Säure. Eine richtige Spitze von Salz läuft über die Zunge. Verhallt langsam. Das ist auch hier im Nachhall ein Ausbund an Natürlichkeit. So muss Wein früher geschmeckt haben. Das ist wirklich historischer Genuss und trotzdem eine unglaubliche Delikatesse. Weit entfernt von allem was man heut ein Saint Emilion an Wein erzeugt. Ich glaube nicht, dass ich auch nur ein anderes Weingut habe, was diese Art von Wein erzeugt und trotzdem ist es delikat, lecker, macht Freude. Nur ist es etwas ganz anderes als was man von Saint Emilion gewohnt ist. Die Süße, Länge, Mineralität und Salzigkeit ist anders, und trotzdem ist die Komposition extrem gelungen. Der Wein berührt den Genießer. Ein ungeheures Unikat. Eine Ode an die Freude und die Natürlichkeit zugleich. Aber der Wein polarisiert. 97+/100

Lobenberg: Couvent des Jacobins liegt direkt im Ort. Zu 100% auf Kalksteinfelsen gelegen. Ein Teil der Weinberge, insgesamt nur 8 Hektar, liegt auf Kalkstein, 7 der 8 Hektar aber auf lehmigen und sandigen Böden an den Südhängen bei Angelus. Insgesamt gibt es nur 25.000 Flaschen. Ein kleines Familienweingut im Besitz der Familie Bordes und bisher unter der Führung von Rosette Bordes, es wird jetzt aber auf den Neffen Xavier-Jean Bordes übergehen. Die Reben sind ungefähr 35 Jahre alt, 85% Merlot, 10% Cabernet Franc, 5% Petit Verdot. Der Weinmacher und Weinbergsmanager ist Denis Pormarede, welcher seit nunmehr 20 Jahren am Weingut ist und im Grunde die Seele dieser Weine ist. Die Erbschaft auf Xavier-Jean wurde schon vor einigen Jahren eingeleitet, seit dem geschehen großartige und investive Dinge in den Weinbergen. Es wird neu und dichter gepflanzt. Der Ertrag pro Stock liegt jetzt schon deutlich untern einem Kilo, aber die Zielsetzung ist die 500-Gramm-Grenze. Das ist eine sehr reife Nase. Sehr viel reife Pflaume, dunkle schwarze Kirsche. Sehr viel Veilchen, Rosen, aber auch Minze und Eukalyptus. Aber durchaus gute Wucht, gute Fülle zeigend. Das erinnert irgendwie auch an den Nachbarn Clos Saint Julien. Hat aber nicht ganz dessen Feinheit. Dafür etwas mehr Wucht. Das kommt von den lehmigen Böden bei Angelus. Das gibt große Fülle. Der Mund zeigt eine angenehme Fülle, eine schöne Opulenz. Das ist klassischer Saint Emilion. Was besonders auffällt, ist der geringe Holzeinsatz. Die Weine werden komplett im Zement vergoren. Das merkt man. Das gibt einen schönen Touch. Außerdem ist eine reine Spontanvergärung. Die Petit Verdot wird im Holz vergoren. Der Ausbau erfolgt im Barrique, zum Teil neu, zum Teil alt. Ohne Bâtonnage, 18 Monate. In Summe ist das eine schöne Kombination von einem super feinen, geschliffenen Jahrgang mit sattem, aber super poliertem Tannin. Mit schöner Frische und dazu mit einer warmen Rundheit der Böden bei Angelus. Das gibt Fülle und Druck, trotzdem bleibt der Wein unglaublich fein. Zeigt kaum Holz, eigentlich gar keines, sondern ist charmant, lecker und entgegenkommend. Das ist kein klassisch schicker Saint Emilion, das ist nicht ganz typisch für 2016, dafür ist er in seiner Art schon ein bisschen historischer. Aber das ist das, was der Großteil von uns unter einem extrem leckeren Saint Emilion erwartet. Das ist wirklich ein Wein der Freude macht. Er hat ganz viel natürlichen Angang, erinnert mich ein wenig an Chateau Coutet, der mit seinen Weinbergen ganz in der Nähe liegt. Das Terroir gibt eben diese schöne, reiche Fülle. Wenn hier der Preis stimmt, ist das ein toller Wert. 94-95/100 

Lobenberg: Dieses Weingut gehört Jean-Philippe Janoueix, dem auch Chateau La Croix und Croix Saint George in Pomerol gehört. Croix Mouton liegt direkt an der Nordwestlichen Grenze von Fronsac. Die Hälfte der Weinberge liegt in Fronsac, die andere Hälfte direkt daneben. Der Weinberg hat 70 Hektar, 95% Merlot, 4,5% Cabernet Franc, 0,5% Petit Verdot. Die Pflanzdichte geht bis zu 8.000 Pflanzen pro Hektar, das Durchschnittsalter der Reben beträgt jetzt 40 Jahre. Das Terroir ist Lehm und Quarzsand. Sehr ähnlich zu Fronsac. Biologische Weinbergsbearbeitung, also komplett begrünt mit Pflanzen, Blumen und allem was dazu gehört. Auch wird eine intensive Laubarbeit betrieben. Die Erträge liegen bei 40 Hektoliter je Hektar, die Merlot wurde vom 03. bis zum 12. Oktober geerntet, die Cabernet Franc kam erst ab dem 17. Oktober an die Reihe. Die Vinifikation geschieht komplett spontan im Stahl. Fermentation bis 28 Grad, bis zu 30 Tage Fermentation für die Merlot. Der Ausbau geschieht im Beton, gebrauchtem Barrique und neuem Barrique, ein anderer Teil bleibt im Stahl. Eine schöne dichte, reiche Nase nach sehr reifer Frucht. Überwiegend reife Pflaume, aber auch süße Maulbeere, rote Kirsche und Brombeere. Cassis darunter, feine Schwarzkirsche. Insgesamt sehr reif, voluminös, warm und charmant rüberkommend. Der Mund erstaunlich pikant. Tolle salzige Spur über der Zunge. So langsam wird klar, warum dieser Wein einem tollen Fronsac so ähnelt. Denn Moulin Haut Laroque hat die gleiche Ausrichtung und die gleiche tolle Pikanz, nur eine Etage höher. Wunderschöne reife Pflaume, frische Zwetschge, leichte Sauerkirsche, Sanddorn, etwas Orangenzeste. Auch Aprikose. Das hat eine unheimliche Spannung und Balance. Das macht richtig Freude. Ein vibrierender Wein mit einer tollen Salzigkeit und mineralischen Länge. Für diesen Preisbereich superber Stoff. Und wäre es Fronsac würde es 12 Euro schon im Einkauf kosten. So wird es wohl klar darunter bleiben. Ein Top-Wert für große Freude und dabei ein sehr spannender, langlebiger Wein. Der Wein hat eine famose Länge, ist klar nochmal besser als der 2010er, vor allem präziser und frischer und feiner. Eigentlich konzipiert für Bistros und den schnellen Genuss. Dieser 2016er braucht allerdings 3-4 Jahre für optimalen Genuss und kann locker 15-20 Jahre gehen. Das wäre selbst in Fronsac für mich ein mittlerer Wert. Ich bin begeistert. 93+/100

Lobenberg: Hochreif gelesen. Schon die Nase zeigt das: Erdbeere, zerdrückte Himbeere, sehr reife rote Frucht. Der Mund dafür fällt erstaunlich schlank aus. Auch hier wieder Erdbeere und Himbeere im Vordergrund. Reife Frucht, etwas trocken, etwas vegetabil. Kein verkehrter Wein, aber sicherlich kein großer Margaux. 90-91/100

Lobenberg: 65% Merlot, 15% Cabernet Franc, 10% Cabernet Sauvignon, der Rest Carmenere und Malbec. Ganz am Ende der Appellation Saint Emilion gelegen, kurz vor Castillon. Auf einer Kuppe über allem thronend. Drei Terroirs: Reiner Kalkstein auf dem Hügel, Abhang mit Lehm und tiefere Teile mit Sand, was sehr viel feinere Weine ergibt. Die Nase des 2016er De Pressac, der ja auch schon in 2015 einen so grandiosen Wein gemacht hat, kommt erstaunlicherweise für dieses feine Jahr mit noch mehr Wucht rüber. Sehr viel schwarze Kirsche, Brombeere, Cassis. Unglaublich dicht und reich. Aber nicht schwülstig, nicht marmeladig. Klar bleibend. Leichtfüßig und auch irgendwie elegant. Stylisch, präzise. Wow, dann dieser Mund. Diese unglaubliche Frische. Zerdrückte Himbeere, zerquetschte rote Kirsche, auch ein bisschen Orangenschale und nur wenig Steinobst. Grandiose salzige Mineralität im Nachhall. Aber unglaubliche Frische in diesem präzisen Geradeauslauf. Auch schöne rote Johannisbeere mit ihrer Säure. Das Ganze perfekt verwoben. Dieser De Pressac 2016 ist nochmals besser als der superbe 2015, und den hielt ich schon für nicht mehr steigerbar. 2016 ist auf Grund der Präzision und Gradlinigkeit besser. Das Süße/Säurespiel ist in beiden Jahrgängen perfekt. Die Länge in 2016 ist überlegen. Der Wein wird lange halten. Ein Meilenstein für De Pressac. Das erste Mal im Reigen wirklich ganz großer Weine. 96-97/100

Lobenberg: Ein winziges Weingut im Besitz der Familie Sorge. Häufig nicht beachtet, weil nicht klassifiziert, aber seit Jahren ein Geheimtipp in der Appellation. Schwarzkirsche und Veilchen ist der erste Naseneindruck. Blumig. Lakritze, dunkle Schokolade und Cassis als tolle Stütze, aber alles ohne Bitterkeit. Feine, aromatische, dichte Nase, an den sensationellen 2010er erinnernd. Aber zusätzlich zur Wucht des 2010er kommt hier auch eine ganz feine Note, fast schon ein schicker Wein. Sehr warmer, wieder schwarzkirschiger Mund. Feiner Sanddorn, darunter Eukalyptus, Minze, Holunder, helle Lakritze. Gut verwoben und frisch. Keiner der ganz großen Margaux um Gioscours, aber einer der stimmigsten, und leckersten Margaux. Dafür wird er preislich wahrscheinlich hochinteressant sein und damit ein Musskauf der Appellation Margaux. 94-95+/100

Lobenberg: Für mich immer der direkte Verfolger von Chateau Climens, dem Superstar Barsacs. Barsac hat überwiegend Kalkstein-Terroir auf der die Semillon perfekt gedeiht. Für mich liegt das so viel feinere Barsac immer vor Sauternes. Auch wenn Yquem natürlich der Superstar in Sauternes ist und bleibt. Sehr feine und erstaunlich frische Nase für diesen Doisy Daene. Feine Süße über dieser Steinobst Frucht. Leckerer Mund mit erstaunlich viel positiv stützendem Bitterstoff. Ausdrucksstark, individuell. Der Wein hat wirklich einen gewissen Kick. Aber das hatte Climens davor auch schon. Barsac ist 2016 insgesamt sehr gelungen. Große Harmonie. Die Süße ist nicht massiv. Nichts pappiges, sondern schöne Frische dabei. Das macht richtig Freude. Doisy Daene gefällt mir nach dem Superstar Climens erstaunlich gut. 96-97+/100

Lobenberg: Das ist das zweite Weingut von Francois Mitjavile von Chateau Tertre Roteboeuf in Saint Emilion, aber hier an der Cotes de Bourg. Das ist der absolute Primus in dieser Region. 80% Merlot, 20% Cabernet Sauvignon. Die Reben sind inzwischen alt genug, um reife, weiche Frucht zu ergeben. Francois ist mit seinen Weinen der Cotes de Bourg im Grunde nicht vergleichbar. Er setzt Maßstäbe und würde selbst in Saint Emilion mit dem Roc de Cambes in der ersten Reihe der 30 besten Chateaux stehen. Das ist ein ganz ungewöhnliches Weingut, auch wegen seines Cabernet Sauvignon Anteils. Natürlich kann Cotes de Bourg nicht diese Preise erreichen, die in Saint Emilion bezahlt werden, aber man darf es nicht mit normalen Maßstäben messen. Wenn wir nur nach Qualität gehen, gehört Roc de Cambes zu den besten Weinen Bordeauxs. Auf Roc de Cambes gibt es einen zweiten Wein, den Domaine de Cambes. Das sind die unteren Reihen, welche näher am Fluss gelegen sind und außerhalb der Appellation Cotes de Bourg sind. Dementsprechend dürfen sie nicht als Roc de Cambes betitelt werden und gehen daher in den Domaine de Cambes. Der Domaine de Cambes ist ungewollt so eine Art Zweitwein des Roc de Cambes. Hier gibt es eine andere Rebsortenzusammensetzung. 70% Merlot und 30% Cabernet Franc. Die gleiche Relation wie auf Tertre Roteboeuf. In 2016 gab es speziell für die Cabernet Franc eine aromatische Explosion. Ich habe noch nie ein Jahr in Bordeaux erlebt, dass so perfekt für die Cabernet Franc war. So reif, hocharomatisch und trotzdem frisch. Diese gekochte Himbeere gab es in dieser Form und unglaublich charmanten Aromatik so wohl noch nie. Das Ganze unterlegt von floralen Elementen. Unglaublich dicht. Himbeere, Zwetschge sowie ein bisschen Erdbeere. Ganz feine Schlehe und Kirsche, extrem einnehmend, überwältigend schön, aber nicht üppig-marmeladig, sondern immer fein bleibend. Was für ein Duft! Im Mund dem Jahrgang 2016 entsprechend paradox bleibend, nämlich sehr reif. Sattes Tannin, butterweich und trotzdem unglaublich schöne Frische und Aromatik zeigend. Der Wein tänzelt, der Wein hat eine wunderschöne Säure. Zieht lange durch. Die Cabernet Franc kommt hier wesentlich zarter und frischer daher als der sehr warme und runde Mund andeutete. Das bringt eine fantastische Balance. Dieser Domaine de Cambes ist besser als alles was Francois Mitjavile hier je produziert hat und für mich fast ein großer Wein. 94+/100

Lobenberg: Erstaunlich frische Nase für einen sonst immer recht üppigen Wein. Sehr schickes Holz dabei. Litschi, Kiwi, etwas Feuerstein. Sehr schicke Sauvignon Note. Fast ein bisschen an Südsteiermark erinnernd. Pfirsich mit Aprikose, Zitronengras und Litschi. Ganz leichtes Holz. Sehr harmonisch. In der expressiven Ausdrucksweise und Frische bleibt für mich Smith Haut Lafitte klar der Primus Inter Pares. Aber Domaine de Chevalier ist trotzdem gut gelungen. Ein schicker, extrem feiner Domaine de Chevalier, mit einer wunderbaren Frische. In Anbetracht des hohen Preises würde ich mich persönlich lieber mit Smith Haut Lafitte und dem einer Stufe darunter stehenden Fieuzal eindecken. Das ist ein perfektes Duo. Domaine de Chevalier ist teurer als beide. Liegt aber klar hinter Smith zurück. Trotzdem macht er viel Spaß. 96-97/100

Lobenberg: Der biologisch bearbeitete Castillon, auf dem Stephan Derenoncourt, der Superstar der Önologie des rechten Ufers, persönlich wohnt. 11,5 Hektar, überwiegend Kalkstein mit Lehm. 80% Merlot, 20% Cabernet Franc. Die Nase erinnert im ersten Angang schon mehr an Clos Louie als an Clos Puy Arnaud oder Aiguilhe. Sehr eigenständig, sehr fein auf roter Kirsche laufend. Dicht, rot, schöne Wärme. Leichte Opulenz, aber nicht fett. Frische Zwetschge, helle Lakritze. So fein, so schwebend und berauschend aromatisch. Auch im Mund Kirsche, Kirsche, Kirsche. Aber anders als der Nachbar Clos Puy Arnaud hier nicht so ultafrüh geerntet, nicht so Cabernet Franc artig Richtung Loire, sondern schon ein echter Bordeaux mit gutem Wumms und einer schönen süßen Fülle. Er ähnelt am meisten Clos Louie, ohne an ihn ran zu kommen. Hat auch gewisse Ähnlichkeiten mit dem substanziell ähnlichen Nachbarn Chateau Le Rey, ist diesem aber schon einen Schritt überlegen. Das macht richtig Freude, wäre sogar in Saint Emilion ein richtiger Knaller, weil er so unglaublich fein ist und trotzdem voller frischer und üppiger Kirschfrucht ist. Ein toller Wein, genauso gut, wenn nicht besser als der superbe 2015. Zweitbester Castillon und selbst in Saint Emilion wäre das ein Top Wert. 95-97/100

Lobenberg: Das Weingut, dass zu Claire Villars und Chateau Ferriere gehört und das 2010 so einen großen Erfolg hatte. 2016 im Mund ein klein bisschen gemüsig. Es fehlt das letzte Quäntchen Reife. Ein bisschen grün und etwas viel Holz. Weit hinter dem früheren 2010er zurück. Ich weiß auch nicht, was hier schiefgegangen ist. 89-90/100

Lobenberg: Das ist ein 100%er Petit Verdot. Dichtpflanzung von 10.000 bis zu 33.000 Stöcken pro Hektar. Der Weinberg ist Ende der 90ger Jahre angelegt worden. Er besteht zu 100% aus einer selbst veredelten Selection Massale dieser Petit Verdot Reben. Der Wein ist auf einem ehemaligen Steinbruch gepflanzt, entsprechend haben wir im Untergrund Sand und Lehm auf reinem Kalkstein. Nur 0,3 Hektar, es werden lediglich 600 Flaschen pro Jahrgang abgefüllt. Petit Verdot ist eigentlich eine sehr kritische Rebsorte, die allein vinifiziert oft spröde, harte Weine ergibt. Im Grunde bringt es das nur, wenn es so extreme Finesse-Jahrgänge wie 2015 und 2016 sind. Die Nase in 2016 erinnert eher an einen unglaublich dichten Pomerol. Wenn jemand sagen würde, dass ist ein L’Evangile, würde ich nicht widersprechen. Ungeheuer dichte Wolke von schwarzer Frucht, hauptsächlich schwarze Kirsche, süße, aber auch reife Zwetschge, ungeheuer dicht und trotzdem ganz fein. Man spürt die Tanninmassen, aber sie schweben. Dann kommt der Mund. Wow, alles zieht sich zusammen. Schon 2015 war ich so angetan. 2016 ist dichter, das Tannin ist ungeheuerlich in seiner Dichte und mit seinem Druck. Es hat auch einen leichten bitteren Touch, aber in Summe ist es butterweich. Der Wein ist unendlich lang. Die Säure hallt nach. Die Zunge rollt sich. Von allem im Grunde zu viel, und trotzdem erschlägt einen der Wein nicht. Er hat niemals Marmelade. Das ist nicht Australien, sondern das ist wirklich harmonischer Bordeaux. Das ist ein hyperkonzentrierter Pomerol-Stil wie man es selten findet, und trotzdem bleibt es ein Unikat. Die Feinheit wie L’Eglise Clinet oder Petrus erreicht er nicht. Dafür hat er aber viel mehr Wucht und Druck. Er beeindruckt. Es ist eine Flasche, die man sich unbedingt zu zweit teilen muss. Für einen alleine ist das, obwohl fein und nicht konfitürig, einfach zu intensiv und damit zu viel. Auf jeden Fall ein Riese und mit 600 Flaschen Gesamterzeugung bleibt das immer eine Rarität. 97-100/100

Lobenberg: Chateau Du Glana und Chateau La Bridane sind zwei Saint-Julien-Weingüter, die stark im Aufwind sind. Es sind die Verfolger der Mittelklasse um Branaire Ducru und sie haben in großen Jahren schon mal sehr schicke Weine. 2016 kann sich da Du Glana fast so gut wie La Bridane durchaus sehen lassen. Schöne rote Frucht. Das ist eine Wiederauferstehung des wunderschönen 2010er. Eine Freude in rot. Zerdrückte Himbeere, aber auch viel Sauerkirsche sowie rote Johannisbeere. Sehr schlank bleibend, sehr komplex und verwoben. Geschliffenes Tannin. Für richtige Größe fehlen ihm ein bisschen die Wucht und der Druck und die Süße, aber sehr stylisch und sehr rotfruchtig fein. Schicker Wein der Spaß macht, wie auch der 2010er. 93+/100

Lobenberg: Dieses kleine Weingut mit rund 30 Hektar ist in der südlichen Region des Haut Medocs direkt an der Grenze zu Margaux gelegen. Seit 2005 eines der führenden Weingüter im Haut Medoc, aber preislich immer eines der Günstigsten. Das Superschnäppchen schlechthin. Der Ertrag pro Hektar liegt bei circa 45 Hektoliter. Die Merlot wurde vom 28. September bis zum 5. Oktober geerntet, Petit Verdot ab dem 7. Oktober und vom 12. bis 19. Oktober die Cabernet Sauvignon. Es gibt etwas über 100.000 Flaschen. Der Ertrag in 2016 lag bei etwa 50 Hektoliter pro Hektar. Handgelesen, gefolgt von einer kompletten Entrappung. Danach kommt eine kalte Vorfermentation unter Schutzgas mit 4 Grad für 6 bis 10 Tage. Daraufhin erfolgt eine langsame Fermentation unter 26 Grad mit Überpumpen. Die Gesamtzeit auf der Schale beträgt bis zu 28 Tage bei 28 Grad. Der Wein reift danach komplett in Barriques, davon ein Drittel neu. Die Reifezeit beträgt zwischen 12 und 15 Monate. Die Cuvée 2016 ist 71% Cabernet Sauvignon, 23% Merlot und 6% Petit Verdot. Der Alkohol ist erfreulich schlank mit 13%. Die totale Säure ist 3,7 und der pH-Wert liegt bei 3,7. Eine extrem gute Kombination dieser beiden Werte. Der totale Polyphenol-Index ist sehr hohe 86 wie 2010. Das ist der Wert für Tannin und betrug im letzten Jahr 2015, 79. Extreme Fruchtbezogenheit wie schon 2010. Die Nase zeigt extrem reife Kirsch-, Brombeere-, Maulbeerfrucht mit einer wunderschönen schwarzen Lakritze, Minze, schwarzer Pfeffer, Eukalyptusspur darunter. Auch Veilchen, fast wuchtig rüberkommend. Das letzte Mal habe ich einen Du Retout in dieser Wucht in 2010 erlebt. 2015 war zwar von ähnlicher Klasse, aber deutlich feiner, charmanter noch. Hier sind wir sehr stylisch und gleichzeitig sehr dicht, präzise und trotzdem rund. Der Mund zeigt sich hochkomplex, und was für Du Retout erstaunlich ist, extrem auf der Kirsche laufend. Was für ein feines Jahr. Dichte schwarze Kirsche, fast ein bisschen Amarena dazu. Sehr reife rote Kirsche, reife Schlehe. Alles mit toller Fruchtsüße ausgestattet. Dazu helle Lakritze, Milchschokolade, sowie eine feine Salzspur. Harmonisch verwoben, sehr komplex. Eine Köstlichkeit und gleichzeitig sehr dicht. Du Retout hat meines Erachtens selten einen bessern Wein erzeugt. Wir sind hier wirklich in der Stilistik 2010, mit einem plus an Feinheit und Styling. 2010 war etwas fetter. Wir sind dichter und präziser als 2015, dafür vielleicht nicht so vordergründig köstlich. In 2016 macht aber dieser geringe Alkohol auch ein Plus an Finesse aus. Du Retout muss sich im Jahrgang 2016 aber wohl knapp den nördlichen Haut Medocs von Clos Manou, Carmenere, Haut Maurac und Charmail beugen. Liegt aber qualitativ auf gleicher Höhe wie Cambon la Pelouse, aber vom Stil her völlig anders. Du Retout 2016 ist ein wenig wie Belle-Vue, speziell in der Nase, in der Gesamtheit jedoch komplexer und raffinierter. Also ein wuchtiger, schwarzfruchtiger, extrem leckerer, harmonischer Stil. Eine große Köstlichkeit und Delikatesse schon in der Fassprobe. Ich habe den Wein insgesamt dreimal während dieser zwei Wochen probiert und der Wein zeigte sich in dieser Zeit unglaublich stabil. 94-95/100

Lobenberg: Du Tertre gehört dem gleichen Besitzer wie Chateau Giscours. Der Generaldirektor ist also ebenfalls Alexander van Beek. Du Tertre erschließt sich ganz anders als Giscours. Giscours ist diese Ultraklassik. Diese reife Cabernet, welche mittlerweile der erste Verfolger von Margaux und Palmer ist, die aber beide stilistisch ganz anders sind. Du Tertre tummelt sich eigentlich eher im oberen Mittelfeld der Appellation und hat den riesigen Vorteil seit vielen Jahren so unglaublich köstlich zu sein. Hier ist nicht nichts Rustikales. Das ist immer eine Delikatesse. Das Weingut gehört wie Giscours Eric Albada Jelgersma und hat 50 Hektar. Klassischer Kiesboden. 43% Cabernet Sauvignon, 33% Merlot, 19% Cabernet Franc, 5% Petit Verdot. 45% neues Barrique. Natürlich Handlese und danach spontane Vergärung. Du Tertre liegt am höchsten Punkt der Appellation Margaux. Neben Monbrison. Aber nicht warme Fülle wie Monbrison sondern stylische Erotik. Die Lage am Wald ist sicherlich ein Grund für die Feinheit. Es ist etwas kühler hier. Die Weine sind immer köstlich und frisch. Der Alkohol liegt mit 13,5% in 2016 niedriger als in 2015. Ein sehr moderater Wert für so einen reifen Jahrgang. Die Nase zeigt wie genial es ist zwei Weingüter in Margaux zu haben, die beide so unterschiedlich im Charakter sind. Die Nase von Du Tertre ist, obwohl Cabernet dominiert, klar von der Merlot geprägt. Etwas spielt der Cabernet Franc mit seiner zerdrückten Himbeere auch mit. Aber die Merlot mit reifer Zwetschge und schwarzer Kirsche ist sicherlich der intensivste Anteil. Darunter ein bisschen Sanddorn, Kräuter der Provence, Lakritze und Rosenblätter. Fein verwoben, aromatisch. Der Mund ist beides. Einerseits erstaunlich klassisch. Anders als in der Nase dominiert die Cabernet. Wir haben reife, sehr reife schwarze Johannisbeere, aber ohne Süße. Brombeere, Schwarze Kirsche, auch wieder die zerdrückte Himbeere. Erst dann kommt wieder die sehr reife Zwetschge vom Merlot. Aber die Cassis- Kirschnote dominiert. Der Wein hat feine Schwingungen. Er ist nicht ansatzweiße so dramatisch und so dicht wie Giscours, sondern fein, erhaben, geschliffen. Ein schicker Margaux, der einen unglaublich sympathischen Mundzugang hat. Der delikat und köstlich ist schon in diesem jungen Stadium. Der mit ganz feiner Salzspur auf der Zunge bis zu zwei Minuten nachhallt. Und der noch nicht so massiv druckvoll ist wie Giscours. Das ist ein extrem trinkiger, extrem köstlicher Du Tertre, auch wenn der 2015 mit einem guten halben Prozent mehr Alkohol, mehr Süße, noch einnehmender war. Dafür hat der 2016er Du Tertre einen etwas klassischeren Zugang und wird sicherlich das ein oder andere Jahrzehnt mehr Lebensdauer mitbringen. Perfektes oberes Mittelfeld. Und in dem Preisbereich in Margaux ein extremer Kaufgrund, vielleicht noch mehr als 2015. 95-96/100 

Lobenberg: 85% Cabernet Sauvignon und 15% Merlot, 100% Ausbau im neuen Fass, spontan vergoren. Der einzige Gegenspieler von Leoville Las Cases und einer der fünf potentiellen Aufsteiger zum Premier Cru mit Cos, Pichon Lalande, Leoville Las Cases und La Mission. Die Nase hätte ich jetzt nach dem feinen 2015er jetzt etwas weniger tief und wuchtig erwartet. Schwarze Kirsche, sehr schick, keinerlei Härte zeigend in der Nase, sondern sehr erhaben. Nur eine Spur Cassis, die Schwarzkirsche dominiert, Brombeere ist dabei, aber auch diese ist fein. Viel schwarze Lakritze, feine Würze, Unterholz, Wachholder, Holunder, Minze und Eukalyptus. Das ist eine sehr schicke, sehr erhabene Nase. Schön, dass der Mund so anders ist wie Las Cases. Viel präziser, viel gradliniger. Totaler Geradeauslauf auf schwarzer Kirsche mit schwarzer Johannisbeere. Kein Drama wie bei Las Cases, sondern eher Schliff, extremes Tannin, in Massen vorhanden, aber nicht hart. Die Frische ist so dramatisch wie bei Las Cases. Aber hier viel harmonischer, extrem präsent, lang und mineralisch. Ein völlig anderer Ansatz in Saint Julien. Mehr eine Überversion eines Leoville Bartons in diesem Jahr, und wie schon gesagt: Sehr schick, sehr geschliffen, ein Modellathlet und nicht so ein Explosionscharakter wie bei dem unzivilisierten, grandiosen Las Cases. Ich glaube nicht, dass Ducru qualitativ dahinter ist, aber im Charakter so ganz anders. Großes Kino allemal. Trotzdem möchte ich ihn einen Punkt hinter Las Cases lassen. 98-100/100

Lobenberg: Ein Chateau, das zu Lafite Rothschild gehört. Sehr häufig besser und interessanter als der Zweitwein Carruades de Lafite. Die Ernte fand für Merlot zwischen dem 26. und 29. September und für den Cabernet Sauvignon vom 3. bis 12. Oktober statt. 67% Cabernet Sauvignon, 33% Merlot. Duhart Milon leidet oft darunter, dass er ein klein wenig schlank ist und dadurch von der Aussage her etwas hinter einem großen Pauillac zurückbleibt. Aber in 2016 ist generell alles anders. Eine so wunderschöne, reife Nase habe ich bei Duhart Milon noch nie erlebt. Es hat überhaupt nichts Grünes und fast noch nicht einmal diese maskuline Pauillac-Note. Sehr schöne, reife Zwetschge, dunkle Kirschen, auch Sauerkirsche darunter. Eukalyptus, feine Lakritze. Sehr schöne Länge zeigend, tolle Aromatik. Auch im Mund dieses Potpourri von Kirschen wieder aufgreifend. Schlank, elegant und trotzdem feine Süße. Raffiniertes, total poliertes Tannin. Tänzelnd, extrem köstlich. Das ist für einen Duhart Milon ziemliche Perfektion. Nein, man darf sogar sagen für einen Pauillac ist das etwas ziemlich feines, raffiniertes, perfektes. Burgund in Pauillac, Chambertin. Ein Duhart Milon der wirklichen Extraklasse. 95-96/100 

Lobenberg: Für das Bioweingut Durfort Vivens ein riesiger Sprung nach vorne. In diesem Jahr ist er wunderbar aromatisch in der Nase. Fast ähnlich wie Chateau Ferriere, das Nachbarweingut. Zerdrückte Erdbeere und Himbeere mit Sauerkirsche im Bouquet. Feine Blumigkeit, Jasmin, Rosenblätter, auch Sanddorn. Ganz helle Lakritze. Der Mund ist dann im Gegensatz zu Nase etwas vegetabil. Leichte Paprika und Rhabarber. Dann aber auch dunkle intensive Beerenfrucht. Das ist jetzt aber dramatisch besser als in den Jahren davor. Die Harmonie passt und der Trinkspaß ist erstmals da. Zumindest stimmt der Weg jetzt, ob das schon 2eme Cru like ist...? Mal sehen in 2 Jahren. 93-94+/100

Lobenberg: Ein kleines Weingut von unter 30 Hektar, direkt neben den Nachbarn Branas Grand Poujeaux gelegen. Branas ist allerdings nur 13 Hektar groß und pflegt einen hochreiferen Stil. Dutruch versucht nach Möglichkeit früh zu lesen, und trotzdem bauen die Weine nach 5-6 Jahren unglaublich an Volumen aus. Der Berater ist der Superstar Eric Boissenot, der alle 1er Cru und heimlichen Überflieger des Medoc (auch Carmenere) berät, und der total auf Frische geht, dafür brauchen seine Weine immer mindestens 5 Jahre um sich sehr gut zu präsentieren. Wir haben zum Beleg mit dem Direktor Sebastien Olivar am Abend 2008, 2009, 2010 zum Dinner getrunken und die Weine waren grandios. 2015 und 2016 sind genauso, eher besser. 50% Cabernet Sauvignon, 45% Merlot und der Rest etwas Petit Verdot. Schöne dunkle Frucht, schwarze Kirsche, Brombeere, Maulbeere, sehr süß. Nicht super komplex, aber schönen Druck entwickelnd. Sehr präzise und gleichzeitig süß, opulent. Fast etwas erotisch. In der Jugend etwas verschlossen, er scheint schlank zu sein, aber der Abend zeigte, dass die Weine nach einigen Jahren der Reife komplett öffnen und dennoch sicherlich für 30 oder mehr Jahre reifen können. Sie werden rund, üppig, sexy. Und der 2016er zeigt schöne dunkle Lakritze, etwas Schoko, süße Maulbeere, schwarze Kirsche und gleichzeitig sehr, sehr stylisch, schlank, hat rote Frucht daneben, ist verspielt. Es ist kein großer Wein, aber ein unglaublich schöner, perfekt gestylter Moulis. Der Mund zeigt sich in schöner Üppigkeit. Reife Zwetschge, Pflaume. Auch hier wieder Maulbeere und diese total süße, dunkle Lakritze. Ohne Schärfe, erst am Ende zeigt sich eine Salzspur auf der Zunge. Es kommt noch etwas Johannisbrot dazu, sogar etwas Orangen und eine leichte Exotik. Süß, rund, üppig, lecker und trotzdem mit dieser Würze, die es 2016 speziell hier in Moulis gibt. Deutlich würziger als die benachbarten Weine der Margaux Appellation. Dafür nicht so ultra fein, nicht so ultra geschliffen. Aber das macht richtig Freude. 94+/100

Lobenberg: Ein Kleinod neben der Kirche, das Weingut von Denis Durantou auf dem vielleicht besten Terroir von Pomerol. Clinet ist der Nachbar, und innerhalb dieses Weinbergs liegt der Clos de la Vieille Eglise von Trocard. Eglise Clinet umgibt diesen Weinberg, eine Kuriosität der Erbteilung der Vergangenheit. Es sind 4,2 Hektar. 40 Hektoliter pro Hektar. 80% neues Holz, Ernte zwischen dem 21. September und 04. Oktober für die Merlot, und die Cabernet Franc ab dem 06. Oktober geerntet. 90% Merlot, 10% Cabernet Franc. Und  was wir schon bei Chateau Clos de la Vieille Eglise, also dem Herzen von Eglise Clinet gesehen hatten, setzt sich hier fort. Unglaublich feine, erhabene, ja sehr schicke Nase. Frische Eukalyptus und Minze auf frischer Zwetschge und reifer Pflaume. Auch schöne Schwarzkirsche, süße Maulbeere dahinter. Das ganze aber eher fein bleibend, schwingend. Der Mund zeigt geschliffenes, sehr poliertes Tannin. Ein klein bisschen trocken vom neuen Holz. Viel rote und schwarze Frucht. Kirsche dominiert über Zwetschge, wenig marmeladige Wucht sondern eher große Feinheit. Der Wein ist schwebend und sehr lecker. Gut gelungen. Für mich einer der ganz großen Eglise Clinets. Ich persönlich fand 2015 gleichwertig, aber 2016 ist ein köstlicher, sehr erhabener, sehr feiner Wein. Eglise Clinet ist eine so schöne und raffinierte Köstlichkeit. Und sehr eigen im Stil, tolle Individualität. Dafür ist dann aber der Preis allerdings höchstwahrscheinlich, wie oft in großen Jahren, etwas abenteuerlich. Der Kern des Weinbergs ist wie, schon gesagt, der gleichwertige "best ever" Clos de la Vieille Eglise, viel günstiger, beide kaufen und in 20 Jahren vergleichen. :-) 98-100/100

