Diese 3 Weine werden „Weinfreaks“ begeistern

Autor:
Thiemo Kausch
Thiemo ist Leiter des Marketing bei Lobenbergs GUTE WEINE. Ab und zu verlässt er das Büro, um mit Geschichten, Bildern und Videos für den Blog zurückzukommen.

Jetzt geht es also um Weine für „Freaks“:

In vergangener Zeit habe ich viele verschiedene Weißweine getrunken. Drei ganz besondere davon, die sich klar in die Kategorie „Weine für Freaks“ einsortieren lassen, sind mir in Erinnerung geblieben. Weine, die einen selbst in Begeisterung ausbrechen lassen, während die meisten Mittrinkenden eher irritiert um sich schauen. „Der ist glaube ich nichts für mich“, sagte der Mensch, den ich bis eben noch Freund nannte. So funktioniert das nicht. Getrunken wird was auf den Tisch kommt. Weine haben Geschichten, die sollst Du erzählen und daraus lernen. Halte die Augen und Geschmacksknospen offen und probiere weiter. Denn das ist die Essenz der Geschichten.

Ein paar Momente später die Erleuchtung: Die für Ungeübte störenden Töne verfliegen, was übrig bleibt ist immer noch „freakig“ – aber so ist der Weinhimmel. „Krasse Farbe, und dieser Geruch! Erzähl mir mehr von diesem Becker.“

Ich habe es geschafft – oder war es der Wein?

Hier meine drei Empfehlungen für Weine der etwas ungewöhnlichen, aber definitiv eindrucksvollen Art:

So viele Loblieder habe ich bereits auf Hajo Becker gesungen… Generell braucht dieser Ausnahmewinzer keine Vorstellung mehr. Eigentlich möchte ich auch gar nicht, dass Sie diesen Wein kaufen. Das ist nämlich mein Wein. Und mit jedem Druck auf die Tasten meiner Tastatur steigt die Lust auf das nächste Mal. Den nächsten „Becker-Moment“.
Seine Rieslinge können lagern – das ist lange kein Geheimnis mehr. Wie lange das geht, überrascht Sie vielleicht wenn Sie in den Genuss kommen sollten. 27 Jahre und noch so frisch. Genial! Mehr gibt es an dieser Stelle nicht zu sagen. 140/100 Punkten

 

Verkostungsnotiz vom Chef:
In der Nase ganz leichte Botrytistöne, sehr schmelzig und cremig, die Anmutung eines knochentrockenen Gewürztraminers. Der Antrunk puristisch und doch weich und schmelzig. Auch hier Traminernote. Unglaublich gerade gezeichnet, extrem definiert. Leichte Exotic, weiße und gelbe Frucht, Steinmehl, deutliche Salzspur. Ein ganzer Blumenstrauß nebst Quitte und feiner Würze, Muskatnuss und Thymian. Unendlich lang und brilliant in seiner Frische. Hat noch Jahrzehnte vor sich. Ein grandioses Unikat für Puristen. 98-100/100

Wie schmeckt der Libanon? Unglaublich komplex und lang. Heiner Lobenberg hatte mir nahegelegt, mir diese ungewöhnliche Entdeckung nicht entgehen zu lassen. So lagerten sie einige Zeit bei mir zu Hause, bis ich vor ein paar Tagen wieder darauf gestoßen bin. Mein Trinkvorhaben kündigte ich dem Chef mit einer MMS an. Seine Antwort: „Muss ich auch mal wieder probieren.“ Kein Problem, der Fußweg ist kurz; und so nahm ein kühles Gabriel-Glas mit goldschimmerndem Inhalt den Weg durch die frische Abendluft. Und was soll ich sagen? So hatten wir alle einen schönen Abend.

 

Verkostungsnotiz vom Chef:
Musar weiß, autochtone Reben zwischen 60 und 120 Jahre alt. Originalstöcke ungepropft. Abgepresst mit Rappen. 9 Monate vergoren und ausgebaut in Eiche dann 4 Jahre Flaschenlager. Obaideh Rebe 66%, Ähnlichkeit mit Chardonnay, Merwah Rebe 34%, Ähnlichkeit mit Semillon. Die Reben sind die historischen Vorläufer, vor 7000 Jahren von den kannanitischen Phöniziern gen Westen verbreitet. Immer erst spät im Oktober aus kleinen dickschaligen Beeren mit dann nur 12 Grad Alkohol geerntet und erzeugt. Geniale Dimension an Komplexität, an Semillon und hochreife Burgunder erinnernd. Mandeln, Honig, Mazipan, reife Quitte und Boskoop. Rauch, Speck, Tabak, Sherrynoten. Im Mund rieslingartige Säure, grandiose Spannung und Frische, wieder hochreife Quitte mit Apfelschale, Rauch und Räucherwerk, salzige Mandeln, dazu feine Süße. Salzgebäck, steinige Mineralität, Kalkstein, Fleur de Sel, Nachhall salzig. Eingelegte Birnenschale, Quitte und wieder soviel Stein. Ein grandioser Wein, allein zu genießen, zu Käse, zum Kabeljau und zur Fois Gras. 97-98/100

Dieser Wein ist der Inbegriff von „crazy“. Die Japaner würden wohl wieder eine eigene Geschmacksrichtung erfinden müssen: „Dieser Wein schmeckt Um-Rami.“ (Definition: Umami)
Extrem würzig, viele Kräuter mit frischer Frucht. Aber einfach anders. Erst probieren und staunen, dann zum Meeresfisch genießen.


Verkostungsnotiz vom Chef:
Biodynamisch aus autochthonen Reben. Hochfarbig, strohgelb. Unerwartet knackig für einen Sizilianer mit eigenwilliger Quitten- und Birnenfrucht, Sherry, Litchi, Renekloden, Kräuterbonbon, ein Hauch Anis und Ingwer. Sehr aromatische, eigenwillig würzige Nase. Getrocknete Kräuter und Wiesenblumen mit Nüssen, Rosmarin und Thymian, ziemlich dicht und voluminös. Im Mund schöne frische Frucht und gute Säure, knackig, und doch dominieren die reifen Schalenaromen. Wieder diese eigenwillige Würze. Apfel- und Birnenschale mit Rosmarin und Thymian, Honig, leicht provencalisch würzige Süße hinter der schönen Frische. Orangenschale im duftigen Nachhall. Ein echtes Unikat und doch ein Spaßmacher. Schicker, sehr individueller Wein für erfahrene Genießer, der Anfänger spuckt ihn vielleicht aus, der Profi jubiliert, endlich mal anders und indiduell. Ein langlebiger Wein, sich immer weiter entwickelnd. Spannend noch nach vielen Jahren. 92+/100

Kommentar von Heiner Lobenberg:

Wenn immer ich einen so grandiosen, begeisternden weißen Musar trinke, kommt die Sonne Libanons in mir hoch. Ein Land wie ein Schmelztiegel. Ein Wein aus der Urrebe des Chardonnays, in 800 Höhenmetern des Bekaatals seit Jahrtausenden kultiviert. Ich sehe den weisen Gaston Hochar vor mir, die unendliche Weisheit, Güte und Gelassenheit. Und das alles strahlt der Wein aus, er nimmt einen mit auf die grandiose Reise durch den Orient. Verträumt, einzig im Ausdruck, berauschend schön und anders.