Weinempfehlung: Bordeaux abseits der großen Châteaux

Autor:
Markus Budai
Markus Budai ist studierter Weinbetriebswirt und bereits seit einigen Jahren Teil von Lobenbergs GUTE WEINE. Er bildet als rechte Hand von Heiner Lobenberg die zweite starke Kompetenz im Verkostungsteam. Das Burgund und die Champagne haben es ihm besonders angetan. In unserem Blog berichtet er direkt von seinen Verkostungsreisen sowie ganz besonderen Entdeckungen.

Beim Stichwort Bordeaux fallen schnell die klangvollen, großen Namen. Petrus, Mouton, Lafite, Las Cases und Co. Kein Wunder, denn sie sind ja auch medial in aller Munde und Konsumenten wie Weinhändler erwarten stets neugierig die Bewertungen der renommierten Kritiker. Doch die preisintensiven Blue Chips der Region machen nur einen winzigen Prozentsatz des größten zusammenhängenden Anbaugebiets für Qualitätswein aus.

Catherine Papon-Nouvel kann darüber nur schmunzeln. Die ehemals jüngste Winzerin Saint Émilions betreibt ganze vier Weingüter. Konsequent biodynamisch bewirtschaftet sie die Rebanlagen und so sind ihre Weine denn auch bio-zertifiziert. Ihr eigenes Weingut, Château Peyrou, erwarb sie 1989 im Castillon. Die Appellation liegt nördlich von Bordeaux im Libournais am rechten Ufer der Dordogne und hat erst Ende der 80er ihren Status als Appellation d'Origine Contrôlée erhalten. Kräftige Bordeaux mit feiner Würze sind hier zu Hause.

Bekannt dürfte die Appellation durch Thierry Valette (Clos Puy Arnaud) und Graf von Neippergs Chateau d’Aiguilhe sein. Letzterer erkannte das Potenzial schon vor Jahrzehnten und investierte kräftig in neue Anlagen. Allgemein fristet das Castillon jedoch noch ein Schattendasein. Dementsprechend attraktiv sind die Preise für die handwerklich erzeugten Abfüllungen der qualitätsorientierten Winzer. Diese wissen jedoch um die Würdigkeit ihrer Lagen bestens Bescheid.

Auch auf Catherine Papon-Nouvel haben Kritiker längst eine Auge geworfen. Die letzten Jahrgänge erzielten immer bessere Bewertungen und als völlig unbekannte Winzerin kann auch Papon-Nouvel nicht mehr bezeichnet werden. In ihren Erstwein gingen im schwierigeren Jahrgang 2012 nur die saubersten Trauben ein. Die Erträge waren in diesem Jahr entsprechend gering, da die Winzerin beste Qualität für ihr Aushängeschild garantieren will. Die Cuvée ist nahezu sortenrein, mit dem Schwerpunkt auf Merlot. Nur ein geringer Anteil an Cabernet Franc rundet den Wein ab. Die Reben stehen hier auf Lehm und nicht wie bei Neipperg auf dem Kalksteinplateau. Das ergibt einen kräftigeren Wein, der jedoch durch den hohen Merlot-Anteil eine feine Balance besitzt.

Château Peyrou Cathérine Papon-Nouvel

Der Wein: Château Peyrou 2012

Papon-Nouvels Erstwein liegt mit dunklem Kern und sattem Granatrot im Glas. Anfangs dominieren Noten von Johannisbeeren und Schwarzkirschen den Wein. Dahinter liegt noch etwas getrocknete Pflaume. Mit zunehmendem Luftkontakt erschließt sich einem eine weitere Facette des Weins: Etwas Graphit und subtile ätherische Noten schwingen noch mit. Am Gaumen wirkt der Peyrou keineswegs marmeladig, besitzt eine feine Extraktsüße. Ein sehr geradliniger, dicht gepackter Bordeaux, mit weicher Säure und äußerst feinen, samtig weichen Tanninen. Wirkt sehr ausgewogen und bereits jetzt ohne ausgiebige Belüftung zugänglich. Etwas Joghurt, Brombeere und Heidelbeeren ergeben eine knackige Frucht. Diese wird mit einer Spur Lakritz und Zartbitterschokolade raffiniert erweitert. Sehr geschmeidiger Bordeaux, der völlig unkompliziert daherkommt und mit jedem Zug interessant bleibt. Die elegante Seite des Bordeaux.

Die Weine zum Beitrag
Peyrou, 2012, Frankreich - Bordeaux - Cotes de Castillon
0,75 l
19,93 €/l