Lobenberg: Ein winziger Plot in der Größe von 1,2 Hektar und der direkte Nachbar von Chateau Trotanoy und Le Pin, also allerbestes Terroir und alte Reben. Unbezahlbares Terroir, aber der sehr wohlhabende Peter Kwok aus  Hong Kong hat einfach mehr bezahlt als der Besitzer von Le Pin. Der Untergrund ist blauer Lehm mit sehr viel Eisen-/Metallanteilen und Kies. 14,5% Alkohol, reinsortiger Merlot. Die Weine werden im Barrique vergoren. Der Ausbau erfolgt zu 100% im neuen Barrique. Es gibt lediglich 3.000 Flaschen. Das ist eine aus dem Stand kreierte Edel-Pomerol-Version. Ein Nachfolger der früheren Projekte von J.C. Meyrou und Jerome Aiguirre. Früher Le Gay und La Violette. Das ist quasi das neue, gleichwertige Projekt. DER Gegenspieler zu Le Pin. Die Reben sind bis zu 30 Jahre alt. Der pH-Wert ist 3,85. Die Nase ist so unglaublich schön. Ich weiß gar nicht, ob ich jetzt in diesen ersten fünf Tagen eine so berauschende schöne Nase hatte. Das erinnert schon an Violette aber es ist vielleicht noch mehr tiefes würziges Saint Emilion dazu. Aber wir haben keine schwarze Brombeere und Cassis sondern extrem viel schwarze Kirsche, reife und frische Pflaume. Dazu auch mal ein bisschen gelbe Frucht, Aprikose und ein bisschen Mango und Passionsfrucht. Die Nase reicht völlig. Das ist wirklich superber, feiner Stoff der berauscht und einen mitnimmt. Der Mund zeigt die gleiche Feinheit. Auch hier nur schwarze Kirsche. Keine Brombeere, kein Cassis. Sehr dicht, tolle Mineralität, feine Salzspur. Die Eleganz und die Delikatesse schlägt aber klar die Wucht, die noch in der Nase vorhanden war. Der Mund ist einfach nur fein, lang, delikat und intensiv aromatisch. Das Kuriose ist, dass dieser eine Hektar, der in zwei Plots geteilt ist, ein eigenes Weingut auf Grund der Appellationsbestimmungen sein muss. Im Grunde sehr schräg. Und das aus der Erde zu stampfen, kann nur jemand machen wie der Asiate Peter Kwok. Ein richtiges Edelprojekt von Jean-Christoph Meyrou und Jerome Aguirre, die mit Herrn Kwok eben den richtigen Investor gefunden haben, um so etwas Verrücktes auf die Beine zu stellen. Das Ergebnis ist die pure Eleganz. Das zu 100% neue Holz ist nicht spürbar. Und natürlich ist es die Frage, ob man dieses letzte Quäntchen mehr Geld ausgeben muss oder ob man für die Hälfte ein Weingut wie Clos de la Vieille Eglise bekommt. Hier ist es eigentlich nur das kleine Quäntchen extremer Raffinesse und Feinheit die oben draufkommt Aber wenn man dann wiederum bedenkt, was L’Eglise Clinet und L’Evangile und erst Le Pin kostet, ist es wieder jeden Euro wert. 100/100

Lobenberg: Der 2016er besteht aus 92% Merlot und 8% Cabernet Franc. Es ist das Jahr der Merlot, wie sich bisher schon gezeigt hat hier in Pomerol. Weil die Merlot auf dem besseren Wasserspeicher steht. Auf lehmig, kiesigen Böden, aber eben überwiegend Lehm. Entsprechend gut ist die Wasserversorgung. Die Ernte fand vom 26. September bis zum 05. Oktober statt. Also relativ früh. Danach die Cabernet Franc vom 04. Oktober bis zum 10. Oktober. Man muss sich nach dem sehr stark vom Cabernet Franc geprägten Jahr 2015 erst wieder umgewöhnen. Auch der Wechsel von Saint Emilion zu Pomerol ist schon ein deutlicher Unterschied. Die Nase des L’Evangile ist sehr dicht, sehr reif. Geprägt von dunklen Früchten. Überwiegend Zwetschge, aber auch süße Maulbeere, Holunder und sehr viel Eukalyptus. Eine sehr feine Nase. Nicht wuchtig, marmeladig oder süß, sondern nur aromatisch. Durchaus Ähnlichkeit mit dem Nachbarn Vieux Chateau Certan. Der Mund ist total poliert. Das Tannin ist ultrafein aber in Massen vorhanden. Fast ein bisschen eine salzige Schärfe zeigend. Salzspur auf der Zunge. Aber niemals wuchtig, immer fein tänzelnd. Ähnlich wie Vieux Chateau Certan, zwar totaler Merlotausdruck, aber dennoch ein Ausbund an Eleganz und ein Wein für ein ewiges Leben. Eine so schöne Holunder, Eukalyptus-Spur auf der Zunge hinterlassend. Hochrollende schwarze Kirsche. Auch ein bisschen Cassis, wieder die süße Maulbeere. Aber alles fein. Nichts marmeladig, nur tänzelnd mit intensiver Tannin-Spur und toller Frische und Säure. Schön in Ruhe lassen, denn dieser Wein wird auch in 50-70 Jahren noch grandios sein. Ein anderer L’Evangile als der famose Cabernet Franc 2015, eine andere Art der Finesse, aber nicht minder ein ganz großer Pomerol für die Ewigkeit. 99-100/100

Lobenberg: Chateau Faugeres befindet sich im Besitz des Schweizers Silvio Denz. 37 Hektar bepflanzt mit 85% Merlot, 10% Cabernet Franc, 5% Cabernet Sauvignon. Seit der Übernahme im Jahre 2010 durch Silvio Denz schon ein extremer Qualitätsanstieg. Sehr viel wird aussortiert in den Zweitwein. Sehr viel schwächere Anteile werden im Fass verkauft. Hier geht qualitativ schon einiges ab. Der Nase kann man höchstens vorwerfen, dass sie so sehr archetypisch den modernen Stil von Saint Emilion verkörpert, dass es auch trotz Klasse schon wieder ein bisschen langweilig ist. Sehr viel geröstetes Holz. Die Rezeptur des Beraters Michel Rolland. Satte Frucht, hochreif, sehr spät geerntet. Ein archetypischer Baukasten Saint Emilion. Satte reife Zwetschge, Amarenakirsche, Schwarzkirsche. Schöne Süße ausstrahlend. Wuchtig und üppig. Der Mund wird auf jeden Fall durch die Feinheit und die Frische des Jahrganges 2016 etwas aus dieser süßen Schwere herausgeholt. Es bleibt aber dabei, dass das butterweiche Tannin und die süße, fast etwas marmeladige Frucht diesen sehr guten, aber für mich eben zu baukastenmäßigen Saint Emilion dominieren. 94+/100 

Lobenberg: In der Nase zeigt der jetzt biodyn zertifizierte Wein Veilchen, Sanddorn, rote Kirsche, zermahlene Erdbeere und Himbeere. Eher rotfruchtig und aromatisch als schwarzfruchtig. Sehr schicke Nase. Animierend aromatisch. Lecker und köstlich. Auch im Mund hat man diese zermahlene Erdbeere mit Himbeere, rote Kirsche, Sauerkirsche, was sicherlich mit der reifen Lese zu tun hat. Ein kleines bisschen trocken vom neuen Holz ist er aber schon, Cassis und Brombeere fangen das aber mit etwas Tannin und Kraft wieder ein. Ein leckerer, ein ganz köstlicher Wein. Er hat nicht ganz die Klasse der schicksten Weine des Jahrganges wie Giscours oder Malescot. Ihm fehlt die erhabene, leicht abgehobene Art der ganz schicken Margaux. Dafür ist er harmonisch, stimmig und sehr lecker. Toller Trinkstoff. 95+/100

Lobenberg: Feytit Clinet ist eigentlich in jedem Jahr ein Geheimtipp, da es nur so kleine Mengen und so wenige Distributionskanäle gibt. Total schwarze Frucht in der Nase. Dicht, aber nicht wuchtig oder fett. Schwarze Kirsche und Brombeere, Cassis. Er kommt als dichte Wolke mit sehr schön definierten Kanten, sehr präzise rüberkommend. Im Mund diese extreme Präzision wieder aufgreifend. Das gefällt mir richtig gut. Das ist noch klarer als in der Nase. Extremer Geradeauslauf. An was erinnert mich dieser Feytit Clinet? An schöne Jahre La Conseillante, aber so klar, so sauber auf der schwarzen Kirsche und der Brombeere laufend. La Violette und Le Gay in großen Jahren? Süß und trotzdem gar nicht marmeladig, sondern ganz klar bleibend und schick. Der macht Freude. Das ist ein wirklich schöner, geradliniger, sehr komplexer und raffinierter Pomerolwert. 97-98+/100

Lobenberg: Der Weißwein von Chateau Fieuzal ist eigentlich immer der angesagtere Wein als der Rotwein, und es ist ein sicherer Wert in der mittleren Oberklasse der Weißweine von Pessac Léognan. Der 2016er ist unglaublich aromatisch. Ein Mund strotzt vor Pfirsich, Aprikose, Litschi, auch ein bisschen Avocado und Kiwi. Der Mund macht echt Freude, die Holznote darunter ist ganz moderat. Die Sauvignon überwiegt über die Semillon. Die Nase zeigt eine wunderschön würzige Aromatik nach eben diesen Früchten. Das Ganze hat einen leicht frischen und grünen Hauch, obwohl er überhaupt nicht unreif ist. Das macht ihn frisch und schick. Auch ein bisschen Orangenschale. Aber dennoch nicht ansatzweise so frisch wie der weiße Smith Haut Lafitte, sich aber mehr in dessen Aromatik bewegend. Da wirklich ganz vorzüglich. Der Wein macht viel Freude. Ist schon jung sehr schön und einnehmend in diesem Spiel zwischen Pfirsichfrüchten, Bitterorange, Mango, Avocado und Kiwi. Das macht richtig Freude. Das schwingt und ist sehr vielschichtig und komplex. Ein toller Wein. 95-96+/100

Lobenberg: 36% Merlot, 26% Cabernet Franc, 38% Cabernet Sauvignon, pH-Wert 3,67, 14% Alkohol. 49 Hektoliter pro Hektar Ertrag. Die Ernte für den Merlot war vor dem 10. Oktober beendet, die Cabernet Franc wurde vom 12. Oktober bis zum 20. Oktober geerntet, die Cabernet Sauvignon genauso. Die Besonderheit auf Chateau Figeac ist der extrem hohe Anteil an Cabernet Sauvignon. Das ist dem speziellen Untergrund geschuldet mit diesen, eher ans linke Ufer erinnernden Kiesböden. Also weniger lehmig und sandig sondern kiesig auf Figeac. Dies ist beim übernächsten Nachbarn Vieux Chateau Certan ebenso der Fall, auch hier wird in normalen Jahren ein großer Teil Cabernet Franc verarbeitet. Das macht in nicht so reifen Jahren immer Probleme, weil Chateau Figeac dadurch sehr verschlossen rüber kommt, und immer viel Zeit braucht um sich gut zu zeigen. In reifen Jahren ist Cabernet Sauvignon durchaus ein Vorteil. Bspw. in 2015 und 2016 mit diesen so perfekten Cabernet-Jahren. Und die Nase ist dementsprechend auch deutlich von der Cabernet geprägt. In einer Blindverkostung hätten wir das niemals aufs rechte Ufer gesteckt. So wunderschöne reife Johannisbeere, duftige rote Kirsche mit viel Sauerkirsch-Anteil, Schattenmorellen. In seiner schicken Art durchaus eine gewisse Ähnlichkeiten mit Leoville Poyferré und Gruaud Larose erkennen lassend. In seinem Druck und der leichten Dramatik auch durchaus Leoville Las Cases. Auf jeden Fall eher untypisch für Saint Emilion. Auch der Mund komplett auf roter Frucht laufend. Rote Johannisbeere, Sauerkirsche, Schlehe. Singend, ganz viel Druck, dabei aber unglaublich fein. Die Tannine sind total poliert. Das Ganze endet mit einer salzigen Spur im Unendlichen. So fein und so wenig Merlot geprägt. Auch die Cabernet Franc mit ihrer zerdrückten Himbeere kommt dann wieder. Das Ganze macht nicht nur viel Freude, sondern ist auch eindrucksvoll in dieser Klarheit, Präzision und dieser Medoc Ausrichtung. Stärker denn je. Es mag sicherlich Puristen geben, die diesen Figeac ob seiner totalen Cabernet Fixierung und im Grunde Leoville Las Cases Ausrichtung ablehnen. Aber es ist einer der ganz großen Figeacs, in dieser unglaublichen rotfruchtigen Feinheit. In dieser unikathaften Art. Ein Wein für ewiges Leben und sich für immer von allen anderen Saint Emilions unterscheidend. 2016 mehr denn je. Bin begeistert. 100/100

Lobenberg: Eines der Brot und Butter Weingüter in Saint Emilion, die immer stimmen. Fombrauge, Faugeres, Grand Mayne, Grand Pontet etc. Alles passt, alles ist archetypisch. Moderner Saint Emilion, aber nichts hat individuellen Touch. Gute reichhaltige Schwarzkirsche, Brombeere-Nase. Recht feiner Mund. Passend, nicht überextrahiert, wenngleich etwas trocken vom vielen Holz. Trotzdem ein stimmiger Wein ohne großen Schick und besondere Raffinesse. Archetypischer Saint Emilion. Den muss man auf Grund der viel bessern Konkurrenz einfach nicht kaufen. Trotzdem anerkenne ich den guten Erfolg. 93-94/100 

Lobenberg: Mitten in den vielen rustikalen und maskulinen Weinen ragt Fonbadet mit seinem unglaublichen rotfruchtigen Charme heraus. Schon in der Nase ungewöhnlich für Pauillac, voll auf der Kirsche laufend. Der Mund ist süß, zerdrückte Kirschen, Himbeeren, Erdbeere mit feiner Minze und Eukalyptus darüber. Süße rote Frucht. Total charmant und dabei eine schöne Mineralität zeigend. Durchaus Freude bereitend. Schöner Pauillac. 93-94/100

Lobenberg: Fonreaud war 2010 und 2015 ein Traum. 2016, polierter, geschliffener, noch feiner. Aber ich finde ihm fehlt ein bisschen diese unglaublich charmante Wärme von 2015 und 2010. Sehr stylischer Wein, aber es fehlt ein wenig die Köstlichkeit. Und ich finde er braucht einfach diese warme Frucht um dann die Trinkfreude ins Glas zu bringen, die ihn ausmacht. Listrac hat einfach kalte Böden. Schöner Wein, aber in 2016 nicht unbedingt zu meinen Favoriten gehörend, obwohl ich anerkenne, dass es für Listrac ein toller Wert ist. 90-91/100

Lobenberg: Chateau Fonroque ist ein biodynamisches Weingut im Besitz von Alain Moueix, einer der Vorreiter der Biodyn-Bewegung überhaupt, zusammen mit Thierry Valette von Clos Puy Arnaud in Castillon. 17,5 Hektar mit Kleinsterträgen, 80% Merlot, 20% Cabernet Franc. In der Regel nur 50% der Ernte im Erstwein, um dort die Perfektion zu haben. Die Ernte bei Fonroque findet, wie bei allen Biodynamikern, tendenziell früher statt. Hier in der letzten Septemberwoche beginnend. Zwar eine Woche später als Clos Puy Arnaud, aber weitaus früher als die Nachbarn. Die Trauben bei den Biodynamikern reifen in der Regel sehr viel schneller, da der Weinberg gesünder ist. Die kleineren Spritzanteile behindern die Natur weniger. So ist die physiologische Reife der Kerne eben viel eher erreicht. Auf Chateau Fonroque wurde in 2016 vom 28. September bis zum 14. Oktober gelesen. Das war fast 10 Tage später als in 2015, dennoch viel eher als die Nachbarn. Die Nase von Fonroque ist immer sehr fein. 2016 ändert sich diesbezüglich gar nichts. Nur das 2016 noch etwas präziser und schwebender ist als die traumhafte Nase des 2015er. Etwas homogener, gleichmäßiger. Der Mund ist sehr fein. Noch feiner als letztes Jahr. Die Säure etwas präsenter, das Tannin etwas massiver. Im Grunde hat 2016 hier unheimlich viel Ähnlichkeit mit 2015. Vielleicht einen kleinen Hauch mehr an Intensität. Aber im Grunde in die gleiche Richtung gehend. Das Tannin und die Säure hallen lange nach. Der Wein verhallt erst nach 2 Minuten. Schlehe, Sauerkirsche, Johannisbeere. Wir haben all die rotfruchtigen Komponenten präsent. Aber auch vom Cabernet Franc her einen sehr schönen Teil eingekochte Himbeere. Das Ganze aber sehr fein bleibend, nie marmeladig werdend. Was eine Wohltat nachdem wir zuvor Peby Faugeres probiert haben. Was für eine Wohltat, einen so feinen, schwebenden, balancierten, fruchtstarken, aber dennoch finessereichen Wein zu probieren. Eine so tolle Aromatik. Er ist so delikat. Der Wein besteht nur zu 15% aus Cabernet Franc, und trotzdem spielt diese im Nachhall eine so deutliche Rolle. Die Merlot bringt den molligen Rahmen. Der Alkohol ist mit 13,8% für einen Saint Emilion auch relativ moderat und überhaupt nicht zu spüren. Genau so wie das Holz. Das passt in die Reihe der Weine der letzten zwei Tage. Das sind die wirklich schönen Weine, die so viel Freude machen. 95/100 

Lobenberg: Das Weingut von Michel Rolland, auf dem er persönlich wohnt. Ein Vorzeigeweingut in seiner Art der Weinbereitung. Zum Teil im Barrique vergoren. Immer sehr üppig, süß und hochreif. Diese reife Nase zeigt auch 2016. Schöne, reife, dichte schwarze und rote Kirsche, Brombeere, Cassis. Der Mund deutlich holzbetont. Hochreif, süße Frucht. Er kann an die Finesse der zwei, drei besten Weine der Appellation nicht heran, ist aber trotzdem eindrucksvoll. Braucht aber sicher 5 Jahre Reife und wird dann ein sehr leckerer Wein werden. 92-93+/100

Lobenberg: Dieses Weingut gehört auch Cathérine Papon-Nouvel, der auch Clos St Julien und Petit Gravet Ainé gehört. Auch dieses Weingut ist bio. 70% Merlot, 30% Cabernet Franc. 40-50 Jahre alte Reben auf Sand-, Lehm-, Kalksteinuntergrund an den Südhängen St Emilions. Die Weine werden nach kompletter Entrappung spontan im Stahl vergoren. Der erste Ausbau im Stahl, danach ein weiteres Jahr im zwei und dreijährigen Burgunder-Eichenfass. Wenn wir diesen Gaillard direkt nach Peyrou verkosten, fällt auf, dass natürlich Saint Emilion die teurere Appellation ist, und hier auch vielleicht die Nase einen Hauch feiner und gradliniger gezeichnet ist. Gerade der 2016er Gaillard ist wirklich berauschend schön. Dennoch hat Peyrou so viel Würze und eine dichte, berauschende Frucht, dass ich sie irgendwo auf einem ähnlichen Level sehe. Was für Gaillard spricht, ist der hohe Cabernet-Franc-Anteil, der in der Nase einfach eine schöne, deutliche, konzentrierte Himbeerspur neben der Cassis, Brombeere, Pflaumennote zeigt. Und natürlich haben wir das riesige Glück, dass dieser hocharomatische 2016er Jahrgang so unglaublich fein, aromatisch und trotzdem klar gezeichnet, voller Lebendigkeit, Spannung und Säure ist. Der Mund verblüfft mich dann doch. 2015 gefiel mir sehr gut, war sehr charmant. Ein toller Saint Emilion für den Einstieg. 2016 hat noch einen Touch mehr. Vor allem mehr Mineralität, Reife und Frische. Eine unglaublich schöne Säure-Struktur. Nie spitz. Weich, warm, pikant mit viel Salz über die Zunge laufend. Gaillard hat einen richtigen Quantensprung in Qualität gemacht und ist für mich jetzt erstaunlicherweise sogar leicht oberhalb von Peyrou von der gleichen Erzeugerin. Da kommt so unglaublich viel schöne Zwetschge, Brombeere, Cassis aber auch rote Frucht. Ein bisschen Sanddorn, exotische Orange, sogar ein bisschen Passionsfrucht kommt dazu. Die Cabernet Franc mit ihrer Himbeere und dieser pikanten Note verleiht der Merlot Flügel. Das ist schicker Einstiegsstoff. Ich glaube in diesem Preisbereich hatte ich noch nie einen so grandiosen Saint Emilion. Das macht so viel Freude und ist so lecker, dabei trotzdem intensiv und mit viel Anspruch. So gesehen ist es gut, dass ich Peyrou bei 93+ in der Bewertung gelassen habe, weil ich diesem Gaillard einfach 94+ geben muss. Er ist einfach so gut. Wenn der Preis so bleibt wie in den Jahren zuvor, ist das für alle Einsteiger in Saint Emilion ein Muss-Kauf. Gaillard hat in 2016 das erste Mal das auch auf Chateau Ausone verwendete, neue System der Beerensortierung angewandt. Die Trauben werden komplett entrappt und zwar so schonend, dass keine Beeren verletzt werden. Dann gibt es eine Wasser/Zucker-Lösung, die das spezifische Gewicht reifer Beeren enthält. Diese Lösung wird gekühlt. Alle Beeren gehen über ein Förderband in dieses, wenn man so will, gezuckerte Wasserbad. Alle reifen Beeren, die diesem Gewicht mehr als entsprechen bzw. es auf Grund des Reife- sowie des Zuckergrades übersteigen, sinken runter. Alle unreiferen Beeren bleiben oben. Diese werden dann abgeschöpft. Das Ergebnis sind ausschließlich reife Beeren. Dieses Verfahren soll dem optischen Fotosystem, was überall im Medoc verwendet wird, mindestens gleichwertig sein, weil es hier ja wirklich um das spezifische Gewicht der flüssigen Bestandteile in den Beeren geht. Somit kann der Reifegehalt wirklich auf den Punkt gemessen werden. Diese Selektion hat zu dem qualitativen Quantensprung bei Chateau Gaillard geführt. Es wird zwar viel mehr aussortiert, aber das Ergebnis ist berauschend. Zusammen mit Peyrou bekommen sie bei Catherine zwei absolute Schnäppchen für ganz kleines Geld und in großer Qualität. 94+/100

Lobenberg: Gazin ist wie viele der besten Pomerols mit einer extrem schicken, geschliffenen Nase. Konzentrierte schwarze Kirsche, Brombeere, Cassis. Aber nichts Lautes, alles getragen, fein. Lakritze, Veilchen, gut verwoben. Sehr versammelte, schlanke, präzise Nase. Schöne Frische im Mund zeigend. Rote Johannisbeere, Sauerkirsche. Auch wieder diese konzentrierte schwarze Kirsche. Etwas trocken, etwas viel extrahiert. Die Frische ist da, aber dafür fehlt in der Mitte ein bisschen der Druck um das zu balancieren. Das was Clinet an Power hat, fehlt eindeutig bei Gazin. Guter Gazin, aber nicht so berauschend wie die noch bessere Konkurrenz. 94-95/100

Lobenberg: Ein 90 Hektar großes Weingut in Margaux. Typische Garonne Kiesböden. Tiefe, gute Drainage. Dichter Kies mit etwas Lehm. 60% Cabernet Sauvignon, 33% Merlot, 5% Cabernet Franc und 2% Petit Verdot. 50% Ausbau im neuen Holz, 50% im gebrauchten, reine Spontanvergärung. Der Alkohol liegt zwischen 13 und 13,5 Volumenprozent. Es ist der gleiche Besitzer wie bei Chateau Du Tertre in Margaux. Der Regisseur ist Alexander van Beek. Hier wird enorm viel im Weinberg investiert und Giscours ist seit 2008, vielleicht sogar seit 2005, einer der engsten Verfolger der Spitze. Das Weingut gehört immer zu den Top 5 und liegt mit Rauzan-Segla und Malescot St. Exupery fast immer gleichauf. Seit 2015 vielleicht sogar vor diesen beiden, in direkter Verfolgung zu den beiden Entrückten Palmer und Margaux, die allerdings auch preislich weit entrückt sind. Die Nase des 2016er Giscours ist nach dem extrem entgegenkommenden, charmanten, fast wollüstigen, einnehmendem 2015er deutlich versammelter. Der Cabernetanteil ist höher. Schwarze Johannisbeere dominiert die Nase. Nur ein bisschen schwarze Kirsche darunter. Brombeere, auch etwas Sanddorn. Alles singt. Schwarze Lakritze mit hoher Intensität. Ganz viel Minze und Eukalyptus, auch Veilchen. Alles ist sehr dicht und voller Spannung. Ein Wein, der in seiner Nase und seiner Intensität ein bisschen an den grandiosen Leoville Las Cases erinnert. Nur riechen reicht. Was eine Orgie in der Nase. Auch der Mund ist nahe bei Las Cases. Erstaunlich, wo wir hier in Margaux sind, aber was die beide eint, ist der hohe Anteil Cabernet. Las Cases hat vielleicht noch mehr. Aber Giscours hat es perfekt getroffen. Die Cabernet ist reif. Vielleicht nicht ganz so extrem intellektuell wie auf Chateau Margaux mit seinen 94% Cabernet, aber schon in die Tendenz gehend. Ganz anders als Palmer, als Malescot, als Rauzan-Segla. Wir sind hier wirklich, in dieser Spannung, in dieser Dramatik, wie wir sie nur bei wenigen Weingütern in diesem Jahr getroffen haben. Alles singt und springt. Die Komplexität ist immens. Man muss sich darauf einlassen. Gerösteter Rauch, Olivenpaste, schwarze Erde. Alles unterlegt von der reifen schwarzen Kirsche und der schwarzen Johannisbeere, die massiv schiebt. Auch die Brombeere kommt mit Druck. Das Ganze mit schöner, mineralischer Länge. Das passt ziemlich perfekt. Wir haben aber keinen butterweichen Jahrgang, obwohl die Tannine geschliffen sind, sondern wir haben einen dramatischen Jahrgang. Ein Jahrgang wie 2010, aber mit einem deutlichen Plus in der Eleganz und Finesse. Das Tannin ist geschliffener, die Tiefe etwas tiefer, und gleichzeitig der Alkohol auch etwas tiefer. Das zusammen ergibt bei Giscours meines Erachtens nach einen echten Quantensprung der Qualität in der Geschichte des Chateaus. Und Giscours ist vielleicht von allen Weingütern des Margaux, trotz all der Reife und dieser schicken Eleganz, das klassischste Exemplar aller Weiner dieser Appellation, und ragt damit heraus. Natürlich kann er an Chateau Margaux, die einen „best ever“ Cabernet hingelegt haben, nicht heran, aber er schiebt sich klar vor Rauzan-Segla, vor Malescot. Chateau Palmer bleibt eine Extra Nummer in seiner puristischen, extrem naturverbundenen Biodynamik. Aber Giscours ist begeisternd. Ich hätte vor 10 Jahren nicht gedacht, dass Giscours sich einmal so weit entwickeln kann. 97-99/100      

Lobenberg: Chateau Grand Pontet liegt an der Hauptstraße von Pomerol Richtung Saint Emilion, kurz vor dem Ort Saint Emilion. Seit vielen Jahren archetypischer, aber auch durchschnittlicher Baukasten-Saint Emilion, immer mit relativ viel Holz und in hoher Reife geerntet. Immer gut, immer stimmig, aber nie ein Muss-Kauf auf Grund der spannenderen Konkurrenz. Der 2016er ist in der Nase sehr fein. Viel Schwarzkirsche mit nicht süßer Brombeere. Schöne Harmonie ausstrahlend. Wie ich eingangs sagte: Ein archetypischer, alles mitbringender Saint Emilion. Auch der Mund wiederspiegelt das. Alles stimmt. Die schwarze Kirsche dominiert über die leichte Brombeere. Nur ein kleiner Hauch Cassis, etwas Unterholz. Alles passt. Der Wein ist durchaus erfreulich. Aber er ist, wie ich schon einmal sagte, einer der archetypischen, das Jahr wiederspiegelnden, Freude machenden Saint Emilions. Aber es gibt für den gleichen Preis einfach viel individuellere, spannendere Nachbarn. Jedenfalls für mich. Deswegen werde ich Grand Pontet einfach nicht kaufen. Trotzdem ist er sehr gut und besser denn je. 94/100

Lobenberg: Typische Pauillac Nase, sehr maskulin. Schwarz, würzig, dicht. Im Mund etwas trocken. Insgesamt etwas wenig Charme. Stark extrahiert. Wird nie mein Liebling. Nein, da hat man glaube ich zu viel gearbeitet. 90-91/100

Lobenberg: 79% Cabernet Sauvignon, 21% Merlot. Ernte zwischen dem 28. September und 13. Oktober. 2016 war ein ziemlich perfektes Jahr hier mit einer großen Erntemenge. 45 Hektoliter pro Hektar. Die Nase überrascht mich. Nach dem unglaublich feinen 2015er ist der 2016er deutlich versammelter. Sehr reife, konzentrierte Pflaume mit süßer Sauerkirsche. Was anderes fällt mir dazu nicht ein. Schattenmorellen. Sehr dicht und sehr fein aber nicht üppig. Auf der schwebenden Seite verbleibend, obwohl die Aromatiken sehr präsent sind. Deutlich die Eigenheit des Terroirs von Grand Puy Lacoste herausgearbeitet, und deutlich Pauillac. Wenngleich nicht zu maskulin, aber eindeutig. Wir haben hier eine etwas massivere, etwas kleinere Form eines Pichon Lalandes, mit dieser wunderschönen Frucht, Feinheit und Raffinesse. Aber im Grand Puy Lacoste ist alles eine Spur dichter und versammelter. Sehr präzise in der Aussage. Da war der 2015er mit seiner wollüstigen Offenheit vielleicht die größere Ausnahme. 2016 ist eher wie eine superfeine Version der großen Jahrgänge wie zum Beispiel 2010. Aber ultrafein. Die Tanninmassen sind präsent in dem dichten Nachhall, aber sie sind total geschliffen, extrem fein. Nichts tut weh, nichts schmerzt, nichts muss man auf die Zukunft projizieren. Alles macht Freude. Fein und raffiniert. Der Nachhall fasziniert deshalb so sehr, weil er so stark in seiner süßen, roten Frucht wieder hochrollt. Sauerkirsche, Schlehe, zerdrückte Himbeere, Schattenmorellen, frische und auch reife Zwetschge. Dazu etwas Sanddorn. Ein Hauch gelbe Frucht, ein Touch Mango. Etwas Pfeffer und helle Lakritze. Ein wirklich schicker Pauillac. Und gäbe es nicht Pichon Lalande direkt davor, würde ich ihm wahrscheinlich 97-100 geben. So bin ich mal etwas vorsichtiger. 97-99/100

Lobenberg: Gruaud Larose war 2015 einer der allerbesten Weine der Appellation und einer der wenigen Weine aus Saint Julien, die reif, schick und köstlich waren. 2016 ist Gruaud nicht mehr alleine an der Spitze. Alle drei Leovilles sind grandios, aber die Nase von Gruaud Larose ist ein tolles Unikat. Ein ultra schickes Unikat. Süße, rote Kirsche. Hohe Intensität im Duft. Feine Eukalyptus, Minze, tolle Blumigkeit, Veilchen, Rosenblätter. So schön verwoben. So köstlich, so duftig. Wo sind die grasigen, rustikalen Gruaud Larose der Vergangenheit geblieben? Die letzten Jahre schon war Gruaud Larose ein ultra schicker Wein. Auch der Mundeingang läuft voll auf der Kirsche. Sehr viel schwarze Kirsche. Allerdings ist der Mund des 2016er nicht so viel anders als der des ultra köstlichen 2015er. Vielleicht ein bisschen stylischer, präziser im Geradeauslauf, in der schwarzkirschigen Frucht, die so sauber an den Kanten definiert ist. Das ist echt schick. Er kann allerdings nicht an die drei Leovilles heran. Die stehen wirklich sehr einsam an der Spitze, aber es ist auf jeden Fall ein Super-Stoff und für mich der beste Gruaud Larose, den ich je probiert habe. 96-97+/100  

Lobenberg: 2 Hektar in direkter Nachbarschaft zu Le Pin gelegen. Bestes Terroir. Hauptberater ist Monsieur Despagne. Ein bekannter Weinmacher, von vielen verschiedenen Weingütern u.a. La Rose Figeac. Auch die berühmte Thienpont-Familie mischt hier mit. 80% Merlot und inzwischen 20% Cabernet Franc. Sehr alte Reben bei winzigen Erträgen. So schön reife, runde Frucht. Gott ist das viel Kirsche. Unglaublich. Kirsche mit Johannisbeere, eingekochter Himbeere. Kaum schwarze Frucht sondern eher ganz fein bleibend. Fast burgundisch. Einer der wenigen, fast burgundischen Weine in Pomerol im Gefolge von La Croix und La Rose Figeac, mit dem er problemlos mitkommt, sogar dem auch so feinen Beauregard konkurrierend nacheifernd. Und dabei so ätherisch, so unfassbar köstlich in der Aromatik. Dicht und doch fein. Ganz wunderbare florale Noten und eine Frische, die ich hier in dieser Form noch nie hatte. Eine mineralische, salzige Länge, wie wir sie so auch noch nicht hatten. Der 2015er war köstlich und sehr entgegenkommend, einnehmend. Der 2016er legt dann noch eine stylische und extrem präzise Klasse oben drauf. Das ist schon mindestens gehobene Mittelklasseliga in Pomerol und in dieser burgundischen, süßen, rotfruchtigen Art, seiner grandiosen Frische und massiven, aber total geschliffenen, seidigen Tannin. Eine neue Ära für Guillot Clauzel. Ein Nachhall von sicherlich 2 Minuten. Dieses intensive Tannin mit der Kirschfrucht schwappt immer wieder hoch. Der Wein braucht, obwohl er so freundlich erscheint, 6-7 Jahre im Keller, bis er dann das Tannin vernünftig verarbeitet hat. Dafür wird er sicherlich 30 Jahre und mehr halten. Das ist ein superber Finessenwein mit grandioser Frische und sattem Tannin. Aber er täuscht den Konsumenten ein wenig. Da er diese Feinheit nur vorgaukelt. Darunter ist unglaublich viel Tannin-Kraft. Der Wein hat was. Ich bin begeistert. 96/100

Lobenberg: Ein Gemeinschaftsprojekt u.a. von Graf Neipperg und der Domaine de Chevalier. Hochintensive, aber üppige Nase. Klassische Frucht mit Exotik gemischt. Superreife Mango, Papaya, Ananas, Passionsfrucht. Sehr üppig und süß rüberkommend. Der Mund balanciert diese im Grund zu üppige Nase aber mit famoser Säure ganz hervorragend. Feiner Bitterstoff, eine tolle Säure lässt das Ganze schwingen. Ich habe es nach Climens probiert und um ehrlich zu sein, hat der Wein dagegen nicht den Hauch einer Chance. Weil Climens so zart und verspielt ist. So einer deutschen Riesling Beerenauslese der Extraklasse entsprechend. Da kann Guiraud nicht mit. Er ist klar fetter, eher einer übergewichtigen TBA ähnelnd. Aber das Säurespiel ist sehr schön. Das macht durchaus Freude. Es muss nur sinnvoll mit der Speisenfolge kombiniert werden, dann hat Guiraud durchaus seine Berechtigung. Als singuläre Geschichte ist sicherlich Climens der Bringer schlechthin in diesem Jahr. Als Speisenbegleiter ist Guiraud mit seiner üppigeren, fetteren Frucht und der guten Balance in der Säure eine durchaus schicke Empfehlung. 96-98/100

Lobenberg: Das biodynamische Pauillac-Weingut von Clair Villars von Chateau Ferriere aus Margaux. Schwarze Frucht, sehr fein geschliffener Gerbstoff, guter Kirschdruck in der Nase, schickes Tannin von schwarzer Kirsche, Cassis und Brombeere zeigend. Fast betörend und nicht so klassisch maskulin wie in den Jahren vor 2015. Ob es an der Biodynamie, oder dem wahnsinnig tollen Jahrgang 2016 mit den kalten Sommernächten liegt, kann ich nicht sagen, aber so köstlich in Nase und Mund habe ich dieses eigentlich sehr klassische Weingut noch nie probiert. Schwarz, kraftvoll und doch charmant und reif, trotz des Schicks aber sehr Pauillac bleibend. Wie auf Ferriere geht es auch hier mächtig voran, das mag, wenn es preislich passt, der perfekte Starter ins Pauillac werden. 94-95/100

