Burgund 2016 – Episode 2: Côte de Nuits

Autor:
Markus Budai
Markus Budai ist studierter Weinbetriebswirt und war einige Jahre Teil von Lobenbergs GUTE WEINE. Das Burgund und die Champagne haben es ihm besonders angetan. In unserem Blog berichtet er direkt von seinen Verkostungsreisen sowie ganz besonderen Entdeckungen.

Auf meiner einwöchigen Reise durchs Burgund bin ich auf den Spuren des Jahrgangs 2016. Heute nähere ich mich der goldenen Küste, der Côte d’Or, Zentrum und Angelpunkt Burgunds für die feinsten Pinots und Chardonnays. Gestern verbrachte ich einen Tag im Chablis, wo ich Patrick Piuze, La Chablisienne und William Fèvre besuchte. Meine Eindrücke hierzu gibt es im ersten Teil des Reiseberichts Episode 1: Chablis

Côte de Nuits: Erste Eindrücke vom Jahrgang 2016

Burgunds Côte d’Or lässt sich in zwei Partien teilen: die Côte de Nuits und die Côte de Beaune. An der Côte de Nuits dominiert überwiegend Pinot Noir. Mit Gevrey-Chambertin, Vosne-Romanée, Chambolle- Musigny und Nuits-St-Georges liegen hier die weltweit feinsten Terroirs für Pinot Noir vor. Legendäre Lagen wie Richebourg, Chambertin oder Musigny prägen die Côte de Nuits. Ich habe heute den ganzen Tag an der Côte de Nuits verbracht, bevor es in zwei Tagen weiter an die Côte de Beaune geht, die stark vom Chardonnay geprägt ist. Gemeinden wie Puligny-Montrachet, Chassagne-Montrachet und Meursault prägen die Landschaft.

Ich muss es vorweg nehmen, denn den Spannungsbogen kann ich gedanklich selbst kaum aufrechterhalten: 2016 ist beim Pinot Noir ein gnadenlos gutes Jahr. Und das ist eine ganz große Überraschung. Denn 2016 wird immer einen bittersüßen Eindruck hinterlassen. Bei den Winzern ob der drastischen, ja teilweise existenzbedrohlich geringen Mengen und Totalausfälle und bei uns Konsumenten und Journalisten ob der Größe der Weine, die es bis in die Flasche geschafft haben. Und diese bildliche Darstellung trifft es auch sehr gut. Denn 2016 hat man enorme Mengeneinbußen gehabt. Wir erinnern uns an die Spätfröste Ende April und im Mai. Diese haben den verheerenden Grundstein gelegt. Dazu muss man wissen, dass Fröste zwar im nördlichen Anbaugebiet Burgund keine Seltenheit sind; verheerend ist aber der Zeitpunkt gewesen, der den Jahrgang 2016 derartig in seiner Menge dezimiert hat. So waren die Knospen aus denen später Trauben hervorgehen bereits ausgebildet und angreifbar. Das bedeutet, sie waren voll und ganz den Spätfrösten ausgesetzt. Stirbt die Knospe ab, gibt es keine Blüte und somit auch keinen Wein. Es bleibt nur Hoffnung auf die sogenannte Frostrute, die jedoch nicht immer austreibt und auch nicht stets eine ähnliche Qualität hervorbringt. Durch diese Tatsache gab es im Burgund in einigen Lagen Totalausfälle. Ich habe viele Winzer getroffen, die aus einigen Lagen 2016 keinen Wein erzeugen konnten. Nicht eine einzige Flasche. Wie die Situation bei den einzelnen Winzern ist, werde ich noch genauer erklären. Aber in Vosne-Romanée und Marsannay waren die Ausmaße besonders drastisch. 

Weinberg

Wie schmeckt 2016 an der Côte de Nuits?

