VDP Große Gewächse: Verkostung in Wiesbaden – Tag 1 & 2

Autor:
Heiner Lobenberg
Heiner ist der Gründer und Chef von Lobenbergs Gute Weine. Als Jäger und Sammler und Wein-Trüffelschwein ist sein Ziel, den Kunden die beste und interessanteste Weinauswahl in Deutschland zu bieten. In seinem Blog erzählt er interessante und schöne Geschichten von großartigen Weinen und Winzern.

Jedes Jahr lädt der VDP zur Vorpremiere der Großen Gewächse in Wiesbaden ein. Drei Tage lang wird verkostet. Die geladenen Gäste dürfen sich dabei auf die beste Riesling-Probe aller Zeiten freuen. Hier die Eindrücke des ersten und zweiten Tages.

Tag 1 – Sonntag, der 28.08.2016

Die beste und sensationellste Verkostung der 200 besten Weingüter Deutschlands. Sonntag ist der unwichtigere „Nicht-Riesling-Tag“.

Silvaner 2015

Kein großes Silvanerjahr. 2014 war viel besser. 2015: Viel Power, zu wenig Eleganz und Feinheit, leicht brandig.
Gute Klasse nur bei Rudolf May. Das GG „Himmelspfad“ ist mit 93 Punkten bester Wein aller Silvaner GGs. Mit 91 und 90 Punkten und klarem Abstand die zu kraftvollen und monolitischen Weine von Horst und Rainer Sauer „vom Lumpen“.

Weißburgunder 2015

Saale Unstrut und Sachsen zu alkoholisch, unharmonisch.
Pfalz sehr ordentlich, aber nicht ganz groß, Rebholz eindeutiger Sieger mit 93 Punkten!
Franken war schwach.
Würtemberg hat mit Ellwanger und Aldinger zwei schöne Erfolge mit 91 Punkten.
Baden, die Topregion Deutschlands. Berchers „Feuerberg“ ist mit 93 fast schon groß. Hegers „Rappenecker “ war zwar etwas fett, dazu sehr aromatisch und lecker, der beste WB des Jahrgangs hier. Mit 94 noch vor Bercher, Rebholz, Aldinger und Ellwanger der Sieger der Rebsorte in Deutschland.

Grauburgunder 2015

Grauburgunder war nur in Baden ganz ordentlich; Würtemberg, Hessen und Saale eher schwach. Eher nichts Grandioses. Wieder Berchers „Feuerberg“ mit 90 Punkten, getoppt von Hegers „Schlossberg“ mit knapp 91. Großes Kino geht aber anders. Was lob ich mir da Ziereisens „Jaspis“!

Chardonnay 2015

Huber stellte 2014 an und Julian Huber ist mit seinem „Schlossberg“ bei 95 und schlägt damit den zweitbesten Chardonnay Deutschlands, den „Bienenberg“ mit 93 Punkten klar. Huber schwebt über allem im Chardonnay!

Lemberger 2014

Graf Neipperg schwebt mit seinen 14ern über allem. Beachtliche 93 Punkte für den Strukturwein „Schlossberg“ und das Fruchtteil „Ruthe“.
Die sind schon in der Liga wie Helmuth Hirths Blaufränkisch „Quod Erad Demonstrandum“. Danach wirds dünn. Zu viel Holz. Nur Ellwanger vor Aldinger haben burgenländisches Blaufränkisch-Gen mit 91 Punkten. Superstar Schnaitmann ist trotz schöner Kaffenote, Sauerkirsche und Johannisbeere einfach überholzt.