Lobenberg: Haut Bailly hat in den letzten 10 Jahren gewaltige Anstrengungen im Weinberg unternommen. Erstmals mit 2012 haben sie den Rebschnitt komplett umgestellt, auf eine, auch in Deutschland inzwischen immer mehr in Mode kommende Biodynamikmethode, die den Fluss des Saftes weniger unterbricht. Dafür ist extra ein eigenes Trainings-Team aus Italien ins Bordeaux gereist, und hat alle Mitarbeiter viele Wochen lange unterrichtet. Das Ergebnis ist ein weitaus längeres Leben der Reben und eine deutlich verbesserte Gesundheit, speziell bei den alten Weinbergen mit einem Alter von bis zu 120 Jahren. Haut Bailly ist schon lange in totaler Dichtpflanzung. Das wird hier Jahr für Jahr noch weiter getrieben. Also ganz geringe Erträge pro Rebstock, inzwischen unter 500 Gramm Ertrag pro Rebe. Die Weinberge werden biologisch bearbeitet. Der Betrieb ist aber nicht zertifiziert. Cabernet Sauvignon 53%, Merlot 40%, Petit Verdot 4% und Cabernet Franc 3%. Die Lese fand zwischen dem 26. September für Merlot und bis zum 18. Oktober für Cabernet statt. Die Nase ist ähnlich wie auch schon beim 2015er im letzten Jahr, alles nur noch ganz fein. Eine Wolke von schwarzer und roter Kirsche, reifer Zwetschge, dunkle Schokolade und Lakritze, auch Holunder, alles präzise und ziemlich präsent. Nur ein Hauch von Eukalyptus und Minze. Im Mund sehr schöne Süße zeigend. Süße Zwetschge, süße schwarze Kirsche, auch Maulbeere, sehr fein. Nur minimal Cassis. Überhaupt nicht marmeladig, sondern nur fein und stylisch. Extrem präzise in seiner überwiegend kirschigen Frucht, dazu mit einem wunderbaren Geradeauslauf. Fein verwoben. Tolle Salzspur. Aber nichts ist heftig. Das Tannin ist ultrageschliffen. Noch feiner als 2015 und noch präziser. Raffiniert, voller Finesse. In dieser Feinheit erinnert er mich am ehesten an Chateau Seguin. Vielleicht noch eine Spur darüber in der Feinheit. Selbst der geniale Pape Clement und Smith Haut Lafitte kommen an diese unglaublich raffinierte Feinheit nicht heran. Man muss aber Fan dieser extremen Finesse sein. Diese Verspieltheit, dieses extreme Delikate und unanstrengende Köstlichkeit. Ein superber Wein, ein Pessac Léognan wie ein ultrafeiner Pomerol und trotzdem mehr auf Kirsche laufend. Und in der Mineralität unverkennbar Pessac. Das ist eines der Highlights des Jahrganges. Aber nochmal: Die schönsten Weine des Jahrganges 2016 sind häufig nicht klassisch, traditionell etwas rustikales Bordeaux, sondern unendlich fein, köstlich, delikat, stylisch und schick, leichtfüßig und mit genialem Trinkfluss, soooo unanstrengend, so wie dieser atemberaubend elegante Haut Bailly. Ein Traum 100/100

Lobenberg: Dieses Weingut gehört der gleichen Besitzerin wie Chateau Barde Haut in Saint Emilion. Immer ein extrem charmanter, reichhaltiger, voluminöser Wein, aber ohne das letzte Quäntchen Finesse. Und diese üppige Fülle, fast noch mehr als der zuvor probierte Fieuzal, ist auch 2016 vorhanden. So süß, so dicht, so reich. Aber nicht marmeladig oder schwer. Aber einnehmend. Den Trinker mit Charme umgarnend und dann hineinziehend in diese Opulenz. Der Mund greift dies auf. Ist ein klein bisschen trocken, etwas spröde als die Nase. Das kommt durch die durchaus starke Extraktion. Und im Mund verliert er dann doch leicht, fällt etwas ab und wirkt etwas rustikal durch die starke Extraktion. Hat am Ende dann doch das Nachsehen gegenüber Fieuzal. Ein guter Wein, aber kein großer Wein. Macht keine wirklich Freude, obwohl er sehr anständig ist. 92-93/100

Lobenberg: Dieser Premier Cru ist eigentlich immer der beste Wein der gesamten Appellation, und da Pessac Léognan dieses Jahr so ein High-Flyer ist, sollten wir hier an der Spitze sein. Abwarten ob der Premier Cru das wirklich halten kann. 56% Merlot, 6,5% Cabernet Franc und 37,5% Cabernet Sauvignon. Die Ernte verlief über fast einen ganzen Monat vom 19. September bis zum 13. Oktober. Das Stadtgebiet von Bordeaux hat immer den Vorteil, dass etwas besseres Kleinklima herrscht. Insgesamt immer früher in der Lese zu sein als die südlicheren Pessac Weingüter. Anders als La Mission, zeigt Haut Brion in der Nase genau diese fehlende Süße, die ich bei La Mission eben so schmerzlich vermisst habe. Wuchtige, süße, schwarze und rote Kirsche, feine Maulbeere. Aber Kirschfrucht dominiert. Auch intensive Zwetschge, sehr fein zerdrückte Himbeeren, Pflaume und ganz sanfte Süße. Nicht aggressive Johannisbeere. Ein sehr schöner Fruchtkompott. Auch ein bisschen Erdbeere, weißer Pfeffer, helle, fast weiße Schokolade, schöne Blumigkeit. Die Nase ist unglaublich schön und berauschend. Der Mund lässt die Augen zusammen ziehen. Die Zunge rollt sich fast. Das ist ein massiver Ansturm an hochintensiven Gerbstoffen und dann kommt ganz viel Säure. Das Tannin ist geschliffen, die Säure ist nicht spitz, aber alles ist reichlich vorhanden. Eine so hohe Intensität. Sogar leichter Bitterstoff dazu. Das ist ein Angriff auf den Gaumen. Das ist zwar kein Wein, der weh tut, aber weit davon entfernt ist er auch nicht. Das ist so explosiv im Gaumen. Was mich stört ist der leichte Bitterstoff im Nachhall und auf der Zunge, zusätzlich zur Mineralität. Oder ist es mineralische und Tanninschärfe? Auf jeden Fall ist es ziemlich brachial und irgendwie auch fein zugleich. Dramatisch. Ein ziemlicher Kracher. Ist das wirklich die Spitze der Appellation? Ich glaube es zumindest bezogen auf Köstlichkeit nicht. Ich fand Haut Bailly, Pape Clement, Smith, Carmes und Seguin da besser. Mir ist das zu trocken im Ausdruck. Zu brachial. Mir fehlt ein wenig der Charme. Und nur weil man ein Premier Cru ist, kann man nicht erwarten dafür einen großen Bonus zu erhalten. Dafür gibt es zu gute Konkurrenz. Ein sicherlich großartiger Wein, aber mir persönlich zu extrem in seiner etwas bitteren Tannin-Ausdrucksweise. Zu brachial, zu brutal in seiner Art. Das wundert mich sehr, hat dieses Weingut normal auch so viel Feinheit. Die Frische ist da, das Tannin ist da, die Wucht ist da, es ist auch Süße da. Aber um als Gesamtkomposition erklingen zu können, dazu fehlt mir schlussendlich die Harmonie und die große Feinheit. Dafür wird er 100 Jahre halten und nach 50 Jahren die zuvor genannten Mitbewerber abhängen. Ist doch auch was! 97-100/100

Lobenberg: Das Weingut war bis 2015 biozertifiziert. Allerdings hat man jetzt 5 Hektar auf dem Kalksteinplateau in der Nähe von Tour Saint Christophe dazukaufen können. Das ganze Weingut hat jetzt etwas über 20 Hektar und ist dementsprechend wieder in Konversion zu Bio. Das wird in 2 Jahren der Fall sein. Die lehmigen, kalksteingemischten Kiesauflageböden sind jetzt mit großen Mengen reinem Kalkstein ergänzt worden. Auf Grund der lehmigen Majorität hat man einen hohen pH-Wert von 3,8 erreicht. Der Alkohol liegt etwas über 14%. 90% Merlot, 10% Cabernet Franc. Vinifikation spontan im Inox-Tank. Danach Ausbau in 35% neuem Holz, 35% Zweitbelegung, 30% Drittbelegung. Es werden ca. 60.000 Flaschen erzeugt. Das Weingut gehört Peter Kwok, dem auch Tour Saint Christophe und andere Weingüter gehören. Es ist das gleiche Team um Jean Christophe Meyrou und Jerome Aguirre, die für die Regie verantwortlich zeichnen. Dieser Wein ist deutlich typischer und der Erwartung von Saint Emilion entsprechender als Tour Saint Christophe. Es ist weniger Pomerol-artig extra fein. Eher etwas würziger, dichter. Hat neben der schwarzen Kirsche auch Brombeere, Cassis. Der Mund verblüfft. Er ist tiefer, konzentrierter als im letzten Jahr und trotzdem ist der Wein frischer. Die Balance ist klar besser. Es hat durch diese 5 Hektar mehr an Kalksteinplateau deutlich an Balance und Frische gewonnen. Aber gleichzeitig zeigt er recht viel Struktur. Brombeere, Maulbeere, Cassis, schwarze Kirsche. Alles was so typisch ist für Merlot. Wie letztes Jahr trinkig und lecker, aber nun auch deutlich strukturierter. Der Wein wird deutlich länger halten. Aber hat nicht ganz diese Extra-Feinheit wie ein Tour Saint Christophe. Es ist klassischer Saint Emilion. Dafür aber superb. Eine sehr gute Empfehlung für klassische Saint Emilion Trinker und dort sicherlich in diesem Preisbereich weit vorne. 95/100

Lobenberg: Haut Carles ist in Fronsac in der gleichen Gemeinde beheimatet wie Moulin Haut Laroque und die anderen Spitzenweingüter und seit Jahren einer der engsten Verfolger. Der 2016er zeigt eine dicht verwobene, sehr kirschige, fast marmeladig reife, harmonische Nase. Ein leckerer, köstlicher Mund mit schöner Komplexität. Kirsche, Brombeere, Cassis. Schöne Länge und sehr anständige Finesse wobei er in diesem Punkt nicht an Moulin Haut Laroque heranreicht. Im leckeren Antrunk ist er aber ein hervorragender Wert. Eine wirkliche Empfehlung im Schatten des Überfliegers Moulin Haut Laroque. Ein wirklich schicker Wein. 92-93+/100

Lobenberg: Früher einmal ein Topwert und Geheimtipp in Saint Estèphe, ist Haut Marbuzet seit einigen Jahren etwas abgehängt. 2016 zeigt eine sehr stimmige Nase und präsentiert sich sehr harmonisch. Gute Komposition, hohe Komplexität, feine Länge. Kein Riese, aber ein schöner, sympathischer Saint Estèphe mit gutem Schliff und ohne die in den letzten Jahren vorhandene Rustikalität. Macht Spaß. 92-94/100

Lobenberg: Das Weingut liegt ganz im Norden in direkter Nachbarschaft zu Chateau Clos Manou. Das obere Haut Medoc war 2016 begünstigt. Es gab natürlich den Trockenstress im Sommer, aber die kiesigen, lehmigen Böden hier oben waren nicht im kritischen Zustand. Es gab im gesamten Medoc kaum Wasserstress, weil es viel Lehm gibt, guter Wasserspeicher. Auch die Feuchtigkeit vom Fluss hat dazu beigetragen, dass das Medoc insgesamt zwar trocken war, aber zusätzlich hat es hier im Sommer etwas mehr Regen gegeben als am rechten Ufer. Also war es einfach ein relativ perfektes Jahr. Die kühlen Nächte wie am rechten Ufer gab es im warmen Sommer 2016 auch hier. Somit auch hier hohe Säure. 30% Cabernet Sauvignon, 70% Merlot. Die Ernte fand statt zwischen dem 13. Oktober und dem 15. Oktober. Vergärung erfolgt spontan, Ausbau in neuen und gebrauchten Barriques. Sehr kleine Erträge. Haut Maurac profitiert auch im Jahr 2016 noch von der starken Beschädigung durch Hagel in 2014. Die Reben sind ungewöhnlich kraftvoll wieder gekommen. Haben kleine Erträge und dennoch viel Power. Die Nase verblüfft, denn sie ist auf der einen Seite sehr reif und auf der anderen Seite unheimlich frisch. Sie profitiert sicherlich auch von der inzwischen sehr, sehr vorsichtigen Extraktion. Die Weine werden von Jahr zu Jahr eleganter. Wir haben hier einen Großteil Zwetschge in allen Variationen. Dazu Sauerkirsche, ganz fein. Das Holz kaum spürbar. Himbeere, Schlehe, konzentrierte Erdbeere. Aber alles auf der schlanken Seite bleibend. Sehr verspielt. Der Mund dann deutlich voluminöser, deutlich versammelter. Was sagt man zu einem Wein, der im Mund sehr schlank und verspielt ist und trotzdem kraftvoll und voluminös daher kommt? Aber so ist es hier bei Haut Maurac. Wir haben schöne warme, reiche Frucht und trotzdem ist das Ganze sehr schlank, sehr elegant mit einem ungewöhnlich schönen Trinkfluss. Wenn 2015 in seiner Komplexität vielleicht sogar noch ein wenig hin und her sprang, so ist 2016 sehr gradlinig. Sehr fein und geschliffen. Schlehe dominiert. So schöne süße Frucht und trotzdem so unglaublich fein. Das Tannin deutlich vorhanden, aber total poliert. Nichts ist hart. Der Wein ist dynamisch und vibriert. Hat eine ganz tolle Spannung. Es ist eine wirkliche Delikatesse. 2016 ist im Vergleich zum nochmals probierten 2015er der etwas gradlinigere, der etwas geschliffenere, präzisere und elegantere Wein. Ich will nicht sagen, dass er besser ist. Eher auf gleichem Level, aber deutlich feiner und eleganter. Und letztlich auch delikater mit einem unheimlich seidigen Trinkfluss. Da 2015 so grandios ist, kann ich 2016 nicht höher bewerten, obwohl ich 2016 im Trinkfluss wegen der Gradlinigkeit und Eleganz, bei gleichzeitig etwas größerer mineralischer Länge vorziehe. 95-96/100 

Lobenberg: Dieses Miniweingut von Jérôme Aguirre hat nur 4 Hektar. 75% Merlot, 25% Cabernet Franc. Sehr alte Reben. Das Terroir ist Kies mit leichten Sand und Lehmanteilen. Nicht der üppig schwere Lehmboden. Dieses Weingut gehört der Familie seiner Frau. Die Trauben werden natürlich von Hand gelesen, die Auslese ist auch im Weinberg extrem. Es wird immer entrappt und im Zementtank spontan vergoren auf fast 0 Gramm Restzucker. Der Wein verbleibt danach noch einige Wochen auf der Schale. Eine Art Nachmazeration zur Harmonisierung. Anschließend wird der Wein zum Teil im Zement und zum Teil im Barrique ausgebaut. 50% des Holzes ist einjährig, der Rest zweijährig. Also gar kein neues Holz. Die Weine werden extrem harmonisch ausgebaut. Es wird kein Schwefel nach der Malo verwendet. Schwefel kommt erst zum Hochsommer, wenn die Temperatur stark ansteigt. Es geht also um extrem harmonische, würzige, süffige Weine. Die Reben auf Haut Musset sind zwischen 30 und 35 Jahre alt. Die Nase ist extrem sauber, wunderbar geradeauslaufend. Super gezeichnet. Total aromatisch, aber ganz sauber und präzise definiert. Deutlich frischer als 2014 und 2015. Eine wunderschöne, überwiegend schwarze Frucht, aber ätherisch, hocharomatisch und duftig. Im Mund ist Sauerkirsche der erste Angang. Danach noch etwas süße Kirsche, schwarzer Kirsche. Deutlich auf der Kirsche bleibend. Danach kommt schöne frische und reife Zwetschge. Kaum erwartete massive Brombeere. Vielleicht ein Hauch Cassis darunter. Aber sehr balanciert. Extrem sauber, extrem definiert. Die Cremigkeit wird von der wunderschönen Frische und dieser tänzelnden Spannung total eingefangen und dominiert. Holunder, Koriander, ein bisschen Olive. Sehr dicht aber eher noch frischer als dicht. Man merkt über die Jahre die ich mit Jérôme arbeite, dass der Wein an Tiefe gewinnt. Er bleibt der süffige Spaßmacher, aber er gewinnt profunder Tiefe, Dichte und Spannung. Es ist kein Wein zum Niederknien. Das war er noch nie und wird es vielleicht auch nie werden, aber es ist ein Lalande Pomerol, der in diesem Preisbereich Seinesgleichen sucht. Ein Wein mit unglaublich viel Spaßfaktor. Vielleicht nicht soviel besser als in 2015, sondern eher ein bisschen frischer und spannungsgeladener. 93-94+/100

Lobenberg: Im Besitz von Christian Moueix. Nur 4 Hektar, ein Winzling. Kies und roter Lehm mit hohem Eisenanteil. 85% Merlot, 15% Cabernet Franc. Nach Certan de May der nächste Kracher. Aber hier sind wir noch mehr bei wuchtig intensiver, tiefer roter Frucht. Ganz reife, fast konzentrierte junge Zwetschge mit Schattenmorelle und Sauerkirsche. Süße Kirsche, dann auch schwarze Kirsche. Alles hoch konzentriert. Aber nichts Sprödes dabei. Nur dicht, intensiv und lang. Im Mund knallt er dann fast. So intensiv kommt eben die gleiche Fruchtkonzentration rüber. Wir bleiben hier überwiegend auf der Kirsche. Dann ganz konzentrierte Himbeere dazu. Cassis, Zwetschge, Schlehe und eine unendliche Salzspur folgen. Es kracht richtig. Aber auch hier, wie in allen Moueix Weinen, keinerlei Sprödigkeit, keinerlei Härte in den Tanninen. Nur extreme Intensität im totalen Schliff. Ein Wein, der Zeit braucht, der aber dafür ewig halten wird. Ein großer Pomerol, und wie die besten Pomerols in diesem Jahr, bei Moueix sogar etwas aus dem totalen Schliff, aus dem Schicken herausragt. Dafür in seiner Pikanz und Intensität einfach zu den besten Pomerols gehörend. Er hat nicht ganz das Format des Chateau Clinet, aber ist nicht weit dahinter, alles in einer ähnlichen Charakteristik. 97-99+/100

Lobenberg: Das 18 Hektar große Château Jean Faure mit nur 40.000 Flaschen Gesamtproduktion grenzt exakt an die Weinberge von Château Cheval Blanc und La Dominique an. Die Weinberge bestehen überwiegend aus Lehm-, Kiesböden und etwas Sand. Eine sehr gute Wasserversorgung ist dadurch gewährleistet. Die Weinberge der drei Chateaux gehen auf breiter Front ineinander über. Das Terroir und die Bestockung sind fast identisch. Das Weingut wurde über die letzten Jahre immer mehr auf dichte Bepflanzung umgestellt. Die vorhandenen Reben sind uralt, teilweise über 80 Jahre. Die Ernte der Merlot fand vom 07. Oktober bis zum 10. Oktober statt und dann ab dem 13. Oktober wurde innerhalb von nur zwei Tagen die Cabernet geerntet. Die Rebsortenzusammensetzung in 2016: 55% Cabernet Franc, 45 Merlot. Olivier Decelle hat das völlig runtergekommene Weingut 2004 kaufen können wegen bestehender Erbstreitigkeiten. Das Weingut gehörte früher Madame Loubat, der vor dem Verkauf an Moueix auch das Château Petrus gehörte. Château Jean Faure hat in den letzten Jahren noch mal die Önologie und Weinbergsberatung umgestellt von Stéphane Derenoncourt als Berater auf Hubert de Bouard, genialer Besitzer und Weinmacher von Château Angelus und inzwischen zusammen mit Derenoncourt der angesagteste Berater auf dem rechten Ufer. Die Umstellung Richtung Biodynamie wird mit dem Jahrgang 2017 abgeschlossen sein, also auch die Zertifizierung. Traktoren wurden überwiegend abgeschafft, die Weinberge werden mit Pferden bearbeitet. Diese komplette Natürlichkeit, diese burgundische Art und die Hinwendung zur Frische auch schon während der Wachstumsphase sind das, was sich im Keller fortsetzt. Die Fermentation der Weine von Jean Faure findet dann dementsprechend auch im rohen Zement oder im Holz statt. Ohne Temperaturkontrolle, aber auch ohne Kaltmazeration davor. Hier sind wir komplett zurück zur Ursprünglichkeit. Der Ausbau der Weine wurde auch umgestellt. Auch hier sind wir im „state of the art“ des Burgund oder auch der deutschen Pinoterzeuger. Ein Teil wird im neuen Barrique ausgebaut, aber die Hälfte in Fudern von 1.500l Stockinger Holzfass und auch in gebrauchtes Holz. Insgesamt wird der Einfluss des neuen Holzes speziell in aromatischer Form fast komplett runtergefahren. Die Besonderheit der lehmigem, kiesigen Böden führte dazu, dass 2016 kein Hitzestress aufkam, trotz der langen Trockenperiode von Mitte Juni bis in den September hinein. Der Wasserspeicher war völlig ausreichend. Die Nächte im trockenen Sommer waren sehr kalt, sodass wir insgesamt eine recht kühle Jahrgangsstilistik haben. Mit nur 3,4 pH-Wert und der höchsten Säure der letzten aufgezeichneten Jahre. Manche Betriebe hier in der Region haben sogar entsäuern müssen. Bei Jean Faure natürlich nicht, aber dennoch wird klar, dass hier ein hochreifer Jahrgang mit einer kühlen Stilistik vorliegt. Im Mund zeigt sich durchaus im ersten Ansatz ein Teil der verbliebenen Rappen während der Vergärung. Speziell in der Cabernet Franc. Wir haben hier eine wunderschöne Krautwürze mit reifer, eingekochter Himbeere, Schlehe und Sauerkirsche. Die Merlot folgt mit frischer Zwetschge und reifer Pflaume. Auch schwarze Kirsche kommt relativ wenig. Brombeere und Cassis sind fast nicht vorhanden. Eigentlich sind wir zwar in dunkler Frucht unterwegs, aber überhaupt nicht wuchtig oder marmeladig, sondern sehr fein, schwebend und erhaben. Und immer wieder schieben sich Schlehe, Himbeere und Sauerkirsche nach vorne. Das ist so kühl aromatisch und doch so intensiv. Feine Mineralität schwingt mit. Die Aromatik ist fast parfümiert. Wir kriegen Minze dazu und eine traumhafte Blumigkeit. Etwas Jasmin. Das Geheimnis ist, dass die Cabernet Franc zwar reif, aber nicht überreif geerntet wurde. Sie darf nicht ins Überreife abrutschen, sondern muss floral bleiben. Das hat Olivier sicherlich auch von seinem guten Freund Thierry Germain von der Loire gelernt. Optimale Reife- und Erntezeitpunkte der Cabernet Franc. Das Geheimnis, so sagt Olivier Decelle, liegt im Weinberg. Je natürlicher er arbeitet, je älter die Reben werden, desto weniger muss er sowohl im Weinberg wie auch später im Keller eingreifen. Im Grunde greift er gar nicht mehr ein, sondern lässt es geschehen. Und die Weine entwickeln sich zu dieser unglaublichen Natürlichkeit, die sie heute haben. Die Differenzierung zu Cheval Blanc wird von Jahr zu Jahr größer. Das kann man befürworten oder bedauern. Ich persönlich finde, der individuelle Stil von Jean Faure ist viel spannender als der sensationelle Cheval Blanc. Der allerdings viel mehr der zu erwartenden Klasse eines herausragenden Saint Emilions entspricht. Jean Faure ist auf dem Weg wie die spannendsten Weine in Saint Emilion, wie Tour Saint Christophe, wie Chateau Tertre de la Mouleyre. Das ist ein traumhafter Weg Richtung Natur und weg von Konvention. Vielleicht nicht ganz in dieser Klasse spielt auch Chateau Coutet. Sicherlich auch die reinste Natur aller Weine in Bordeaux, nur dass das Terroir von Jean Faure spannender ist. Daher entstehen hier die etwas größeren Weine. Der Mund ist meines Erachtens etwas konzentrierter als 2015. Wir haben hier wirklich enorm viel Struktur. Die Cabernet Franc dominiert die Merlot total. Wir haben hier richtig eine eingezogene Tannin-Spur, welche nicht rustikal ist, aber total präsent. Auch im Mund sind wir inzwischen weg von unserer klassischen Erwartungshaltung eines Saint Emilions. Auch Pomerol reicht als Vergleich nicht mehr. Wir haben hier eine so würzige Cabernet Franc, nicht wie auf Clos Puy Arnaud eine leichte Loire-Version, sondern schon eine massive, dichte, aber auf keinen Fall konfitürig, sondern krautwürzig und lang. Ich verstehe durchaus, dass es einige Saint Emilion Liebhaber gibt, die Jean Faure ablehnen, denn dieses Weingut ist wirklich sehr speziell in dieser Cabernet Franc Dominanz. Das hat zwar Ausone und Cheval Blanc auch, aber deren Ausprägung ist deutlich mehr in die Süße, in die konfitürige Überreife gehend. Hier sind wir in totaler Harmonie mit der Merlot. Ein extrem natürlicher Wein mit tollem Trinkfluss und großer mineralischer Länge. Der Wein hat viel Grip, diese enorm kühle Stilistik neben der enorm hohen Reife. Das macht unglaubliche Trinkfreude. Und das ist so hoch individuell und einzigartig, ich weiß nicht ob ich einen anderen Saint Emilion in diesem Jahr probiert habe, der so unikathaft ist wie Jean Faure. Ich habe sicherlich mit Chateau Tertre de la Mouleyre bessere und mit Tour Saint Christophe gleichwertige getrunken, aber die Ausprägung dieses Nachbarn von Cheval Blanc ist schon einzigartig. Wie ich schon sagte: Man kniet nieder oder man lehnt es ab. Auf jeden Fall superber Stoff. Ich bewerte ihn gleich wie 2015 obwohl ich diese, sich immer weiter ausprägende Stilistik des 2016 persönlich sogar noch mehr schätze. Jean Faure geht inzwischen so speziell, dass der önologische Berater Hubert de Bouard von Angelus es aufgegeben hat, die finale Assemblage zu bestimmen oder auf den Wein Einfluss zu nehmen. Olivier Decelle nutzt Hubert de Bouard für den Vertrieb in Frankreich und die Präsentation seiner Weine, aber in Sachen Ausgestaltung gehen die Meinungen der beiden diametral auseinander. Der hochreife, fast überreife Saint Emilion von Angelus und Jean Faure gehen inzwischen so auseinander, dass passt einfach gar nicht mehr überein. Olivier Decelle nimmt die Assemblage-Vorschläge von Hubert de Bouard belustigt zur Kenntnis. Geht dann aber seinen total eigenen Weg. Aber ich mag einfach diesen sehr individuellen Angang und diese Einzigartigkeit. Das ist sicher nicht everybodys Darling. 97-100/100

Lobenberg: Kirwan ist auch so ein typischer Wert, der in großen, warmen Jahren ganz hervorragende und charmante Weine erzeugt. Die Nase ist sehr schick, deutlich auf schwarze Kirsche laufend. Mit schöner Spannung, dabei Eukalyptus und Minze ausstrahlend. Sehr fein, warmer, stylischer, schicker Kirschmund. Rote Kirsche, Sauerkirsche, nur ein Hauch von rotem und schwarzem Cassis darunter. Eine große Merlot-Orientierung, aber in sehr feiner Form, mit Zwetschge, sehr stilsicher. Total poliertes Tannin, nichts hartes, einfach nur fein und schick. Im Grunde fast auf dem gleichen Level wie Prieuré Lichine. Margaux ist eine richtig feine, schöne Appellation in 2016. Die Weine machen ungeheuer Spaß und werden auf Grund ihres sehr hohen Tanninlevels sehr lange halten. 94-95/100

Lobenberg: Sattes, dunkles Rubinrot. Satte rote Waldbeerennase, Erdbeere, mit roter Kirsche und Massen süßer roter Johannisbeere, reife Himbeere als üppige Konfitüre, frische Zwetschge, Cranberry, dann Creme de Cassis von schwarzer Johannisbeere, ein bezauberndes, sehr wuchtig süßsaures Fruchtspiel voller Finesse und Rasse, ein verträumter Tänzer auf einem seidigen Tanninteppich. Auch im Mund eine immense Fruchtdichte, auch hier vornehmlich süße, hoch intensive und süße rote Früchte mit üppigem, weichen und samtigem Tannin, süße rote Kirsche und Walderdbeere, wieder diese hohe Intensität von Johannisbeeren in allen Spielarten, cremig und lang anhaltend. Das ist mit der typisch roten Frucht wirklich Saint Julien, das ist der Stil von Clos du Marquis, das ist wahrer und dem Jahrgang entsprechenden Schick. Toller Trinkspaß! Ein schmeichelnder Charmeur mit Tiefgang und rassiger Finesse. Tolle Entdeckung, wenn er günstig ist sicher eine der Empfehlungen des Jahrgangs und sicher der günstigste der tollen Weine einer großartigen Appellation Saint Julien. 93/100

Lobenberg: L’If ist eine Eibe. Das Wahrzeichen dieses zweiten, neuen Weinguts von Jacques Thienpont von Chateau Le Pin. Die Weinberge sind 5 Hektar groß, 100% Merlot. Direkt unterhalb von Troplong Mondot, beidseitig der Straße. Bei L'If ist das Terroir Lehm und Kalkstein. Nur 4 Hektar der 5 sind in Produktion. Die Reben sind im Schnitt 30 Jahre alt. Dichte, würzige, typische Merlot Nase mit dieser schwarzen Kirsche, Brombeere, reife Zwetschge. Eher dichte Natur als die pure Eleganz. Dennoch fein, nichts Grobes kommt rüber. Erinnert mich in dieser Natur-Ausprägung ein bisschen an Pontet Canet. Sehr feiner, polierter, eleganter Mund. Man merkt die Handschrift des Weinmachers Guillaume Thienpont von VCC. Diese totale Eleganz und dieser sensationelle Schliff. Das ist schon ultrapolierte Merlot im Mund ohne ganz schick zu sein. Eher in Richtung Natur. Ganz fein schwebend. Extreme Eleganz und mit einer schönen salzigen Zwetschgenspur über die Zunge laufend. Auch hier die schwarze Kirsche im Nachhall. Eukalyptus und Minze. Schöne frische Orangenschalen. Das passt sehr gut. Ein sehr sanfter und supereleganter, feiner Merlot. Auf keinen Fall eine Wuchtbrumme.  Einfach nur fein. 97-98/100

Lobenberg: Chateau La Clotte liegt unterhalb von Ausone, an den Hängen und Ausläufern von Ausone, Nachbar von Coutet. Ein ganz hervorragendes Terroir in der Größe von 4 Hektar. Erst in der jüngsten Zeit in den Besitz der Familie Vauthier gekommen. Nur 30 Hektoliter Ertrag pro Hektar. 85% Merlot, 10% Cabernet Sauvignon, 5% Cabernet Franc. Es gibt nur 10000 Flaschen. Die Ernte fand zwischen dem 12. Oktober und dem 17. Oktober für Cabernet Sauvignon statt. 6.000 Pflanzen pro Hektar. Die Dichtpflanzung wird erst in den nächsten Jahren erfolgen. Es ist überwiegend Lehm auf Kalkstein. La Clotte ist im Grunde ein Kleinod, über das viel und lange schon spekuliert wird, weil es einfach ein so hervorragendes Terroir ist. La Clotte liegt neben dem andern Geheimtipp Chateau Coutet, das vom Terroir aber vielleicht noch etwas stärker ist, da es noch höher liegt. La Clotte zeigt eine wunderschöne, vom Cabernet geprägte Frische im Mund. Tolle Sauerkirsche, rote Kirsche, auch Johannisbeeren. Ein bisschen Würze wie von Holunder. Ganz reifer Rhabarber dazu. Auch hier Eukalyptus und Minze. Keine tiefe Wucht, sondern eine feine, getragene Spur. Fast ein bisschen Saint Julien artig in der roten Frucht. Geschliffenes Tannin, richtig fein, richtig berauschend schick in Nase und Mund. Zu richtiger Größe fehlt ihm ein bisschen das Volumen. Ein schicker Wein, das wird hier erst noch nach und nach ein tolles Weingut. 93-94/100

Lobenberg: 2016 besteht die Blend aus 80% Merlot und 20% Cabernet Franc. 14% Alkohol, 3,65 pH-Wert. 70% neue Barriques. Die Nase für Conseillante ist 2016 ganz erstaunlich poliert. Fein, erhaben, geschliffen. Sehr reif, aber nicht marmeladig oder konfitürig. Einfach nur fein, schwarz, schick. Ganz leichte, zerdrückte Himbeere darunter von der Cabernet Franc. Der Mund zeigt schöne Frische. Schwarze Kirsche als Dominante. Dann auch wieder diese, mit guter Säure beladene Himbeere. Sehr fein, auch im Mund. Für Conseillante fast zart, stylisch, erhaben. Ein schicker Wein. So zart, raffiniert und köstlich, aber gleichzeitig schlank und elegant habe ich Conseillante noch nie probiert. Ich weiß nicht, ob ganz am Ende nicht ein klein bisschen Druck und Kraft fehlt. Das ist so eine zarte Versuchung. So eine Köstlichkeit. Ich bin mir nicht ganz sicher wie ich ihn bewerten soll. Vielleicht bin ich zu tief. 98-99/100

Lobenberg: Das Weingut der Familie Janoueix. Jean-Philippe Janoueix ist verantwortlich. Winzig, seit Ewigkeiten ein Geheimtipp, schwer zu finden. Das klassische „old-fashioned“ Weingut in der Vinifikation. Sandböden mit ein bisschen Lehm. Immer super zart und vorsichtig vinifiziert. Auf La Croix wird anders gearbeitet als auf den anderen Weingütern von Jean-Philippe Janoueix. Das Terroir ist wie gesagt sandiger, kalkhaltiger, lehmiger. Aber nicht zu schwerer Lehm. Der Wein wird klassisch im Zement vergoren mit der natürlichen Hefe. Nach der Vergärung verbleibt der Wein noch drei Wochen auf den Schalen. Der Ausbau geschieht nur zum Teil im neuen Holz. Pump over, nur ganz vorsichtig. Himbeere und Erdbeere in der Nase mit der feinroten Kirsche. Schöne reife, aber nicht zu dunkele Zwetschge, feine sandige Spur, kalkig, schwebend. Mehr ein Stil, wie ihn die Superstars von Pomerol in diesem Jahr vorgeben. Erinnert mich ein wenig an diesen super zarten, feinen Evangile. Aber auch an Beauregard auf diesen sandigen Böden mit dieser Feinheit. So schwebend, so zart und doch so harmonisch aromatisch. Der Mund ist eine einzige Köstlichkeit. Eine unglaublich schöne Spannung. Eine Pikanz und doch so fein in der roten Frucht. Das erinnert mich an da auch an Ausone. Ausone war auch ähnlich köstlich, trinkig. Wirklich delikat, süffig für den Moment und trotzdem eine hohe Intensität an butterweichem, zartem und vor allem geschliffenen Tannin mit einer grandiosen Säure, dass sich die Augen zusammen ziehen. Langes Leben garantiert. Er endet in einer langen Sauerkirsch-Johannisbeer-Himbeer-Spur, alles mit Salz unterlegt und erst endend im Unendlichen. Das ist fein, das ist superber, zarter Stoff mit hoher Intensität. Tänzelnd und voller Spannung. Aber vor allem köstlich und süffig. Im Grunde dachte ich nicht, dass man den tollen 2015er nochmals steigern kann, aber dieser 2016er hat das Quäntchen mehr an Rasse. Dieses Quäntchen mehr an Intensität und bleibt trotzdem super fein. Er ist etwas weniger freundlich als der 2015er, dafür etwas klassisch länger. Und trotzdem sind beide Jahrgänge so unglaublich süffig. Diese Mischung dieses 2016er zwischen Ausone, Beauregard und Evangile ist faszinierend. Diese Rot-Schwarzfruchtmischung, diese Dynamik und Spannung, diese schwingende Animation, dieses Delikate, das nimmt einen mit, auch oder gerade dann, wenn man denn Wein am Ende nicht anbeten will, sondern einfach mit unglaublich viel Vergnügen trinken möchte. Toller, lecker köstlicher Trinkstoff der Extraklasse. 98+/100

