Autor:
Thiemo Kausch
Thiemo ist Leiter des Marketing bei Lobenbergs GUTE WEINE. Ab und zu verlässt er das Büro, um mit Geschichten, Bildern und Videos für den Blog zurückzukommen.

Eine der spannendsten Zeiten des Weinjahres steht bevor: die Lese.

Das Wetter war gut. Oder vielleicht sogar zu gut? Nach der Zeit des Reifens ist es nun soweit: es darf geerntet werden. Demnach können nun auch erste begründete Prognosen zum anstehenden Jahrgang abgegeben werden – bevor es dann im Keller wirklich ernst wird. Deswegen haben wir den einen oder anderen Château-Besitzer, Winzer oder Kellermeister gefragt wie es um den Jahrgang 2016 bestimmt ist: Hat die Lese bereits begonnen? Gab es Trockenstress? Wie sind die Erträge? Wie steht es um die Qualität? Und mit welchen anderen Jahrgängen kann 2016 verglichen werden?

Wie jedes Jahr schaut die Weinwelt natürlich mit glänzenden Augen und voller Hoffnung in Richtung Bordeaux. Aus diesem Grund haben wir für Sie erste Stimmen aus dem Bordelais eingefangen. Zusätzlich haben wir für Sie auch noch Aussichten von der Rhône und aus der Pfalz.

Auch Weinjournalist Andrew Black hat sich in Bordeaux umgehört. Mehr dazu finden Sie hier...

Der Jahrgang 2016 in Bordeaux

Château Seguin

Die Lese hat bei uns am 03. Oktober begonnen. Allerdings vorerst nur für einen kleinen Teil der Fläche – die bereits reifen Trauben des Merlots für den „l'Angelot de Seguin“ liegen jetzt bei 14 Vol.-% und werden als erstes geerntet.

Im Château Seguin gab es keinen Trockenstress. Die Trauben hatten wirklich Glück mit dem Wetter – und dem sehr guten Terroir. Es gab im September auch noch zweimal Regen, was den Beeren geholfen hat zu wachsen. Seitdem ist das Wetter schön und wird auch bis zum Zeitpunkt der Lese so bleiben. Diese beginnt für die übrigen Trauben dann am 07. Oktober – und geschieht natürlich per Hand.

Ob die Erträge gut sind sehen wir erst wenn alles in den Tanks ist – Ende Oktober wissen wir mehr.

Mit der Qualität sind wir sehr zufrieden. Wir haben die Beeren probiert und sie schmecken sehr gut, ähnlich wie bei den Jahrgängen 2012, 2014 und besonders 2010. Aber ob sich dieser Eindruck auch im Keller bestätigt, wissen wir Ende Oktober.“ – Denis Darriet

Château Pontet-Canet

Auch aus dem Château Pontet-Canet erreichen uns positive Nachrichten von Mélanie Tesseron. Die Lese hat hier am 04. Oktober begonnen – mit dem Cabernet Sauvignon. Die Aussichten sind gut und die ersten Eindrücke vom anstehenden Jahrgang durchweg positiv. Auch hier freut man sich nun auf die Arbeit im Keller – dort können sich die Eindrücke dann bewahrheiten.

Château Tour Saint Christophe

Wir haben bereits mit der Lese begonnen – hauptsächlich der jungen Reben und des Merlots.

90% unseres Terroirs ist Kalkstein oder lehmartiger Untergrund, deswegen hatte wir auch keine Probleme mit Trockenstress. Die übrigen 10% sind Kies. In diesen Bereichen – in denen das Wasser abläuft – haben einige Reben ein wenig gelitten. Einige Beeren sind vertrocknet. Das stellt aber aufgrund unseres Sortiersystems kein großes Problem dar.

Die Erträge sind, wie bereits im letzten Jahr, sehr gut. Wir liegen im oberen Bereich unserer gesteckten Ziele.

BISHER bin ich extrem zufrieden mit allem. Noch ist nichts vollendet, aber die ersten Tanks sehen wirklich großartig aus. Das Reifepotenzial der Tannine ist in diesem Jahrgang so groß wie letztes Jahr, vielleicht sogar größer. Der größte Unterschied – für uns – ist das Alkoholpotenzial, welches niedriger ist als letztes Jahr. Meiner Meinung nach ist das sehr gut um perfekte Reife zu erhalten – einen großartigen pH-Wert bei niedrigerem Alkohol. Vielleicht erzeugen wir so einen ausbalancierteren Jahrgang. Ähnlich wie sich 2009 und 2010 unterschieden haben, sehe ich es auch bei 2015 und 2016. Bisher ist 2016 sehr nah am Jahrgang 2010.“ – Jean-Christophe Meyrou


Der Jahrgang 2016 an der Rhône

Michel & Bastien Tardieu

2016 sollte ein großartiger Jahrgang werden. Zu diesem Zeitpunkt macht die südliche Rhône den Unterschied. Wir dürfen gespannt sein was dort noch kommt.

Wenn ich den Jahrgang vergleichen soll: Ich würde sagen, dass es sich um eine gelungene Mischung aus 2005, 2007 und 2010 handelt.

2005, weil die Tanninstruktur groß ist aber gut eingebunden.