Durch die großen Mengeneinbußen, Verrieselung und Spätfrost gab es extrem kleinbeerige, luftige Trauben. Das bedeutet, die Beeren waren keiner großen Schimmelgefahr ausgesetzt und haben sich prächtig entwickelt. In nahezu allen Appellationen konnten nicht nur die Beeren ausreifen. Auch die Rappen und Kerne waren bereits holzig und reif. Das ist ein wichtiger Faktor. Denn viele Winzer, die ich besucht habe, haben in diesem Jahr mit einem Anteil Rappen vergoren. Dies gibt den Weinen nicht nur Struktur, sondern auch eine besondere Frische, die sich sehr lange auch mit Flaschenreife hält. Hinzu kommt, dass 2016 beim Pinot Noir erstaunliche Säurewerte hat. Die Säure ist knackig aber reif. Und das alles bei sehr frisch erhaltener Frucht. Wer Überreife nicht mag, findet in 2016 seinen gesuchten Jahrgang. 2016 ist durch Frische, einen mineralischen Kern, eine vibrierende Säure und viel Finesse geprägt. Jahrgangsvergleiche sind immer schwer. Aber grob verallgemeinernd kann man sagen, dass 2016 deutlich frischer ist als die kräftigeren und auch alkoholstärkeren 2015er. 2016 hat auch mehr Tiefgang und Struktur als die sehr zugänglichen und eleganten 2014er und zudem mehr physiologische Reife. Die Weine werden wohl besser reifen. Vor allem steckt viel Potenzial in dem Jahrgang und damit lässt er sich auch mit 2010 vergleichen. Ein Jahrgang mit ähnlich knackiger Säure und Tiefe. Und 2016 wird auch einige Zeit der Reife benötigen, denn die Pinots sind in der Jugend weniger charmant als die so runden 2015er, lassen aber noch eine Spur mehr Entwicklungspotenzial anklingen. Für Nicolas Potel ist 2016 sogar der größte Jahrgang nach 1991 und zeigt viele Parallelen. 1991 war ein in der Jugend unterschätzter Jahrgang. Aber mittlerweile findet sich kaum noch eine Flasche auf dem Markt. Denn wer 1991 im Keller hat, möchte 1991 trinken. Vielleicht ist 1991, ganz anders als in Bordeaux, einer der größten Jahrgänge der 90er Jahre. Vor allem aber zaubert 2016 den Winzern ein Lächeln über die Lippen. Sie sind selbst mit der Qualität enorm zufrieden, scheinen genau das Ergebnis im Glas zu finden, was sie anstreben. Einige sehen 2016 durchaus über den 2015ern, was mich ebenfalls sehr überrascht, denn bei den Kleinstmengen, die erzeugt wurden, gibt es wirklich keinen Drang diese Weine zu bewerben.

Weinberge

Dazu muss man wissen, dass Fröste zwar im nördlichen Anbaugebiet Burgund keine Seltenheit sind; verheerend ist aber der Zeitpunkt gewesen, der den Jahrgang 2016 derartig in seiner Menge dezimiert hat. So waren die Knospen aus denen später Trauben hervorgehen bereits ausgebildet und angreifbar. Das bedeutet, sie waren voll und ganz den Spätfrösten ausgesetzt. Stirbt die Knospe ab, gibt es keine Blüte und somit auch keinen Wein. Es bleibt nur Hoffnung auf die sogenannte Frostrute, die jedoch nicht immer austreibt und auch nicht stets eine ähnliche Qualität hervorbringt. Durch diese Tatsache gab es im Burgund in einigen Lagen Totalausfälle. Ich habe viele Winzer getroffen, die aus einigen Lagen 2016 keinen Wein erzeugen konnten. Nicht eine einzige Flasche. Wie die Situation bei den einzelnen Winzern ist, werde ich noch genauer erklären. Aber in Vosne-Romanée und Marsannay waren die Ausmaße besonders drastisch. 

