Weinempfehlung: Bordeaux abseits der großen Châteaux

Autor:
Nico Medenbach
Nico ist eigentlich IT-Manager, aber seit mehr als 10 Jahren Wein-verrückt. Schreibt noch auf Drunkenmonday und Rebolution und immer auf der Suche nach dem Neuen und Unbekannten.

Jerôme Bressy – diesen Namen gilt es sich zu merken. Auch wenn das Wort „Rebell“ im Kontext Wein so langsam zu verweichlichen erscheint, ist der Mann hinter dem Weingut „Domaine Gourt de Mautens“ für die im Schatten von Chateauneuf du Pape stehende AOC Rasteau ein waschechter Rebell. Ab dem Jahrgang 2010 geht er noch einen logischen Schritt weiter: Er entfernt die AOC Angabe „Rasteau“ von seinen Labels und referiert stattdessen „Vaucluse IGP“. Der Grund ist so simpel wie selbsterklärend. Die Regularien der AOC passten einfach nicht mit denen seiner Reberziehung und dem Mischsatzprinzip, welches Jerome seit Jahren praktiziert. Also raus aus der AOC und rein in das Vermarktungsrisiko.

Minimze to the Max

Was seinen Wein angeht, ist Winzer Jerôme Bressy so auf die absolute Perfektion fixiert, dass er zu fast schon verrückt anmutenden Qualitätsmaßnahmen greift. Dies geht weit über biologisch-dynamischen Prinzipien hinaus. Da werden wegen „mangelnder Qualität“ mal eben fast 20% von insgesamt 14 Hektar gerodet und mit alten Rebsorten neu bepflanzt, die aber frühestens in 15 Jahren in den Ertrag kommen. Bäume im Weinberg spenden den Reben Schatten in der Sommerhitze. Der Boden wird ohne Einsatz von Maschinen gelockert und Erträge unter 15 Hektoliter/ha sorgen für die nötige Konzentration ohne Überextraktion. Der Zeitpunkt der Handlese wird für jede Parzelle einzeln auf die Stunde (!) genau festgelegt. Für den Rotwein des Hauses erfolgt die 18-tägige Maischegärung ebenfalls getrennt. So kann Jerôme Bressy jeder noch so kleinen Lage gerecht werden und die Besonderheit eines jeden Jahrgangs herausarbeiten. Das Hauptprodukt der Domaine Gourt de Mautens ist zweifelsohne der Rouge. Neben diesem gibt es noch winzige Mengen eines Rosé und eines Blanc, welche mit derselben perfektionistischen Hingabe und Passion erzeugt werden. Minimize to the max:  Domaine Gourt de Mautens.

Der Blanc

Mit dem 2012 Domaine Gourt de Mautens Blanc vinifiziert Jerome einen der besten Weißweine Südfrankreichs. Dabei stehen die bis zu 100 Jahre alten Reben aus Grenache Blanc, Grenache Gris, Clairette, Marsanne, Picardin, Picpul Blanc und Picpoul Gris als Mischsatz im Weinberg. Der Ertrag liegt bei 10 (!) Hektoliter pro Hektar.  Ausgebaut wird dieser klassische „Fieldblend“ über 24 Monate im 500 Liter fassenden Tonneau. Dabei kann der Wein von diesen alten Reben und mit diesem niedrigen Ertrag das Holz perfekt in seine Struktur integrieren. Aromatisch gibt es von Sesam über Kalk, von Salz bis weiße Johannisbeere, von (nicht süßem) Honig bis Apfel und Birnenschale alles geboten. Am Gaumen wirkt er dank seinen feinen Gerbstoffgerüstes leicht rustikal, fordernd und wild. Er besitzt wunderbaren Schmelz trotz Säure und viel Mineral und bietet Summa Summarum ein einmaliges Trinkerlebnis – nicht nur für diese Region. Großer Chardonnay aus dem Burgund trifft auf die Wildheit des Südens. Auch in 15 Jahren ist dieser Blanc mit Sicherheit noch ein ganz großer Genuss. Kategorie „muss man mal getrunken haben um ihn nie mehr zu vergessen“.

