Cahors: Mas del Périé – Fabien Jouves und Château du Cèdre

Autor:
Marc Dröfke
Wein ist für Marc ein Hobby, das er allerdings mehr als ambitioniert betreibt. Woher der Wein dabei genau kommt, ist nicht so wichtig. Er sollte nur seine Herkunft nicht verleugnen. Nebenbei schreibt Marc noch für Originalverkorkt.de.

Die Welt ist im Wandel. Wo man hinschaut werden alte, eingesessene, etablierte Strukturen und Geschäftsmodelle aufgebrochen und abgelöst. Dies geschieht in einer so rasenden Geschwindigkeit, dass es einem Angst und Bange werden kann. Als Beispiel lässt sich der Handel anführen. Wer hätte vor zwanzig Jahren geglaubt, dass ein Online-Versandhändler der zunächst vorzugsweise Bücher über das Internet vertrieb, zur globalen Macht aufsteigen würde? Die Rede ist von Amazon. Ein Unternehmen, dass es erst seit etwas mehr als zwei Jahrzehnten gibt. Heute macht Amazon über 130 Milliarden(!) Dollar Umsatz. Ein beispielloser Siegeszug, dem der stationäre Handel, der bereits einige Jahrhunderte existiert, nichts entgegenzusetzen hat.

Privat übernachten bei Leuten in einem fremden Land? Vor einigen Jahren noch undenkbar. Mittlerweile graben Sharing-Plattformen wie Airbnb immer mehr Hotels das Wasser ab.

Nur zwei Fälle aus einer sich immer schneller verwandelnden Welt. Ein großer Aufmacher für eine einfache Story über Wein denkt sich der Eine oder Andere jetzt bestimmt. Vielleicht ja. Auf der anderen Seite tut sich auch im Weinbau seit einigen Jahren enorm viel. Junge Winzer wollen den bisherigen Weg ihrer Eltern nicht weiter verfolgen. Sie brechen mit Konventionen, ziehen ihr eigenes Ding durch und hinterfragen das bisherige Vorgehen in der jeweiligen Appellation. Aus meiner Sicht ist es dabei wichtig nicht zu vergessen woher man kommt und seine Wurzeln nicht verrät.

Fabien Jouves ist so ein Winzer. 2006 übernahm er das 20 Hektar große Weingut der Eltern, welches im Cahors angesiedelt ist, um ihm einen neuen Anstrich zu geben. Zuvor war er u.a. in Bordeaux tätig, wo er lernte die neueste Technik zielgerichtet einzusetzen.

Die Region Cahors steht traditionell für eher dichte, fettere Tropfen mit viel Tannin und ordentlich Kraft. Vorzugsweise aus der Traube Malbec gekeltert, kommt häufig hinzu, dass die Weine einige Zeit im Keller brauchen, um ihr ganzes Potential zeigen zu können. Fabien möchte dieses Typizitätsprofil durchbrechen und seine Weine in eine andere, frischere, zugänglichere Richtung vinifizieren. Ein großer Schritt ist dabei, dass er seine Gewächse nicht ins neue Holz steckt. Generell verzichtet er auf Fässer im Keller und arbeitet viel mit Beton. Es wird nicht filtriert und Schwefel nur im geringen Maße eingesetzt. Im Weinberg ist eine biodynamische Arbeitsweise für ihn Pflicht. Das Demeter-Siegel prägt Fabien Jouves Flaschen.

So auch bei seinem Malbec Invaders, welcher eine Art Hommage an das japanische Shoot-’em-up-Computerspiel aus dem Jahre 1978 darstellt. Neben dem noch bekannteren Pac-Man, prägte es eine der ersten Generationen der Videospielgeschichte. Ich persönlich verbinde mit den Space Invaders immer den französischen DJ und Musiker Joachim Garraud. Einer meiner persönlichen Wegbegleiter hin zu meiner Liebe für elektronische Musik. Garraud brachte die Clubs mit seinem Track „Space Invaders are back“ zum Kochen.

Wie schmeckt jetzt aber der Wein? Es ist, wie vom Winzer gewünscht, eine ganz andere Interpretation des Cahors wie sie in den Köpfen existiert. Mich erinnert er zunächst eher an einen jungen Beaujolais mit diesem typischen Fruchtansturm in der Nase. Ganz viel reife, tiefe Kirsche trifft auf Pflaume, Walderdbeere sowie etwas Himbeere. Ebenso findet sich die typische Note der Macération Carbonique wieder, die mich immer ein wenig an Hubba Bubba erinnert. Wer diese nicht mag, lässt die Malbec Invaders vor dem Genuss eine Stunde in der Karaffe kreisen. Am Gaumen zeigt er eine schöne Würze von weißem Pfeffer neben der omnipräsenten Kirschfrucht. Die Tannine sind wunderbar integriert, lediglich im Nachgang sind sie leicht spürbar. Durch die etwas höhere Säure wirkt Fabien Jouves Werk sehr frisch, lässt dabei aber eine gewisse Tiefe nicht vermissen. Leicht gekühlt der perfekte Stoff zum Grillen, in der Weinbar oder für eine Party mit Freunden. Easy drinking geht auch im Cahors.

Im Gegensatz zum jungen Wilden Jouves, ist Pascal Verhaeghe schon ein alter Hase. Mit seinem Château du Cèdre besitzt er eines der Aushängeschilder des Cahors. Seine Weine entsprechen eher dem archetypischen Cahors-Wein, wobei gesagt werden muss, dass die Gewächse in den letzten Jahren deutlich an Eleganz zugenommen haben. Speziell durch die Umstellung auf biologisch, organische Weinbergsarbeit, die sich Verhaeghe 2012 zertifiziert hat lassen, hat sich nochmals ein ganzes Stück getan. Die Zeiten als lediglich auf Power und Frucht gesetzt wurde, sind auch hier (Gott sei Dank) vorbei. Mit dem Flagschiff Grande Cuvée steht du Cèdre sicherlich an der Spitze der Appellation. Heute soll es aber um den kleineren Cahors Rouge aus dem Jahrgang 2013 gehen. In der Nase deutlich dunkler und mit mehr Tiefe ausgestattet als der zuvor probierte Malbec Invaders. Schwarze Brombeere trifft auf dichte Heidelbeere und dunkle Herzkirsche. Dazu kommt Espresso, Zedernholz sowie eine schöne Würze. Am Gaumen mit ordentlich Power und Druck. Die Tannine sind weich, aber definitiv spürbar. Hier wird etwas zuwarten dem Wein sicherlich gut tun. Zur wieder hochkommenden dunklen Frucht gesellen sich erdige Noten, schwarzer Pfeffer sowie die typische Garrigue-Komponente. Ein ernsthafter Wein, der in diesem Preissegment einigen Bordeaux das Fürchten lehren wird.

Diese zwei Weine haben mir einmal mehr gezeigt, wie unterschiedlich die jeweiligen Interpretationen einer Rebsorte sein können. Dabei geht es weniger um besser oder schlechter, sondern vielmehr um den präferierten, persönlichen Geschmack.