2007, weil wir einen schönen Zuckergehalt haben und die Ernte insgesamt eine sehr hohe Qualität aufweist.

2010, weil wir jede Menge Farbe haben und eine sehr schöne Balance zwischen Säure und Alkohol.“ – Bastien Tardieu

Pegau

Lese ist für viele schon vorbei. Ich habe meine Weißen vor dem ersten Regen gelesen – in sensationellem Zustand. Das Beste, das ich jemals hatte! Mit viel Finesse.

Die Meisten haben danach mit den Roten begonnen. Der Regen war zwar schnell verdunstet, hat aber eine schöne Reife gebracht.
Die Trockenheit war schon extrem. Das führte dazu, dass manche Trauben zu klein sind – mit zum Teil blockierter Reife. Eigentlich hatten aber nur die Weingüter, die zu viele Trauben hatten, Probleme damit.

Ich glaube, dass es enorme Unterschiede zwischen den Weingütern geben wird. Die Topproduzenten werden aber wieder super Weine haben.
 
Nordrhône ist wieder Top! Zumindest war es kurz vor der Lese in perfektem Zustand. Philippe Guigal war auch begeistert. Die Mengen sind allerdings etwas kleiner – durch die kleinen Trauben.

Es scheint so, dass 2016 ein sehr feiner Jahrgang werden könnte.
“ – Andreas Lenzenwöger


Der Jahrgang 2016 in der Pfalz

Weingut von Winning

Jetzt steht die Lese so kurz bevor und die Zeit wird immer knapper – es gibt viel zu tun. Deswegen fasst sich Stephan Attmann kurz:

Der Pinot ist bereits im Keller – 100% gesundes Lesegut! Jetzt folgen Weißer Burgunder und Chardonnay. Der Riesling ist komplett vorgelesen. Alle Lagen stehen genial gut da! Die Lese folgt dann in den nächsten 14 Tagen.

Das könnte ein ganz arg guter Jahrgang werden!


Nachtrag aus Bordeaux und der Champagne zum Jahrgang 2016

Château Beauregard

Die Lese geht bei uns vom 28. September bis zum 14. Oktober.

Bei unseren jungen Reben auf Kies hatten wir teilweise kleine pinke Beeren, die nicht ganz reif geworden sind. Die jungen Reben sind noch nicht ausreichend verwurzelt, um das Wasser aus der Tiefe zu ziehen. Damit diese Trauben nicht mit untergemischt werden, haben wir eine kleine Gruppe abgestellt um sie zu abzuschneiden und direkt in den Müll zu werfen. Die übrigen Trauben unterziehen wir mehrfacher optischer Sortierung per Hand – um sicherzustellen, dass nur perfekte Beeren in die Tanks kommen.

Die Menge ist größer als 2015, aber bewegt sich immer noch in einem moderaten Bereich.

Wir sind sehr optimistisch was die Qualität dieses Jahrgangs angeht. Es war möglich jede Lage einzeln und sorgfältig abzuernten. Es ist etwas besonderes und ein gutes Zeichen drei Wochen zu ernten und das so spät – im Oktober. Das Wetter war am Ende sehr gut. Die Qualität wird mindestens gut sein. Ob sie herausragend wird kann man jetzt noch nicht sagen, dafür ist es noch etwas früh. Nach der Malolaktischen Gärung haben wir einen besseren Eindruck vom Potenzial des Jahrgangs. In jedem Fall sollten wir eine gute Jahrgangsausbeute erzielt haben, da die Balance zwischen Alkohol und Säure sehr gelungen ist.“ – Vincent Priou

Château Lafon la Tuilerie

Seit drei Wochen ernten wir bereits, was wenig Schlaf für mich bedeutet. Mit dem Kopf bin ich momentan ganz beim Wein.

Trockenstress gibt es nicht. Dafür habe ich bereits von August bis Mitte September (armer Rücken, arme Beine) alle schlechten Trauben entfernt. Deswegen sind – natürlich – nur gute Trauben in meinen Tanks gelandet.

Mit der Qualität bin ich sehr zufrieden, sieht nach einem großartigen Jahrgang aus. Vergleiche sind zu diesem Zeitpunkt allerdings noch schwer. Der Jahrgang wird irgendwo zwischen 2010 und 2015 einzuordnen sein, aber großartig wird er in jedem Fall.“ – Pierre Lafon

Champagne Laherte Frères

Hier läuft alles gut und wir sind völlig zufrieden mit den jungen Weinen dieses Jahrgangs! Der Meunier hat die Fermentierung schon durchlaufen – sehr schöne Frucht und Fülle. Sicherlich ist 2016 ein Jahr für dunkle Beeren.

Wir sind ziemlich (positiv) überrascht über Qualität und Quantität. Nur einige Trauben des Chardonnays haben durch den Regen zu Beginn des Septembers zu viel an Gewicht zugelegt, deswegen schmecken die Beeren aus ein paar Lagen teilweise dünn. Aber wir warten ab und probieren nach der Fermentierung erneut.“ – Aurélien Laherte


PS: Zum Jahrgang 2016 gibt es für Sie im Blog bereits Stimmen von Michael Teschke (hier) und dem Weingut Sankt Antony (hier).