Lobenberg: Ein Weingut von Jean-Philippe Janoueix, der auch La Croix verantwortet. Hier ist allerdings der Kalkstein und Lehmanteil höher, die Weine sind intensiver. Über 90% Merlot. Dem Terroir entsprechend eben deutlich intensiver als der ultrafeine La Croix auf Sandböden. Unglaubliche Power, aber auch unglaublich delikat. Viel mehr Schwarzfrucht, aber auch Minze und Eukalyptus, reife Pflaume und Schwarzkirsche sowie ein wenig Cassis. Sehr pikant in der Nase. Der Mund extrem druckvoll, sattes Tannin, das extrem geschliffen ist. Die Jahre zuvor waren zum Teil zu spröde, zu extrahiert und hart hier. So langsam findet sich alles. Die Delikatesse der Frucht auszudrücken ist hier das Ziel von Jean Philippe. Grandiose Intensität mit mineralischer Länge und trotz der Wucht und Kraft ein delikater Wein. Aber er braucht 10 Jahre bei riesigem Potenzial. Ein großer Pomerol und erstmalig unter meinen Favoriten. 97-98/100

Lobenberg: La Dominique ist der direkte Nachbar von Cheval Blanc und Jean Faure. Schon 2015 ein „best ever“ La Dominique. Das müsste 2016 ja nochmals besser werden. Dichte, reiche, schwarze Kirschnase mit feiner Lakritze dazu, etwas Unterholz. Schick aber nicht abgehoben. Durchaus würzig, auf der Erde bleibend. Der Mund ziemlich extrahiert, viel Druck aufbauend. Schwarze Frucht, aber auch Sauerkirsche. Für mich eher der Versuch, den sehr gelungenen 2015er mit etwas mehr Extraktion in eine andere Liga zu bringen. Dieses mehr an Extraktion und Bearbeitung im Keller wirkt sich meines Erachtens nicht besonders gut aus. Für mich ist La Dominique 2016 auf keinen Fall besser als 2015, sondern auf Grund der Extraktion eher dahinter zurück bleibend. Das war nicht nötig. Sehr guter Wein, aber kein Kracher in diesem Jahr. 94/100

Lobenberg: Hier bin ich extrem gespannt. Fleur Cardinale besticht normalerweise durch extreme Reife und Extraktion. Zum Glück 2016 gelungener, zwar immer noch hochreif geernteter Cardinale. Eine der reifsten Weine. Sehr dichte, reife Pflaume und schwarze Beerenfrucht. Aber auch schöne Sauerkirsche dabei. Im Mund fehlt ein bisschen die letzte Frische, und trotzdem ist es ein schicker, moderner, sehr guter Saint Emilion mit einem schönen salzigen Sauerkirsch-Nachhall. Das passt. Nichts für mich, zu viel gute Konkurrenz, aber ein sehr guter Fleur Cardinale. 93-94/100

Lobenberg: Ein Lalande Pomerol Weingut von Hubert de Bouard von Chateau Angelus. Wie immer eine Wuchtbrumme. Eine dicht schwarze Wolke. Aber im Mund durchaus gute Balance zeigend. Ein feiner Wein. 2015 war schick, 2016 ist noch schön. Schöner, harmonischer, geschmacklich hervorragender Lalande Pomerol, der sicherlich dem ähnlich aufgestellten Haut Musset die Stirn bieten kann. Gefällt mir gut, ohne dass er wirklich ganz groß ist. 93-94+/100

Lobenberg: Eines der größeren Weingüter, und zusammen mit Trotanoy sicherlich das Beste aus der Moueix Gruppe. 19 Hektar auf Kies und sehr tiefem Lehm mit eisenhaltigem Untergrund. 91% Merlot, 9% Cabernet Franc. Wie alle Weine aus dem Moueix Imperium in diesem Jahr, verglichen mit vielen anderen Pomerols, nicht nur unglaublich würzig, sondern dicht, tief und profund. Was für eine unglaubliche dichte Wucht an reifer, schwarzer und roter Kirsche. Schlehe darunter. Ganz reife Zwetschge. Aber alles ganz fein. Ein unglaublicher Druck im Tannin, aber ganz weich. Schöner, feiner Rauch darüber. Minze, Eukalyptus, Lakritze. Tolle Länge. Feinste Schokolade, dazu eine so erdige Würze. Olivenpaste. Das ist richtig eine Power-Nase. Und trotzdem extrem seidig und verspielt. Ein explosiver Mund. Das alles wiederaufgreifend was in Nase war. So viel Druck und Power, aber nichts ist hart oder gar überextrahiert. Nur der Eindruck, dass das Tannin immens ist. Ich glaube einen so tanninreichen La Fleur Petrus hatte ich noch nie. Er ist aber butterweich, seidig. Nichts tut weh. Auch ist die Extraktion ist nichts Schmerzendes, sondern nur intensiv. Für einen jungen Wein des Jahrgangs 2016 ist das schon fast ein Monster. Aber trotzdem raffiniert, perfekt geschliffen und mit großer Länge. Das ist einer der Top-Werte des Jahres in Pomerol, obwohl er vom Charakter etwas anders ist als Evangile, VCC, Le Pin, Clinet und andere. Er geht viel mehr in Richtung Kraft. Passt aber super, weil es eben so geschliffen ist. 98-100/100

Lobenberg: Dichte, reiche Schwarzkirsche und Brombeere in der Nase. Hohe Intensität, etwas plump, würzig, reich rüberkommend. Schwarzer Kirschmund. Etwas leicht in der Mitte, etwas wenig Süße dahinter, aber durchaus raffiniert und schick. Ein guter, dem Jahrgang entsprechender Saint Emilion mit ausreichend Kraft und Würze. Wenn es nicht so sagenhafte Konkurrenten gäbe, wäre das durchaus eine Empfehlung. Ein sehr guter La Gaffeliere, sogar der Beste, den ich bisher probiert habe. Wenn es noch etwas raffinierter wird, etwas mehr Finesse bekommt, kann hier irgendwann mal ein großer Wein entstehen. So deutlich im Schatten des südlichen Nachbarn Canon La Gaffeliere. 94/100

Lobenberg: Zum Imperium der Champagner-Familie Thienot gehörend. Genau wie Belgrave in Haut Medoc und Le Boscq in Saint Estèphe. Seit nunmehr 10 Jahren im Aufwind durch die enormen Investitionen im Weinberg in Form von Dichtpflanzung und die Umstellung auf überwiegend biologische Arbeit. Dazu kommt die Serie von zwei grandiosen Jahrgängen 2015 und 2016. Die Nase reichhaltig, dicht, süß. So betörend. Reife Zwetschge, eine dichte Wolke tiefdunkler Kirsche, feine helle Lakritze, Eukalyptus. So getragen, fast wollüstig, opulent. Ohne Fett, aber sehr charmant. Im Mund sehr schöne Frische neben der wieder berauschenden Frucht. Zwetschge ist sicherlich die Dominante neben süßer roter Kirsche. Hinzu kommt weißer Pfeffer, eine fast kreideartige Cremigkeit, total poliertes Tannin und große frische Länge. Sehr fein, sehr schwebend. Filigran bleibend, aber diesen süßen, wollüstigen Charme des Jahrgangs 2016 in Pessac verkörpernd. Das ist ein wirklich toller Spaßmacher und er liegt in seiner Dichte, mit seinem total geschliffenen Tannin und seiner Feinheit, bei gleichzeitiger erotischer Dichte und Wollüstigkeit, noch über dem 2015. 94+/100

Lobenberg: 57,5% Merlot, 42,5% Cabernet Sauvignon. Dichte, würzige Nase. Sehr klassisch La Mission Haut Brion und trotz der Majorität der Merlot dominiert die Cabernet. Schwarze Johannisbeere steht im Vordergrund. Fein und erhaben. Im Mund ein unglaublicher Grip, sehr frisch, viel Säure, sattes Tannin aber gut poliert. In der Mitte fehlt vielleicht etwas süßes Fleisch deswegen finde ich ihn etwas unbalanciert. Dafür unglaublich lang, elegant. Es ist ein feiner Wein. Aber in seiner etwas massiv, tanninreichen Art für mich eben etwas unbalanciert. Viel Druck, viel Länge, viel Mineralität, aber mir persönlich waren die anderen Superstars der Appellation wie Haut Bailly, Pape Clement, Smith, Carmes und Seguin im Grunde etwas lieber. Sie hatten ein Plus in der Erhabenheit und im Charmefaktor. Trotzdem ein sehr guter La Mission für ewiges Leben. 96-99/100

Lobenberg: Chateau La Mondotte ist ein organisch zertifiziertes Weingut oben auf dem Plateau, in der Nähe von Troplong Mondot und im weiteren Verlauf von Tertre Roteboeuf. Stephan Graf Neipperg ist der Besitzer. 85% Merlot, 15% Cabernet Franc, totale Dichtpflanzung, sehr geringer Ertrag und sehr geringe Ertrag pro Pflanze. Die Pflanzen sind aus eigenen Selection Massale. Die Cabernet Francs zum Teil von der Loire. Das Weingut ist wie gesagt biozertifiziert. Die Lese zwischen dem 29. September und dem 15. Oktober. 40 Hektoliter pro Hektar, 30 Tage Fermentationszeit, 70% neues Holz. Wenn La Mondotte nicht so extrem teuer wäre, wäre das eine unbedingte Kaufempfehlung. Die Nase ist ein Traum. Ein Traum in Brombeere, Cassis, schwarzer Kirsche, Johannisbeere, rote Kirsche, feine Zwetschge darunter, Orangen, Orangenschale, ein Hauch Aprikose und Grapefruit. Eine total charmante Komposition von schön reifer und doch lebendiger Frucht. Der Mund ist nochmals einen Quantensprung vor dem anderen Weingut des Besitzers Canon la Gaffelière. Diese wahnsinnige Frische und doch unglaubliche Feinheit. Kirsche, Brombeere, Johannisbeere. Alles spielt umeinander. Fein, Frische, verspielt, tänzelnd. Ungeheure Länge. Das macht richtig viel Spaß. Dieser La Mondotte ist weit davon entfernt ein Blockbuster zu sein. Die wahnsinnige Tannin-Menge kommt ganz fein und geschliffen rüber. Der Alkohol ist nicht präsent, das Holz nicht spürbar. Die Säure ist hoch. Das ist eine ungeheure Feinheit in Saint Emilion. Nicht so dicht und dick wie manche Weine, sondern einfach nur fein, nur schön. Trinken, genießen. Delikat bis zum Ende. Jeder kann eine eigene Flasche trinken. So einfach und trotzdem so unglaublich fein kommt der Wein rüber. Das ist ziemliche Perfektion 97-100/100 

Lobenberg: Dieses kleine Weingut von nur 3,8 Hektar gehört Tour St Christophe und damit zum aus Hongkong stammende Besitzer Peter Kwok. Der Ertrag liegt bei unter 40 Hektoliter pro Hektar. Die Trauben werden komplett entrappt. Vinifiziert wird in 225 Liter Barriques zu 20% und 80% im Inox-Stahl. Um die 14% Alkohol, 85% Merlot, 15% Cabernet Franc. 30 Jahre alte Reben. Der Untergrund ist typisch Pomerol, also überwiegend Lehm mit einer kleinen Kiesauflage darüber. Chateau La Patache besteht aus 6 verschiedenen kleinen Plots in verschiedenen Regionen Pomerols. Der pH-Wert ist 3,85, also sehr hoch. 30% neue Barriques und 70% einjährig gebrauchte Barriques werden im Ausbau verwendet. Nur 10.000 Flaschen von eben 3,8 Hektar, also sehr kleiner Ertrag. Die Nase ist eine Kombination von frischer Zwetschge und reifer, dunkler, fast schwarzer Zwetschge. Darunter schwarze Kirsche. Sehr fein, sehr getragen, erhaben. Extrem sauber und geradeauslaufend. Der Jahrgang 2016 hat nochmal einen Turbo in diesen, auch in 2015 schon fantastischen und günstigen Pomerol gebracht. Unglaublich schön, berauschend in seiner Aromatik. Aber nicht massiv, kaum schwere Süße ausstrahlend, eher fein in seiner Aromatik. Der Mund von Patache ist unglaublich delikat und frisch. Das ist eine Form von Merlot, die ich mag. Nicht nur schwarzfruchtig, sondern im Kirschmund durchaus auch von Orange und Aprikose geprägte, frische Merlot. Viel schwarze Kirsche, dafür kaum Brombeere, nur ein Hauch Cassis. Unglaublich verspielt. Ein süffiger, extrem leckerer Pomerol wie es ihn in dieser Stilistik relativ selten gibt. 2016 tut sein Übriges dazu, den Wein so unglaublich trinkig zu machen. Das macht richtig Freude. Schon als Probe möchte man es austrinken. Wirklich schicker, toller Pomerol. 95+/100 

Lobenberg: Dieses winzige 4 Hektar Weingut liegt in Pomerol direkt an der Grenze zur Gemarkung Figeac in Saint Emilion. Der direkte Nachbar ist Chateau La Tour Figeac und in Steinwurfentfernung fängt Chateau Figeac an. Das Ganze ist im Besitz von Nathalie Despagne, deren Cousin u.a. für Guillot Clauzel verantwortlich zeichnet. Das Weingut ist seit 2009 biologisch zertifiziert. Schon 2006 begann die Umstellung. Eines der wenigen 100% Bioweingütern in Pomerol. 80% Merlot, 20% Cabernet Franc. Überwiegend sandige und ein Hauch lehmige Böden, also sehr feine Pomerol Weine hier. Der Stil der Hauses ist von daher elegant, fein und voll auf Finesse setzend. Für ein biologisches Weingut mit extrem guter Laubarbeit war 2016 trotz der Trockenheit und der sandigen Böden nicht so problematisch wie für konventionelle Winzer. Diesen Vorteil haben sie schon das zweite Jahr hintereinander. Die Weine werden zu 100% entrappt und dann spontan vergoren. Der Ausbau erfolgt zur Hälfte in neuem und zur Hälfte im älteren Barrique. 2016 hat La Rose Figeac erstmalig mit einigen besonderen Plots alter Reben eine etwas andere Art der Vinifikation betrieben. Die Weine werden in offenen, kleinen Holzfässern vergoren, und die Kappe dann händisch weich heruntergedrückt. Das ist so ein bisschen „state oft the art“, um vorsichtiger mit der Extraktion aus Schalen und Kernen umzugehen. Was sicher ist beim 2016er La Rose Figeac: Die Nase ist dichter, weicher, runder, voluminöser und gleichzeitig unglaublich fein. Das Tannin ist in der Nase so geschliffen, man riecht die frische Fruchtsäure, darunter Feinheit und unglaubliche Harmonie. Und obwohl sie weniger als 10% ausmacht, ist die Cabernet Franc im Mund der erste Ansturm. Wunderschöner Brei aus reifer Himbeere, fast ein bisschen gekochte Himbeere, rote Grütze. Das Ganze sehr beerig. Die Merlot bildet den wunderschön schwarzbeerigen Rahmen, auf dem diese Himbeere schwimmt. Das Ganze unterlegt von feiner Würze, aber ausgestattet mit butterweichem Tannin, mit sehr schöner Frische, lebendiger Säure. Unglaublich delikat und zugleich lecker. Und wir kamen davor direkt von Chateau Fonroque in Saint Emilion, das setzt ja Maßstäbe, und ich muss sagen, dass ich hier auf La Rose Figeac fast noch etwas begeisteter bin, weil die Harmonie genau das ist, was ich von einem wunderschönen Pomerol erwarte. Natürlich werden L’Eglise Clinet, L’Evangile und La Croix am Ende größere Weine sein, aber welcher ist der schönere, köstlichere, delikatere  süffigere Wein? Das ist hier zum reinspringen schön. Zum direkt jetzt trinken, und der Wein wird trotzdem ein langes Leben haben. Das ist ein wunderschöner, archetypischer Pomerol, und diese sandigen Böden lassen mich hoffen, dass mein Liebling La Croix auf der selben Wellenlänge liegt. Finesse, Dichte, fruchtige Intensität dabei nie anstrengend. Die Flasche wird immer ausgetrunken werden und jeder hat Freude daran. Das ist ein superber Pomerol. 95-96/100

Lobenberg: 7 Hektar, 80% Merlot, 20% Cabernet Franc. Lehm auf dem Kalksteinplateau in Saint Emilion. Extrem gutes Terroir. La Serre ist ein Grand Cru Classé und mindestens seit 2005 in immer weiterem Höhenflug begriffen. Sehr dichte Schwarzkirsch-Nase. Hohe Intensität. Etwas Cassis und Brombeere darunter. Hohe Harmonie ausstrahlend, fein und trotzdem dicht. Auch der Mund ist so köstlich. Keine Brombeere, sondern fast nur schwarze Kirsche. So gut verwoben, so fein. Das ist wirklich ein sehr feiner Saint Emilion. Ein Saint Emilion wie ein feiner Pomerol. Das ist eine große Freude, weil es eben so delikat ist, so wenig anstrengt und trotzdem so raffiniert hin und her springt in diesem Schwarzkirsch-Bereich. Leicht rote Sauerkirsche darunter. Das ist völlig ein unanstrengender, wunderbarer Genuss. Köstlicher Trinkfluss. Ein toller Wert. 95-96/100

Lobenberg: Im Grunde seit Jahren der einzig ernst zunehmende Verfolger in der Qualität von Yquem. Wenn man Chateau de Fargues einmal weglässt, das aber in seiner extremen Karamelligkeit in einer ganz eigenen Welt spielen. La Tour Blanches ist aber im Bereich der Finesse zu Hause. Schon die Nase ist grandios. So schön strukturierte Terroir Noten neben dieser irren Frucht. Viel Struktur zeigend. Das ist mindestens eine Beerenauslese. Exotik neben Steinobst. Große Eleganz und Frische zeigend. So betörend. Auch der Mund brilliert mit dieser super Struktur, feiner Mineralität und diesem Bitterstoff neben der wunderschönen, süßen Frucht. Orange über Passionsfrucht, Mango, viel Papaya. Dicht, süß, aber nichts Pappiges. Sehr feine Säure und getragene Länge. Das ist das Sauternes Gegenstück zu Climens in Barsac. Da ich Yquem noch nicht probiert habe ist er für mich bis dato der beste Sauternes. 97-100/100

Lobenberg: Direkt an der Grenze der Appellation Saint Emilion zu Pomerol gelegen. Sandige Böden, ein feiner Wein. Stimmig in Nase und Mund. Guter Schliff, dem Jahrgang 2016 entsprechend fein, nicht überextrahiert. Alles stimmig. Kein großer Saint Emilion, aber ein sehr leckerer. Häufig auf der Kirsche laufende Wein, der dem direkten Nachbarn in Pomerol, La Rose Figeac zwar nicht das Wasser reichen kann, aber sehr gelungen ist. Für mich einer der leckersten, in sich ausgewogensten La Tour Figeacs. Endlich mal nicht überreif und überextrahiert. Das macht schon Freude. 94/100

Lobenberg: Der direkte Nachbar von Moulin Haut Laroque. Wuchtig, reife, schöne Brombeere, Cassis Nase. Macht Freude. Dicht, reif, schick, nicht marmeladig aber mit so schöner Süße. Auch der Mund ist ausgesprochen lecker. Es fehlt ihm ein bisschen der letzte Druck. Trotz der schönen roten und schwarzen Frucht ein klein wenig gemüsig im Mund. Ein klein wenig Unreife neben der reifen Frucht. Es stimmt, es ist ein schicker Wein, aber er ist hinter Haut Carles zurück und weit hinter Moulin Haut Laroque. Sehr gutes Jahr, aber irgendwas fehlt mir im Mund, um ihn wirklich schön zu nennen. 92-93/100

Lobenberg: Der Zusammenschluss aus Labegorce und Labegorce Zede. Schwarz, wuchtig, aromatisch. Aber nicht hart, sondern erhaben, getragen, fein. Das letzte Quäntchen an total schicker Finesse fehlt allerdings. Aber an sich eine sehr stimmige, feine und einladende Nase. Harmonischer, ausgewogener Mund. Etwas trocken. Doch dann etwas stark extrahiert, aber dennoch nicht hart werdend. Immer noch die Balance wahrend. Schöner Wein, aber ohne zu den Großen zu gehören. 93-94/100

Lobenberg: Mein erster Premier Cru in diesem Jahr, aber nach dem 100 Punkte Cos in dieser totalen Eleganz bin ich sehr gespannt. Ernte des Merlots erfolgte bei Lafite Rothschild vom 23. bis zum 28. September, die Cabernet Sauvignon wurde Anfang Oktober bis zum 12. Oktober gelesen, der Petit Verdot direkt danach. Im finalen Blend ist dann aber keine Petit Verdot sondern nur 92% Cabernet Sauvignon und 8% Merlot. Nachdem Lafite Rothschild 2015, auf Grund der Wetterkapriolen im September, einen klaren Durchhänger hatte, ist das mit 2016 komplett vergessen. Und das schöne ist, dass wir anders als der Nachbar Cos d´Estournel hier fast komplett auf der roten Frucht laufen. Super elegant, sehr viel rote Kirsche, zerdrückte Himbeere, auch etwas Brombeere und zerquetschte Erdbeere. Eine schöne rote Grütze an Beeren. Nur ein Hauch Cassis. Sehr feine, sehr helle Lakritze darüber. Florale Noten, Jasmin, ein bisschen Veilchen, alles ganz fein bleibend, ganz schwebend. Rote Johannisbeere, sehr Cabernet, aber ohne jeglichen grünen Touch, ohne auch nur einen Hauch von Paprika. Johannisbeere und Kirsche ist die finale Nase. Aber eben ultra fein, nicht wuchtig oder massiv. Der Mund komplett auf roter Frucht laufend. Süße und zugleich sehr säurebeladene Johannisbeere dominiert vor Sauerkirsche. Nur einen Hauch von feiner roter Kirsche, wieder die zerdrückte Himbeere. Aber alles nur mit einem Hauch Süße. Ganz elegant, super geschliffenes, feines Tannin und die totale Frische mit großer mineralischer, salziger Länge. Mir fehlt vielleicht das letzte Quäntchen Wucht, was Lafite allerdings, wenn ich ehrlich bin, nie in der Primeurverkostung zeigt. Aber ich tu mich schwer mit der Höchstnote. In der Eleganz allemal, in der Finesse, Frische, Feinheit muss er 100 haben. Im Gesamteindruck im Mund würde ich ihm da einen kleinen Abzug machen. 98-99/100

Lobenberg: Lafleur Gazin ist ein 8,7 Hektar großes Weingut von Christian Moueix. Der Untergrund ist Kies, Lehm und Quarzsand, also überwiegend ein Boden für ganz feine Weine. Ebenfalls gute Wasserversorgung. Es gab keinerlei Trockenstress hier. Dichte, würzige, rote Kirschnase, schwarze Kirsche darunter, feine Holunder und Eukalyptus, schöne Würze. Insgesamt sehr spielerisch und leichtfüßig. Ultrafeiner Mund. Sauerkirsche, Süßkirsche, Schwarzkirsche, Johannisbeere. Massiver, salziger Einsatz dann mit Nachhall auf der Zunge. Aber der Mund ist in Summe total verspielt, seidig. Die Tannine sind unglaublich poliert. Das Ganze spielt sehr schön im Mund. Das ist köstlich und trotzdem lang. Der Wein wird lange leben und trotzdem immer unglaublich lecker bleiben. Immer zart, leicht und verspielt. Eine Mozart-Version. Das gefällt mir sehr gut. 94-95/100

Lobenberg: Ein winziges Weingut, nur 2,5 Hektar groß, das direkt an den Ausläufern der Hänge von Saint Emilion liegt. Genauer gesagt ist es die Fortsetzung der Hänge von Tertre Roteboeuf in Richtung Castillon. Dieses, im Grund lehmige Ufer, liegt aber zu 100% auf einer Kalksteinplatte. Das beste Terroir Saint Emilions. Hier wurden früher Kalksteinziegel hergestellt. Daher auch der Name Lafon La Tuilerie. Alles wird in reiner Handarbeit im Weinberg bearbeitet. Pierre Lafon ist auch viel mit der Nagelschere unterwegs. Biologische Weinbergsarbeit. Was sonst? Penibelste Bearbeitung jeder einzelnen Rebe. Zu 100% spontan vergoren aus vollständig entrapptem Traubengut. Die Handlese führt in diesem Fall auch zur reinen Handentrappung. Das ist normalerweise unbezahlbar. Das kann sich kein normaler Winzer erlauben. Pierre arbeitet während der Ernte und in den Anfängen der Fermentationszeit 14 Stunden täglich, 7 Tage die Woche. Bei so wenig Ertrag kommt dies einer totalen Selbstausbeutung gleich, der Mann lebt dann nur für seinen Wein. Dementsprechend clean ist aber dann das Biomaterial. Pierre arbeitet in unbeschreiblicher Weise und voller Enthusiasmus. Einige Wochen vor der Lese, direkt nach der Verfärbung, schneidet Pierre mit der zuvor genannten Nagelschere alle nicht perfekt reifen, kleinen Beeren oder sogar ganze Trauben heraus. Bei den anderen Trauben werden die linke und rechte Schulter sowie die Spitze entfernt und nur das Herz mit der höheren Konzentration wird bis zur Lese weiter reifen. Die Fermentation der Weine geschieht spontan im Stahl, also mit natürlichen Hefen, der Ausbau in zu 100% neuen Barriques und 500 Liter Tonneaus. Der Ausbau dauert 18 Monate ohne Bâtonnage. Die Lese führt er alleine an einem einzigen Tag durch. Das geht bei ihm nur auf Grund der kleinen Fläche. Die Menge des Weingutes beträgt nur 12.000 Flaschen. Der Jahrgang 2016 war bei Pierre Lafon außergewöhnlich. Da er so perfekt mit Wasser versorgt ist auf dieser Kalksteinplatte mit 30 cm Lehm darüber, hatte er auch nicht so viel Trockenleid zu überstehen. Die Weine waren hoch reif und er erntete am 28. und 29. September. Dann war alles im Keller und händisch entrappt. Der Alkohol in 2016 liegt bei 14,5% bis 14,8%. Dies ist allerdings im Wein überhaupt nicht spürbar bei dieser reifen und sehr frischen Frucht. Die kalten Nächte des Sommers waren so perfekt für die Frische. Der Jahrgang 2016 bleibt eine große Verblüffung, ja es verbleibt ein großes Erstaunen. Wir waren gerade zuvor bei Tertre Roteboeuf und der Wein dort war ein kleines Monster, ein unglaublich konzentriertes Kraftpaket. Hier, bei 100% Merlot bei Lafon La Tuilerie, hätte ich natürlich mindestens so viel Druck und soviel satte Frucht erwartet. Aber Lafon La Tuilerie präsentiert sich unglaublich fein. Ein Potpourri dunkler Früchte, viele schwarze Beeren, aber das Holz kommt nicht durch. Es muss also ein großer Anteil Säure im Wein sein, denn Säure frisst bekanntlich Holz. Die Nase besitzt ganz feine ätherische Frucht. Im Grunde ein bisschen mehr ein Clos Louie aus Castillon oder ein Tertre de la Mouleyre des Saint Emilion Nachbarn von Clos Louie. Erhaben, getragen. Schwarze Kirsche, Cassis, Maulbeere, Brombeere aber auch ein bisschen Lorbeere darunter und ein Hauch (als sei Cabernet Franc enthalten) Himbeere sowie ein Hauch sehr reifer Rhabarber. Aber natürlich ist und bleibt es 100% Merlot. Der Mund nochmal feiner gezeichnet, klarer definiert an den Ecken und Kanten als der sensationelle 2015er. 2016 vielleicht etwas monolithischer, etwas mehr geradeaus, präziser. Erhabene schwarze, feine Frucht mit wunderschöner Frische daneben. Zieht sich lange durch, endet im Unendlichen, hallt für mehrere Minuten nach, hört gar nicht mehr auf. Trotzdem bleibt alles so fein. Für einen Saint Emilion fehlt das Laute was es hier häufig gibt. Das Dramatische. Es ist so unglaublich schön. Es ist mehr ein Pomerol in der Stilistik. Es ist eine zartere Version eines L’Evangile. Der Wein beeindruckt und verzaubert. Eine Delikatesse und trotzdem nie anstrengend. So fein zu trinken, es macht so viel Freude. Ich tue mich echt schwer in der Punkte-Bewertung mit dem 2016er. 2016 ist ein Jahrgang - und das habe ich in 2015 auch schon gesagt - wie ich ihn in dieser unglaublich erhabenen Schönheit noch nicht probiert habe. 2016 ist nicht ganz so lieb wie der unendlich schöne, erotische und feine 2015er. 2016 hat etwas mehr Struktur, etwas mehr Druck, aber gleichzeitig auch noch mal mehr Frische und vor allem diese ungeheure Präzision. Es ist die feinere und reifere Version, und gleichzeitig die frischere Version eines 2010er Jahrgangs. Ich muss irgendwann meinen Beruf einstellen, wenn es viele Pärchen wie 2015/2016 gibt, denn irgendwann ist die 100 Punkte Scala ausgereizt. Aber was soll ich den tun, wenn es einfach das Beste ist, was ich je probiert habe. Ich gebe diesem Wein vorsichtige 98+/100

Lobenberg: Würzige, tiefe, süße Nase. Maulbeeren im Vordergrund, dahinter schwarzer Kirsche, auch Amarena. So dicht, so würzig, unheimlich einnehmend. Das ist wirklich Saint Estèphe, aber in einer sehr reifen Form. Brombeere, auch ein wenig Blaubeere, so üppig. Der Mund ist so reif, süß und dicht. Komplexe schwarze und rote Frucht. Sehr gut verwoben. Tolle Länge. Lakritze, eigentlich mehr Süßholz. Ein bisschen trocken, etwas Bitterschokolade. Gute Länge. In der Nase und im süßen Angang sehe ich ihn im direkten Vergleich zu Phelan Segur und Meyney gleichauf. Drei superbe Verfolger von Calos Segur. In der reinen Stilistik und ursprünglichen Typizität Saint Estèphes und in der klassisches Ausrichtung liegt Phelan Segur jedoch vorne, Meyney und Lafon sind so schick und so schwarz in ihrer weicheren Dichte. 95-96/100

Lobenberg: Chateau Lagrange ist immer ein archetypischer Saint Julien. Allerdings häufig auch ein wenig langweilig. Das archetypische kann er in der Nase durchaus unterstreichen. Allerdings in 2016 mit noch mehr schwarzer Frucht. Dieser Nachbar von Chateau Belgrave (Haut Medoc) ist allerdings seit Jahren hinter eben diesen Nachbarn zurückgefallen und steht auch nicht mehr in der erweiterten Spitze von Saint Julien. Zu brav, zu klassisch, zu monolithisch fällt der Wein aus. Sehr extrahiert, bitter, spitze Säure, unglaublich viel Bitterstoff nebst großer Wucht. Im Grunde ein bisschen wie der brutale Saint Pierre, einfach zu viel gemacht. Völlig unnötig. Schade. 90-91/100

Lobenberg: Das sind 2 Hektar 80-100 Jahre alte Reben in Lalande Pomerol. 100% Merlot im Besitz der Familie Trocard. Wahrscheinlich der älteste, noch erhaltene Weinberg in Lalande-de-Pomerol mit einer Gesamtproduktion von klar unter 2000 Flaschen. Eine absolute Rarität. Das Ganze wird natürlich von Hand gelesen, der Weinberg organisch bearbeitet. Es wird auch per Hand entrappt. Die Trauben wandern danach komplett ins neue Barrique und werden auch hierin vergoren. Das Ganze bleibt für 5 Wochen im Barrique. Danach wird abgezogen und der Wein danach zur Malo wieder in das gleiche Fass eingefüllt. Daraufhin folgt eine Lagerung im Fass für 18 Monate ohne Bâtonnage. Es ist ein besonders feines, dichtes Holz. Die Fermentation wurde spontan durchgeführt. Ich habe zuvor schon einige potenziell große, aber dann doch schwächere Lalande-de-Pomerol (Fleur de Bouard und Le Plus) probiert  und diesen Wein hier auch in 2015. 2015 war ich kurz davor ihn zu kaufen. Ich hab etwas gezuckt, weil ich nicht wusste ob man so einen Wein en Primeur verkaufen kann, so einen Blockbuster, der aber ein Blockbuster in Feinheit ist. 2016 kann ich nicht daran vorbei. Wir haben eine fast eingekochte, frische Zwetschge, schwarze Kirsche, ganz feine schwarze Beeren dazu. Feine Süße zeigend. Sattes, reifes Tannin, aber keinerlei Marmelade. Einfach nur sehr dicht. Unglaublich schön. Das Tannin im Mund ist immens. Ungeheure Massen und trotzdem ultrafein und sehr reif dazu. Die Ernte wurde Anfang Oktober bei perfektem Wetter vollreif eingebracht. Das ist im Grunde ein bisschen ein Wein wie Chateau La Mondotte in Saint Emilion. Eine Orgie in feiner Dichte und schöner Länge und dazu so köstlich. Ungeheuer schön. Ich hoffe, dass ich viele Pomerols in dieser Preisklasse finde, dann wäre es wirklich ein großartiger Erfolg. Für Lalande-de-Pomerol habe ich trotz der Weine von Hubert de Bouard noch nie einen solch schönen Wein getrunken. Ich kann nicht daran vorbei, ich muss ihn nehmen. 97-98/100

Lobenberg: Das zweite Chateau von Leoville Barton. Oft im Schatten und leider in Sachen Preis-/Qualitätsstruktur zu teuer, obwohl es immer ein schöner, runder Wein ist mit hohem Spaßfaktor. Die Nase des Langoa sehr fein, sehr reif, sehr weich. Viel Schwarzkirsche, etwas süße Maulbeere. Schöner Schliff, getragen, erhaben. Eher schick als zu tief. Der Mund auch sehr fein. Auch hier nichts Sprödes. Hier kommt Schlehe und Sauerkirsche dazu. Alles fein bleibend. Ein gehobener Saint Julien der Mittelklasse, der richtig Freude macht. Und wenn der Preis passt, könnte Langoa Barton doch wieder eine Gelegenheit wert sein. Hier steht und fällt und alles mit dem Preis. 94-95/100

Lobenberg: Larcis Ducasse liegt untern an der Cote Pavie in der Nachbarschaft von Bellefont Belcier und Pavie. Also an den Südhängen des Kalksteinplateaus. Direktor ist Nicolas Thienpont, der auch Beausejour Duffau und Pavie Macquin verantwortet. Önologischer Berater ist Stephane Derenoncourt. Also die Erfolgstory Saint Emilions geht weiter. Larcis Ducasse ist häufig etwas charmanter, als die beiden Riesen Beausejour Duffau und Pavie Macquin. Auch 2016 ist die Nase vielleicht auf Grund der wärmeren Südlage etwas wärmer und reifer. Schöne Zwetschge mit süßer Kirsche, schwarzer Kirsche, etwas Wachholder und Lakritze. Deutlich Minze, Eukalyptus. Feiner Kirschmund. Rote und schwarze Kirsche, aber auch Schlehe, ein bisschen Kräuter der Provence, Unterholz. Sehr gute Länge. In seiner Opulenz sehr frisch, säurebeladen, aber nichts tut weh, nichts sticht. Das hat gute Harmonie in der feinen Süße. Durchaus raffinierter Larcis Ducasse. Für mich aber klar hinter den beiden Konkurrenten Pavie Macquin und Beausejour Duffau. 96-97/100

Lobenberg: Ich bin ja in normalen Jahren überhaupt kein Freund von Lascombes, weil sie häufig so unheimlich stark extrahieren. So unglaublich wuchtige Tanninbombenmonster. 2016 ist die Nase von Lascombes zwar immer noch wuchtig, konzentriert, schwarzfruchtig, aber dabei sehr fein, sehr getragen. Total komplex. Schwarze Kirsche dominiert über kaltem Rauch, Brombeere, Maulbeere, auch Cassis. Aber ganz fein. Eher schick. Nicht überkonzentriert. Selbst der Mund des Lascombes ist 2016 gelungen. Man hat wirklich nicht überextrahiert. Letztes Jahr haben wir noch das Chateau besucht und haben so massiv mit dem Besitzer geschimpft. Selbst mit dem 2015er, wo wir ihn gefragt haben: Warum extrahierst Du so? Wurden wir erhört? Der 2016er ist auf jeden Fall sehr schick. Das Tannin ist fein, er ist nur ganz leicht trocken von dem vielen, neuen Holz, aber insgesamt sehr passend. Eine stimmige Komposition mit schöner Länge. Kein Riese, gehört nicht in die erste Reihe von Margaux und Palmer, aber es handelt sich um einen überaus best ever gelungenen Lascombes. Er wird wahrscheinlich, wie immer, viel zu teuer sein. Wäre er das nicht, würde ich eine unbedingte Kaufempfehlung für diesen Langläufer aussprechen. 96-97+/100