Sylvain Patailles neuer Wagen streifte mich am frühen Morgen fast vor dem Eingang der Domaine. Dann steigt Sylvain aus und ich erblicke zunächst seine neue und äußerst markante Brille auf der Nase. Dann ist aber auch schon wieder alles wie beim Alten. Es steigt Burgunds vielleicht witzigster und sympathischster Winzer aus dem Wagen. Sylvain Pataille ist die neue Nummer Eins Marsannays. Er löste, und das kann man schon so sagen, Vorreiter Bruno Clair ab und hat mittlerweile das Sagen. Marsannay ist ganz nördlich an der Côte de Nuits gelegen und hat keine 1er Crus und auch keinen Grand Cru. Aber dank Winzer wie Sylvain könnte dies bald anders sein. Was Sylvain in den letzten Jahren aus der Appellation gezaubert hat, ist grandios gut. Und dank der fehlenden Reputation Marsannays entspringen hier die meiner Meinung nach preiswertesten Burgunder. Seit 1990 erzeugt Sylvain hier Wein. In Beaune und Bordeaux studierte er Önologie- und Weinbau und berät einige Winzer im Burgund. Pataille zählt zur absoluten Spitze der Appellation und demonstriert, wie unterschätzt deren Weine sind. Auch ihn hat es enorm in 2016 getroffen. Sylvain konnte keinen Grasse Têtes erzeugen und auch den Weißwein Chapitre sowie Pinot Noir La Montagne wird man aus 2016 niemals trinken können. Um so genialer sind die Weine geworden, die ich nun im Glas habe. Den Einstieg machen die verschiedenen Aligotés. Sylvain zählt zu den wenigen Winzern die das Potenzial aus der wenig existenten Rebsorte herausholen und ihr damit Würde und ein neues Gesicht verleihen.

Sylvain Pataille
Markus Budai mit Sylvain Pataille

Aus dem Clos du Roy fertigt Sylvain einen gnadenlos guten Aligoté. Er hat ab 2017 auch etwas mehr Menge und mehr Rebstöcke. 30 ar stehen dann insgesamt im Clos Du Roy. Ein leicht rauchiger, sehr dicht gepackter und cremiger Weißwein. Man hat frisch gepressten Limettensaft, etwas Heu und Mirabelle. Am Gaumen geht es richtig kernig zu. Wer das noch nie probiert hat, kann nicht behaupten, die wahre Größe dieser Rebsorte zu kennen. 2016 hat nochmals mehr Expression dank der feinen Säure als der etwas barockere 2015er Aligoté aus dem Clos du Roy. Weiter geht es mit Chardonnay. Charme aux Prêtres ist 2016 die Essenz der Lage. Der Jahrgang ist dem Wein direkt auf den Leib geschneidert. Ein extrem energiegeladener Chardonnay mit nur leichtem Holzeinsatz, wenig Frucht aber viel steinigen Noten. Der Marsannay-Villages verkörpert alles, was den 2016er Jahrgang ausmacht. Viel kühle Frucht, einen mineralischen Kern, reife Tannine und eine prägnante Säure. 2017 zeigt sich als Fassprobe etwas harmonischer aber milder. Wer den Kick will, kauft 2016!  Clos Du Roy ist quasi ein 1er Cru. Er hat alle Anlagen dazu. Das Bouquet ist eine Mischung aus Würzigkeit und kühler Frucht. Sauerkirsche, etwas Pfeffer und Erdigkeit. Ein herbes Bouquet. Am Gaumen ist der Clos Du Roy 2016 perfekt proportioniert. Man hat diese kühle Frucht mit mineralischem Kern. Sauerkirsche, auch etwas Schlehe und zupackendes Tannin. Das werden echte Langstreckenläufer.

Weinkeller

2016 verkörpert die perfekte DNA-Burgunds in Reinform. Ausladend, generös und raffiniert. L’Ancestrale ist Sylvains Topcuvée, der ganze Winzerstolz. Hier wird immer mit Rappen experimentiert. Das Bouquet ist brombeerig, rauchig und auch pfeffrig. Man hat etwas dunkle Beeren, Teer und Sauerkirsche. Man riecht die Tiefe des Weins. Am Gaumen packt das Tannin direkt zu aber es ist ein feines, man spürt es nur auf der Zunge. Es kommt direkt von den Stängeln und Traubenhäuten. Man muss L'Ancestrale wirklich immer 3-4 Jahre Flaschenreife geben. Erst dann integriert sich das Tannin. Denn das ist Sylvains Grand Cru, der auf Langlebigkeit angelegt ist. Aber in Zwischenzeit kann man wunderbar Clos Du Roy oder den Villages trinken.  Man sollte niemals den Rosé Fleur de Pinot vergessen.

