Unterwegs in der Champagne Teil II

Autor:
Markus Budai
Markus Budai ist studierter Weinbetriebswirt und bereits seit einigen Jahren Teil von Lobenbergs GUTE WEINE. Er bildet als rechte Hand von Heiner Lobenberg die zweite starke Kompetenz im Verkostungsteam. Das Burgund und die Champagne haben es ihm besonders angetan. In unserem Blog berichtet er direkt von seinen Verkostungsreisen sowie ganz besonderen Entdeckungen.

Laherte Frères

An meinem ersten Tag in der Champagne habe ich vor allem das Marnetal erforscht (zum Blogartikel). Meine erste Station für den heutigen Tag liegt in Chavot-Courcourt. Laherte Frères ist ein Betrieb in siebter Generation. Thierry und Christian waren die prägenden Kräfte für den Betrieb. Sie krempelten diesen um und begannen dafür im Weinberg. Mit Sohn Aurélien hat der Betrieb vermutlich seine Kreativität erlangt. Heute arbeitet man deutlich nachhaltiger, bewirtschaftet teils mit Pferden, aber auch gerne mit dem Caterpillar, der vielleicht in manchen Parzellen noch schonender arbeitet. Wie Aurélien selbst sagt, wurden auch früher Pferde eingesetzt – damals aus finanziellen Gründen, heute wegen der Qualität.

Aurelien Laherte

Der Betrieb besitzt Anlagen an der Côte des Blancs, im Vallée de la Marne und südlich von Épernay. Circa elf Hektar werden bewirtschaftet. 2010 begann die Umstellung auf biodynamische Bewirtschaftung, aber ohne zertifiziert zu sein. Eine Besonderheit bei Laherte ist der Ausbau der meisten Grundweine im großen Holz und gebrauchten Barriques – 80% der Champagner kommen aus Holz. Diese stammen meist aus feinsten Betrieben aus dem Burgund. Wichtig ist immer, dass sie bereits mehrfach belegt sind. Im Einsatz sind zudem Emailletanks als auch INOX. Aurélien ist ein Querdenker. Konstanz wertet er als Rückschritt. Zwar wechselt er ständig seine Label, erhält aber immer den Charakter der Weine ohne die Handschrift des Jahrgangs zu vermissen. So überlegt er sich jedes Jahr für die Cuvée „Les Vignes d'Autrefois“ ein neues Jahrgangslogo. Der Stil eines jeden Jahrgangs soll visuell unterstrichen werden. Was solch ein Genie in einem kleinen Familienbetrieb bewirkt, zeigt die Cuvée „Les 7“. Das sind tatsächlich 7 Rebsorten aus einer Parzelle assembliert. Als wäre dies nicht genug, kombiniert Aurélien die Rebsorten mit einer Art Solera, jedoch immer mit gefüllten Fässern aus 7 Jahrgängen. „Doppelt gemoppelt“ würde man sagen, aber sensorisch dann nicht verkopft!

Papa Laherte

In meiner verkosteten Version dominiert 2012 als Jahrgang, dann 2005 bis 2011. Das ergibt eine verführerische Nase, die nicht oxidativ im Stil ist. Bei einer Dosage von 2-4 g/l ist dies eine super hedonistische Cuvée, die man gerne ein bis zwei Stunden vorab öffnen sollte, so wie auch ich sie serviert bekam. Der „Les Empreintes“ ist eine Cuvée aus 50% Pinot Noir aus der Parzelle „Les Rouges Maisons“, die von Lehm und Silexeinschlüssen geprägt ist, und 50% Chardonnay. Dabei ist ein winziger Anteil der Variation Chardonnay Muscaté – eine Mutation des Chardonnays. Die Gärung der Grundweine geschah in Barriques, in denen der Wein danach noch für sechs Monate auf der Hefe lag und regelmäßige Bâtonnage erfuhr. Das Bouquet wechselt immer wieder zwischen Tonkabohne, Forellenbirne und Hefe. Dabei präsentiert es sich in der Tat auch fruchtig mit etwas Rosenblüten und Botrytiswürze, aber alles sehr subtil, ganz fein, sogar buttrig. Sehr „Blanc de Noirs Premier Cru Les Longues Voyes 2012“. Er wird erst im Herbst erscheinen, aber man sollte ihn sich vormerken. Pinot Noir aus der Montagne de Reims. Es gibt nur knapp 3.000 Flaschen. Das Besondere: Er reifte im Barrique, welches aus dem Burgund stammte und mit Rotwein belegt war. Das ergibt etwas Süßholz, auch reife Birne, Tonka-Bohne und viel rote Früchte! Für Burgundliebhaber ist er eine echte Offenbarung. Den muss man im schwarzen Glas servieren, dann liegt da ein Hautes-Côtes de Beaune im Glas!

 

Zu den Weinen von Laherte Frères.