Lobenberg: Die Assemblage ist 93% Cabernet Sauvignon und 7% Merlot. Der Alkohol liegt bei lediglich 13,5%. Sehr feine, pflaumige, schwarzkirschige Nase. Sehr fein, erhaben. Auch im Mund ultra poliert. Sehr schicker Latour. Vielleicht etwas trocken. Vielleicht etwas hinter den beiden zuvor probierten Premier Crus zurück. Es fehlt ein bisschen die Rasse eines Lafite und es fehlt vor allem an dieser extrem schicken Raffinesse des Mouton. Ein sehr guter Latour, aber nicht der Beste, den ich je probiert habe. Trotzdem ein superber Wein. 97-98/100

Lobenberg: Ein nur 8 Hektar großes Weingut im Besitz von Christian Moueix. Sehr tiefgründiger Kiesboden mit Lehm. Also sowohl fein als auch gleichzeitig sehr profund und mit guter Wasserversorgung. 96% Merlot, 4% Cabernet Franc. Häufig eines meiner Lieblingsweingüter in Pomerol, speziell im Preisbereich der zweiten Reihe. Ein ultraschickes Weingut. Der 2016er passt natürlich hervorragend in diese Erwartung und Struktur. Unglaublich dichte schwarze Kirsche, Holunder, Lorbeere, Wachholder, tiefe Würze, auch ein wenig Cassis. Ganz viel, fast schwarze, holländische Lakritze. Das Ganze reif, verwoben, mit viel Wucht. Für Latour a Pomerol eine unglaubliche Wuchtbrumme und nichts dabei ist hart. Nur unglaublich wuchtig. Sehr pikant neben dieser superfeinen schwarzen Frucht, zwischen seidigen Tanninen und feiner Säure hin und her pendelnd. Im Mund die gleiche Wucht in schwarzer Frucht. Dabei insgesamt sehr fein bleibend. Sehr pikant und diese hohe Intensität wieder aufgreifend mit satter Lakritze, Minze, schwarzer Schokolade, ganz schwarzer Kirsche, ein wenig Cassis. Druck und trotzdem ultrafein. Das Tannin ist total geschliffen. Nichts schmerzt und trotzdem hat der Wein große Intensität. Es wird ein Wein für Jahrzehnte werden. Ein Natur-Pomerol, der auf jeden Fall für bis zu 10 Jahre in den Keller gehört, aber er wird einer der großen Latour a Pomerols werden. Da bin ich mir sicher. Ich bin begeistert, auch wenn das kein früher Senkrechtstarter ist, sondern ein Wein mit richtig Struktur, trotz seiner Feinheit und köstlichen Raffinesse. 97-99/100

Lobenberg: Der Le Boscq gehört zum Imperium der Thienot Champagner-Familie, zu denen auch Belgrave in Haut Medoc und Le Garde in Pessac Léognan gehört. Einer der größten Negos CVBG, der auf Chateau Belgrave sitzt. CVBG ist einer der fünf größten Negos in Bordeaux überhaupt. Le Boscq war eines der Highlights in den Jahrgängen 2009 und 2010. 2015 hatte Saint Estèphe einen leichten Durchhänger und 2016 ist bekanntermaßen ein ganz großes Jahr im nördlichen Haut Medoc und Saint Estèphe. Chateau Le Boscq besteht aus 56% Merlot, 35% Cabernet Sauvignon, 7% Petit Verdot und 2% Cabernet Franc. Die Ernte begann am 29. September für Merlot und ging bis zum 20. Oktober für die Cabernet Sauvignon. Für Le Boscq ist schon realisiert, was viele andere noch anstreben, nämlich 10000 Stöcke pro Hektar Pflanzdichte. Was dementsprechend zu extrem kleinen Erträgen von unter 500 Gramm pro Pflanze führt. Das ist die Zielsetzung aller Top-Betriebe. Hier wird parallel dazu biologisch gearbeitet. Le Boscq ist sicherlich einer der Top-Betriebe in Saint Estèphe mit insgesamt 18 Hektar an Gesamtfläche. Das Chateau steht zwar im Schatten von Phelan Segur, Meyney und Lafon Rochet als Verfolger der drei Superstars. Aber Le Boscq ist in guten Jahren, und diese nehmen auf dem Chateau auf Grund der Weinbergsarbeit zu, nicht weit dahinter. Vielleicht hat er diese 3 in 2016 ja schon erreicht. Die Nase ist tief und würzig. Ist sehr Saint Estèphe, aber auch total geschliffen. Erinnert in dieser dichten Opulenz schon sehr an Saint Emilion. Unglaublich reich, Brombeere, schwarze Johannisbeere. So dicht. Dazu satte Lakritze, kalter Rauch, süße Veilchen, Minze, tiefe Würze wie Wachholder und sehr reife Zwetschge. Sehr profund, sehr dicht und tief. Eine Wolke in schwarzer Frucht und feiner Süße. Und dann kommt der Mund. Und der ist verblüffend. Er erinnert sehr an Lafon Rochet. Das ist so fein, das ist viel mehr Sauerkirsche, zerdrückte Himbeere, tolle Frische und große mineralische Länge mit feiner Salzspur. Die Brombeere und Cassis sind nur Begleitinstrument in diesem kirschigen, hochintensiven Fruchtbund. Opulenz und viel Power, aber nichts ist hart. Die Tannine sind butterweich, totaler Schliff. Aber reichlich vorhanden. Das ist ein genialer Saint Estèphe und dieser 2016er ist dem eigenen 2010er nochmals überlegen, was eigentlich schwer zu glauben ist. Der 2010 war ein großer Le Boscq. 2016 ist noch besser. Das ist fast ein Muss Kauf. Und da Le Boscq deutlich günstiger ist als Lafon Rochet und Phelan Segur, werde ich mich bei Le Boscq sicherlich sehr stark engagieren. Ich bin begeistert von diesem reichen, üppigen und gleichzeitig feinen und sehr langen Saint Estèphe. Ein neuer Level für Le Boscq. 95-96/100

Lobenberg: Ultrakleines, ultraschickes Miniweingut. Schöne Komplexität, fein, aber ein bisschen spröde, ein bisschen hart. Ein Schatten dessen, was er mal als einer der Top Five Pomerols war. Seitdem das Traumduo Jerome Aguirre und J.C. Meyrou das Weingut verlassen haben und nun Enclos Tourmalin auf den Thron hoben ging es bergab. Immer noch mehr als sehr anständig aber nicht mehr ganz groß. 94-95/100

Lobenberg: Winziges Weingut von Jacques Thienpont in Pomerol, beste Lage neben Trotanoy und Enclos Tourmaline. Chateau Le Pin ist Kies und Sand in dicker Schicht. Der Lehm liegt sehr viel tiefer, das heißt, nur die alten Reben erreichen die Lehmschicht mit der guten Wasserführung. Das ist anders als bei VCC, wo der Lehm sehr viel höher ansetzt. Dementsprechend ist dort die Wasserversorgung in trockenen Jahren sehr viel besser. Wie in 2016. Die jungen Reben gingen dementsprechend auf Le Pin in 2016 gar nicht nicht mit in die Produktion. Le Pin 2016 ist nur aus sehr alten Reben, die tief genug gewurzelt haben um an den Lehm zu gelangen, und um die Trockenphase der Monate Juli, August bis Mitte September, als der erste Regen kam, durchzustehen. 100% Merlot. Auch dieser Weinberg bearbeitet vom Duo Alexandre und Guillaume Thienpont von VCC. Sehr schöner kalter Rauch über extrem feiner Schwarzkirsche und Maulbeere. Dicht, duftig und ultrafein. Nichts Raues. Auch der Mund ultrafein, aber dann kommt auch ein großer Gripp, sattes Tannin, aber total poliert. Ich glaube, ich habe kaum einen Wein getrunken, dessen Tanninmassen so unglaublich massiv und trotzdem so fein waren. Man merkt den Druck. Das ist die Faust im Samthandschuh. Wunderbare Länge und totale Eleganz. So etwas Verspieltes und trotzdem tief, dunkel, würzig, erdig, mit richtig viel Dampf. Der Wein wird ewig halten und hat von Anfang an diese köstlich raffinierte Eleganz. Das ist eine tolle Komposition. Und er ist sicherlich auf dem gleichen Niveau wie VCC. Vielleicht noch eine Spur eleganter und raffinierter. 100/100

Lobenberg: Ein neues Gemeinschaftsprojekt von Jean Christophe Meyrou und Peter Kwok von Tour Saint Christophe. Dieses Weingut hat 11 Hektar, die sich wie Domaine de L'A in St. Colombes befinden. Die Lage Rocheuses liegt zu 100% auf Kalkstein. Direkt neben Domaine de L´A von Stephane Derenoncourt. Diese Investoren waren einfach schneller. 35 Jahre alte Reben. Bestes Terroir. Es gibt einen zweiten Weinberg, tiefer im Tal auf Lehmböden. Diese zweite Cuvée ist rund und lecker, fand ich aber nicht so spannend. Ich werde nur die Spitzenlage machen, von der es nur kleine Mengen gibt. Das sind 80% Merlot und 20% Cabernet Franc. Fermentation erfolgt spontan im Stahl, Ausbau komplett in gebrauchten Barriques. Kein neues Holz wird verwendet. Sehr reiche Nase. Irgendwo ein Zwischending zwischen Clos Puy Arnaud mit dieser Feinheit und Cabernet-Franc-Orientierung und dem wuchtigerem Nachbarn Domaine de L´A, diesem aber deutlich mehr ähnelnd. Der Wein ist sehr profund, sehr reich und druckvoll. Es ist nicht so fett, eher feiner, geschliffener, einem Pomerol ähnelnd. Auch der Mund erinnert mich sehr an die Domaine de L´A. Ist vielleicht nicht ganz so wuchtig, powervoll und extrem in seiner Ausrichtung. Eher etwas feiner und geschliffener. Für mich mehr ein Konkurrent auf dem Preislevel des d’Aiguilhe, den er meines Erachtens mit mehr Finesse aber klar in den Schatten stellt, weil er einfach der viel feinere und köstlichere Wein ist. Nicht so sehr auf Achtung, breite Schultern und fetten Hintern getrimmt, sondern einfach nur schick und mit einer fantastischen Länge, einer schönen salzigen Spur, rote Kirsche, viel schwarze Kirsche. Kaum Brombeere, sondern viel mehr auf Kirsche laufend. Ganz feine rote und schwarze Johannisbeere darunter. Das macht ungeheure Freude. Das ist so trinkig. Das ist irgendwie die perfekte Ergänzung des unantastbaren Clos Louie, der 2016 zu den besten Weinen Bordeaux überhaupt gehört. Aber dieser Wein ist das Bindeglied zwischen Clos Louie und Chateau Peyrou und stellt für mich im Preis-Leistungsverhältnis eine unerreichte Stufe im Vergleich mit Saint Emilion dar. Es gibt meines Erachtens nach dort wenig Vergleichbares für dieses Geld. Castillon gehört eindeutig die Zukunft. Hier muss man viel mehr tun und investieren und Le Rey ist sicherlich ein Paradebeispiel dafür. 95/100

Lobenberg: Dieser Wein stammt aus der Feder von Jean-Philippe Janoueix, der auch Chateau La Croix in Pomerol betreut. Es sind 6.700 Pflanzen pro Hektar, die Weinberge sind 35 Jahre alt, Lehm, Kreide und Kalk bilden den Untergrund. Der Wein wurde zwischen dem 06. Oktober und dem 17. Oktober geerntet. 86% Merlot, 14% Cabernet Franc. Fermentation im Stahl bei 27 Grad, der Alkoholgehalt liegt bei knapp unter 14%. 50.000 Flaschen werden produziert. Der Ausbau geschieht im gebrauchten und neuen Barrique. Die Nase fast ein wenig wie dänischer Kirschlikör. So viel konzentrierte rote und schwarze Kirsche. Unglaublich intensiv. Zwetschge, reife Pflaume darunter. Sauerkirsche, Eukalyptus und Minze. Im Mund dominiert Sauerkirsche nebst Eukalyptus und Minze. Tolle Balance bei einer wunderschönen Länge. Leichte Schwarzfruchtaromatik darunter. Auch ein bisschen Pflaume, aber dann kommt wieder die Sauerkirsche und etwas eingekochte Himbeere. Tolle salzige Länge, sehr verspielt. Grandioser Stoff. Wenn dieses Saint Emilion wäre, wäre der Preis sicherlich wo ganz anders. Das hat eine hervorragende Balance und eine große Spannung und Dynamik. Ein pikantes Drama. Das Tannin ist butterweich, aber intensiv. Die Säure ist präsent, aber nie spitz. Das Ganze schwingt und tänzelt. Das ist ein superber Wein, der manche Saint Emilions im Preisbereich um die 15 Euro abhängt, dieser Wein kämpft mit um die Krone (so heißt er ja auch) des Schnäppchens des Jahres. Das macht richtig Freude. 93-94+/100

Lobenberg: Diese im Jahre 1989 gepflanzten 6 Hektar stehen direkt neben der Domaine de Chevalier, denn sie waren bisher Bestandteil des Erstweins und somit in der Bearbeitung der Domaine de Chevalier. 10.000 Stöcke pro Hektar. Unter 500 Gramm Ertrage je Pflanze, state of the art. Die Familie Bernard von DdC erwartete, dass diese Fläche dereinst auch in den Besitz der Domaine kommt. Der neue Besitzer aber, der diese 6 Hektar mit samt 80 Hektar Wald und Wiesen kaufte (DdC wollte aber nur den Weinberg kaufen und erhielt so keinen Zuschlag), war in diesem Kontext an der Verpachtung nicht interessiert, und so hat Chateau Leognan heute 6 Hektar Top-Reben mit deutlich über 25 Jahren Rebalter, sowie der Pflege und biologischen Weinbergsbearbeitung von der Domaine de Chevalier. Was für eine Basis! Es handelt sich bei diesen 6 Hektar um 70% Cabernet Sauvignon und 30% Merlot. Das Weingut ist allerdings trotz biologischer Bearbeitung nicht zertifiziert, da es ja erst vor kurzem aus der Domaine de Chevalier herausgelöst wurde. Die Nase ist verblüffend. Das ist mein erster 2016er aus Bordeaux in diesem Jahr und es kommt so unglaublich viel satte, dichte Frucht aus dem Glas. Extrem viel süße Kirsche, fast Amarena-artig. Aber dann auch dichte Schwarzkirsche, ganz reife Pflaume. Ein unglaublicher Teppich voll süßen, reifen Tannins steigt aus dem Glas. Meine erste Befürchtung, dass es hier nur dicht, süß und rund zugeht, wird zum Glück im Mund sofort widerlegt. Das ist das, was ich im besten Fall von diesem Jahrgang erwartet hatte. Nämlich der Erhalt der tollen Säure durch die kalten Nächte im Sommer. Wir haben ganz ausgereiftes Tannin sowie sehr lebendige Säure. Die Cabernet Sauvignon dominiert ganz klar. Die Ähnlichkeit des Weines mit der Domaine de Chevalier ist verblüffend. Nicht umsonst war dieser Wein über 20 Jahre Bestandteil der Domaine. Ganz fein, ganz poliert und sicherlich eine perfekte Ergänzung der Domaine Chevalier, nur auf spannenderem Preisniveau. Das ist eine superbe Neuentdeckung. Ein Weingut, welches nicht über den Platz Bordeaux läuft. Das werde ich auf jeden Fall weiter verfolgen. 2016 ist ein extrem schöner, cremiger, dichter Einstieg, der sicher ein langes Leben vor sich hat. Dieser Wein ist qualitativ ob seiner Cabernet-Finesse sogar leicht vor Pontac Monplaisir anzusiedeln, wenngleich er gegen den mineralischeren, dichteren und ausgefeilteren Seguin klar zurücksteht. Der perfekte günstigere Domaine de Chevalier aus im Durchschnitt etwas jüngeren Reben. 95-96/100

Lobenberg: Chateau Leoville Barton habe ich mehrmals verkostet in diesem Jahr 2016. Der Wein zeigt eine unglaubliche, fast extreme Cabernet-Orientierung. Die Cabernet ist reif und wir haben hier eine unglaublich expressive Nase. Eine Nase in einer Dramatik wie vielleicht in Leoville Las Cases, gleichzeitig reif und frisch. Extrem ausdrucksstark, sehr würzig, sehr schwarze Johannisbeere, zusammen mit schwarzer Kirsche, Brombeere, Unterholz, dunkle Lakritze. Sehr dicht, sehr frisch und trotzdem fein. Es gibt einige Weingüter, die dieses Jahr die klassische, reife Cabernet-Richtung mit viel Druck geschafft haben. Das ist ein Giscours in Margaux, ein Las Cases, und Leoville Barton in Saint Julien reiht sich da ein. Das ist in Teilen ebenso in Saint Estèphe und in den nördlichen Teilen des Medocs. Der Mund: Reife Dramatik. So hohe Intensität in Cabernet, so viel schwarze Johannisbeere, Brombeere, Lakritze, Veilchen. Unheimlich viel Power und trotzdem stylisch. Tolle Eleganz zeigend, tolle Frische. Das ist Leoville Barton in einer Extraform. Wie ich ihn Jahre nicht mehr hatte. Wie er auch 2015 nicht war. Er steht in der Charakteristik so klar bei Leoville Las Cases und ist, das muss man der Fairness halber sagen, zwei Punkte dahinter. Und Poyferré ist auch nicht schlagbar. Dennoch einer der besten Bartons, den ich seit langer Zeit probiert habe. Vielleicht noch den grandiosen 2009er und 2010er überlegen. Klar besser als der nicht so reife 2005er. Barton in Bestform. 97-100/100

Lobenberg: Schon im recht komplizierten Jahr 2015 war Las Cases mit Ducru ein Überflieger. 2016, in diesem reifen Jahr, sollte er eigentlich noch besser sein. Die Nase ist deutlich reifer, voluminöser als 2015. Nicht so extrem puristisch und karg auf der roten Frucht laufend. Auch viel schwarze Kirsche, schwarze Johannisbeere, sehr reife Pflaume, Lakritze in der Nase. Sehr fein. Der Mund ist eine Explosion in Aromatik. Aber in was? In so viel. Zu allererst würde ich einmal sagen: Unterholz, geröstete Noten, Brombeere und Cassis. Süß und trotzdem nicht süß. Hochintensiv und trotzdem fein. So viel Druck. Der Mund zieht sich zusammen, die Augen werden schmal. Grandiose Säure, aber nichts ist spitz dabei. Und trotzdem ist das ein solcher Knaller im Mund. Er erinnert mich am ehesten an Mouton Rothschild, der auch diese unglaubliche Intensität zeigte, diese Dramatik, diese wahnsinnige Spannung. Auch Cos hatte das in dieser Intensität drauf. Alle Sinne werden berührt. Das ist pure Dramatik, wie sie da so hochflammt. Schwarze Lakritze kommt dazu, intensive Säure und so sattes Tannin, was aber nicht kantig daher kommt. Aber total präsent. Nichts ist grün und trotzdem ist alles ultra frisch. Es kracht und knallt im Mund, und trotzdem hat der Wein Harmonie. Ich würde ihn zwar bestimmt 10 Jahre weglegen, vielleicht länger, aber das wird sowieso ein Wein für die Ewigkeit. Dieser Wein hat deutlich mehr Größe noch als der grandiose 2015er, weil er komplexer ist, weil er nicht so reinsortig auf der frischen roten Frucht lang läuft, sondern in alle Richtungen spielt. Und trotzdem bleibt er präzise in seinem Geradeauslauf. Der Wein ist nicht die Harmonie pur, er ist nicht sehr schick, er ist ein dramatisches Erlebnis von höchster Intensität. Und trotzdem ist nichts zu extrem. Keine Tannine schmerzen, keine Säure setzt dem Mund zu. Die Verblüffung besteht darin, dass viele andere Weine, die irgendwo bei 97-100 liegen, eine weitaus größere Harmonie ausstrahlen. Dieser Las Cases will das gar nicht, dieser Las Cases will polarisieren und will mit brachialer Gewalt alles zeigen. Weil aber, wie ich schon sagte, nichts grün ist, nichts unreif, und alles hochkomplex, dramatisch, voller Spannung, ist es letztlich ein ganz großer Wein. Sicher eines der Highlights der nördlichen Seite. Ich bin begeistert. 100/100

Lobenberg: Leoville Poyferré ist das dritte Weingut aus der Leoville-Serie. Ehemals war das ein Weingut. Häufig der burgundischste dieser drei Weine. In großen Jahren kann das schon mal der Primus Inter Pares sein. Das Schöne ist, Poyferré ist, seit ich ihn kenne, immer anders als Barton und Las Cases, die von der Kraft näher beieinander sind. Poyferré ist sehr viel feiner, sehr viel burgundischer in Nase und Mund. Die Nase ist dann auch überwiegend in Richtung würzige, schwarze Kirsche ausgerichtet. Nur ein kleiner Hauch von roter und schwarzer Johannisbeere darunter. Aber die stylische Kirsche dominiert ganz klar. So fein, so getragen, so schick. Und das setzt sich im Mund fort. Total auf der Kirsche laufend. Zur Schwarzkirsche kommt hier Sauerkirsche dazu, dann Schlehe, auch ein bisschen Sanddorn, Eukalyptus, Minze. Tolle salzige Länge. Viel Druck zeigend, aber auch große Frische und sehr viel Reife. Schicke stylische Note. Große Länge. Das trifft sich dann irgendwann perfekt nach mehreren Minuten. Was für ein großer, burgundischer, ultra schicker Leoville Poyferre. Wann gab es das in den letzten 15-20 Jahren besser? Ich glaube nicht. Ich kann weder Barton noch Poyferré mit glatt 100 bewerten, weil Las Cases einfach so atemberaubend ist. Aber im Grunde ist der Chambertin-Poyferré auf einem ähnlichen Level. 98-100/100

Lobenberg: Dieses kleine Weingut hat in sehr guten Jahren wie 2009 und 2010, aber auch 2015, schon große Erfolge gefeiert. Sie brauchen vernünftiges Wetter. In schwierigen Jahren ist es eben hier auch sehr schwer einen guten Wein zu erzeugen. Die Nase sehr reichhaltig, frische Zwetschge, satte, rote, süße, Kirsche, feine Eukalyptus- und Minzspur darunter sowie etwas Aprikose. Das zeigt wie schön reif die Merlot geworden ist. Das macht richtig Freude. Verglichen mit 2010 deutlich feiner und verspielter. Und trotzdem genauso dicht. Kraftvoller Mund mit ziemlich viel Wucht. Nach der Nase im Mund erstaunlich viel Druck zeigend, aber trotzdem fein bleibend. Voller Schliff und schöner Frische. Vielleicht nicht zu den Besten der Appellation gehörend, aber ein sehr stimmiger Wein mit einer schönen, kirschigen Ausdruckskraft in der Merlot. Wenig Blaubeere oder Brombeere sondern eher auf der geschliffen schwarzen Frucht bleibend. Feine Holunder darunter. Das macht Freude, braucht aber ein paar Jahre. Ein sehr schicker, kleiner Saint Estèphe. 93-94/100

Lobenberg: Lynch Bages besteht 2016 aus 75% Cabernet Sauvignon, 19% Merlot, 4% Cabernet Franc und 2% Petit Verdot. 75% neues Holz. Wir sind in der höchsten Konzentration an Cabernet seit 2010. Das ist umso faszinierender, als dass die Nase im Grunde Merlot repräsentiert mit dieser wunderschönen Üppigkeit. Mit dieser runden, fast fetten schwarzen Kirsche und Brombeere. Maulbeere kommt neben einer schönen Süße, Tabakkiste, Zedernholz, hinzu. Das macht wieder deutlich: Pauillac. Dann kommt schwarze Johannisbeere. Aber alles weich, getragen, fast schick. Im Mund dominiert die Cabernet dann total, mit einer ganz schönen Dramatik und viel Grip. Sehr kraftvoll, sattes Tannin. Sehr Pauillac. Ganz druckvoller Mund mit langem, mineralischen Finale. Schwarze Johannisbeere, Brombeere, schwarze Lakritze, Veilchen, feine Bitterstoffe aber nicht überextrahiert trotz der vielen Power. Ein Power-Wein mit schicker Erhabenheit, mit Frische und Finesse. Aber es bleibt ein Power-Wein. Es ist keine geschliffene Feinheit im Vordergrund, sondern eindeutig reifer, intensiver, maskuliner Pauillac. 97-98/100

Lobenberg: Dieses Weingut war lange eigentlich nur für seinen Weltklasse-Weißwein berühmt. Aber schon 2015 war auch der Rote famos. Wenn auch nicht billig, aber sehr schön. Die ganze Appellation Pessac Leognan ist in 2016, wie schon in 2015, die vielleicht Stimmigste auf der Medoc-Seite, aber ich gebe zu, dass ich noch nicht genug des oberen Teiles probiert habe. Diese unglaubliche Raffinesse, die diese Weine der Appellation haben, ist famos. Das war bei Domaine de Chevalier, Carmes Haut Brion, Seguin. Im Grunde sind die Weine burgundisch oder Loirehaft, obwohl es überwiegend Merlot ist. Ohne übermäßige Extraktion und Wucht. Eben ohne das Übermäßige der Jahre 2009 und 2010. 2015 und 2016 sind zwei Meilensteine in dieser Appellation. Die Nase ist super fein. Ganz feine, zarte Blumigkeit über viel harmonischer, weicher, runder Kirsche. Total poliertes Tannin mit großer Frische, aber es ist tänzelnd, erinnert an Chambolle-Musigny. Gott, ist dieser Malartic schön. Im ersten Mund reiner Kirschsaft. Aber kein dicker, fetter Kirschsaft, sondern ein feiner. Dann kommt viel Minze. Vielleicht sogar ein bisschen feine, salzige, helle Lakritze. Er kann nicht ganz an die Tops der Appellation ran, aber verglichen mit den Vorjahren erreicht er mindestens das gleiche Niveau wie 2015. Das ist ein Top-Wert. Ein weitere Muss-Kauf aus dieser traumhaft, schönen Appellation. 96-97+/100

Lobenberg: Malescot ist spätestens seit 2009 und 2010 einer der ganz großen Weine der Appellation. Ein Superstar auf dem Level eines Rauzan-Seglas und mit ihm zusammen wohl immer der erste Verfolger von Palmer und Chateau Margaux, es sei denn Giscours zieht noch vorbei. Und 2016, in diesem perfekten Margaux-Jahr, bleibt Malescot auf keinen Fall hinter den Erwartungen zurück. Die Nase ist sehr rauchig, dicht. Süße, würzige Maulbeere, Brombeere, Cassis, aber auch dichte Schwarzkirsche. Sehr duftig. Veilchen, Lakritze. Feines Unterholz. Schon in der Nase poliertes Tannin. Keine Ecken und Kanten und doch ausdrucksstarke Frucht. Malescot verbindet im Mund den warmen, charmanten Ausdruck eines Monbrisons mit der sehr stylischen Ausrichtung, wie sie bei Weingütern wie Prieuré Lichine und anderen anzutreffen ist. Wir haben hier einen stylischen, total präzisen Wein, mit warmer, sehr charmanter Frucht darunter. Zugänglich und trotzdem erhaben. Das ist schon ziemlich gut. Ich sehe ihn zwar nicht ganz so hoch wie Rauzan-Segla, dass er in der allerersten Reihe von Margaux steht ist aber ohne Zweifel. 96-97/100

Lobenberg: Chateau Margaux besteht aus sagenhaften 94% Cabernet Sauvignon, 3% Merlot, 2% Cabernet Franc und 1% Petit Verdot. Die Lese fand von Ende September bis zum 20. Oktober statt. Nur 23% der gesamten Ernte ist in den Erstwein gegangen. Die Weine wurden komplett entrappt, dann über händische Sortiertische, Rütteltische gefahren, um auszusortieren. Spontane Fermentation in großen Holzfudern, Ausbau zu 100% im neuen Barrique. Die Nase ist in ihrer Feinheit, Frische und Intensität, ein kalifornischer Cabernet aus Hochlagen, weil die Reife so unglaublich schön ist. Aber nichts Fettes. Ich meine nämlich nicht die landläufigen, überfetten Kalifornier, sondern die richtig stylischen Weine von Ridge, Togni, Kongsgaard. Und so riecht Chateau Margaux 2016. So unglaublich fein. Sauerkirsche, rote Kirsche, mehr rote Frucht als schwarze Frucht. Frische Zwetschge, weißer Pfeffer, helle Lakritze, alles schwebt. Ein leichter Touch gelbe Frucht. Der Mund von einer unglaublichen Intensität. Aber eine köstliche, delikate Intensität. So fein. Auch hier wieder vornehmlich rote Frucht. Süße rote Kirsche, Sauerkirsche, Schlehe, helle Lakritze, dazu Eukalyptus und Minze. Salzige Mineralität und Länge, so ewig lange anhaltend. Ultra schicke Tannine, super poliert und trotzdem hat der Wein eine hohe Intensität, berührt alle Sinne. Die Augen und der Mund ziehen sich zusammen. Die Frische ist so genial. Und das mit der in sich so harmonischen, aber intensiv fruchtigen, mineralisch beladenen Cabernet ist eine perfekte Form von Cabernet Sauvignon. Er verliert alle Plumpheit, alle Rundungen, und ist trotzdem süß und dicht. Ein unglaubliches Vergnügen, was nach Minuten erst endet. Der Wein wird viele, viele Jahrzehnte altern können, und er wird immer noch zulegen in seinem köstlichen Genuss. Großer Chateau Margaux in bisher noch nie gesehener, erhabener Schönheit. Und eben ganz anders. Mein Wein des Jahrgangs noch vor Ausone und Mouton. 100+/100 

Lobenberg: Der 2016er ist sehr gut gelungen. Nicht ganz so stylisch wie Prieuré Lichine, eher in die warme Richtung wie Monbrison gehend. Aber mit ein bisschen mehr Politur, dafür nicht ganz so warm. Ein schicker Margaux mit total feinem Tannin. Reife schwarze und rote Frucht. Ein köstlicher Margaux. Ein Wein für die Freude. Sicherlich langlebig. Toller Wert. 94+/100

Lobenberg: Im - für die Region - schwierigen Jahr 2015 war Meyney einer der Überflieger. Das müsste in 2016 ja dann der Kracher werden. Die Nase dicht, würzig, schwarz. Aber schon in der Nase total poliertes Tannin. Nicht, wie häufig in Saint Estèphe anzutreffen eine harte Rustikalität, sondern stattdessen große stylische weiche Feinheit. Sehr konzentrierte schwarze Kirsche, Maulbeere, alles süß bleibend, versammelt, sehr präzise und gerade. Auch der Mund mit einem unglaublichen Geradeauslauf. Noch etwas trocken vom neuen Holz, aber so präzise gezeichnet. Schwarze Kirsche, Cassis, Lakritze, ein wenig Wachholder. Darunter Unterholz. Aber nichts bäuerliches, alles fein bleibend. Geschliffenes Tannin mit lebendiger, Säure. Also ein ganz präziser, mittig bis in die Unendlichkeit laufender Stoff. Kein Riese aber sehr stylisch und einfach wunderbar. Ein sehr dichter, schicker, würziger Saint Estèphe. Das ist schon sehr fein. Gefällt mir überaus gut. 95-96/100

Lobenberg: Im Süden Saint Emilions auf flachem Gelände gelegen. Untergrund sind Lehm- und Sandböden. 30 Hektar, 60% Merlot, 30% Cabernet Franc, 10% Cabernet Sauvignon. Die Reben sind um die 40 Jahre alt, der Ertrag 38 Hektoliter pro Hektar, 14,5% Alkohol, 3,6 pH-Wert. Ein Weingut, welches bisher im Besitz von Monsieur Perse war, jetzt durch ihn als Alterssicherung an einen Finanzkonzern verrentet, aber weiterhin durch ihn betrieben. Eigentlich ein eher unspannendes Terroir. Direkt in der Nachbarschaft liegt Chateau Tour Perey, was aber so viel vorteilhafter auf einer Kalksteinplatte liegt. Die Nase total von der Merlot betont, dicht und wuchtig. Ziemlich üppig und süß, aber durchaus mit Charme rüberkommend. Im Mund dichte, schwarze und süße rote Kirsche. Bisschen Amarena, reife Pflaume, etwas trocken. Ziemlich viel Tannin, aber vom Holz her etwas austrocknend. Etwas stärker extrahiert, aber mit ausreichend Saft ausgestattet, um letztlich irgendwann ein sehr schöner, leckerer Wein zu werden, jedoch ohne wirkliche Größe. Der Nachbar Tour Perey hat deutlich mehr Potenzial, aber auch das deutlich bessere Terroir. Trotzdem ist Monbousquet, wäre er denn im Preis halbwegs interessant, ein schöner Wert, der schon früh und wahrscheinlich auch für ein langes Leben von 30 Jahren Spaß machen wird. Ein schicker, typischer Saint Emilion-Wert mit schöner Fruchtigkeit und hohem Genussfaktor. 93-94/100

Lobenberg: Monbrison liegt im Hügelland direkt hinter Du Tertre, hat aber einen gänzlich anderen Charakter als der Finesse-Spezialist Du Tertre. Monbrison ist eigentlich immer der Wein für runde, warme Emotionen. Dicht und charmant. In warmen Jahren eine Köstlichkeit. 2016 kommt so fein rüber, gleichzeitig aber auch mit der gewissen Üppigkeit ausgestattet. Rote Kirsche überwiegt, auch Schwarzkirsche, Zwetschge, Schlehe, zerdrückte Himbeeren. Florale Noten kommen dazu, Veilchen, Rosenblätter, feine Süße ausstrahlend. Auch ein wenig Sanddorn. Dazu Eukalyptus. Ein feines Sammelsurium einer warmen, fruchtig, floralen, dichten, runden, charmanten Nase. Der Mund dann zusätzlich zu diesen warmen, emotionalen Tönen auch sehr fein. Wir sind hier nicht ganz in der Finesse eines Du Tertre oder Giscours. Dafür sind wir hier bei einem sehr dichten, kirschigen, harmonischen Wein voller Fruchtsüße, der dennoch nie plump sondern verspielt ist. Im Grunde ist es der Einstieg in die großen Weine des Margaux, allerdings stehengeblieben im köstlichen Charme. Gerade unterhalb der Topwerte. Ein unglaublich trinkiger, perfekter Margaux, der unglaublich viel Spaß macht. Ich bewerte ihn genauso hoch, wie die stylischeren Gewächse Prieuré Lichine und Kirwan, die beide stilistisch sicherlich darüber liegen. Dafür liegen die Stärken dieses Monbrisons mit seiner unheimlich fruchtigen, wuchtigen, eleganten Wärme auf dem puren Trinkvergnügen. 95+/100

Lobenberg: Der 2016er Jahrgang, 68% Cabernet Sauvignon, 25% Merlot, 7% Cabernet Franc. Die Ernte fand zwischen dem 23. September und dem 14. Oktober statt. Die Nase würzig, aber in seiner schönen roten Kirschfrucht. In der sehr fein bleibenden Konzentration, könnte er in einer Blindprobe fast für ein Saint Julien gehalten werden. Da ist nichts Grobes, da ist nur schöne, dichte, reife Kirschfrucht. Darunter Sanddorn, Eukalyptus, Minze, zerdrückte Himbeere sowie Kirsche und Schlehe. Das macht Freude in der Nase. Und das ist wirklich poliert. Der Mund des Montrose ist genauso fein und geschliffen wie in 2015. Vielleicht sogar etwas polierter, etwas schicker. Die Tannine sind total weich, reichlich vorhanden. Keine harten Ecken und Kanten. Schöne salzige Länge. Ganz viel auf roter Frucht laufend, dazu Eukalyptus, Minze, Lakritze. Feine Salzspur auf der Zunge, sehr harmonisch und in seiner Würze ein Unikat. Ein Unikat, was aber typisch Montrose ist. Wer Montrose 1989 und 1990 sowie 2010 in Erinnerung hat, der wird den 2016er sofort wieder erkennen. Das ist so typisch auf dieser neuen, eleganten Chateaulinie laufend. Und ich glaube, es steht in diesen großen Jahren nicht so viel nach. Ich bewerte ihn vorsichtig. 97-99+/100