Ein Rosé aus Pinot Noir mit ungefähr 10% Pinot-Gris-Anteil. Was für ein feiner Duft. So offen und filigran. Ganz feine Himbeeren, Walderdbeeren, Herzkirsche. Aber alles schwebt auf einer feinen Verbindungskette. Das kitzelt sozusagen die Nasenhaare. Am Gaumen ist dieser knochentrockene Weine äußerst delikat. Keine Bitterstoffe, wie Seide am Gaumen. Johannisbeeren und Hagebutten aber auch viel Walderdbeeren, die im Nachhall aufkommen. Schlehe, Holunder. Das ist eine Kaltschale roter Waldfrüchte. Ich schmecke noch etwas Rosenblätter hinaus, die dem ganzen eine herbe Spur geben. Ist das der beste Rosé Frankreichs? Die Reife wird es zeigen. Ich bin sehr zuversichtlich. Wirklich der beste, den ich jemals probiert habe! 

Mit den ersten herausragenden Eindrücken aus Marsannay reise ich weiter ins Herz Burgunds, nach Vosne-Romanée. Wir sind hier im Prinzip im Paradies der Grand Crus. Diese sind so legendär und geschätzt, dass quasi jeder Grand Cru hier seine eigene Appellation und genaue Regelung hat. Échezeaux, Richebourg und Co. sind genau definiert. Das Wetter ist übrigens derartig gut, dass man ideale Herbstfotos von den Lagen machen kann. Burgund strahlt in rot-gelb-grünem Gewand. Welke Blätter der Pinot-Noir-Rebe färben sich rötlich, Chardonnay wechselt von grün auf gelb. So kann man aktuell ganz gut erkennen, wo welche Rebsorte gepflanzt ist. 

Weinfeld

Mein Aufenthalt führt mit zur Domaine d’Eugenie. 2006 von Francois Pinault erworben, Besitzer von Château Latour und einer der wohlhabendsten Franzosen. Für Kenner: Man erwarb hier die Domaine Engel! Die Domaine ist pures Prestigeobjekt. Es fehlt nichts. Sowohl im Keller, als auch in der ganzen Domaine. Das ist Burgund mit allen Spielereien, wenn jedes Detail beachtet wird. Im Keller steht eine Beneblungsmaschine, welche die ideale Raumfeuchtigkeit gewährt, die Gärbottiche zählen zu den feinsten auf dem Markt. Und das sind nur ein paar Details. Mich empfängt Michel Mallard, der Winemaker der Domaine. Ich muss sagen, dass ich Michel sehr schätze, denn er ist ein extrem in sich gekehrter Winzer, der eine starke Meinung zu seinen Weinen hat und diese auch gern verteidigt. Michel ist niemand, der zu jeder Anekdote und jedem Kommentar Ja sagt. Er verteidigt seine Weine und wenn er einen anderen Standpunkt hat, verdeutlicht er dies gern. Er möchte 2016 ungern mit einem anderen Jahrgang vergleichen. Zwar will er die Parallelitäten zu 2010 nicht abstreiten, jedoch führt er auch aus, dass er sich in den 7 Jahren deutlich verändert hat, anders arbeitet und vor allem auch dazugelernt hat. So sieht er quasi in den Jahrgängen keine stetig neu auszurichtende Qualitäten, sondern eine stetige Weiterentwicklung seiner Philosophie. Und das wird schnell klar. 