Spätburgunder 2014

Die Ahr bestätigte mit Stodden klar vor dem etwas seifig süßen Meyer Näkel zwischen 92 und 93 Punkten das gute 2014er Ergebnis. Rheinhessen hatte mit St. Antony einen richtigen Poweranbieter. 93 und 92 für „Paterberg“ und „Kranzberg“.
Schnaitmann mit Neipperg, Ellwanger und Aldinger waren überzeugend in Württemberg und zwischen 90 und 91 Punkten.
Schwacher Start in Baden, Fritz Keller mit grünen Rappen, nur der „Schlossberg“ überzeugte mit 92, Salwey schien überholzt, Hegers „Schlossberg“ vor „Winklerberg“ schon recht überzeugend mit 93 und 91 Punkten. Bis Julian Huber kam. Da ging mit seinen 2014ern die Sonne auf! Berchers deutschartiger 92 Punkte „Feuerberg“ wurde von den Pinot Nois Hubers überrollt. 95 Punkte „Sommerhalde“ vor 94 „Schlossberg“ und 92 „Bienenberg“. Tolle Weine, aber 2013 war für mich klar stärker.
Dann die Pfalz. 2013 „Idig“ Christmann eher sehr deutsch. Fritz Becker mit den drei 2013er Kraft-Superstars. „Heydenreich“ mit 97, vor „Sankt Paul“ mit 96 und „Kammerberg“ mit 95 Punkten. Wow!
Dagegen konnte der geniale und extrem elegante Franke Fürst mit seinen 2014er wenig ausrichten. 2013 war einfach größer als 2014, da nützt auch die mindestens gleiche Klasse von Fürst nichts. 94 Punkte für „Hundsrück“, vor „Schlossberg“ mit 92 – ist toll, aber Becker 2013 ist einfach größer!

Tag 2 – Montag, der 29.08.2016

Riesling 2015, die Königsdisziplin – Weltklasse in Gläsern.

Mosel Saar Ruwer – die zarteste Versuchung seit es Riesling gibt!

Heymann Löwenstein zum Start mit einer genialen Serie. Ultra-raffiniert mit 98-100 Punkten der „Blaufüßer Lay“, gefolgt vom komplexen „Kirchberg“ mit 96-98 und dem Powerteil „Röttgen“ mit 97-100 Punkten. Was für ein Start in die Mosel!
Loosens konzentriertes „Prälat“ bestätigt glatte 100 Punkte, klar vor seinem „Treppchen“ mit 96, die feine und raffinierte, zarte „Sonnenuhr“ schiebt sich mit 98+ dazwischen, „Himmelreich“ schafft 95-96 Punkte. Clemens Buschs „Fahrlay“ geht auf 99, vor dem „Falkenlay“ mit 97 Punkten. Beide Erzeuger „best ever“, phänomenal.
Liesers „Power-Helden“ mit 97, vor seinem 95 Punkte „Himmelreich“, alle aber letztlich sehr fein und raffiniert.
Fritz Haag mit einer begeisternden „Juffer“, aber mit einer grenzgenialen „Juffer Sonnenuhr“, 98-100 Punkte mindestens!
Zillikens „Rausch“ von der Saar ist zarter und noch feiner als Haag, ein raffiniertes und delikates Teil mit 98-99 Punkten. Lauer ist ungeheuer raffiniert und mit allen GGs zwischen 97 und 98 Punkten, kraftvoll, sehr mineralisch und fein zugleich, mit viel süßem Schmelz und feinem Spiel. Er lässt dem anderen Powererzeuger der Saar, dem etwas zu monolithischen van Volxem, keine Chance.
Maximin Grünhaus „Abtsberg“ ist ein Power-Monument mit satter Mineralität und mit 98+ Punkten, die Ruwer in genialer Ausprägung!

Rheingau – 2015 endlich homogen?

Abstieg aus dem Moselparadies auf die Erde. Viel Schatten hier, aber mit Weils „Gräfenberg“ auch ein strahlend eleganter 99-100 Punkte Superstar. Dereinst sicher noch besser als 2012 und 2013. Der elegante Powerwein „Marcobrunnen“ von von Oetinger bestätigt seinen Anspruch auf Genialität mit 98-99 Punkten. Die ganze Serie von von Oetinger ist echt stark. Peter Jakob Kühn bricht ein in diese Phalanx der zwei Stars. Der „Nikolaus“ und „Doosberg“ sind aber 2014, phänomenal ausdrucksstark mit 97 Punkten. Kesseler kommt zusammen mit Leitz 2015 aber ziemlich nah ran an die Spitze, der „Roseneck“ bei beiden starke 96-97 Punkte. Kesseler ist dann mit seinem „Schlossberg“ und 98-100 Punkten ein Anwärter auf die erste Reihe, ganz groß!

Nahe – die Wahrheit über 2015?