Lobenberg: Moulin Haut Laroque liegt auf der Kuppe in Fronsac, in Saillans, dem Ort, in dem alle Stars liegen. Weißer und teilweise auch blauer Lehm sowie Magnesium über purem Kalkstein. Hervorragendes Terroir. Der direkte Nachbar ist das Chateau Tour du Moulin eines sehr bekannten Önologen und Consultants. Kleiner, aber auch sehr gut. Hier oben entstehen mit die besten Fronsac. Es gibt hier so gut wie keine Probleme mit der Trockenheit. Die Wasserversorgung auf reinem Lehm auf Kalkstein funktioniert erstklassig. Die Rebsortenzusammensetzung ist 2016 68% Merlot, 19% Cabernet Franc, 8% Cabernet Sauvignon und der Rest ist 5% Malbec. Die Ernte war in diesem Jahr erst vom 03. Oktober bis zum 13. Oktober, also etwas später, aber in voller Reife. 2016 waren die Erntebedingungen archetypisch gut. So gut wie noch nie, weil es einfach einen langen Sommer gab. In den Weinbergen von Moulin Haut Laroque wird biologisch gearbeitet ohne zu zertifizieren. Die Fermentation erfolgt als Spontanvergärung im Stahl, dann kommt der Wein zur Malo komplett ins Barrique. Ein Drittel neues, zwei Drittel einjähriges Holz. In diesen Fässern verbleibt der Wein ohne Bâtonnage bis zur Abfüllung nach 18 Monaten. Moulin Haut Laroque arbeitet nicht nur absolut organisch-biologisch, sondern ist extrem sorgfältig in der Ertragsreduktion. Überwiegend natürlich durch alte Reben und Engpflanzung. In 2015 sowie 2016 wurden die zu dicht gepackten Trauben ebenfalls herausgeschnitten. Das Laub um die Trauben herum wurde in der letzten Zeit vor der Ernte entfernt um den immer sehr starken und trockenen Wind in Fronsac zuzulassen. Das Ganze führt zu einer so starken Konzentration der Beeren, dass der Ertrag ungewollt, aber in der inneren Spannung des Weines überzeugend, auf klar unter 30 Hektoliter pro Hektar fällt. Bei der Dichtpflanzung ist das klar unter 500 Gramm je Weinstock. Ein schon ziemlich extremer Wert. Auch 2016 gab es sehr kühle Nächte und warme Tage. Diese Konzentration kommt zusätzlich hinzu und gibt tolle Frische. Der Alkoholgrad liegt um die 14%, was aber bei der Frische und dieser hohen Säure in 2016 völlig harmonisch ist. Der Wein schmeckt eher fein und zart. Die Nase wird trotz ihres nur kleinen Anteils von der Cabernet Franc dominiert. Auch ein wenig Johannisbeere von der Cabernet Sauvignon, aber die leicht gekochte, breiige Himbeere ist die klare Dominante. Dazu süße rote Kirsche, ein Hauch von Sauerkirsche und Schlehe darunter. Feine Milchschokolade. Sehr aromatische Nase. Extrem dicht, extrem aromatisch, ätherisch. Was für ein Duft! Bitte ein großes Burgunderglas nehmen. Riechen reicht völlig. Ich habe über 2015, den ich kurz zuvor nochmals probiert habe, gesagt, das sei ein Meilenstein. Was soll ich jetzt in 2016 sagen? Der Mund ist ungeheuer frisch. Schlehe und Sauerkirsche vor der Himbeere. Eine wunderschöne Säure. So verspielt und trotzdem eine immense, eine verblüffende aromatische Dichte und Intensität. Große Tanninmengen, aber alles ist butterweich. Nichts schmerzt, nichts ist zu viel. Und dann ein zweiminütiges, aromatisches Spektakel mit Himbeere, Schlehe, Sauerkirsche, aber auch ein bisschen Brombeere. Das Ganze zart bleibend, total verspielt und irgendwo im Unendlichen endend. Dieser Fronsac 2016 würde in den 80ger Jahren einem Premier Cru zur absoluten Ehre gereicht haben. Das ist so unglaublich fein. Es liegt irgendwo zwischen Pomerol und Saint Emilion. Das schwingt und bewegt. Es ist delikat. Ja der Wein ist sexy, erotisch und gleichzeitig total berührend. Am zweiten Tag meiner Verkostungstour gleich ein so traumhafter Wein. Und nachdem ich Chateau La Rose Figeac in Pomerol und Chateau Fonroque zuvor probiert habe, ist das ein würdiges Finale. Er muss sich dem Clos Louie in Castillon ganz sicherlich beugen, der nochmals eine andere Dimension in Finesse darstellt. Aber er gehört zu den traumhaften Weinen des Jahrgangs. Der Wein wird jung ein Vergnügen sein, aber wie die Rückverkostung aus 1989 und 1990 ergab, wird dieser doch deutlich bessere Wein problemlos über Jahrzehnte altern können. Man servierte uns zum Dinner grandios frische und pikante Weine von 1937 und 1900. Genial, das wird 2016 dereinst auch können, viel bessere reifste Weine habe ich in meinem Leben noch nicht getrunken. Wirklich superber Stoff 2016. Darf man Fronsac mehr geben als...? 96+/100  

Lobenberg: Moulin Saint Georges ist eines der Weingüter von Chateau Ausone, das ist die Familie Vauthier. MSG liegt etwas unterhalb davon. Es ist ein Grand Cru auf dem Sprung zum Grand Cru Classé. Hier wird die auf Ausone geübte Dichtpflanzung bis zu 12.600 Stöcken praktiziert. Das Durchschnittsalter der Reben beträgt 30 Jahre. Es sind 7 Hektar. Die Gärung findet im Stahl statt. Danach 18 Monatiger Ausbau in 85% neuem, französischen Holz. 30 Hektoliter pro Hektar Ertrag. 80% Merlot, 20% Cabernet Franc. Etwa 20.000 Flaschen werden erzeugt. Moulin Saint Georges ist ein Weingut, dass ich im Grunde immer für den idealen Zweitwein von Ausone halte, denn der Wein ist sehr fein, hat einen tollen Schliff, zeigt in 2016 große Harmonie. Feine Säure, total geschliffenes Tannin. Der Mund ist sehr schick und fein. Er ist erstaunlich stark von der Cabernet geprägt, mit einer fast spitzen Johannisbeersäure. Tänzelnd, hohe Eleganz. Aber es fehlt ein bisschen der letzte Kick, vielleicht der letzte Druck, die letzte Wucht. Es ist ein feiner, schöner, Cabernet orientierter Saint Emilion, der guten Trinkfluss hat und Spaß macht, aber er ist nicht wirklich groß. Macht aber nichts, wenn der Preis stimmt, ist es eine große Freude ihn zu trinken 92-93/100

Lobenberg: Der zweite Premier Cru. Nachdem Lafite gegen den Nachbarn Cos leicht unterlegen war, deutet durch die davor stattfindende Probe von Clerc Milon Rothschild alles daraufhin, dass hier der Höhepunkt Pauillacs liegen könnte. 83% Cabernet Sauvignon, 15% Merlot, 1% Cabernet Franc, 1% Petit Verdot. Wie Clerc Milon intensives Kirschrot mit viel schwarz. Und wie bei Clerc Milon, und das ist jedes Jahr wieder das Verblüffende, die fast gleiche Nase. Total schick, super poliert, Brombeere, ein Hauch Cassis. Sehr viel schwarze Kirsche, sehr schick, sehr fein. Ein Hauch Mango und Aprikose darunter. Auch deutliche Kaffeenoten und Holzkiste. Aber das Holz vom Ausbau als solches ist nicht spürbar. Total dezent. Die Nase ist wie Clerc Milon, nur noch eine Spur feiner. Noch mehr Pomerol in dieser schicken Präzision. Nichts Maskulines, nichts Störendes. Einfach nur ein unglaublich duftiger, traumhafter Wein. Ein Wein, wie er in dieser Klasse auch aus Kalifornien kommen könnte. Die Nase berauscht, zeigt dann Lakritze, darunter Rauch-Noten. Nur das Riechen reicht. Was für ein Mouton. Auch im Mund dieses Quäntchen mehr an Feinheit als Clerc Milon. Im Grunde wieder baugleich. Ultraschick. Riesen Tanninmassen, noch frischer als Clerc Milon. Die Säure ist sehr präsent. Rote Johannisbeere von der Cabernet, Sauerkirsche, feine süße rote Kirsche. Dann erst kommt dunkle schwarze Kirsche, viel Zwetschge, sehr feine Lakritze und eine tolle salzige Mineralität, eine große Länge. Ein ultra raffinierter, köstlicher und in dieser Feinheit von mir noch nie zuvor probierter Mouton Rothschild. Ich bin kein riesiger Fan von Mouton Rothschild, der ist oft überbewertet, aber 2016 ist „best ever“ und der reine Wahnsinn. Mein Freund Max Gerstl, der 1982 das erstmals Mouton Rothschild vom Fass probiert hat, sagt er sei klar besser, besser als 2016 geht nicht, dass ist weit über dem 1982er. Meine Historie reicht nur zurück bis 1989, und in meiner Verkostungszeit hier hatte ich nichts was so unglaublich fein war. Wenn Mouton Rothschild immer so wäre, wäre ich der totale Fan dieses Weingutes. Leider ist er häufig viel rustikaler, aber dieses Jahr ist die Perfektion da. 100/100

Lobenberg: Chateau Nenin gehört zu Leoville Las Cases. Gleicher Besitz. Gehört mittlerweile zum oberen Viertel der Weingüter in Pomerol, wenn man die Qualität betrachtet. Leider auch im Preis, weshalb er bei mir öfter durchs Raster fällt, da es für das gleiche Geld deutlich interessantere Chateaus gibt. Die Nase des 2016er Nenin ist sehr fein, sehr getragen. Tolle kirschige Aromatik, intensive Beerenfrucht welche nicht fett sondern fein ist. Weißer Pfeffer, helle Lakritze. Auch sehr feiner Mund, aber etwas austrocknend. Etwas viel Holz. Aber schicke Frucht, Kirsche, Zwetschge, fein und trotzdem dicht aromatisch. Schöner Pomerol, aber wie ich schon sagte: Kein Muss Kauf. Aber Anerkennung von toller Qualität. 94-95/100

Lobenberg: 47% Merlot, 47% Cabernet Sauvignon, 6% Petit Verdot. Seit einigen Jahren nun biodynamisch zertifiziert. Dementsprechend ist die Art der Behandlung eine ganz andere, als bei den Konventionellen. Systemische Mittel entfallen, und anders als bei Pontet Canet, ist Palmer noch nicht so lange in biodynamischer Bewirtschaftung, dass alles resistent geworden ist. Das heißt, dass es hier zu einigen Mengenausfällen kam. Die jüngeren Reben hatten große Ausfälle, was vor allem den Zweitwein Alter Ego betrifft, der in der Menge halbiert wurde. Aber auch der Erstwein verlor um die 15% der Gesamtmenge durch Mehltau. Qualitativ hat das keine Auswirkungen. Die Blüte danach war ziemlich perfekt. Danach gab es wieder leichten Regen, also Verrieselung, die Versorgung aber war gut. Dann diese lange Trockenperiode, die aber in der Regel für Biodynamiker, speziell auf diesen lehmigen, sandigen, kiesigen Böden nicht so sehr problematisch war. Das Ergebnis dieser Verluste im Frühling war ein Hektarertrag von nur 29 Hektolitern pro Hektar. Im Gegensatz dazu: Chateau Margaux hatte 50 Hektoliter pro Hektar. Da sieht man einfach den Unterschied in der Weinbergsbearbeitung und dem gewollt geringen Ertrag pro Pflanze. Dazu muss man erwähnen, dass man bei Chateau Palmer bereits bei einer Pflanzdichte von 10.000 Stöcken pro Hektar angekommen ist. Das Ziel von unter 500 Gramm pro Pflanze ist locker erreicht. Wir sind inzwischen bei deutlich unter 500 Gramm und sie haben zwei Hektar im Besitz, die mit 20.000 Pflanzen bestückt sind, bei gleichem Gesamtertrag je Hektar. Das heißt, wir kommen dort auf nur 3 kleine Träubchen und ein Gesamtgewicht von unter 300 Gramm pro Pflanze. Das Ziel ist eigentlich nicht der Hektarertrag, sondern der Ertrag pro Pflanze. Und diese 300 Gramm pro Pflanze, entsprechend in etwa dem gleichen Extremismus eines Roberto Voerzio, der in Barolo praktiziert, oder wie Dominique Leandre Chevalier in der Cotes de Blaye. Chateau Palmer hat zwar später angefangen mit der Biodynamie als Pontet Canet, aber im Bezug auf Ertrag pro Pflanze und ambitionierter Zielsetzung ist Palmer im Medoc vielleicht sogar ganz vorne. Die Nase ist unglaublich würzig und tief. Sehr viel reife Pflaume. Und in ihrer Natürlichkeit erinnert diese Nase verblüffenderweise auch an den anderen Biodynamiker Pontet Canet. Auch hier haben wir so eine erdige Würze, die aber auch durch die extreme Ertragsreduktion kommen. Die natürliche Konzentration wird so hoch, ohne das die Weine in irgend einer Weise marmeladig werden. Im Gegenteil, sie werden eher feiner, aber sie strahlen Natur pur aus. Auch liegt es daran, dass in beiden Weingütern nach der alkoholischen Fermentation nicht geschwefelt wird. Auf beiden Weingütern wird erst zur Abfüllung geschwefelt bzw. beim Umziehen. Das gibt eine extra Dimension, eben eine Art Naturwein. Die Nase ist frisch und gleichzeitig würzig. Erdig, tief, pflaumig, schwarze Kirsche. So unglaublich profund von unten heraus. Druckvoll. Aber so etwas, was man vor 5 oder 10 Jahren überhaupt nicht als großen Palmer gesehen hätte. Kein Holzeinfluss ist zu spüren, obwohl der Ausbau nur im neuen Holz geschieht. Der Mund ist sehr schick. Kann man nicht anders sagen. Eine Fülle von verschiedenen Kirscheindrücken. Rote Kirsche, Sauerkirsche, süße Kirsche, schwarze Kirsche. Alles springt um diese Kirsche umher. Dann kommt weißer Pfeffer, ganz helle Lakritze, eine tolle Blumigkeit und viel Salz. Eine fast cremige, an Kalkstein und Kreide erinnernde Textur auf der Zunge und am Gaumen. Irgendwann kommt Zwetschge dazu. Das Ganze hallt für Minuten nach. Und trotzdem bleibt das irgendwie eine Art Naturwein. Eine andere Art Wein als klassischer Bordeaux. Auch innerhalb der Appellation irgendwie ein Unikat. Palmer ist wie Pontet Canet auf einem Weg etwas ganz Eigenständiges zu werden, was man entweder sehr viel höher einschätzt, oder es auf Grund der Nichterfüllung der Erwartungen eher abwerten mag. Palmer 2016 polarisiert sehr. Ich finde diesen Wein, genau wie Pontet Canet, ganz groß. Bin mir aber nicht ganz sicher, ob es irgendwann ein Riese wird. Vom Potential könnte ich es mir denken. 99-100/100  

Lobenberg: Pape Clement hatte ja schon 2015 diesen Höhenflug, diesen Wandel vom Blockbuster 2009 und 2010 hin zur großen Feinheit und Frische. Das hat sich 2016 nicht geändert. Im Gegenteil. 2016 zeigt eine Nase, die mich verblüfft. Die ich ihm selbst nach dem tollen 2015er nicht zugetraut hätte. Gott, ist das fein. So schöne feine Kirsche, so zart, erhaben und aromatisch dazu. Tolle Blumigkeit. Jasmin ist fast zu süß, auch Maiglöckchen trifft es nicht. Das sind leichte, zarte Frühlingsblumen. Ein leichter, ganz leichter Hauch Rosen darüber. Dann Pfirsich, Aprikose, Passionsfrucht. Und immer wieder diese intensive, rote Kirsche. Holunder darunter. Eine berauschende, super komplexe Nase. Im Mund setzt sich diese Kirsche fort. Gepaart mit Minze und Eukalyptus. Feine Länge. Total poliertes, massives Tannin, aber so unendlich fein, mit einer so tollen Frische darüber. Das macht große Freude. Vielleicht fehlt ihm zu Haut Bailly die letzte Feinheit. Dafür hat er etwas mehr Volumen, Druck und Dichte in seiner charmanten, komplexen Art. Das ist wirklich superber, edler Stoff. 98-100/100

Lobenberg: Das Topweingut von Gérad Perse, früher im Besitz der Familie Valette, deren Sprösslinge heute in alle Welt verteilt sind und die Top-Weingüter in Chile, Chateau Clos Puy Arnaud in Castillon, u.a. betreuen. Das ganze Erbe wurde seinerzeit in einem Rutsch an Monsieur Perse verkauft. Jetzt seit 2015 endlich der ersehnte Aufstieg zum 1er Grand Cru Classe A. Mit 37 Hektar ein sehr großes Weingut an den südlichen Plateau-Hängen. Süd-Ost Ausrichtung, fast 50 Jahre alte Reben, 38 Hektoliter pro Hektar Ertrag, 14,5% Alkohol, 3,5 pH-Wert. 60% Merlot, 22% Cabernet Franc, 18% Cabernet Sauvignon. Erstmalig hat mir Pavie schon in 2015 sehr gut gefallen. Dann müsste der mit etwas mehr Frische ausgestattete 2016er noch besser sein, so dachte ich. Die Nase macht Eindruck, zeigt unglaubliche Wucht. Sehr dichte, eingekochte Pflaume, Maulbeere, Eukalyptus, Minze. So dicht, so würzig. Schon sehr eindrucksvoll und wuchtig. Aber eben keine wirkliche Feinheit wie der andere Aufsteiger zum 1er GrCrCl, Chateau Angelus, ausstrahlend, sondern nur blockbusterartige Wucht. Der Mund kann es dann ein bisschen retten, weil er einfach die deutlich bessere Terroir-Ausstattung hat als Pavie-Decesse, der Nachbar aus eigenem Haus. Trotzdem ist der Eein auch etwas trocken. Sehr viel Holz, auch stark extrahiert, aber auch schöner Saft dazu. Ein bisschen zu sehr in Richtung dunkle Frucht tendierend. Wir waren kurz zuvor bei Chateau Ausone auf dem gleichen Kalkstein-Terroir und da hatten wir die Köstlichkeit und Feinheit in Perfektion. Wie kann es nur einige hundert Meter weiter auf dem gleichen Terroir eine so unglaubliche Wucht geben? Ich befürchte, dass einige Winzer dieses Jahr dazu nutzen, um Blockbuster zu machen, dann haben sie aber einfach das Jahr fehlinterpretiert. Es ist so unnötig. Der Jahrgang ist einfach unendlich fein und lässt so schicke Weine zu. Pavie ist ein großer Wein, aber ich werde ihn mir persönlich auf keinen Fall kaufen, das ist mir einfach zu wuchtig. Da gibt es diese unglaublich feinen Weine von Viex Chateau Certan, L’Evangile, L’Eglise Clinet, Enclos Tourmalin, und die Köstlichkeit schlechthin von Ausone. Wozu muss ich eine solche Wuchtbrumme haben? Eindruck macht diesr Riese dennoch. 97-99/100

Lobenberg: Pavie Decesse liegt oberhalb neben Chateau Pavie in Ortsnähe. Eine Top-Location mit Süd-Ost Ausrichtung. Auf Kalksteinhängen liegend, 3,6 Hektar. 90% Merlot, 10% Cabernet Franc. 50 Jahre alte Reben. Der Ertrag liegt mit 16 Hektolitern extrem niedrig. 14,7% Alkohol, 3,8 Säure und 3,4 pH-Wert. Dieses Weingut ist ein Grand Cru Classé, kommt also in dier ersten Reihe, direkt nach den Premier Grand Cru Classé. In früheren Jahren war hier eigentlich immer "Holland in Not" auf Grund der extremen Extraktion. Die Fruchtstärke war nie so gut wie bei Pavie um das Ganze zu balancieren. Schauen wir mal. Die Nase für 2016 ist etwas weniger fein als erwartet. Sehr reife Holunder, Brombeere, Maulbeere. Reife Zwetschge, würzig, erdig. Unglaublich tief und wuchtig. Der Mund hat beides: Nämlich auf der einen Seite durchaus eine gewisse Delikatesse, eine gewisse Feinheit in roter und schwarzer Frucht. Aber gleichzeitig auch unglaublich trocken vom hohen Holzeinsatz und der hohen Extraktion. Der erste Wein in diesem Jahrgang, der richtig weh tut im Mund. Der erste Wein, der letztlich kein Spaß macht, weil sie einfach zu viel daran rumgeschraubt haben in der Vinifikation. Man erkennt das tolle Potenzial eines feinen, mittelgroßen Saint Emilions, aber es ist einfach über den Punkt vinifiziert. Leider. 89-91/100

Lobenberg: Pavie Macquin liegt in direkter Nachbarschaft zu Troplong Mondot. Seit sehr vielen Jahren biologisch bearbeitet. Der heutige Superstar der Önologie Saint Emilions, Stephane Derenoncourt, war früher Weinbergs-Manager auf Pavie Macquin und hat hier sein Erstlingswerk in die Landschaft gesetzt. Das Terroir besteht aus Kalkstein mit Lehm-/Sandauflage, ganz hervorragend. Nun seit Jahren vom Direktor Nicolas Thienpont verantwortet. Weiterhin ist Stephane Derenoncourt der önologische Berater. Die Nase ist für den sonst immer relativ üppigen Pavie Macquin erstaunlich fein und wunderschön auf der schwarzen und roten Kirsche laufend. So fein, so schick. Eigentlich die schickste Nase, seit ich Pavie Macquin kenne. So wunderbar auf der Kirsche, auch Schlehe. Ganz feine helle Lakritze, Minze, tolle Blumigkeit. Duftig, reich und trotzdem ultra fein. Ich liebe diese burgundische Nase. Der Mund ist deutlich üppiger. Aber auch hier überwiegend auf Kirsche bleibend. Sauerkirsche, rote Kirsche, viel schwarze Kirsche. Schöne Dichte, fast Opulenz im Mund zeigend. Dann aber frische Zwetschge, zerdrückte Himbeere. Große Länge, viel Mineralität, die Salzspur hält über Minuten und rollt mit Kirsche und Zwetschge immer wieder hoch. Die Säure ist ebenfalls sehr fein. Das Tannin ist ultrageschliffen, reichlich, aber superfein. Die etwas rotfruchtigere, feinere Variante des Nachbarn Troplong Mondot. Aber in der Opulenz und Reichhaltigkeit durchaus eine gewisse Ähnlichkeit. Ein superber Pavie Macquin. 98-99/100

Lobenberg: Diese nur 7 Hektar, ursprünglich Bestandteil von Chateau Faugeres, sind jetzt eigenes Grand Cru Classé. Sie liegen direkt innerhalb der Weinberge von Faugeres, es sind die ältesten Reben. Auch hier 85% Merlot, 10% Cabernet Franc und 5% Cabernet Sauvignon. 65% neues Holz, 35% zweijähriges Barrique, aber sehr scharfe Toastung. Fermentation im offenen 40 Hektoliter Holzgärständer. Auch hier ist Michel Rolland önologischer Berater. Das bedeutet extrem späte, hochreife Lese. Konventionelle Weinbergsarbeit, nicht in Richtung Bio oder Biodynamie unterwegs. Die Nase widerspiegelt diese hohe Reife. Extrem reife schwarze Pflaume, schwarze Kirsche, fast Amarena. Süße ausstrahlend, fast ein bisschen Barossa Valley Shiraz. Der Mund zeigt butterweiche, aber fast blockbusterartige Tanninfülle. Unglaublich dicht, hoch konzentriert. Der Wein hat aber mittlere Länge, ist sehr voll, fast etwas fett und ist, das ist jetzt schon absehbar, als ganze Flasche für eine Person eindeutig eine große Aufgabe. Die Frische des 2016er Jahrgangs ist aber da, Harmonie und Balance gibt es durchaus. Es ist ein fast ganz großer Wein, aber nicht so meine Geschmacksrichtung. Trotzdem bekommt er eine seiner großen Klasse entsprechende Benotung. 96-97/100

Lobenberg: Wir haben, wie in 2010, einen richtigen Geheimtip, ja irgendwie auch nicht mehr geheim. So sehr maskuliner Pauillac hier. Auch 2015 war sehr gut. 2016 ist mir ein bisschen zu extrahiert. Sehr viel schwarze Frucht, viel Druck zeigend. Auch Frische, tolle Länge. Aber schon ein echter Kraftmeier und sehr Pauillac in seiner maskulinen Art. Es ist nicht mein Lieblingsstil im Genuss. Ich anerkenne, dass es ein toller Pauillac ist, irgendwie wie klassischer Lynchg Bages, auch wenn ich persönlich, etwas mehr Süße, etwas mehr Kirschfrucht anstatt dieser massiven Brombeere-Cassis-Ausrichtung mag. Trotzdem ein toller Wert 94-95/100

Lobenberg: Es ist das zweite Weingut von Cathérine Papon-Nouvel, die auch Clos St-Julien, Gaillard und Peyrou vinifiziert. Auch hier biodynamische Bewirtschaftung und auch biologisch zertifiziert. Das Weingut liegt fast direkt neben Canon la Gaffelière, so ist das Terroir so ziemlich das Gleiche. Es gibt nur 2 Hektar von diesem Weingut. Die Reben sind über 70 Jahre alt, gehen auf die 75 zu. Es gibt weniger als 10.000 Flaschen. In der Regel nur 7.000 auf Grund des geringen Ertrages. Dichtpflanzung 10000 Stock/ha. 80% Cabernet Franc, 20% Merlot. Der Alkohol liegt etwas über 14%. Der Wein wird natürlich spontan vergoren und dann überwiegend in neuem Holz ausgebaut. Das Terroir gilt als besser als Canon la Gaffelière aber auch dort wurden in 2015 und 2016 grandiose Weine gemacht. Das Terroir ist also allemal gut für Spitzenweine. Es besteht aus Kiesel, Sand und auch Lehm. Also guter Feuchtigkeitsspeicher. 2016 unterscheidet sich relativ deutlich von 2015. 2015 war noch mehr in Sauerkirsche, Himbeere, Cabernet Franc geprägt. Aber 2016 ist eben in diesen flachen Weinbergen die Merlot so extrem gut gelungen. Es gab wenig Wasserstress, denn der Boden speichert gut und die Merlot reifte voll aus, ohne ihre Säurestruktur zu verlieren. Wir haben hier dann überraschend eine deutliche Prägung von schwarzer Johannisbeere, dazu auch etwas Cabernet-artige rote Johannisbeere. Erst mal eigentlich typisch Cab. Sauv. Dann Merlot, schöne reife Zwetschge, Brombeere, Maulbeere, aber nicht marmeladig, nicht wuchtig. Nur hocharomatisch rüberkommend. Erst am Ende kommt ein bisschen reife Himbeere, Sanddorn und ein Hauch Aprikose und Passionsfrucht dazu. Das verleiht der Nase den Kick für hohe Individualität. Reinste Natur. Im Mund ein relativ massiver Angang. Erstaunlich, dass wir nach 2015 in 2016 so viel Druck im Wein haben. So viel schwarzfruchtig betonte Mineralität mit langer, salziger Spur. Extrem sattes aber butterweiches, geschliffenes Tannin. Und trotzdem diese Feinheit und diese darüber liegende feine Säure. Das Ganze schwingt spielerisch und ist trotzdem so intensiv. 2016 ist für mich dort in der Charakteristik näher an Canon la Gaffelière als 2015, wo die Cabernet Franc das Unikathafte ausmacht. 2016 ist aber insgesamt der größere Wein. Das hat schon richtig Oberklasse. Dieser Quantensprung speziell in der Merlot liegt sicherlich auch in dem neuen, von Cathérine eingesetzten System der Selektion. Komplette Entrappung, möglichst saubere Beeren, die dann in ein mit Zucker angereichertes Wasserbad kommen. Diese Wasser-/Zuckerkonzentration entspricht genau dem Saft einer reifen Beere. Die Guten sacken nach unten, die nicht ganz reifen Beeren bleiben an der Oberfläche und werden abgeschöpft. Das reinigt zugleich die Beeren komplett. Es bleiben keinerlei Stiele und somit keinerlei Potenzial für Bitterstoffe drin. Die dann entnommenen, reifen Beeren werden einmal kurz vom Zuckerwasser befreit und gehen dann in die Fermentation. Dieses, auf Chateau Ausone erstmalig eingesetzte System, führt zu einem wahnsinnigen Qualitätsanstieg, denn es werden sicherlich nochmals 20% der Beeren aussortiert. Das Ergebnis ist berauschend und im Grunde haben wir damit zwei riesen Potenziale für Qualitätsanstieg. Der sensationelle Jahrgang 2016 mit dieser ungeheuer guten Merlot, sowie dieses neue Selektionssystem am Ende der Entrappung. Es ist ein Quantensprung bei Cathérine, obwohl die Weine schon vorher genial waren. Es kommt hier nochmals eine Konzentration und Reife, ohne dass die Frische verloren geht. Wunderschöner Wein, mindestens auf dem Niveau des Nachbarn CLG. 97-98/100

Lobenberg: Schöne, stylische Schwarzkirschnase mit ein bisschen Brombeere darunter. Lakritze, deutliche Veilchen-Note. Sehr harmonisch, rund, weich und dicht. Der Mund kommt ähnlich stylisch rüber. Ein bisschen arg schlank in der Mitte. Es fehlt ein bisschen die fruchtige Wucht. Guter Nachhall, gute Frische. Ein guter Pomerol im Mittelfeld. Sehr schön gelungen für Petit Village, wenngleich ich ihn nicht besonders auffällig finde. 94-95/100

Lobenberg: Das Weingut gehört Cathérine Papon-Nouvel, ist biodynamisch zertifiziert und liegt in Castillon, aber direkt an der Grenze zu St Emilion. Dieses Weingut liegt direkt vis-a-vis Lafon la Tuilerie. Ein Kalksteinweingut, nur dass Peyrou an den Hängen einen deutlich lehmigeren Untergrund hat. 100% Merlot. Der Wein wird spontan im Stahl vergoren und danach ausgebaut im überwiegend gebrauchten Barrique für 12-15 Monate. Der Untergrund ist wirklich extrem gut geeignet, und wäre das ein St Emilion, wäre der Wein sicherlich doppelt so teuer. Die Merlot-Reben sind uralt und nun etwa 75 Jahre. Die Nase dieses reinen Merlots schwingt in 2016 ob ihrer unglaublichen Feinheit und Frische ein bisschen in Richtung Cabernet. Fast ein wenig an Cabernet Sauvignon erinnernd, denn wir haben deutlich rote und schwarze Johannisbeere in der Nase. Darunter Brombeere, Zwetschge. Reif, tiefe dunkle Frucht. Eine richtige Duftwolke. Man merkt die Ähnlichkeit des Terroirs zu Lafon la Tuilerie in Saint Emilion. Ein ähnlich feiner, gradliniger, super definierter Merlot-Angang. Dieser Wein ist das Superschnäppchen schlechthin. Das war es 2015 und ist es auch in 2016. Biodynamisch betrieben, und glauben sie mir: Für das, was der Wein ist, kostet er fast nichts. Der Mund in voller Harmonie. Dichte, reiche Frucht. Auch hier wieder Zwetschge, aber auch konzentrierte Himbeere, Cassis, Johannisbeere, reife Pflaume, ein bisschen Sanddorn. Eine tolle mineralische, salzige Spur auf der Zunge hinterlassend. Nein, das ist kein ganz großer Wein. Das ist nicht einer der besten Weine in Castillon. Aber es ist für das Geld einfach ungeheuerlich. Nach den 4-5 Tops in Castillon für mich der beste Wein. Besser als andere, teurere Größen. Dieses biodynamische Weingut ist wirklich einer der Geheimtipps. Der Nachhall für fast zwei Minuten, immer wieder hochrollend. Tolle, pflaumige, beerige Frucht in hoher Aromatik und salziger Mineralität. Das ist wirklich ein kleiner großer Wein. Ist schick und macht Freude. Obwohl er etwas tiefer und raffinierter als der 2015er ist, möchte ich ihn dennoch genauso bewerten, obwohl ich persönlich diesen Wein für langlebiger halte. Ein Hauch Überlegenheit zu 2015. 93+/100

Lobenberg: Phelan Segur hat in den letzten 10 Jahren unheimlich viel in die Weinberge investiert. Michel Rolland ist hier Consultant, was dazu führt, dass im Weingut mehr auf die Reife gesetzt wird. Dies Reife erreicht man allerdings nicht ohne eine dichtere Pflanzung und mehr biologische Weinbergsarbeit. Auch wird selbstverständlich per Hand gelesen. Die Beeren werden komplett entrappt und nochmals mit einer optischen Sortiermaschine nachsortiert. Nur die wirklich reifen Beeren kommen letztlich in die Kelter. Der Ertrag pro Pflanze sinkt von Jahr zu Jahr. Phelan Segur hat als Regisseurin, neben dem Besitzer Thierry Gardinier, seit 5 Jahren Veronique Dausse mit im Boot. Sie kam aus der Champagne und hat hier wirklich die Hosen an. Eine wirklich qualitätsversessene Person. Weinberge, die nicht der Perfektion entsprechen, gehen in Zweit- und Drittweine. Mit 2016 ist man vielleicht das erste Mal an den direkten Mitbewerbern um die Position 4 in Saint Estèphe vorbeigezogen. Vielleicht. Für mich ist Phelan Segur 2016 zumindest eindeutig definierter, klarer, intensiver, frischer als Lafon Rochet. Dabei ist Lafon Rochet in 2016 auch besser denn je. Man wird sehen. Und Meyney ist auch ein ernsthafter Wettbewerber! Das ist eine feine Entwicklung hier oben. Cos und Montrose sind unantastbare Monumente mit klaren 100 Punkten. Calon Segur ist auch superb. Die reinen Werte des Jahrgangs sind: 49 Hektoliter pro Hektar Ertrag, hier oben gab es relativ wenig Trockenstress. Die Reben hier oben sind inzwischen auch so tief verwurzelt, dass die Feuchtigkeit im Frühjahr nicht so viel ausmachen konnte. Außerdem arbeitet man auf Phelan Segur nicht biodynamisch, so konnte man systemische Schutzmittel einsetzen. Die totale Säure ist in diesem Jahrgang 3,4, der Alkohol liegt bei 13,5%, der pH-Wert bei 3,6. Die Blend besteht aus 55% Cabernet Sauvignon und 45% Merlot. Die Nase ist eindeutig Cabernet Sauvignon geprägt. Lediglich die reiche, würzige, schwarzbeerige Fülle daneben, deutet auf Merlot hin. Aber der erste Angang, klar Cabernet. Reife, fast dramatische Cabernet. Singend, mit unglaublichem Spannungsbogen. So schöne Würze von der schwarzen Johannisbeere. Auch ein bisschen rote Johannisbeere darunter. Dann irgendwann kommt die Merlot mit Brombeere und mit dieser schicken Eleganz. Leichte Orangenschale, Minze, Eukalyptus. Schöne Blumigkeit: Veilchen, Jasmin. Der Mund ist so typisch für Phelan Segur. Diese so typische Saint-Estèphe-Würze wie sie in diesem Jahrgang von der zweiten Reihe (Calon Segur, Lafon, Meyney und Phelan Segur) deutlich intensiver demonstriert wird, als bei den beiden abgehobenen, super eleganten Cos und Montrose. Ein Potpourri aus schwarzer Kirsche, Johannisbeere und Brombeere. Singend, dramatisch intensiv, sehr salzig. Tolle Mineralität und gleichzeitig gute Fülle. Die Merlot rundet das Ganze fein ab. Der Wein hallt für 2 Minuten nach. Es ist ein schicker, wenngleich sehr intensiver und dramatischer Phelan Segur. Und das Gute ist, dass in diesem Jahr, was nicht häufig der Fall ist, eine komplette Reife erreicht wurde. Das war 2015 auch der Fall, aber in vielen Zwischenjahren erreichen die Saint Estèphe Weingüter nicht die komplette Reife und behalten einen leicht grünen Schimmer. Das ist 2016 wie gesagt nicht der Fall. Reif, frisch und trotzdem mit einer dramatischen Würze und salzigen Mineralität. Ein anspruchsvoller Wein, dem man von Anfang an anmerkt, das er ein paar Jahre in den Keller gehört. Es ist ein 2010er mit höherer Intensität, mit satterem Tannin, dass aber sehr geschliffen ist, mit höherer Säure und mehr Eleganz. Eine oberschicke Turboversion eines 2010ers, wenngleich die Superstars der Appellation nicht angegriffen werden. Aber für mich ist Phelan Segur 2016 ein Weingut auf dem weiteren Weg nach oben 95-96/100 