Weintanks
Winemaker Michel Mallard

Die 2016er sind kaum noch geschwefelt. Das werden sie nur kurz vor der Füllung und auch sonst haben sie nur nach der malolaktischen Gärung einen Hauch Schwefel abbekommen. Schönen und Filtrieren ist hier auch nicht das Thema. Beides wird so niedrig wie nur möglich durchgeführt. Man will den Weinen keine Komplexität rauben. D’Eugenie ist immer etwas kräftiger, auch dunkler in der Frucht, was auch dem Stil Vosne-Romanées entspricht. Aber die Weine haben bei aller Konzentration Finesse. Große Burgunder, die zum Reifen gemacht sind. Die jüngeren Reben des Grand Cru Clos de Vougeot kommen übrigens meist in die Village-Qualität! 2016 ist der Keller leergefegt. Es gibt wirklich nur eine Handvoll Fässer pro Wein. Deutliche Mengeneinbußen in allen Toplagen. Die einzige vom Frost völlig unversehrte Lage befindet sich direkt an der Domaine. Das ist der Clos d’Eugenie, eine von hohen Mauern umrandete Lage, die direkt am Eingang der Domaine ist, fast wie ein kleiner Garten. Die Mauern schützen und hinterließen eine normale Mengenausbeute. 

Weinfässer
Leergefegter Keller bei Domaine d'Eugenie im Jahrgang 2016

Wichtig ist auch, dass 2016 bis auf den Vosne-Romanée-Villages alle Weine circa 60% Rappen bei der Vergärung enthielten. Auch hier gibt das den Weinen Struktur und Frische sowie Lagerpotenzial. Sehr hervorheben möchte ich die Südlage Aux Brûlées, die in warmen Jahrgängen manchmal zu reif und daher etwas uninspiriert daherkommen kann. 2016 hat sie wirklich perfekte Proportionen. Der Jahrgang steht der Lage perfekt. Durch alle Weine zieht sich für mich eine leicht kakaoige Note von dunkler Schokolade. Diese schmiegt sich an die ausgeprägten Sauerkirschen und Minznoten im Bouquet. Die Weine der Domaine d’Eugenie sind extrem hochpreisig aber echte Präzisionswerke. 2016 wird sicher katastrophal ob der kleinen Mengen, aber wer sich eine Flasche gönnen will, sollte in einem Jahrgang wie 2016 nicht zögern. Ich bin gespannt wie viele Flaschen wir allokiert bekommen. Aber lassen Sie bitte eine Flasche Échezeaux oder Clos de Vougeot unbedingt einige Jahre reifen. Denn beide Grand Crus sind enorm verschlossen, haben aber so viel Potenzial!

Weingut

Wie oft im Burgund bedarf es nur weniger Schritte, bis ich beim nächsten Termin eintreffe. Die Domaine Jean Grivot steht auf dem Plan. Für mich mein persönliches Highlight bei den Rotweinen, denn seitdem Mathilde Grivot 2008 übernahm, hat sie mit nur wenigen Jahrgängen Übung nochmals ein derartiges Plus an Qualität aus den Weinen herausgeholt, sodass diese mittlerweile – wie auch Neal Martin in Randkommentaren regelmäßig hervorzuheben versucht – zu den allerbesten in Vosne-Romanée zählen. Und damit sind sie auf Augenhöhe mit Romanée-Conti, Liger-Belair und Leroy!

Mathilde Grivot und Markus Budai

Zwei Dinge muss man wissen: Mathilde vergärt nur in Stahltanks. Außerdem baut sie die Weine sehr behutsam in neuem Holz aus. 100% neues Holz sind sicher zu viel, maximal 50% bei den Grand Crus, selbst beim Richebourg, und eher 30% wie auch bei den 1er Crus. Sie schätzt Mineralität und eine frische, ja knackige Frucht. Was will man denn bitte mehr? Damit steht sie übrigens im starken Kontrast zu Liger-Belair und Romanée-Conti, die in allen Grand Crus stets 100% neues Holz verwenden und wenn möglich auch immer Rappen einsetzen. Dieser Stil ist viel purer, klarer und auch trinkiger als die beiden zweifelsfrei gnadenlos guten Erzeuger im selben Dorf es anstreben. Bei Grivot steckt enorm viel Handwerk in den Weinen. Und das merke ich bei meinem Besuch. Die ganze Familie steht im Keller und hilft. Mathilde führt mich im Keller zu den 2016er Fässern, doch der Vater und Sohn sind gerade dabei die 2017er Pinots in Fässer umzufüllen.

