Telmo Rodriguez
– Valdeorras
„As Caborcas“ 2011

Autor:
Marc Dröfke
Wein ist für Marc ein Hobby, das er allerdings mehr als ambitioniert betreibt. Woher der Wein dabei genau kommt, ist nicht so wichtig. Er sollte nur seine Herkunft nicht verleugnen. Nebenbei schreibt Marc noch für Originalverkorkt.de.

„Weniger ist mehr“ ist eine Assoziation, die mir häufig in den Sinn kommt wenn ich in so manche Speisekarte schaue. Warum? Weil sie oft derart überfrachtet mit Gerichten sind, dass es mir sofort den Appetit verschlägt. Muss ein schwäbischer Gastwirt neben seinen Klassikern wie Maultaschen und Zwiebelrostbraten zusätzlich Pasta & Pizza anbieten? Bei mir wirft diese Art von Speisekombination sofort die Frage auf: Kann dieser Wirt alles ein bisschen, aber nichts so wirklich richtig?
Auch beim Thema Wein bin ich entsprechend gepolt. Ich ziehe grundsätzlich Winzer mit Konzentration auf das Wesentliche und der damit zumeist einhergehenden, kleineren Produktion, Massenabfüllern mit mehreren Millionen jährlich produzierter Flaschen vor. Das mag zum Teil ein Vorurteil sein, denn selbstverständlich produziert ein kleinerer Erzeuger nicht automatisch den besseren Wein. Aber dieses Plus an Individualität, das letzte Quäntchen an Qualitätsstreben, finde ich bei großen Massenabfüllern (zumeist) nicht.

Unseren heutigen Winzer als Massenabfüller zu bezeichnen wäre vielleicht etwas überzogen, wobei er sich für ein großes Sammelsurium an verschiedenen Projekten in ganz Spanien verantwortlich zeigt. Was mich zwangsläufig wiederum zu der Frage führt: Alles so ein bisschen, aber nichts so richtig?
Im Falle von Telmo Rodriguez lässt sich das sicher verneinen. Zwar ist er mittlerweile in neun Region Spaniens vertreten und füllt über eine Million Flaschen ab. Seinen Fokus legt er allerdings nicht auf Quantität, sondern ganz klar auf Qualität & Authentizität. Sein übergeordnetes Ziel: Die Eigenarten der jeweiligen Region durch seine Weine zeigen zu können. „Back to the roots“ sozusagen. Denn die Wurzeln des spanischen Weines haben in den letzten 20 Jahren stark gelitten. Unter anderem angefacht durch eine inflationäre Vergabe von hohen Bewertungen durch international angesehene Verkoster, drehte sich der spanische Weinstil in eine Richtung die man getrost als überzogen bezeichnen kann. Dicke, überextrahierte Fruchtbomben aus internationalen Rebsorten, von denen ein Glas ausreicht um „satt“ zu sein. Eigenständigkeit & Typizität ging in großen Teilen der iberischen Halbinsel den Bach hinunter.

Telmo Rodriguez

Eine Schande für den Workaholic Rodriguez, der versucht den Scherbenhaufen zusammenzukehren und das (zum Teil) angeschlagene Image aufzupolieren.
Dabei sucht er zusammen mit seinem langjährigen Weggefährten Pablo Eguzkiza bewusst nach besonderen Lagen. Je abgelegener, verrückter und älter der Weinberg umso besser. Hinzu kommt das Bestreben lediglich mit den traditionellen Rebsorten der jeweiligen Region zu arbeiten, um einen möglichst authentischen Wein auf die Flasche zu bekommen.

In einem neueren Projekt wandten sich Rodriguez & Eguzkiza im Jahre 2002 der DO Valdeorras zu. Sie liegt in Galicien und kommt in der Wahrnehmung des spanischen Weines wenig bis gar nicht vor. Nach jahrelangem Beobachten, Inspizieren und Ausloten ergriffen die beiden Partner schließlich ihre Chance. Unter anderem konnten sie einige alte, terrassierte Parzellen kaufen, die sich in einem kleinen Weinberg direkt am Rio Bibei Fluss befinden. Die dort auf kargem Granitboden wachsenden Reben bringen es auf ein stattliches Alter von 50-70 Jahren. Wie es früher üblich war, handelt es sich bei der Bepflanzung um einen gemischten Satz in dem Mencia, Merenzao, Souson, Garnacha Tintorera, Godello und Brencellao vorkommen.
In Kombination mit der hohen Lage des Weingartens von bis zu 550 Meter ü. d. M. sowie den kühlen Einwirkungen des Flusses, ergeben sich ideale Bedingungen, um einen ganz besonderen Wein zu erzeugen.

Herausgekommen ist der „As Caborcas“ was frei übersetzt soviel bedeutet wie „Nordost ausgerichtet“. 2010 war der erste Jahrgang dieses Stoffes, bei dem die Trauben komplett von Hand gelesen werden, was angesichts des schwer zugänglichen Gebietes nicht verwunderlich ist. Daraufhin wird mit den eigenen, wilden Hefen in großen, offenen Holzbottichen vergoren, bevor es vor der Abfüllung für 15 Monate ins Fuderfass geht.

Der Wein repräsentiert das von einer gewissen Wildheit geprägte Terroir auf dem er wächst und gedeiht in einer sehr authentischen Art und Weise. In der Nase zunächst viel Frucht in Form von roter Herzkirsche, Cranberry, etwas Heidelbeere und Wachholder. Dies ist sicherlich auch dem recht warmen Jahrgang 2011 geschuldet. In Jahren wie 2010 und 2013 nimmt sich die Frucht sicherlich deutlicher zurück. Super interessant ist es diese Unterschiede in einem direkten Vergleich auszumachen.
Zu der charmanten Frucht, die sich mit der Zeit im Glas immer weiter zurück zieht, gesellt sich eine dominante Garrigue-Note, welche die frankophilen Freunde aus den Weinen des Languedoc-Roussillon kennen sowie Graphit (Boden), getrocknete Rosenblätter, Lakritze und weißer Pfeffer.
Am Gaumen fällt die schön eingebundene Säure auf, die den Wein trägt. Ein Exemplar, das eher über die Eleganz als die Power kommt. Nichtsdestotrotz hat er ordentlich Zug was wiederum von der Säure herrührt. Im langen Finish schwingt eine schöne steinige Note mit, was diesen eindrucksvollen Individualisten hervorragend abrundet.