Lobenberg: Der Überflieger der letzten zwei Jahrgänge. 2014 und 2015 gab es kaum etwas Besseres. 75% Cabernet Sauvignon, 21% Merlot, 4% Cabernet Franc. Der Nachbar von Chateau Latour hat mit Abstand immer den feinsten Charakter der direkt benachbarten Weingüter. Wenn Pichon Comtesse keine Finesse schafft, dann schafft es keiner. Das Schöne an Pichon Comtesse ist, dass es trotz der Nachbarschaft zu Latour in seiner unglaublichen Feinheit und roten Frucht viel näher an Lafite ist. Dies ist auch 2016 so. Unglaublich fein. Schöne Sauerkirsche, aber auch sehr reife Himbeere. Nur ganz fein und zart dahinter etwas Cassis, Brombeere und süße Maulbeere kommend. Feine Würze, schon in der Nase total poliertes Tannin. Weißer Pfeffer, ganz helle Lakritze. Ein tiefer Atemzug. Schon die Nase hat eine unglaubliche Länge und eine totale Raffinesse. Der Wein ist der Gegenentwurf zu Mouton Rothschild, aber er ist auf dem gleichen Level. Pichon Comtesse hat das geschafft, was wir uns bei Lafite gewünscht hätten, nämlich unter dieser traumhaften, geschliffenen, extrem tanninreichen, total polierten roten Frucht und lebendigen Frische, einen Hauch von runder, molliger Süße zu hinterlegen. Das gibt neben der Raffinesse eine unglaubliche Köstlichkeit. Das ist zugänglich. Nichts ist hart, alles ist ultrafein. Schick in roter Frucht laufend. Im Grunde ist Pichon Comtesse auch ein archetypischer, perfekter Saint Julien mit etwas mehr Süße. Und das Maskuline, Pauillac-100artige ist in 2016 wie schon in 2015 im Grund so nicht vorhanden. Es ist auf jeden Fall total typisch für Pichon Comtesse, aber eben in einer, vor 2015 und 2016, nie dagewesenen Feinheit, Raffinesse und Köstlichkeit. Ist das eine Freude diesen Wein im Mund zu haben. Man kann ihn fast nicht ausspucken. Sehr lang, sehr fein, erhaben und getragen. Das erinnert mich ein bisschen in dieser feinen Kirschigkeit an einen ganz großen Barolo Monfortino aus einem reifen Jahrgang. Das ist eine wahre Delikatesse. 100/100

Lobenberg: 85% Cabernet Sauvignon, 15% Merlot. Das Schwesterweingut von Lynch Bages, gleiche Besitzverhältnisse. Die Nase ist, anders als in anderen Jahren, die der des Lynch Bages verblüffend ähnlich. Vielleicht einen Hauch weniger Feinheit im Baron. Etwas rustikalere Pauillac-Ausrichtung. Aber auch hier, trotz hohem Cabernetanteil, eher Merlot-Prägung mit feiner süßer Maulbeere, Brombeere, schwarze Kirsche. Schick und fein. Zwar kann er Pichon Comtesse nicht das Wasser reichen, dafür fehlt die Oberfinesse, aber sehr passende, stimmige, charmante Nase. Der Mund in verblüffender Art und Weise bei Lynch Bages. Auch hier sehr Cabernet, sehr klar, gute Ecken und Kanten, feine Definition, aber für mich letztlich nicht besser als Lynch Bages, dafür aber immer teurer und wie gesagt, beide weit hinter Pichon Comtesse. Sehr guter, Cabernet orientierter, feiner Pichon Baron, aber nichts um die Spitze wirklich in Gefahr zu bringen. 95-96/100

Lobenberg: Nur 8,5 Hektar großes Weingut. Sehr dunkler Boden. Lehm mit viel Eisenanteil. 80% Merlot, 20% Cabernet Franc. Ein Weingut von Christian Moueix. Sehr würzige Nase mit viel Brombeere, süße Maulbeere, dunkle Lakritze, Schokolade. Hohe Intensität, auch Olivenpaste, Holunder, sehr deutlich Eukalyptusspur. Auch Minze und Veilchen. Das hat schöne Dichte und ist ziemlich wuchtig. Druckvoller Mund. Für den Jahrgang erstaunlich viel Wucht und Kraft. Die Tannine sind zwar weich, aber insgesamt ist der Wein fast etwas maskulin mit seiner vielen Power. Das erstaunt. Guter Wein. 93+/100

Lobenberg: Dieses noch im Stadtgebiet Bordeaux liegende Weingut ist nun seit vielen Jahren, spätestens seit 2008, im Kreise der Top-Weine Pessac Leognans angekommen. Der Preishammer schlechthin. Das Weingut segelt im Fahrwasser von La Mission Haut-Brion, Pape-Clement, Carmes Haut-Brion, Seguin, Haut Bailly, Leognan, Domaine de Chevalier und Smith. Auf der Höhe eines Fieuzal, nur raffinierter und weniger wuchtig, mehr Seguin-Stil. Ein perfektes Jahr 2016, ideale Wetterbedingungen. Ideal wie 2015. Gutes Terroir mit viel Lehm, also kein Hitzestress. Alles reifte letztlich perfekt. Dann bewahrten die sehr kühlen Nächte im Sommer die Frische im Wein. Dieser überwiegend auf Merlot basierende Wein ist immer fein und frisch. Mit einer La Mission ähnlichen Fruchtcharakteristik. Es ist verblüffend, wie die Nachbarn Seguin und Pontac Monplaisir dem Nachbarn La Mission ähneln. Das Terroir bestimmt schon deutlich den Charakter. Der 2015er war in der Nase so unglaublich fein, leicht exotisch mit seiner leichten Orangenschale und mit viel roter Frucht. Wir sind in 2016 deutlich schwärzer. Schon in der Farbe. Zum Reinplumpsen dunkel. Reife Pflaume, sehr reife schwarze Kirsche, Maulbeere, aber auch hier ein wenig die Exotik der Orangenschale, auch sehr blumig, Veilchen, Jasmin, auch Rosenblätter. Sehr duftig, ätherisch, aber wie eine dunkle Wolke mit dieser leichten Exotik. Holunder und Garrigue. Darunter frische Minze, Eukalyptus. So eine komplexe, schöne, dunkle Nase. Im Mund ist es fast noch verblüffender. Noch komplexer und vor allem präzisere als 2015. Deutlich an diesen eindrucksvollen, wuchtigen, komplexen 2010er erinnernd. Aber mit einer unglaublichen Feinheit dazu. Sehr viel schwebender und frischer. Feine Passionsfrüchte, Orangenabrieb, Aprikose unter der schwarzen Kirsche und dazu auch süße Maulbeere. Keinerlei Fett sondern nur fein. Hocharomatisch und komplex mit salziger Länge, starker Mineralität. Das ist ein tänzelnder, spannungsgeladener Pessac Léognan. Ich habe erst wenige Weine aus dieser Appellation in diesem Jahr probiert, aber dieser Pontac Monplaisir ist nicht so weit entfernt vom Überflieger Seguin, der natürlich in Preis-Qualität dennoch alles in den Schatten stellt. Aber dieser Pontac Monplaisir kostet auch nur gut die Hälfte von Seguin und ist in diesem Preisbereich ein wirklicher Knaller. Wer 2009 und 2010 Pontac Monplaisir je probiert hat, kann an 2016 auf keinen Fall vorbei, weil es die Krönung von 2010 mit mehr spielerischer Leichtigkeit ist. Mit mehr Erhabenheit, feiner Frische und trotzdem sattem, total geschliffenem Tannin. Keine Ecken und Kanten. Der Wein bleibt trotz seiner Massivität irgendwie immer leicht und schwingend. Ich kann ihn nicht höher bewerten als 2015, denn 2015 war in seiner entgegenkommenden, freundlichen Art auch grandios. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, ist 2016 stylischer, präziser und am Ende noch vor 2015 der beste Wein, den sie hier je gemacht haben. Man wird es nicht glauben im Vergleich mit dem Blockbuster 2010, aber diese Feinheit obendrauf ist wirklich genial. Eine Ode an die Freude. 95-96/100

Lobenberg: Pontet Canet sollte eigentlich 2016 als biodynamisches Weingut große Probleme gehabt haben, da das Frühjahr so unglaublich feucht war. Es hat bis in den Juni hinein geregnet in einer unheimlichen Massivität, mehr noch in Kontinuität. Täglich. Daraufhin folgte die große Trockenheit. Aber Pontet Canet betreibt schon so lange biodynamischen Weinbau, dass die Reben mittlerweile so widerstandsfähig und gesund sind, dass sie beides relativ gut wegstecken konnten. Natürlich braucht es in der Biodynamie viele spezielle Spritzungen in den nassen Phasen. Danach gab es wenig Stress, und im September gab es diesen kurzen göttlichen Regen um wieder alles in Gang zu bringen. Die Rebsortenzusammensetzung in 2016 besteht aus 60% Cabernet Sauvignon, 35% Merlot, 4% Cabernet Franc, 1% Petit Verdot. Die Nase ist klar die reifste Nase von allen Weinen, die ich in Pauillac und auch in Saint Julien verkostet habe. So dicht, so tief, so würzig. In dieser tiefen, reifen Pflaumigkeit. Schwarze Kirsche und süße Maulbeere. Fast an einen sehr reifen Saint Emilion erinnernd. Der ultra polierte, feine, schicke Mund widerlegt zwar nicht die Nase, aber setzt auf diese extreme, erdige Natürlichkeit. Ein Touch Frische oben drauf. Eine Poliertheit, eine Geschliffenheit. Wir sind hier so würzig, so erdig, so tief. Wir sind hier auch nicht so schick wie der super präzise Mouton Rothschild, der Nachbar, sondern wir sind in einer unglaublichen Natürlichkeit. Dies ist ein Wein, wie man ihn sich aus der Biodynamie erwartet. Ein Wein wie Chateau Coutet Demoiselle in Saint Emilion in dieser würzigen, reichhaltigen Tiefe. Natur pur. Und doch mit ganz viel Druck ausgestattet. Das Tannin ist butterweich. Die zwetschige Frische balanciert die wunderbare dunkle Frucht ganz hervorragend. Eine schöne Länge. Was den Wein aber insbesondere auszeichnet ist seine große erdige, würzige, tiefe, reiche Harmonie. Ein Wein der viel mehr wie ein Chateau Latour daher kommt als der Nachbar Mouton oder Pichon Comtesse. Und in soweit ist Pontet Canet noch mehr Unikat und noch mehr „ganz anders“ als alle Pauillacs in den Jahren davor. Pontet Canet entfernt sich immer weiter vom Mainstream und vom ultra klassischen Pauillac. Es wird, neben großen Liebhabern dieser totalen Naturbelassenheit, auch Genießer geben, die Pontet Canet zu wenig in der Erwartungshaltung bestätigt finden. Man kann das grandios finden aber es auch ablehnen. Ein Wein, der auf jeden Fall durch seine Einzigartigkeit, zumindest auf dem linken Ufer, polarisiert. Am rechten Ufer haben wir von dieser Sorte Unikate einige mehr. Auch in Pessac Léognan ist z.B. Seguin ein wirkliches Unikat. Aber hier im nördlichen Medoc ist das eher selten. Ich glaube, dass der biodynamische Ansatz über so viele Jahre diesen Wandel erst ermöglichte. Diesen Wandel, den die Familie Tesseron aber wünscht. Ich bleibe dabei, diese tiefe, würzige, süße schwarze und rote Frucht und Erdigkeit, diese hohe Reife, man muss sie mögen, man kann sie ablehnen. Es ist für mich in jedem Fall ein großer Wein. Die größte Erinnerung bei diesem Wein ist sicherlich die Naturweinbewegung in Saint Emilion, ein Hauch Tertre Roteboeuf, und das Ganze mit Seguin aus Pessac Léognan vermischt. Und trotzdem bleibt es ein unikathafter und typischer Pauillac. Großer, sehr polarisierender Stoff. 99-100/100

Lobenberg: Ganz im Norden in der Nähe von Lesparre-Medoc gelegen, aber außerhalb des Haut Medoc Gebietes. 40% Cabernet Sauvignon, 42% Merlot, 15% Cabernet Franc und 3% Petit Verdot. Normalerweise ist Potensac immer sehr rustikal, fällt bei mir immer durch. 2016 ist es das erste Mal wirklich spannend. Die Nase ziemlich massiv auf schwarzer Frucht laufend. Cassis, Brombeere. Aber gar nicht süß und fett, sondern sehr druckvoll schon im Bouquet. Auch im Mund hohe Intensität an schwarzer Frucht. Darunter Schlehe, rote Johannisbeere. Das Ganze vermählt sich mit der Cassis und Brombeere. Schon ein richtig anspruchsvoller Medoc mit einer wunderschönen Länge. Das passt wirklich sehr gut. Ein Wein mit einer tollen Spannung und fast Dramatik, sowie einer grandiosen Würze, fast wie bei einem Saint Estèphe. Trotzdem ist er fein, hat nichts Grünes. Wenn man ihm 5-8 Jahre Zeit gibt, wird er sicherlich für 30 Jahre als perfekter Medoc großes Trinkvergnügen bereiten. Abwartende, vielleicht zu tiefe 94+/100

Lobenberg: Was für eine Freude nach dem zuvor verkosteten Chasse-Spleen. Was für eine schöne, runde Frucht. Dicht und süß. Die Handschrift von Stephan Derenoncourt ist irgendwo spürbar in dieser wunderschönen Reife, aber nicht Überreife. Sehr harmonischer Mund. Durchaus stylisch, durchaus warm und reif aber dann leider auch ein bisschen spröde und ein wenig stark extrahiert. Das ist ein guter, reifer Poujeaux. Ein Wein der Freude macht, aber es ist kein wirklich großer Wein. Die direkten Konkurrenten vom Winzling Branas Grand Poujeaux und von Dutruch Grand Poujeaux hängen ihn dann doch ab. Von daher ist die Frage, ob man drei Weine aus Moulis haben muss? Chasse Spleen hatte sich ja qualitativ rausgeschossen. Ich persönlich entscheide mich für die zwei anderen. Und viele benachbarte Weine im nahen Margaux bzw. Haut Medoc sind doch noch deutlicher weiter vorne. 92-93+/100

Lobenberg: Prieuré Lichine ist nur in großen, warmen Jahren richtig gut. Aber das liegt 2016 ja vor. Die Nase ist erstaunlich fein, wenig süß, sehr poliert. Überwiegend schwarze Frucht, sehr fein. Der Mund erstaunlich köstlich und fein. Prieuré Lichine kenne ich auch durchaus überextrahiert und zu wuchtig. Das ist 2016 nicht der Fall. Wir haben hier ein wunderbares Potpourri aus schwarzen Früchten, unterlegt mit Sauerkirsche, eine schöne Frische, alles ist sehr fein, stilsicher, mit tollem Geradeauslauf. Fein verwobener, sehr schicker, aromatischer Margaux mit total polierten Tanninen. Das ist richtig stylisch! Ein feiner und schicker Margaux. Ich bin für Prieuré-Lichine-Verhältnisse relativ begeistert. 95/100

Lobenberg: Zur Moueix Gruppe gehörendes Weingut, dass seit 10 Jahren stark im Aufwind ist. 20 Hektar, 90% Merlot, 10% Cabernet Franc. Lehm und Kalkstein-Terroir. Feine, duftige, sehr charmante Nase. Pflaumen, Kirsche, ein kleiner Hauch Johannisbeere, zerdrückte Himbeere von der Cabernet Franc. Insgesamt sehr harmonisch. Auch der Mund sehr gefällig, lecker. Kein riesiger Wein, aber extrem charmant, delikat und köstlich. Das macht wirklich Freude. Wenn das preislich passt, ist das ein Top Einstiegswert in Bordeaux und Saint Emilion. 93+/100

Lobenberg: Quinault L´Enclose gehört inzwischen zu Cheval Blanc. Inzwischen 20% Cabernet Sauvignon, 18% Cabernet Franc und nur noch 62% Merlot. Das Team ist der Meinung, besser gesagt weiß, dass auf diesen Kiesböden Cabernet Sauvignon im Grunde erfolgreicher ist als Merlot. Das sieht man auch bei ähnlichem Terroir wie Chateau Figeac. Die Nase ist wirklich witzig. Extrem viel Zwetschge und süße rote Johannisbeere. Das ist ja lustig. Auch viel Sauerkirsche und rote Kirsche. Das ist in der Tat eine Cabernet Nase. Nachdem wir gestern Figeac probiert haben ist dieser Quinault L´Enclose der nächste total von Cabernet dominierte Wein Saint Emilions. Auch der Mund ist dominiert von Sauerkirsche und süßer roter Johannisbeere. Viel Kirsche. Überhaupt die ganze Aromatik der Merlot von Schwarzkirsche bis Brombeere eher sehr zurückhaltend. Sehr fein im Mund, es fehlt ein bisschen der letzte Druck, um ein ganz großer Wein zu sein. Aber es ist ein sehr feiner, ein sehr schicker Cabernet aus Saint Emilion. Er macht richtig Spaß. Wahrscheinlich kostet er ein Vermögen, denn er kommt ja von Cheval Blanc. Und wenn er das nicht kosten würde, wäre er eine tolle Empfehlung. Für mich, nach den früher von Merlot dominierten Wein ist das hier jetzt die richtige Aussage. Ein perfekter, reifer, schicker, sehr stylischer Quinault L´Enclose. 95-96+/100 

Lobenberg: Seit Jahren einer der Superstars und oft der schärfste Verfolger von Margaux und Palmer. Sehr würzige, aber auch gleichzeitig sehr feine Nase. Cassis, süße Maulbeere, auch feine schwarze Kirsche. Durchaus Wucht und Konzentration zeigend. Der Mund ist dann für Rauzan-Segla, entgegen der Erwartung, unheimlich fein, schick, sehr komplex. Viel auf der Kirsche laufend, aber auch sehr viel Lakritze, auch kräuterwürzig. Dazu Eukalyptus, etwas Minze, Schokolade, schwarze Kirsche. Ein sehr feiner Margaux, der allerdings einige Jahre Zeit braucht, der dann aber ziemlich perfekt werden wird, weil er so unendlich fein ist. Sehr geschliffen, erhaben. Das ist weit weg von einem rustikalen Powerwein. Das Tannin ist total geschliffen und poliert, fast nicht spürbar. Hier hat man wirklich vorsichtig vinifiziert und offensichtlich in voller Reife geerntet. Alles passt, ohne dass er ein totaler Riese wäre. Trotzdem gefällt mir dieser Wein außerordentlich gut. 97-98+/100

Lobenberg: Feiner Duft nach Sauvignon und Semillon. Zarte Nase, Birne, Litschi, Kiwi und Melone, leichte Mineralik und ein Hauch Apfelschale. Knackig frischer Mund, dabei große Harmonie ausstrahlend, unglaublich lecker und trinkig mit mineralischem Zug im eindrucksvollen Finale. Denis Doubourdieu, der auch schon den genialen Clos Floridene hervorbringt, ist der Großmeister der Preis-Leistungs-Wunder in Bordeaux, seit Jahren ist Reynon ein beständiger Hit. 90-91+/100

Lobenberg: Der gleiche Besitz wie beim Domaine de Cambes nur hier eben jetzt Cotes de Bourg. Der ganze obere Teil des Weinberges ist bepflanzt mit 80% Merlot und 20% Cabernet Sauvignon. Die Reben haben inzwischen ein sehr gutes Alter erreicht. Chateau Roc de Cambes zeigt im Gegensatz zur Domaine de Cambes natürlich keine reife, rote gekochte Himbeere denn wir haben keine Cabernet Franc mit in dem Blend. Hier haben wir sehr konzentrierte, dichte, aber auch reife, süße, schwarze Johannisbeere. Darunter die übliche Brombeere, Schwarzkirsche, Zwetschge und Maulbeere eines reifen Merlot. Trotzdem bleibt das Ganze frisch und tänzelnd. Es wird überhaupt nicht fett, entspricht nicht einem eingekochten Saint Emilion, ist gar nicht marmeladig, sondern bleibt ganz fein. In 2016 feiner denn je. Der Wein erinnert mich mehr an einen Ridge Monte Bello aus Santa Cruz in dieser Erhabenheit. Der Mund explodiert förmlich. Er explodiert in einer frischen Säure, die präsent ist, aber überhaupt nicht spitz. Der Wein ist butterweich, die Tannine sind süß. Cassis, Brombeere, Maulbeere. Alles umspielt den Gaumen in wunderschöner, dichter, aromatischer Fruchtsüße und trotzdem läuft eine frische Säure mit, die das Ganze balanciert. Der Wein ist in seiner Aromatik fast ein bisschen viel. Dramatisch pikant. Trotz seiner Feinheit ist er überwältigend. Ein Roc des Cambes dieser Dimension habe ich noch nicht probiert, obwohl es ja immer ein großer Wein ist. Aber 2016 ist sicherlich der Überflieger. Natürlich werde ich keinem Weine aus Cotes de Bourg die Höchstnote geben. Irgendwas sperrt sich in mir, obwohl dies eigentlich ungerecht ist, denn dieser Roc de Cambes ist das Beste, was es hier je gab, und er ist im Vergleich zu allen anderen Weinen Saint Emilions, oder des rechten Ufers überhaupt, durchaus in der ersten Reihe anzusiedeln. Was ganz klar ist bei diesem Roc de Cambes, die Cabernet Sauvignon, diese hochreife, fast kalifornisch dichte Beere, wie es sie in Kalifornien nur bei den besten Erzeugern in dieser Ausprägung gibt, macht hier den großen Unterschied. Zu der Pomerolartigen Merlot kommt diese dynamische, dramatische, spannungsgeladene, dichte Cabernet mit der tollen Frische dazu. 97-98+/100  

Lobenberg: Die Rebsortenzusammensetzung ist hier 55% Cabernet Sauvignon und 45% Merlot. Der Ertrag liegt bei 40 Hektoliter pro Hektar, bei Dichtpflanzung sind das nur 500 Gramm je Weinstock. Nur 50% der Gesamterzeugung sind in den ersten Wein gegangen. Die Ernte erfolgte dieses Jahr noch später als letztes Jahr, denn es wurde bist zur letzten Oktoberwoche geerntet. Es konnte nach dem Septemberregen unheimlich lange zugewartet werden. Die Region hier, südlich der Stadt, ist etwas kühler als Haut Brion, die deutlich früher ernten. Die Trauben wurden nach der Ernte komplett entrappt. Dann wurde im Holz bei bis zu 28 Grad Celsius zwei Wochen lang fermentiert. Danach kam die Malo im Barrique, Ausbau dann 15 Monate im neuen Holz. Hier wird alles biologisch bzw. sogar zum Teil zertifiziert biodynamisch bearbeitet. Dieses kleine Weingut am Rande der Stadt Bordeaux, in der Nähe von La Mission Haut-Brion gelegen, ist historisch anerkannt und verbrieft, schon eines der ganz großen Terroirs der Appellation. Mindestens seit 2009 ist Seguin auf dem Level der ganz großen Weine. Niemand spricht es aus, denn die Weine sind so viel unbekannter und preiswerter. Aber häufig ist Château Seguin dramatisch besser als die Weine der Nachbarn. Ich halte es nicht für ein Sakrileg, wenn man in manchen Jahren Château Seguin mit Château Pape-Clément, mit Carmes Haut Brion oder mit La Mission in eine Gemeinschaftsprobe stellt. Der Jahrgang 2016 besitzt eine große Spannung. Ich habe schon einige 2016er probiert, Pape Clément, Carmes Haut Brion, viele große Weine, und die Appellation Pessac Léognan (Pape Clément ist einer der nahen Nachbarn) ist in 2016, ähnlich wie in 2015, extrem begünstigt. Also war ich schon sehr gespannt. Und schon die Nase des Seguin erfüllt die Erwartungen voll. Wir sind genauso voller Charme wie Pape Clément. Und der 2015er Seguin ist mir noch im Gedächtnis, einer der Überflieger des Jahrganges. Und das ist der 2016er in der Nase auch. Wir haben eine unglaubliche Wolke von Charme. Darunter tolle Veilchen, helle Lakritze, Milchschokolade. Und dann diese immensen Massen von süßer Kirsche. Ganz feine süße Maulbeere, Eukalyptus, Minze. Aber alles sehr fein verwoben, extrem schwebend. Nur das riechen reicht. Ein bisschen kalter Rauch vom Ausbau. Etwas Schlehe sowie Cassis in ganz zarter Form. Nichts ist massiv, alles schwebt aus dem Glas in die Nase. Im Mund muss man erst mal innehalten. Das sind unglaubliche Tanninmengen, aber so unglaublich poliert und geschliffen. Das war bei Pape-Clément genauso. Das ist wirklich verblüffend. Ich bin ja mal gespannt wenn La Mission kommt, ob das da noch drüber hinausgehen kann. Die Tannine sind kaum vorstellbar poliert und trotzdem massiv. Keine Ecken, Kanten und Rustikalität, und trotzdem immenser Druck von schwarzer und roter Frucht. Aber alles ist ganz fein, ganz schwebend. Kirsche dominiert klar. Fast burgundisch in seiner Art. Aber für einen Burgunder letztlich dann doch zu druckvoll. Und irgendwie zu schwarz. Ganz stark kommt dann die Lakritze durch. Massiv den Mund dominierend. Die Milchschokolade wandelt sich langsam zu dunkler Schokolade, ohne jemals bitter zu werden. Dann kommen Schlehe, Wachholder, ganz stark Holunder, aber auch Johannisbrot. Das Ganze mit einer Lakritz-Cassis-Spur unterlegt. Und dann kommt die schwarze Kirsche mit der verbündeten Sauerkirsche und hüllt alles ein. Prägt es in einer salzigen, langen, ganz klar definierten Spur über die Zunge in einen mehrminütigen Nachhall. Das ist ein unglaubliche Feinheit und Präzision. Eine Delikatesse. Ich bin fast versucht ob dieser Präzision 2016 über 2015 zu stellen. Aber vielleicht stimmt es am Ende nicht, denn 2015, den ich danach probierte, ist so unglaublich erotisch und freundlich. 2016 ist etwas stylischer. Was sicherlich kein Nachteil ist. 2016 wird sicher Jahrzehnte überdauern. Ich sehe überhaupt kein Problem ihm 50 Jahre Lagerung zu geben. Und trotzdem ist der Wein jung schon so delikat und raffiniert. Das ist einer der großen Weine des Jahres und in Pessac Léognan ist er, bevor ich La Mission und Haut Brion probiert habe, auf gleicher Höhe wie der grandiose Pape-Clément. Noch ein bisschen vor Carmes Haut Brion und dem 2016 genialen Domaine de Chevalier. 98-100/100

Lobenberg: Dieses, vor wenigen Jahren durch Chateau Latour übernommene, größte Weingut Lalande Pomerols hatte auf Grund seiner schieren Größe immer Schwierigkeiten in die erste Reihe vorzustoßen. In sehr warmen Jahren wie 2015 und jetzt 2016 immer ein stimmiges Weingut. Auch in 2010 war Siaurac extrem fein, aber wie man so oft sagt: Das Bessere ist der Feind des Guten. Es gibt inzwischen einige Nachbarn in Lalande, die Siaurac klar in den Schatten stellen. Der 2016er zeigt sich in der Nase sehr schön reif, weich, mit mittlerer Üppigkeit. Schwingender, feiner Mund. Fast zart. In der Frucht fehlt ein bisschen der Druck, dafür ist er ein bisschen stark extrahiert. Ein anständiger Wein, aber einfach in Lalande Pomerol nicht mehr in der ersten oder zweiten Reihe. 88-90/100

Lobenberg: Das ist jetzt wirklich spannend. Ich probiere diesen Wein in einer Reihe mit den besten Margaux und nach dem Saint Emilion Chateau Canon. Eigentlich geht das nicht, dachte ich. Smith muss zu spröde sein, kann nicht im Reigen dieser hohen Eleganz mithalten. Das stimmt überhaupt nicht. Dieser 2016er Smith ist zwar deutlich anders als der (deutlich von der roten Frucht geprägte) Finessewein aus 2015, aber nicht minder groß in seiner ausgeprägten Feinheit. Er ist klarer, unglaublich sauber definiert. Er ist total auf schwarzer Kirsche, aber zart. Er hat Süße, aber ganz dezent. Ist ultra schick. Er bleibt sich treu, denn in früheren Jahren war Smith ein schwarzfruchtiger Kraftbolzen. Die Ausrichtung ist heute die gleiche, aber die ganze Härte ist weg. Das Tannin ist total poliert. Der Wein ist ultra lang und geschliffen, mit schöner Salzspur. Der Wein macht jung fast richtig Trinkfreude. Genauso wie 2015. Im Charakter völlig anders als bspw. die gleichwertigen Pape Clément oder Seguin, da wir hier eben deutlich schwarzfruchtiger sind. Alles ist geradlinig gezeichnet. Vielleicht etwas weniger komplex, dafür in der Präzision im Unendlichen endend. Das ist ein so großer Smith wie auch 2015, nur, und das ist ja das Schöne, im Charakter nochmals anders. Das Tannin ist massiv vorhanden. Der Wein wird viele, viele Jahrzehnte überdauern. Es ist auf jeden Fall einer der ganz großen Weine aus diesem Weingut. 98-100/100

Lobenberg: Dieses Top-Weingut mit 10.000 Stöcken pro Hektar und der totalen Merlotausrichtung war mal ein richtiger Geheimtipp. Dann haben sie aber neu gepflanzt und dadurch zu viele junge Reben im Ertrag gehabt. Mal sehen ob sie in 2016 zurück sind in der Spur. Früher war Sociando mal der absolute Primus des Haut Medoc. Schwarze Nase mit Röstaromen. Schöne Feinheit zeigend. Die Nase passt gut, macht Freude. Veilchen, Eukalyptus, reife schwarze Frucht, auch Cassis. Schöne Dichte anzeigend. Schöner Mund, guter Schliff. Gelbe Frucht darunter. Feine Kirsche, sandige Noten, cremig. Aber doch in der Feinheit und Komplexität deutlich hinter dem Nachbarn Charmail, auch weil er etwas austrocknend im Mund ist. Etwas zu extrahiert, fast zu viel neues Holz. Ein guter Sociando, wieder zurück in der Spur, aber den Anschluss an die Tops hat er verpasst. 92-93/100

Lobenberg: Unglaublich dichte, wuchtige Nase, sehr weich und reif. Ist eher klassisch. Viel Brombeere, etwas Blaubeere, Cassis. Sehr wuchtig, drückend. Aber trotzdem nicht spröde. Der Angang ist schon imposant. Im Mund viel Minze, auch helle Lakritze, viel Brombeere, Cassis, auch Blaubeere. Etwas scharf extrahiert, etwas viel Druck zeigend. Ich hätte von dem Jahrgang etwas mehr Eleganz erwartet. Auch die Säure ist etwas spitz, die mineralische Salzspur etwas massiv über der Zunge. Ich finde insgesamt ist der Wein zwar eindrucksvoll, aber ein bisschen gemacht, etwas rustikal in seiner brachialen Art. Kein Superüberflieger. Trotzdem irgendwo sehr eindrucksvoll. 93-94/100

Lobenberg: Ein nur 1,7 Hektar großes, auf Kalkstein an der Grenze zu Castillon gelegenes Weingut. Bio total. Der Nachbar von Clos Louie in Castillon und Valandraud in Saint Emilion. Die Reben dieses Miniweinguts, das seit 1995 komplett auf Biodynamie umgestellt ist, sind um die 50 Jahre alt. 80% Merlot, 20% Cabernet Franc. Château Tertre de la Mouleyre liegt in Steinwurfentfernung zu Château Valandraud. In der anderen Richtung liegt Peby Faugeres. Der Name des Besitzers ist Eric Jeanneteau. Das Weingut wird in dritter Generation von Eric betrieben, er lebt von diesen winzigen 1,7 Hektar. Der Großvater hat es mit insgesamt 5 Hektar St. Emilion und 2 Hektar Castillon einst gegründet. Das Terroir besteht aus einer Lehmauflage auf reinem Kalkstein. Jeder Weinstock der Dichtpflanzung von über 10000 Stöcken geht im Verlauf des Jahres runter auf maximal 8 kleine Trauben und auf einen Gesamternteertrag von nur noch 300-400g pro Stock. Der Ausbau des Weines erfolgt zu 50% im neuen Holz, die andere Hälfte in ein- und zweijährigen Barriques. Die Fermentation mit Naturhefen, also Spontanvergärung, erfolgt in winzigen Inoxgärbehältern um möglichst Parzelle für Parzelle separat vergären zu könne. Die spontane Fermentation verläuft relativ kurz und ziemlich warm. Danach folgt die Malo im Barrique, dort bleibt Tertre de la Mouleyre dann bis zur Abfüllung. Schon die Nase des 2016er ist einfach geil. Kann man gar nicht anders sagen. Geil und unglaublich schick. Weil es eine Merlot Nase ist, unterlegt mit einer würzigen Cabernet Franc Spur, mit einer konzentrierten Himbeere. Aber oben drüber diese reine Schwarzkirsch-Merlot. Unglaublich fein und geradeaus. Verglichen mit dem parallel verkosteten 2015er ist 2016 eine Spur präziser und gradliniger, eine Spur exakter gezeichnet. Das ist wie die besten Pomerols und Saint Emilions in diesem Jahr. Unglaublich klar, grade und in seiner Reintönigkeit so schick wie kaum jemals etwas was ich in Bordeaux probiert habe. Konzentrierte Himbeere, Eukalyptus und Minze unter der Schwarzkirsche. Auch etwas Sauerkirsche, ein Hauch süße Brombeere, kalter Rauch, etwas Cassis. Schwebend, leicht und trotzdem aromatisch dicht. Aber so schwingend, so betörend, so tänzelnd leichtfüßig und dazu eine so große Spannung ausstrahlend. Das ist eine Komplexität auf einem höheren Level. Eine Komplexität in einer Geradeaus-Stilistik, wie man sie selten probiert. Rauchiger, konzentrierter Schwarzkirschmund mit unglaublich geschliffenem, aber fast brutal intensivem Tannin. Ungeheuer dicht, aber total geschliffen. Nichts tut weh im Mund. Das ist die reine Freude und gleichzeitig die reine Intensität mit unendlich langem, salzigem Finale auf der Zunge. Schwarzkirsche kommt immer wieder hoch. Darunter diese schöne, konzentrierte Himbeere, ein bisschen Sanddorn. Dann kommt Minze, wieder Eukalyptus, aber diese Gradlinigkeit, dieser schwarze, pure Saft, der alles einnimmt. Soooo süffig schon vom Fass. Der Wein ist so dicht und gleichzeitig so unendlich fein, er betört, ist trinkig und süffig von der ersten Sekunde an, ein Wein von dem man sofort weiß, dass er 50 Jahre und mehr überdauern wird. Ich weiß, dass es schwer ist, wenn man einen solchen Wein vergleicht mit den so viel teureren Evangile, VCC und den ganz großen Weinen aus Saint Emilion wie Troplong Mondot. Aber dieser Tertre de la Mouleyre ist fast allen Konkurrenten in seinem Preisbereich so klar überlegen in seiner Reintönigkeit. Es gibt vielleicht noch Tertre Roteboeuf, der deutlich komplexer, breitgefächerter aufgestellt ist, der auch in dieser Liga spielt. Diese Geradeauslinie, die extreme Reintönigkeit, dieses famose Delikate was dieser Tertre de la Mouleyre da in die Waagschale wirft, ist wirklich ein Unikat. Es gibt kaum ein Wein, der mir mehr Freude bereitet hat in den Verkostungen in diesem Jahrgang. Selbst mein Liebling Clos Louie war nicht so präzise. Ich gebe ihm einfach, als Ewigkeiten haltende Delikatesse, mit so einem super Geradeauslauf glatt 100 Punkte. Das ist auch so ein Wein, den man meines Erachtens nach haben muss. Wenn man denn delikate und erhabene Weine, die man bewundern kann, aber vor denen man dennoch nicht Niederknien muss, mag. 100/100