Weinberge
Blick vom Balkon des Weingutes Grivot auf die Grand Crus Richebourg und Échezeaux

Auch hier hat man sehr unter den Spätfrösten gelitten. Es gibt 2016 keinen Chambolle-Musigny, 50% weniger Menge in Nuits-St-Georges sowie Échezeaux und 30% weniger beim Clos de Vougeot. In den 1er Crus Les Suchots und Aux Brûlées hat Grivot 50% der Menge verloren. Lediglich beim Richebourg konnte man fast eine durchschnittliche Menge einfahren. Aber das tröstet einen Winzer auch nicht, denn hiervon gibt es nur wenige tausende Flaschen. Und dann verkoste ich die vielleicht beste Kollektion, die ich von einem Winzer aus einem Jahrgang im Burgund verkostet habe. Bereits der Vosne-Romanée-Villages ist extrem großzügig strukturiert und hat Tiefe. Die Aromatik ist minzig und die Frucht säuerlich in Form von Johannisbeeren. Seidige Tannine, große Präzision und Spannung. Echt sehr hohes Niveau für einen Villages und selbst bei Grivot fällt dieser nicht jedes Jahr derartig tiefgründig aus wie 2016! Der Vosne-Romanée Aux Brûlées ist wie auch bei d’Eugenie ultra gut gelungen. Eben weil die Südlage vom kühleren Jahrgang profitiert. Wie Mathilde es perfekt zusammenfasst, „der Wein ist so nicht langweilig am Gaumen“. Wer die Lage schätzt, hat hier vielleicht das Maximum im Glas! 

Weingut

Die Domaine liegt zwar in Vosne-Romanée, hat aber auch einen Großteil der Lagen im Nachbarort Nuits-St-Georges. Diese Appellation ist eher für erdigere, etwas kräftigere Weine bekannt. Aber Grivot zaubert daraus wahre Finesseweine, die wirklich das Potenzial der Appellation herausholen. Der Les Lavieres 2016 zeigt viel Kirsche mit ätherischen Noten und ein super feines Tannin. Auch hier wieder viel Johannisbeere und Herzkirsche. Aux Boudots  ist dann der introvertierte Bruder von Les Lavieres! Strafferes Tannin, sehr lang, eine herrlich präsente und saubere Frucht. Es folgt das Traumtrio 1er Cru Les Suchots, Échezeaux und Richebourg. Vom Les Suchots gibt es dieses Jahr nur zwei traurige Fässer. Diese sind für die ganze Welt. Ein in sich gekehrter und ausgeglichener Pinot, dessen Aufführung der Delikatesse bei der winzigen Menge, die kaum alle Interessenten befriedigen wird, fast schon eine Tortur wäre! Échezeaux ist noch sehr verhalten und braucht Zeit. Ich habe hier viel Kakao und Lavendel und mehr erdige Noten als in den anderen eher rotfruchtigen Weinen. Und dann kommt der Richebourg. Sehr ruhig, kirschig, ätherisch. Das Bouquet kitzelt die Nasenhaare. Super schiebend, wieder so ruhig. Kirschig, saftig, nicht ein mehr an Power, einfach mehr Spannung. Er hallt immer und immer wieder nach. Einer der ganz großen Weine dieser Welt. Hier landet kein einziger Tropfen im Spucknapf. Diesen Wein kann man nicht ausspucken!