Laherte Gesteinsarten
Laherte Domaine
Laherte Freres Flaschen
Laherte Presse

Robert Moncuit

Nach einem derartigen Winzergenie und beeindruckender Sortimentsvielfalt, fahre ich nach Le Mesnil-sur-Oger, 40 Kilometer südlich von Reims. Jene legendäre Gemeinde, die mit dem „Clos de Mesnil“ eine Toplage der Champagne besitzt, die ausschließlich von Krug bewirtschaftet und von einer Mauer umringt wird. Man muss wissen, dass hier auf etwas mehr als 400 Hektar Chardonnay bepflanzt wird. Le Mesnil-sur-Oger und Oger unterscheiden sich jedoch. Die Böden sind ähnlich. Es ist eher die Exposition und die Höhenlage der Weinberge, die hier den Unterschied macht. Le Mesnil ist quasi das Epizentrum für puristisch frischen Chardonnay-Champagner. Oger gibt etwas mehr Fruchtigkeit. So erklärt es Pierre Amillet von Robert Moncuit. 1928 hat das Haus erstmalig Blanc-de-Blancs-Champagner aus Mesnil-sur-Oger erzeugt. Der Recoltant-Manipulater-Betrieb, also Erzeuger-Champagner aus eigenen Trauben ohne Zukauf, setzt auf den Stahltankausbau. Denn laut Amillet braucht der Chardonnay kein Holz. Nur so kann das Terroir seiner Auffassung nach in aller Purheit auf die Flasche gebracht werden. Um den Fußabdruck des Jahrgangs zu erhalten, verzichtet der Betrieb auf Chaptalisierung und versucht die Trauben möglichst reif zu lesen. Die einzelnen Parzellen landen dann getrennt im Keller, bis sie assembliert werden. Nur acht Hektar bewirtschaftet der heutige Winzer Pierre Amillet. Nahezu alle Parzellen stehen in Le Mesnil-sur-Oger und Oger auf den berühmten Kalklagen. Trauben, die Amillet nicht für seine eigenen Champagner benutzt, weil sie zum Beispiel aus der letzten Pressung stammen, verkauft er an die großen Betriebe. Der „Extra Brut“ wurde aus sieben verschiedenen Jahrgängen assembliert – 2006 bis 2012. Am Gaumen ist das eine exotisch-kräftige Cuvée, die dank der niedrigen Dosage von 3 g/l Rz eine schöne Spannung und Klarheit besitzt. Komplexität und animierender Trinkfluss vereinen sich hier. „Les Chetillons“ ist ein Jahrgangschampagner aus dem feinen Jahr 2008: Sehr salzig, ausladend, eher subtil, auch schüchtern, obwohl es der einzige Wein ist, der nicht die malolaktische Gärung gemacht hat! Viele Zitrusfrüchte, wie Pampelmuse und Limette. Mein persönlicher Favorit des Hauses! Der „2008 Vintage Grand Cru“ ist die Rarität des Hauses – Jahrgangschampgner aus alten Reben aus GC-Lagen. Er ist etwas mehr auf der mineralen Seite, sehr rund, lang und persistent am Gaumen, braucht aber mehr Geduld als der „Les Chetillons“.


Zu den Weinen von Robert Moncuit.

Weingut
Robert Moncuit
Robert Moncuit Degustation
Le Mesnil Fernansicht
Ortsschild Le Mesnil-sur-Oger

J.L. Vergnon

Mein letzter Stop wird ebenfalls in Le Mesnil-sur-Oger sein. Nur drei Minuten Autofahrt trennen die beiden Erzeuger. Das Haus J.L. Vergnon ist ein ganz typisches Champagnerhaus wie man es sich vorstellt – mit altem Verkostungsraum, verschnörkelten Kirschholzstühlen und Rosenstoffbezügen. Es passt zum Stil des Hauses. Neben Krug ist Vergnon der einzige Betrieb, der Le Mesnil-sur-Oger im Holz ausbaut. Christophe Constant führt mich zunächst durch die Lagen. Vergnon besitzt an der Côte des Blancs Weinberge. Auch hier konzentriert man sich auf die Zitrusfrucht und Kalknoten der Region, die jedoch auch durch eine cremige und ausladende Aromatik erweitert wird. Also eher kräftigere Champagner, die eine feine Noblesse durchzieht. „Eloquence Extra Brut Grand Cru“ ist solch ein Beispiel.

Weingutseingang
J.L. Vergnon

Chardonnay, hauptsächlich aus dem Jahrgang 2012. Opulent, vielschichtig im Bouquet mit Mandarine, Haselnuss und Zitrusfrucht. Am Gaumen super weich, cremig, aber sehr subtil und auch von dezenter Perlage geprägt. Die Cuvée „Oger (OG) 2010“ ist ein Brut Nature und frisch im Hause erschienen. Es ist der erste Jahrgang. Wahrscheinlich Chardonnay Muscaté aus einer Parzelle, die den Namen „Chemin de Flavigny“ trägt. Man ist sich nicht sicher, doch die rosenblütenartige Nase lässt es erahnen: Etwas Vanille, auch Tonkabohne, Rosenblüten, eben leicht süßlicher Muskatduft, dann aber auch rauchig. Am Gaumen ist alles sehr frisch und knackig, ausgewogen, frisch und fokussiert. Ungefähr 3.000 Flaschen gibt es. Sie werden schnell ausgetrunken sein. „Expression 2008“ ist ein ganz zarter Champagner, der zum Verweilen einlädt. Er reifte sechs Jahre im Keller des Hauses und wurde Anfang 2015 dégorgiert. Man hat eine expressive Steinobstaromatik und im Hintergrund Briochenoten vom Hefelager. Am Gaumen hat man einen ausladenden Champagner mit feiner Austernschalennote, der Druck am Gaumen aufbaut.


Zu den Weinen von J.L. Vergnon.

Flaschen auf dem Tisch
J.L. Vergnon Verkostung
J.L. Vergnon Presse
Rebblüte
J.L. Vergnon Weingarten