Der Rosé

Bevor Sie hier weiterlesen, dieser Rosé ist schlichtweg das Gegenteil der allgegenwertigen Gattung Rosé. Jerome sprengt mit diesem Rosé alle Konventionen dieses Wein Typus und katapultiert ihn in anderes Universum. „Für einen Rosé ist der aber teuer“ hört man hier als erstes. Das mag vielleicht stimmen, aber hier haben wir es mit einem Wein-Monument zu tun und nicht mit einem süffigen Sommer Aperitif. Denn eigentlich ist der 2011 Domaine Gourt de Mautens Rosé noch viel zu jung. Laut Jerom kann er locker 15 Jahre alt werden. Gerade einmal 1800 Flaschen werden von diesem „Über-Rosé“ nur alle paar Jahre vinifiziert. Die Trauben (30% Carignan und Counoise, 70% Mourvèdre von 100 Jahre alten Reben) werden direkt nach dem Pressen von der Maische gezogen. Somit ist er technisch ein Blanc de Noir, hat aber durch die dunklen Mourvèdre Trauben eine blasse Rosé typische Farbe. Vergoren und ausgebaut wird er in Stahl, Beton und im Halbstück für über 18 Monate.  Schon die Nase dieses Weines ist mit kaum einer anderen zu vergleichen! Neben Hagebutte, Rosenblätter, Jasmin,  etwas Pfirsich, rote Johannisbeere und etwas Nuss gibt es eine herbe mineralische Komponente, die diesem Wein in Komplexitäts-Sphären bringt, in der sonst kein Rosé mithalten kann. Am Gaumen gibt es in Addition einen leichten phenolischen Kick, gepaart mit dieser wilden, ungestümen mineralisch-würzige Ader und einem präzisen und fokussierten Säure Gerüst. Das ist nicht für jedermann, aber in Kombination mit Käse ein ganz großer Wurf. Ein Freak Rosé? Oh ja, aber einer auf ganz hohem Niveau! Das nenn ich mal „Mut zur Lücke.

Der Rouge

Der 2010 Domaine Gourt de Mautens  Rouge ist sozusagen der « Signature Wine » von Jerome Bressy. Meine persönliche Erfahrung mit diesem Wein reicht zurück bis zum Jahrgang 2007, welcher kürzlich erst von Jeb Dunnuck in Robert Parkers Wine Advocate 98 Punkte kassierte. Jeb war sogar so von dem 2007er Domaine Gourt de Mautens  Rouge angetan, das er eine weitere Flasche für Parker persönlich einpackte und diese dem Großmeister auf den Verkostungstisch stellte. Somit ist Jerome nun offiziell in den Punkte Kreisen von Clos Saint-Jean „Deus-Ex Machina“ oder Chateau Rayas Reserve angekommen, ohne aber dreistellige Preise zu verlangen. Der Wein besteht aus 70% Grenache, 15% Carignon, sowie Anteilig Mourvèdre, Counoise, Syrah und Vaccarèse. Der Ertrag liegt bei 12 hl/ha! Einzelbuscherziehung und bis zu 100 Jahre alte Reben machen dies möglich. Vergoren wird mit Stiel und Stengel in Beton und Holzgärständer. Der 40 Monatige (!) Ausbau erfolgt dann im Tonneau, Halbstück und Zement Tank. Das Ergebnis ist absolut faszinierend und fesselnd zugleich. Aromatisch befinden wir uns definitiv in der Süd Rhone, aber anstatt hier mit Frucht Extrakt, Überkonzentration und Alkohol Eskapaden um sich zu werfen, gibt es neben vielfältigster reifen, aber nicht überreifen Frucht einen großen Teil ätherischer Kräuter wie Rosmarin und Thymian, feinste Holzwürze, schwarze Oliven, Wacholder und dunkle Mineralität. Der 2010er ist ein Bollwerk von Wein, der gut und gerne noch 5-10 Jahre im Keller Ruhezone braucht, um seine PS in Form von Fassungs- und Sprachlosigkeit auf die Straße zu bringen. Der 2010 Domaine Gourt de Mautens  Rouge ist zweifelsohne einer der ganz große Weine der Süd Rhone, zu einem fast schon günstigem Kurs.

Die Weine zum Beitrag
Domaine Gourt de Mautens, 2012, Frankreich - Rhone - Gigondas und Rasteau
0,75 l
56,67 €/l

(Achtung vorheriger Jahrgang!)

Domaine Gourt de Mautens, 2009, Frankreich - Rhone - Gigondas und Rasteau
0,75 l
56,67 €/l
Domaine Gourt de Mautens, 2011, Frankreich - Rhone - Gigondas und Rasteau
0,75 l
56,67 €/l