Tor zum Weingut

Es geht weiter mit einem der ganz großen Häuser Burgunds. Die Domaine Faiveley hat rund 120 Hektar an der Côte d’Or. Für Bordeaux wäre das ein Klacks, im Verhältnis zu Burgund ist das riesig. Viele Betriebe besitzen zwischen 6-20 Hektar Reben. Wir reden hier also von einem international stark aufgestellten Betrieb. Das bedeutet, man hat hier ein großes Team. Letztes Jahr besuchte ich Erwan Faiveley, heute führt mich Jérôme Flous persönlich durch die neuen Keller. Er ist der Kellermeister der Domaine. Das Weingut ist in Nuits-St-Georges gelegen. Eigentlich direkt im Zentrum am großen Parkplatz. Doch seit zwei Jahren baut man am neuen Keller und heute kann ich ihn endlich sehen. Es ist ein Riesengebäude mit kathedralischer Anmutung. Hier stehen satte 1.800 Fässer im Keller. Man kann sich richtig verlieren zwischen den Grand Crus und 1er Crus. 

Weinhalle mit Holztanks

Allein für die Grand Crus aus 2016 und 2016 gibt es zwei Keller, die größer sind als die meisten Betriebe. Wie mein Nachfolgekontakt Yannick Champ von der Domaine Prieuré Roch anmerkt: „ So viele Fässer werde ich wahrscheinlich zu meiner gesamten Schaffenskraft nicht abfüllen können“. Ende des Jahres soll alles fertiggestellt sein. Faiveley ist eine kleine Weinschule. Die Weine, selbst die Grands Crus, haben maximal 30% neues Holz. Das Terroir steht hier also im Vordergrund. Und es gibt kaum eine Appellation in der Faiveley keinen Wein produziert. Das ist deshalb so spannend, weil man quasi in einem Betrieb mit selber Ausbauart die komplette Côte d’Or verkosten kann. Ich probiere zunächst die Chardonnays. Es fängt mit Meursault-Charmes an, dann über Chasssagne-Montrachet, Puligny-Montrachet bis hoch zum Bienvenues-Batard-Montrachet und Batard-Montrachet. Auch hier hat man durch die Bank sehr weißfruchtige, von feiner Säure geprägte Chardonnays. Selbst die Grands Crus kommen nicht fett daher. Man strebt auch keine hohe Alkoholausbeute an, daher sind die Weine selten über 13,5% vol. angesiedelt. Für mich ist Faiveley aber immer etwas besser bei den Pinot Noirs.

Weinkeller

Der Meursault 1er Cru Blagny hat eine feine Nase, ist leicht vanillig. Man hat weiße Blüten und etwas Apfel und Melone. Am Gaumen verspielt aber auch wie der 1er Cru Meursault-Charmes hat man hier nicht ganz die Finesse und Präzision wie bei der Domaine Pierre Morey. Beide Pulignys, die ich verkoste, sind sehr verschlossen. Bienvenues Batard Montrachet 2016 ist super filigran für einen Grand Cru, sehr fein, floral und fast leicht. Der Batard Montrachet 2016 ist nochmals eine Spur feiner und tiefer. Sehr geradlinig und interessanterweise in die Breite und Länge gehend, ohne voluminös zu sein. Corton-Charlemagne 2016 ist ein reinsortiger Chardonnay ohne Pinot blanc, den man in der Lage oft antrifft.  Eine sehr feine Interpretation der doch eher kräftigen Lage. Kein fetter, angeberischer Corton-Charlemagne. Es geht weiter über Monthelie und Volany. Diese Lagen wurden vom Hagel getroffen und man schmeckt und riecht etwas diesen Hagelton heraus. Die Weine sind etwas austrocknend und man schmeckt auch etwas die aufgeplatzten Trauben. Das hat durchaus Charme aber ist eben nicht das Top-Niveau anderer Weine, die ich diese Tage verkoste. Faiveley ist ein großer Betrieb und man muss schon jedes Jahr selektionieren, welche Weine zu den Tops gehören. Aber dafür sind wir ja vor Ort!