Lobenberg: Das Weingut von Francois Mitjavile an der Südkante Saint Emilions liegt in Amphitheater-Form auf purem Kalkstein. Der Wein des Großmeisters der Fruchtexpression und Feinheit. Immer einer der besten Saint Emilion Produzenten der letzten Jahrzehnte. Wenn einer mit Terroir und Klima umgehen kann, dann Francois. Nie gegen das Jahr vinifiziert, sein Wein schmeckt immer zu 100% wie der Jahrgang. 80% Merlot, 20% Cabernet Franc ist das Verhältnis hier auf der Tertre Roteboeuf. Francois Mitjavile ist ein absoluter Verfechter der reifen Frucht. Aber niemals der Überreife. Sein Terroir auf reinem Kalkstein ist so perfekt, dass er, obwohl er erst Mitte Oktober erntet, also viel später als andere Winzer in 2016, nie überreife Frucht im Keller hat. Hohe Reife trifft auf hohe Aromatik und fantastischer Frische. Ebenso ist er der Großmeister der Laubarbeit, um die Photosynthese immer auf Volldampf zu halten. Hier auf Tertre Roteboeuf entsteht im Grunde das, was der Charakter von Bordeaux ist. Im Grunde der Stil der französischen Kaiser. Üppig, reichlich, großzügig. Im Gegensatz dazu die neuen, jungen, wilden Winzer aus der Biodynamie, die versuchen sehr früh zu ernten und die im Grunde gar nicht den typischen Bordeaux Stil produzieren, sondern in Richtung Burgund und Loire tendieren. Auch das ist großartig, aber nach Francois Meinung nicht unbedingt dem entsprechend, was Bordeaux eigentlich ausmacht. Das Besondere an Tertre Roteboeuf ist auch die Art des Barriqueausbaus, welche identisch ist auf Roc de Cambes sowie Domaine de Cambes. Jedes Jahr zu 100% neues Holz. Es kommt von Radoux. Die Fässer werden sehr heiß und sehr lange getoastet, obwohl man bei Francois niemals Holz schmeckt. Der Sinn der Sache ist, das Holz von innen bis zu 3 Millimeter tief zu durchdringen um die grünen Elemente der Eiche zu eliminieren. Das geht nur, wenn man heißer und länger toastet. Das Ungewöhnlichste daran ist, dass das Holz kaum spürbar ist. Das liegt an der intensiven Frucht sowie der hohen Frische die Francois hier bewahrt. Das alle Weine hier zuvor spontan vergoren wurden, ist natürlich klar. Die Vergärung geschieht im Zementtank. Francois Mitjavile entrappt zu 100%. Die Nase des 2016er Tertre Roteboeuf lockt ein leicht verblüfftes, ungläubiges, aber sehr freudiges Lächeln hervor. Was ist das schön. Das ist eine Traumnase und macht so viel Freude. Da ist sofort alles da, es zeigt dieses Potpourri von intensiver Frucht. Aber hier, ganz klar anders als bei Domaine de Cambes, ist die Cabernet Franc nicht die einzige Dominante. Wir haben so viel schwarze Kirsche, Brombeere, Maulbeere. Aber niemals marmeladig, niemals übersüß. Ganz fein gezogen. Darunter diese rote, reife Himbeere, aber total verwoben. So viel Schmelz schon in der Nase zeigend. Der Mund verblüfft dann weniger durch seine feine ätherische Leichtigkeit, sondern eher durch seinen richtig gut strukturierten Grip. Tanninmassen schieben in den Mund und sind doch sehr weich und reif. Hohe Mineralität. Eine salzige Spur auf der Zunge. Die Zungenkanten werden belegt. Der Nachhall ist für Minuten andauernd. Dieser Wein ist total zugänglich und braucht meiner Meinung nach doch viel länger, um sich in Topform zu zeigen, das ist auch schon ein Monster in Struktur. Ich würde ihn entsprechend erst ein paar Jahre weglegen, so 10-15 :-) . Er ist noch eine Spur besser als der sensationelle 2010 und 2015 in seiner Intensität, in seiner Feinheit, in seiner unglaublichen schwebenden Erhabenheit. Das ist ein großer Tertre Roteboeuf, wie ich ihn sehr selten probiert habe. Ganz großes Kino. 100/100

Lobenberg: Das Weingut ist im Besitz der Familie Darcey und Durand Teyssier. Fast 50 Hektar groß, zu 95% Merlot, 5% Cabernet Franc. Oben in Nachbarschaft zu Troplong Mondot, wo es in die Appellation Montagne Saint Emilion übergeht. Insider nennen Teyssier auch den Petrus von Montagne Saint Emilion. Auch wenn das etwas übertrieben ist, kann dieser Wein schon unglaublich etwas darstellen und ist sicherlich einer DER Preis-Leistungshämmer in Saint Emilion und im Jahrgang überhaupt. Ich habe 14, 15 und 16 hintereinander probiert. 2016 ist ganz klar die Krönung. So unglaublich fein. Eine Nase mit stylischer schwarzer Frucht, Rosenblättern, Jasmin, Veilchen, feine reife Pflaume, schwarze Kirsche, Aprikose, auch Passionsfrucht. So schwingend, fein und aromatisch. Das Durchschnittsalter der Reben ist 35 Jahre. Ein bisschen von dieser tiefwurzelnden Substanz merkt man schon. Die Weinbergbestockung geht immer dichter Richtung 10.000, das heißt der Ertrag pro Pflanze geht immer weiter zurück. Er ist jetzt inzwischen bei weit unter einem Kilo angelangt, eher bei 600 Gramm. Die Weinberge werden überwiegend biologisch bearbeitet. Es wird keinerlei Chemie ausgebracht. Die Fermentation geschieht im Stahl, die Malo komplett im Barrique. Der Ausbau geschieht zu 80% im Barrique und zu 20% im großen Fuder. Die Barriques sind 2016 zur Hälfte neu. Holzeinfluss ist allerdings in Nase und Mund überhaupt nicht zu spüren. Immer wieder rieche ich an dem Muster, weil er so unglaublich schön und duftig ist. Der Mund ist sehr pikant. Die Augen ziehen sich zusammen. Eine salzige Spur läuft über die Zunge, Sanddorn kommt hinzu. Auch gelbe Frucht über der schwarzen Kirsche, Mango und Maracuja. Dann kommt rote Kirsche, ein wenig Sauerkirsche, Holunder. Wieder dieser schöne Eukalyptus und eine satte Note von Minze. Aber ultrafein. Unglaubliche Tanninmassen. Ein pH-Wert von 3,4, also hohe Säure. Das liegt natürlich auch am Kalkstein-Terroir. Auf Kalkstein ist ein hoher pH-Wert eher unwahrscheinlich. Der Wein entspricht also komplett dem Terroir. Alles tänzelt, springt umher. Der Wein hat Tiefe und Komplexität und ist doch unglaublich lecker und köstlich. Mit dieser Tanninstruktur wird er locker 30 Jahre Verbesserung im Keller durchlaufen. Ich bin hin und weg. Die letzten beiden Jahre habe ich das Weingut probiert, ich fand schon da, es war auf einem guten Weg. Aber erstmalig mit 2016 ist es so fantastisch, dass ich nicht daran vorbei komme. Das ist ein Saint Emilion in der Klasse eines Chateau Gaillard und Amelisse, aber um ganz ehrlich zu sein: Er ist zwar nicht besser, aber feiner, komplexer, tänzelnder, frischer. Wenn man denn raffinierte Finesse als Ziel hat. Es ist wirklich eine Freude, dieses Fassmuster zu probieren. Für mich ein Muss-Kauf. 93-94+/100

Lobenberg: Der direkte Nachbar von Moulin Haut Laroque. Das Weingut hat 85% Merlot, 10% Cabernet Franc und ungefähr 5% Cabernet Sauvignon. Es gibt nur 8 Hektar, die in extremer Handarbeit bearbeitet werden. Der Besitzer ist Önologe und lebt eigentlich in erster Linie davon, andere Weingüter, sowohl im Weinberg als auch im Keller, zu beraten. Der Besitzer, Herr Dupuch, wohnt mit seiner Familie auch auf diesem Weingut. Ein Steinwurf, keine 100 Meter neben MHL. Die ältesten Reben sind von 1939, die Mehrheit der Reben sind um die 50 Jahre alt. Der Urgroßvater begann vor vier Generationen mit einem Hektar. Das Weingut hat bis vor kurzem noch etwas dazugekauft. Es sind jetzt die bereits angesprochenen 8 Hektar. Die Ernte fand zwischen dem 5. und 20. Oktober statt. Der Weinberg liegt direkt angrenzend an Moulin Haut Laroque, also ziemlich gleiches Terroir. Der Großteil der Rebberge liegt in Saillans mit lehmigen Böden, aber es gibt auch ein Stück in La Riviere. Die Böden in La Riviere sind Sand-Lehm-Gemisch über reinem Kalkstein. Unterhalb des Kalksteins gibt es Höhlen, so dass die Wurzeln zum Teil unten wieder heraus kommen. Die Nase ist deutlich von der Kirsche geprägt, zeigt aber auch sehr schöne feine Johannisbeere, sehr konzentrierte Sauerkirsche. Schwebend, tolle Spannung zeigend. Auch schwarze Kirsche, Brombeere, etwas Cassis. Der Mund gerade wegen des Jahrgangs 2016 deutlich strukturierter. Hier ist mehr Power und es gibt eine unheimlich hohe Dichte von Tannin, aber alles total poliert. Der Wein ist wirklich stylisch präzise und geradeauslaufend. Erstaunlicherweise noch präziser als der Nachbar Moulin Haut Laroque, mit unglaublich definierten Kanten. Die Merlot ist sowas von ultraklar. Und das Ganze ist trotzdem aromatisch. Mündet in Schwarzkirsche, Johannisbeere, Minze, Lakritze und trotzdem bleiben die Kanten sauber. Hochkomplex und super präzise definiert. Ich hatte das Glück ihn in der Reihe aller Fronsacs zu probieren. Neben Haut Carles, La Vieille Cure, Moulin Haut Laroque und all den Nachbarn drum herum. Und ich muss sagen, dass Tour du Moulin mich total fasziniert. Er kommt nicht ganz an diesen Jahrhundertwein von Moulin Haut Laroque heran, der so ultra komplex und trotzdem schick ist, aber er läuft den anderen ganz klar den Rang ab, in seiner unglaublichen Präzision, dem Geradeauslauf und der langen Aromatik. Man muss allerdings diese Art von schickem Wein und diese super definierte Version lieben. Es ist weit weg von allem, was bspw. einen wuchtig schwarzen Saint Estèphe ausmacht oder einen schokoladig dichten Saint Emilion. Die Frucht hier ist deutlich klarer. Schwarz zwar, aber ganz fein und immer geradeaus. Nie bitter und trotzdem intensiv. Schwarze Kirsche, Holzkohle, eine leichte Maulbeere darunter. Schoko, Lakritze, ein bisschen Minze, Schärfe vom salzigen Mineral, schön wieder hochrollend. Das macht richtig Freude. Klar ist er hinter Moulin Haut Laroque, aber nicht weit davon entfernt. Und er ist vor allem ganz anders. Es ist ein Wein in seiner Spannung und seiner Dichte wie Clos Manou aus dem Haut Medoc, natürlich ohne da ganz ranzukommen. Ein Wein in seiner Dichte wie Charmail, aber ohne dessen Wucht und Fett. Er ragt heraus. Hinter Moulin Haut Laroque klar der spannendste, interessanteste Wein in Fronsac. 94-95+/100

Lobenberg: Das 3 Hektar winzige Château von Jean-Luc Marteau liegt direkt neben Château Monbousquet, es steht allerdings nicht auf Lehm und Sand sondern auf reinem Kalksteinfelsen, ein früher von den Römern als römisches Bad genutzter Platz. Eine kleine Insel in dieser vom Lehm dominierten Region. Die Reben sind inzwischen über 80 Jahre alt. Jean-Luc ist von Hauptberuf der Weinmacher bei Rollan de By im Medoc, ein Weingut, dass von seinem Vater als Regisseur geleitet wird. Er hat das kleine Weingut Tour Perey mit dem einzigartig grandiosen Terroir zwar schon früh entdeckt, aber erst um 2010 gekauft (das war finanziell vorher nicht möglich), und er ist weiterhin in der Konversionsphase zu Bio. Die Weinbergsbearbeitung ist seit 2010 komplett organisch. Die Rebzeilen sind begrünt, die Trauben werden komplett entrappt, eingemaischt und spontan vergoren. Die Maische wird nach der Gärung weiter bei über 30 Grad belassen, der Saft steht also einige Wochen warm auf den Schalen. Die Vergärung und Nachmazeration dauert also bis Ende Januar, d.h. Jean-Luc lässt den Saft ungefähr 3-4 Monate auf den Schalen stehen, um einfach die harschen Tannine damit quasi wieder heraus zu saugen. Die Zielsetzung ist im Grunde, einen super feinen Pomerol in Saint-Émilion zu erzeugen. Das liegt an Jean-Lucs Ausbildung, denn er ist in Pomerol geboren, ein hoch reifer, super Finesse-Pomerol a la L’Eglise Clinet ist im Grunde sein großes Vorbild. Der Ausbau findet zu 60% im neuen Holz statt. Die Weine bleiben dabei zwei ganze Jahre ohne Bâtonnage auf der Hefe im Barrique, und danach ein weiteres halbes Jahr im Tank. D.h. sie kommen später auf die Flasche als üblich. 70% Merlot, 20% Cabernet Sauvignon, 10% Cabernet Franc. Die Fermentation im Beton und zum Teil im Barrique ist Spontanvergärung. Die Vergärung geschieht zu 100%, d.h. er vergärt auf möglichst 0g Restzucker. Er vergärt mit bis zu 28 Grad und macht eine kalte Vorfermentation bei 6-7 Grad für ein bis zwei Wochen. Die Problemstellung Bio war in 2016 der extrem nasse Frühling. Wir hatten von März bis Mitte Juni unglaubliche Regenmengen. Nicht nur im Bordeaux sondern auch in Deutschland, wissen das also noch. In dieser Zeit hätte man im Bereich Kupfer bis zu 15 Mal spritzen müssen, systemisch reichte zweimal spritzen. Die Frage von Jean-Luc war nun: Was ist nun mehr Bio? Unmengen von Kupfer einzubringen oder zweimal systemisch zu spritzen? Er fängt also von vorne an, weitere drei Jahre umzustellen. Er sagt aber bei so drastischen Regenmengen, ist die ökologische Bewirtschaftung einfach sinnlos. Der Alkohol 2016 liegt bei 14%. Der pH-Wert nach der Fermentation bei 3,8. Ein idealer Wert. Die Säure bei französischer Messart bei 3,7g, also hohe Säure. Sogar noch leicht oberhalb von 2015. Der Tannin-Level ist höher denn je. Das Tannin ist jedoch nicht rau, sondern total geschliffen. Wie ich schon sagte, Wasserstress gab es hier auf dem Kalkstein mit einer guten Lehmauflage nicht. Der Wasserspeicher war ausreichend. Es war zwar trocken, aber es gab kalte Nächte, dadurch wurde die Säure bewahrt. Es gab keinen totalen Stillstand im Weinberg. Der Cabernet Franc wurde am 10. Oktober geerntet und die Merlot am 15. Oktober. Die Cabernet Sauvignon wurde erst am 25. Oktober eingebracht. Das Wetter war perfekt, man konnte so lange warten wie man wollte. Die Nase dieses Weines unterscheidet sich nicht so sehr vom 2015er. Wir haben etwas mehr blumige Noten. Hocharomatisch, sehr viel Pflaume, Zwetschge, schwarze Kirsche. Aber nicht drückend. Blumig, Jasmin, auch Minze, Lorbeere und ein bisschen Maulbeere. Aber nicht dicht, auf keinen Fall konfitürig. Sondern eher schwebend mit einer unglaublich hohen Aromatik. Je mehr man riecht, desto mehr kommt die Minze und Eukalyptus durch. Die Nase verspricht hohe Reife und butterweiches Tannin. Mal schauen was der Mund so zeigt. Und jetzt kommt die eigentliche Überraschung. Der Mund hat ungewöhnlich viel Struktur. Mehr als 2015. Er hat enorm präsente Säure und Frische. Die Tannine sind spürbar höher als in allen Jahren zuvor. Aber sie sind geschliffen, nicht rau und bäuerlich und dennoch unglaublich präsent. Das Ganze mit dieser sagenhaft hohen Mineralität. Salz auf der Zunge. Und so viel Druck. Die Augen ziehen sich zusammen, die Zunge rollt sich fast ob dieser Intensität von Gerbstoff und Säure. Das Ganze butterweich, aromatisch, fruchtig. Wieder Minze und Eukalyptus. Und unendlich lang, für Minuten andauernd. Ein Wein der in diesem jungen Stadium deutlich fordernder rüberkommt als alle Jahre, die ich bisher hier probiert habe. Und obwohl 2016 so reif ist, wage ich die Prognose, dass man diesen Wein besser mal 5-10 Jahre weglegt. Ihn dann aber mit Genuss nach einigen Jahrzehnten trinken kann. Das ist aus dem Geheimtipp zu einem großen Wein geworden. Mit unglaublich mineralischer Länge, mit Terroir Ausdruck. Kalkstein drückt sich in Salz aus. Der Wein hat viel Holz aus dem Ausbau heraus. Allerdings ist es in Mund und Nase nicht zu merken. Die Kraft und Power sowie die Säure fressen das Holz komplett weg. Es ist schon ein sagenhaft frischer Kracher. Die Harmonie ist da, die Harmonie wird immer weiter kommen. Aber der Wein braucht Zeit. Und im direkten Anschluss den lieben 2015er zu probieren, zeigt einfach was für einen Charakter 2016 hat. 2016 ist ein 2010er mit einem Plus in Tannin, Säure, Reife und Power. Es ist das Beste was Jean-Luc hier je gemacht hat, unter dem Gesichtspunkt, dass man einen Wein sucht der für ein langes Leben gemacht ist. Den 2015 wird früher zugänglich sein und ist ein bildschöner, liebenswerter Charmeur mit satter Struktur darunter. Den 2016er bewerte ich genau wie den 2015er. Den 2015er 97-98 ob seines unglaublichen Trinkflusses und Charmes, 2016 für seine unglaubliche Lebenserwartung und die schiere Größe und Präzision, die er in allen Werten ausstrahlt. 97-98/100

Lobenberg: Tour Saint Christophe umfasst 20 Hektar in der allerbesten Lage vom neuen Saint Emilion. Es liegt direkt vis-à-vis von Barde-Haut und gilt unter Insidern mit seiner Exposition und Kalksteinterrassen als das zurzeit angesagteste Terroir St Emilions. Dahinter kommt dann noch Pressac, der seit 2010 auch genial performt. Jeder spricht von diesem Château Tour Saint Christophe, weil es einfach perfekt liegt, und weil der asiatische Investor Peter Kwok hier nun überhaupt keine Kosten gescheut hat, um mit seinem Team um Jean Christophe Meyrou und Jerome Aguirre einfach alles dafür zu tun, dass er an der Spitze der Appellation landet. Und das für wirklich kleines Geld für uns Konsumenten. JC und Jerome sind die früheren Weinmacher von Château le Gay und Château la Violette, die er engagiert hat um seine Projekte zu leiten. Der auf Terrassen angelegte Weinberg hat mittlerweile knapp unter 20 Hektar, weil inzwischen wieder alles bestockt ist, die Terrassen wiederhergestellt wurden. Die Hälfte wächst auf Terrassen, alles liegt um das Weingut herum. Nur das beste Terroir wird für den Erstwein verwendet. 80% Merlot, 20% Cabernet Franc. Der pH-Wert ist für dieses Terroir unheimlich hoch mit 3,7. Ein extremer Wert, denn sonst nur Tertre Roteboeuf erreicht. Der Ertrag in 2016 lag knapp unter 40 Hektoliter pro Hektar. 40% neues Barrique, 40% erstjährige Belegung, 20% zweitjährige Belegung. Die Fermentation geschieht in Barriques, die sogenannte „Vinification Integrale“. Es wird fast alles komplett entrappt, nur eine kleine Menge wird mit hinterher zugeführten, reifen Rappen vergoren. Wie ich schon erwähnte bewegen wir uns überwiegend auf Kalkstein. Die Südexposition der Terrassen führt zur absoluten Vollreife. Gerade in 2016, wo man warten konnte so lange man wollte. Die Lese fand zwischen dem 05. Oktober und dem 20. Oktober statt. Der Schlüssel des Jahrganges war die Lehmauflage auf dem Kalkstein, ausreichend Wasser, und deswegen hat hier die Photosynthese nie ganz aufgehört. Es gab immer ein bisschen Wasserversorgung und der Septemberregen hat gereicht, um das Ganze wieder richtig in Gang zu bringen. Dann konnte man lange zuwarten, und wie schon gesagt, wurde auf Tour Saint Christophe für dieses Jahr relativ spät geerntet. Das erstaunliche bei diesem 2016 ist diese eigentlich an Pomerol erinnernde Nase. Sie ist eigentlich viel zu fein, viel zu sehr von der schwarzen Kirsche geprägt für einen Saint Emilion. Es fehlen Cassis und Brombeere. Es ist so ätherisch, so schick, so unglaublich köstlich und delikat, dass man blind niemals an Saint Emilion gedacht hätte, sondern im Pomerol gelandet wäre. Ganz feine Frische unter der schwarzen Kirsche und reifen Pflaume. Auch hier ein bisschen Aprikose, Orange und auch Minze. Erst im Mund kommt dann auch der Grip der Cabernet Franc. Hier kommt sehr konzentrierte, eingekochte, rote Himbeere mit viel, viel Druck. Aber auch hier fehlt die Saint Emilion typische Blaubeere  und Brombeere wieder. Wir sind bei Himbeere, schwarzer, eingekochter Kirsche. Ungeheuer dicht, aber so delikat und fein. Das Tannin ist intensiv und total geschliffen. Ich will nicht sagen, dass es butterweich ist, es hat durchaus schon Struktur, aber eben keine Härte, keinen grünen Touch, sondern volle Reife. Und das Ganze endet in einem wunderschönen, langgezogenen Finale mit einer feinen Salzspur auf der Zunge. Mit etwas roter Kirsche die dazu kommt. Das macht unglaublich Freude. Der Wein ist trinkig und so süffig. Es macht Spaß. Und doch erkennt man schon in der Fassprobe, dass es ein Wein für Jahrzehnte ist. 2015 war schon ein Projekt, wo man dachte: Wie kann das aus dem Stand so gut werden? Wie können diese Weinmacher aus diesen alten Reben so etwas Tolles komponieren. 2016 ist nochmals höher und ich denke, wir müssen lange warten, bis wir wieder so einen Jahrgang in Bordeaux sehen können. Die Wetterkonditionen müssen wirklich perfekt sein. Dies war in 2016 ohne jede Frage in Summe trotz der Kapriolen im Frühjahr und Sommer der Fall. Die kühlen Sommernächte machte den Erfolg. Das ist superber Stoff. Ich bewerte es sogar leicht höher als letztes Jahr. Das ist sicherlich eines der Superschnäppchen des Jahrganges. 97-98+/100

Lobenberg: Der kleine Weinberg liegt in Lussac-Saint Emilion, hat allerdings nur die Appellation Bordeaux Superieur wegen der Nichteinhaltung der Appellations-Bestimmungen in Sachen Rebsortenzusammensetzung und wegen der Lokalisation gerade außerhalb der Appellation. Der Weinberg besteht aus nur 5 Hektar in reiner Südwest und Südexposition. Roter Lehm mit Kalkstein. 100% Merlot. 1982 angepflanzt. Der Wein wird vergoren im Stahltank und komplett für 12-15 Monate im Barrique ausgebaut. Davon ist ein Drittel neues Holz. Das heißt, wir reden hier schon von einem richtig kleinen großen Wein. Der Wein kann problemlos 20 Jahre oder mehr altern. Es ist ein Weinberg der Handelsfamilie Trocard, die aber auch Clos Dubreuil und Clos de la Vieille Eglise ihr Eigen nennen. Angepflanzt direkt hinter ihrem Hauptsitz in Lussac. Was unterscheidet jetzt die Nase des unglaublich charmanten, duftigen 2016er von dem großartigen 2015er? Ich glaube der Hauptunterschied ist das Plus an gleichzeitig reifer Frucht und mehr Gradlinigkeit, Feinheit, Präzision und Frische in 2016. Das ist im Grunde wie 2009 und 2010. Nur das dieser 2016er etwas zarter und generell liebreizender ist als der 2010er Jahrgang. 2016 hat mindestens so viel Tannin. Aber es ist noch reifer. Die Säure noch ein wenig höher. Das heißt wir sind etwas mehr auf der liebenswerten Seite von 2010. Und obwohl es 100% Merlot ist, zeigt der Wein einen Hauch reifer Himbeere. Viel frische und reife Zwetschge. Maulbeere und Brombeere kommen dazu. Aber nie wuchtig, nie schwarz, nie dunkel und fett sondern eher verspielt, angenehm, duftig, aromatisch, leichtfüßig. Der Mund ist so schwer abzugrenzen vom 2015er, den ich gleichzeitig probieren kann. 2016 ist einen Hauch reifer und frischer. Die dominierende rote Zwetschge kommt mit etwas mehr Lebendigkeit, etwas verspielter rüber. Dazu einen Hauch Sauerkirsche, rote Kirsche. Das Ganze tanzt umeinander. In einer Blindverkostung vielleicht schwer als reinsortiger Merlot zu identifizieren, weil man eigentlich nicht so viel schöne, verspielte Frische mit einer so schwebenden Eleganz und Leichtigkeit erwartet. Der Wein macht unheimlich viel Freude, hallt lange nach und sprüht vor Lebendigkeit und einnehmendem Charme. Ich hoffe, dass er diese berauschende Frühform mit diesem Alterungspotential so behalten kann. Am Abend gab es ihn als 1998er zum Dinner, perfekt fein und mit guter Kraft. Und 1998 war durchaus ähnlich hier zu 2016. Deshalb bewerte ich ihn etwas höher als den 2015er. 92-93/100

Lobenberg: Troplong Mondot ist oben auf dem Plateau gelegen, aber nicht an der Südkante, sondern ziemlich mittig, direkt am Wasserturm. Kalkstein und Lehm. Etwas abfallend. Darunter dann Tertre Roteboeuf. Der direkte Nachbar ist Pavie Macquin. Im Grunde eines der Top Terroirs in Saint Emilion schlechthin. In den vielen Jahren zuvor allerdings immer etwas zu überextrahiert, zu sehr auf Gewalt getrimmt. Ich bin mal gespannt, was dieses superfeine 2016 mit sich bringt. Die Nase ist sehr dicht und reif. Würzige, dichte Schwarzkirsche, sehr feine Brombeere darunter. Die Nase ist gar nicht fett aber trotzdem total üppig, dicht. Dunkle Lakritze, sehr viel reife Zwetschge, auch zerdrückte Himbeere. Die Nase ist eine intensive Demonstration grandiosen Saint Emilions. So fein, so schön. Wenn das der Mund halten könnte. Er schafft es, und schafft es auch gleichzeitig nicht. Was wir haben ist typisch Troplong Mondot in dieser unheimlichen Fülle. Was anders ist als sonst, wir haben keine Überextraktion. Wir haben keine Orgie in Brombeere und Blaubeere sondern eine unglaublich reichhaltige, süße, schwarze Kirsche mit süßer roter Kirsche, leichter Sauerkirsche, Schlehe dahinter. Tolle Länge, extreme Intensität. So fein und dicht. Immer noch einer der üppigsten Weine Saint Emilions, aber dieses Jahr überhaupt nicht über den Punkt vinifiziert. Toll auf den Punkt getroffen, wenn man diese reife, würzige, opulente, ja fast wollüstige, erotische Form eines Blockbusters bevorzugt. Das ist die feinere Version eines Angelus oder Pavie. Extrem gelungen, vielleicht einer der ersten Troplong Mondots überhaupt, den ich in meinen privaten Keller nehme, weil er einfach so fein ist. Aber die Wucht ist trotzdem die Dominante in diesem raffinerten, extrem dichten, langen Saint Emilion. 100/100

Lobenberg: Das kultigste und edelste Weingut von Christian Moueix. Häufig eines der drei Besten, zumindest was den Kult in Pomerol angeht. Nur 7 Hektar. Kies und sehr viel schwarzer Lehm mit eisenhaltigen Böden. 95% Merlot, 5% Cabernet Franc. Das ist in der besten Gegend von Pomerol gelegen. In der direkten Nachbarschaft zu Le Pin und Enclos Tourmaline. Auch Guillot Clauzel liegt in der Nähe. Es ist bestes Terroir. Moueix hat 2016 in meinen Augen eine ganz große Leistung vollbracht. Oder es war das Wetter und Klima mit den so wunderbar kühlen Nächten im Hochsommer. Viele Weine sind total schick, frisch und geschliffen. Egal ob sie Conseillante oder Evangile oder Eglise Clinet usw. heißen. Wenige haben enorm druckvolle und massive Weine gemacht, was in 2016 ja auch möglich gewesen sein muss. Clinet gehört mit seiner Cabernet-Power sicherlich dazu. Andere Weingüter der Moueix Gruppe gehören ebenfalls dazu. Auf jeden Fall Trotanoy. Und Trotanoy ist ganz klar mal wieder der Primus hier. Zwar nicht weit vor La Fleur Petrus des gleichen Erzeugers, aber irgendwo in der irren Spannung dann doch. Diese enorme Intensität in kirschiger Dichte mit Schlehe, Lakritze, feine Süße, rote süße Johannisbeere, sehr konzentrierte Himbeere. Enorm dicht, enorm reichhaltig und würzig, und trotzdem so unerhört fein. Hocharomatisch. Nur riechen reicht. Aber die Nase ist voller Druck und Wucht, gleichzeitig voll raffinierter Feinheit. Der Mund wiederspiegelt das, ist dann aber doch etwas weicher, etwas polierter. Die Kirsche ist präsenter. Das Tannin ist ultrafein und geschliffen. Alles passt. Hier kommen wir dann doch irgendwann auch wieder durch zum Schicken, hier nähern wir uns dann den Weinen um Le Pin und Enclos Tourmaline wieder an. Wir sind nicht so brachial im Druck wie bei La Fleur Petrus sondern eher zarter und feiner. Das ist sehr geschmeidig und trotzdem unendlich lang. Ein schickes, elegantes großes Monster. Raffiniert und ohne jeglichen Schmerz. 2016 ist eben ein grandioses Pomerol-Jahr. 100/100

Chateau Valandraud 1er Grand Cru Classe B

Lobenberg: Ganz am Rande der Appellation gelegene Weinberge und der Nachbar von Château Tertre de la Mouleyre. Der Besitzer ist Jean-Luc Thunevin, ein ehemals berühmter Garagenwinzer, der inzwischen zu den großen Negociants des rechten Ufers gehört. Die Nase ist dicht, wuchtig, schwarz, konzentrierte Schwarzkirsche, totale Konzentration auf Merlot, aber reife und gleichzeitig frische Merlot, die Kirsche bleibt im Vordergrund, auch ein bisschen Wacholder, Lorbeer, Myrre, Schokolade, ein Hauch von Lakritze und Veilchen und hohe Intensität. In diesen Punkten ist 16 wie 15. Aber 16 ist präziser und klar fokussierter, 2016 ist so schick und sehr fein. Thunevin hat es gelernt, nicht mehr so stark zu extrahieren und den Holzeinsatz zu verringern. Der Wein ist dicht, fein, schwebt auf der schwarzen Kirsche mit Veilchen und Lakritze, ist elegant und macht richtig Spaß. Ein sehr schicker, dichter, nicht zu fetter, leichtfüßiger, eleganter St Emilion mit tollem Trinkfluss. Endlich mal gar nicht anstrengend sondern einfach köstlich, delikat und lecker. Fast so gut wie der winzige Nachbar, der Biodynamiker Tertre de la Mouleyre. 98-99+/100

Lobenberg: Der 2016er hat einen pH-Wert von 3,77. Totale Säure in der französischen Rechenart 3,3 Gramm. 14,5% Alkohol. Die Lese fand je nach Rebsorte vom 03. Oktober an bis zum 18. Oktober statt. Der Ertrag lag wie in 2015 bei 40 Hektoliter pro Hektar. Die Assemblage ist 85% Merlot, 14% Cabernet Franc und 1% Cabernet Sauvignon. Es gab für die alten Reben relativ wenig Stress, da diese auf reinem Lehm und Lehm-Kies stehen. Die alten Reben auf Lehm hatten also überhaupt kein Wasserproblem. Die Majorität liegt somit etwas mehr auf der Merlot. Der Hintergrund der Merlot-Orientierung bei VCC ist eben, dass die Cabernet Franc zum Teil auf Kies und Sand stehen, Trockenstress, und man hat in diesem Jahr nur das verwendet, was Lehm und Kies hatte, weil es dort einfach eine bessere Wasserversorgung hatte. Wie in den großen Jahren 2009 und 2010 ist 2016 also ein Merlotjahr. Eine tiefe, würzige, erdige Nase. Sehr viel reife Pflaume, dunkle schwarze Kirsche, auch Amarena. Sehr viel Üppigkeit ausstrahlend, aber ohne Fett, ohne Marmelade. Aber dicht und schiebend. Holunder, auch blumige Noten: Jasmin, etwas Minze. Scheint auch etwas würziger Wachholder dabei zu sein. Und dann Eukalyptus, wieder kommt die Minze hoch. Auch tiefe, würzige Maulbeere sowie Johannisbrotbaum. Ein richtig dichtes Früchtekompott. Der Mund ist fast zugänglich, ist einladend, macht sofort Freude. Wir haben hier eine ähnliche Fruchtkomposition wie in der Nase. Viel in der dunklen Frucht, viel in der Würze. Aber auch sehr viel Charme. Sattes Tannin, butterweich und geschliffen, keine spröden Ecken und Kanten. Guter Schliff und Geradeauslauf. Erst mit Belüftung kommt noch mehr Grip, mehr Struktur zum tragen. Die Frische, die hohe Säure. Insgesamt für Vieux Chateau Certan ein ziemlich wuchtiges, massives Jahr. Nicht so fein, filigran und Cabernet-Franc-orientiert wie 2015 sondern etwas monolithischer. Dabei hoch komplex in Nase und Mund. Aber alles in der dunklen Würze und Frucht langlaufend. Im Mund wieder Holunder, wieder Johannisbrot mit der süßen Maulbeere. Keinerlei Konfitüre. Und durchaus hoher, sehr geschliffener, feiner Tannindruck. Sehr intensiv. Würzig, mineralische, salzige Zungenbelegung. Ein sehr gelungener Vieux Chateau Certan aber wie schon 2009 und 2010 anders als der hauseigene Stil der Superfinesse. Dieser Vieux Chateau Certan ist ein Wein für ewiges Leben. Egal ob 50, 60, 70, 80 Jahre. Ich bin sicher, dass wird ein Wein für eine ewige Lagerzeit. Nicht mein Lieblingsstil, aber grandios. 99-100/100

Lobenberg: Villars ist auch ein direkter Nachbar von Moulin Haut Laroque. Schön harmonische, schwarze Nase, Kirsche darunter. Stimmiger, leckerer Wein im Mund, vielleicht ein bisschen dünner und leichter als seine großen Nachbarn. Und ein bisschen einfacher. Aber das ist Villars eigentlich immer. Es ist nicht die erste Reihe von Fronsac. 90-91/100

Lobenberg: 75% Semillon und 25% Sauvignon Blanc. Die Sauvignon Blanc macht den ersten, wunderschönen, floralen, durchaus frischen Angang in der Nase. Dann kommt reiche, dichte, unglaublich aromatische Semillon. Das ganze Sammelsurium von Exotik, aber auch Steinobst, Melone, Passionsfrucht. So fein, vibrierend. Was für eine traumhafte Nase. Das ist eine Riesling Beerenauslese der feinsten Art mit mehr Alkohol. Das hat das Niveau einer Egon Müller Spätlese in der Nase. Mit dieser berauschenden Feinheit und gleichzeitig Wucht. Der Mund zeigt feine Bitterstoffe neben der reichen Frucht. Süße Orange, Orangenschalen und dann als Majorität reife Mango bis zum Abwinken. Leichte Säure von Passionsfrucht kommt durch. Mango und Passionsfrucht ist die große Dominante. Dahinter ein bisschen Aprikose, Orangenschale. Süß aber hervorragend balanciert durch feine Säure. Das ist ein Ereignis. Ein Ereignis was sicherlich explosive Preise hat. Und so viel Geld würde ich nie für einen jungen Süßwein ausgeben, aber das muss ja jeder für sich entscheiden. Großer Stoff allemal und für mich vor Climens und La Tour Blanche der klare Primus. Ein großer Yquem. 100/100