Pflanzenschutzmittel im Weinbau

Autor:
Thiemo Kausch
Thiemo ist Leiter des Marketing bei Lobenbergs GUTE WEINE. Ab und zu verlässt er das Büro, um mit Geschichten, Bildern und Videos für den Blog zurückzukommen.

Ökologischer Pflanzenschutz bei St. Antony

Als biodynamischer Erzeuger widmet sich St. Antony einer besonders naturschonenden Anbau- und Herstellungsweise. Dabei müssen eine Reihe von strengen Richtlinien eingehalten werden. Aber wie sieht es mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmittel aus?

Häufig werde ich gefragt „Spritzt ihr eure Weinberge überhaupt im ökologischen Weinbau?“, die Antwort ist ganz klar: „Ja!“. Ohne Spritzungen würden die beiden Hauptkrankheiten echter Mehltau (Oidium) und falscher Mehltau (Peronospora) unseren Ertrag im Weinberg vernichten. Grundsätzlich verwenden wir keine Herbizide (Unkrautvernichtungsmittel) und keine Insektizide (Mittel gegen Schadinsekten).

Die Richtlinien geben eindeutig vor mit welchen Pflanzenschutzmitteln im Weinbau gearbeitet werden darf. So darf der Winzer im biodynamischen Anbau ausschließlich Kontaktmittel einsetzen.

Der Unterschied: Kontaktmittel und systemische Mittel

Der größte Unterschied zwischen Kontaktmitteln und systemischen Mitteln ist die Wirkungsweise. Kontaktmittel entfalten ihre Wirkung durch – wie der Name schon sagt – den direkten Kontakt mit den Schädlingen, die von außen die Pflanze befallen; während systemische Mittel von innen wirken. Dies ist sowohl Vor- und Nachteil der beiden Varianten. Dadurch, dass die systemischen Mittel in die Pflanze eindringen und sich durch die Saftströme verteilen, kommt der Schutz gegen unerwünschte Krankheiten aus dem Inneren. Das Problem dabei ist, dass sich die Stoffe auch später im Wein befinden. Die Kontaktmittel wirken wie eine Schutzschicht von außen. Problematisch ist hierbei, dass dieser Schutz durch ungünstige Wetterbedingungen schnell unwirksam wird. Und damit hat dieses Jahr auch das Weingut St. Antony zu kämpfen.

Die Rebblüte ist momentan im Gange und wir erleben einen der stärksten Peronospora Befalle der letzten 20 Jahre. […] Wir sind extrem unruhig, da der Ertrag des Jahrgangs 2016 nun maßgeblich beeinflusst wird. Unsere ausgebrachten Kontaktmittel werden abgewaschen, wir können häufig die Pflanzenschutzmaßnahmen nicht kontinuierlich durchführen, da es immer wieder reinregnet.

Unser Pflanzenschutz wird immer wieder durch Regenfälle unterbrochen. Unsere Männer spritzen z.Zt. unsere Steilhänge händisch mit einem Schlauch, da Raupe und Traktor im nassen Weinberg nicht fahren können.

Was passiert wenn nicht gespritzt wird?

Für die Winzer ist das größte Problem – mit dem sie sich angesichts des echten und falschen Mehltaus konfrontiert sehen – der Ernteausfall.
Es ist durchaus üblich die Anzahl der Trauben am Rebstock zu kontrollieren bzw. zu reduzieren. Schneidet der Winzer bewusst Trauben ab, konzentrieren sich Zucker und Aroma auf die verbliebenen Trauben – die einzelnen Beeren liefern eine höhere Qualität. Dabei handelt es sich allerdings um ein vom Winzer kontrolliertes Vorgehen, das bewusst durchgeführt wird. Im Falle von Krankheiten, die den Rebstock befallen können, ist die Anzahl der verbleibenden nutzbaren Trauben nicht kontrollierbar.

Qualitative Auswirkungen hat Peronospora nicht, wenn dann positive, da der Ertrag verringert wird. Wenn Beeren befallen sind, trocknen sie über den Sommer weg und werden nicht mitgelesen. Jedoch ist für uns Winzer ein gewisser Ertrag für die Wirtschaftlichkeit überlebenswichtig, daran hängt es momentan. Wir haben zur Zeit die Hoffnung, dass wir es ohne große Einbußen schaffen, aber die Natur ist unberechenbar.

 

Deswegen heißt es: Daumen drücken für Sankt Antony! Denn in den nächsten Wochen entscheidet sich, wie groß der durch Peronospora verursachte Schaden am Ende der Lese tatsächlich ist.

Kommentar von Heiner Lobenberg:

Solange die Flora und vor allem auch die Fauna, also alle natürlichen Lebewesen der Weinberge, nicht geschädigt werden, halte ich eine Spritzung mit natürlichen Mitteln für völlig bedenkenlos. Alles was der Natur hilft oder sie nicht beeinträchtigt ein natürliches und langfristiges Gleichgewicht zu bewahren, ist für mich ohne jede Einschränkung in Ordnung. Also natürliche Pflanzenextrakte Marsch! Kupferhaltige Mittel beeinträchtigen jedoch trotz ihrer Zulassung im Bio- und Biodynamik-Weinbau die Fauna. Je weniger desto besser ist da meine Devise. Sie sind zwar nicht giftig, oder wie andere Schwermetalle schädlich für die Menschen, lagern sich auch wohl nicht in der Pflanze ein, aber die Tierchen des Bodens leiden darunter. Da muss es noch einen besseren Ersatz geben. Aktuell gibt es aber keine Alternative. Die trockenen Regionen des Südens sind da natürlich im Vorteil, Oidium und Peronospora sind da oft Fremdwörter, glückliches Südeuropa!