Diel beginnt mit einem sagenhaft raffinierten „Pittermännchen“ und 98 Punkten, aber das „Goldloch“ ist mit 97 nur knapp dahinter.
Dönnhoffs erhabene „Hermannshöhle“ und seine sagenhaft raffinierte „one shot Brücke“ setzten glatte 100 Punkte – Meilensteine! Das „Dellchen“ mit satten 98 und der „Felsenberg“ mit 97 Punkten wirken fast abgeschlagen. :-)
Schäfer Fröhlich ist mit dem unheheuer vielschichtigen „Felseneck“ und sagenhaft klaren und aromatisch mineralischem „Stromberg“ bei 99-100 und 98-100 Punkten. Der zweite Superstar der Nahe ist ganz nah bei Dönnhoff!
Da kann Schönlebers toller und mineralischer „Halenberg“ mit großartigen 98 Punkten nicht ganz mit, aber viel fehlt ihm nicht. Auch Gut Hermannsberg, die nur die kleineren GGs zeigten, waren mit 95 und 96 Punkten nicht auf dieser Höhe. Aber die drei ganz großen Weine zeigen sie erst in einem Jahr.

Mosel und Nahe waren nie so groß wie 2015 – einfach eine Sensation!

Rheinhessen – emanzipiert zwischen Mosel, Nahe und Pfalz?

Der Schmelz und die Süße eines warmen Jahrgangs kombiniert mit sensationeller Frische und Säure. Perfektes Rheinhessen. Konzentrate! Mosel meets Pfalz! Sankt Antony voller Harmonie. „Hipping“ mit enormer Pikanz und wahnsinnig komplex, eine Ode an die Freude mit 98-100 Punkten. Keller stellte nur den 97-100 „Hubacker“ an, ziemlich perfekt. Wittmanns „Morstein“ liegt noch vor dem „Brunnenhäuschen“, 98-100 vor 97-99 Punkten, das „Kirchspiel“ mit 97-98 Punkten knapp dahinter. Pikanz und Kraft und Fett und Frische... breiter als die Nahe aber ähnlich perfekt. Aber Power und satte, fast fette Frucht mit etwas Glyzerin und etwas alkoholischer Süße sollte man schon mögen...

Franken – Diskrepanz von Nord und Süd?

Würzburg und südlicher ist extrem kraftvoll, fast süß, mastig. Da ist trotz Säure weniger Balance, oft sattmachende Powerteile. Klar schaffen beide Sauers beachtliche Weine „vom Lumpen“. Horst mit 95-96 Punkten und großem Abstand vor Rainer. Groß in Franken ist aber nur Fürst, Hochlagen, nördlicher, ein grenzgenialer „Centgrafenberg“ mit 99-100 Punkten. Power, Pikanz, Fett und doch komplex und elegant. Einer der Weine des Jahres!

Pfalz – es lebe der König? Schon wieder?

Bei Kuhn glänzt nur der „Saumagen“. Aber etwas fett ist er doch, trotz seiner beachtlichen 97-98 Punkte. Bassermann ist beachtlich gut geworden. Christmann ist besser als je zuvor. Die „Meerspinne“ hat zu Recht 98+ Punkte und der immens komplexe „Idig“ 99-100 vorm 98 Punkte genialen „Langenmorgen“. Buhls „Jesuitengarten“ ist dann zwar ungeheuerlich in Körper und Frucht, aber die Komplexität und Raffinesse ist eine Sensation. Das sind 100 Punkte! Wie von Winnings „Kirchenstück“, unglaubliche Power und doch unendlich fein. Nochmal 100! Und bei der Power-Lage „Pechstein“ hat Buhl 99-100 Punkte, und von Winning vielleicht 100+? Nein, machen wir glatt 100 Punkte, von Winnings „Kirchenstück“ ist und bleibt der Wein des Jahrgangs für mich... aber Buhl ist so groß... und Dönnhoff und Fürst und Loosen... puh, was für ein Jahr! Im „Ungeheuer“ ist jetzt wieder der von Winning vorn, raffinierter Holzeinsatz. Genau wie bei „Grainhübel“, „Kalkofen“ und „Kieselberg“, allesamt raffinierte Kunstwerke des Weinbergs UND des Kellers. Attmann bei von Winning ist schon der Meister des Holzes. Nur seine „Riesen“, „Kirchenstück“ und „Pechstein“, fressen das Holz ganz weg.

Wer ist denn nun nach von Winnings „Kirchenstück“ – knapp vor Dönnhoffs „ Hermannshöhle“ – als Wein des Jahres, Primus inter Pares bei 10 Weinen mit 100, die Region und der Winzer des Jahres? Mosel oder Nahe oder Pfalz? Dönnhoff oder Loosen oder Wittmann oder Buhl oder von Winning? Jeder Genießer entscheide bitte selbst!