Weinfass

Von allen Nuits-St-Georges ziehe ich den 1er Cru Chaignots vor. Er hat die charmanteste Nase und super feines Tannin! Immer spannend sind Faiveley Gevrey-Chambertins. Der 1er Cru Clos des Issarts ist präzise aber noch etwas hart, braucht Zeit. Combe Aux Moines merkt man das kühle Terroir an, steht dem Wein gut. Richtig schön wird es mit dem genialen 1er Cru Lavaut-St-Jacques. Aber die Krönung ist der 1er Cru Cazetiers, den Armand Rousseau berühmt gemacht hat. Mandeln, Kirsche, Minze und Zimt. Ein extrem ätherischer, hoch feiner Pinot Noir! Échezeaux hat viel Karamellbutterkekse, dann Hagebutte und Erdbeere, auch Sauerkirsche. Am Gaumen sehr reif für 2016, eher wie ein 2015er, sehr powervoll. Für Liebhaber kräftigerer Pinots. Der hat richtig Kraft. Clos de Vougeot hat noch Kohlensäure, ist zu jung zum Verkosten. Dann probiere ich den Grand Cru Latricières Chambertin 2016. Hier kommen direkte Kauf-Reflexe auf, man will immer wieder das Glas zur Nase führen. Jérôme sieht heute den Grand Cru sogar über dem König Gevreys, dem Chambertin Clos de Bèze und das kann ich unterschreiben. Wer kann, ergattert hier eine Flasche; das ist großer Pinot, ebenso wie der unglaublich elegante und tiefgründige Clos de Bèze. Unterm Strich eine wunderbare Kollektion, bei der man etwas selektionieren muss. Aber das ist logisch. Denn Faiveley deckt jede Appellation ab. Wir werden am Ende natürlich die Favoriten einkaufen und anbieten!

Weingut

Weiter geht es zur direkt gegenüberliegenden Domaine. Die Domaine Prieuré Roch wird von Henry Roch betrieben, der heute flüchtig vorbeischaut. Aber ich treffe mich mit Yannick Champ, der im Prinzip auch verantwortlich für die Weine ist und alles zusammenhält. Yannick stammt aus Paris und lebt schon einige Jahre im Burgund. 

Yannick Champ

Wir verkosten hier klassisch nicht den aktuellen Jahrgang, sondern immer den Vorgänger, also 2015. Dieser wird die kommenden Wochen allokiert und es gibt die Weine, die uns zugeteilt werden. Glücklicherweise sehen die Mengen in 2015 ganz gut aus. 2015 ist stilistisch natürlich ganz anders. Ein ganz großer Jahrgang, der deutlich sonnenreicher war, auch etwas kräftiger in der Reife. Manche 2015er sind überreif oder zu konzentriert. Das sind charmante Weine aber nicht alles glänzt. Aber die feinsten 2015er sind ganz klar ähnlich wie 2005 oder 1990 einige der größten Weine, die Burgund hervorgebracht hat. Es werden echte Langstreckenläufer. In der Domaine Prieuré Roch haben auch in 2015 alle Weine maximal 13,0% vol. Das ist wichtig zu wissen, denn viele Burgunder aus 2015 gehen eher Richtung 14,0% vol, speziell die Grand Crus. Außerdem hat Yannick wie immer, das ist Philosophie des Hauses, alle Weine mit den Rappen vergoren. Dies bringt Struktur und erhält die Frische. Die Weine sind durch die Bank sehr frisch aber eben tiefgründig. Deutlich konzentrierter und würziger als 2014 oder 2013. Yannick selbst vergleicht 2015 in der Domaine mit den reifen 2007ern. Man muss wissen, dass dieser biodynamische Bertrieb ultra speziell ist. Keine Filtration, keine Schönung, kein Schwefel. Das macht die Weine sehr eigenständig aber auch nicht für jedermann zugänglich.

Weinregal mit Kickertisch

Prieuré Roch bleibt ein Unikat und nur für Kenner und Liebhaber. Dann aber hat man hier einige der feinsten Weine im Glas! Wichtig ist, dass die 2015er hier enorm lagerungsbedürftig sind. Während Prieuré Roch bis hoch zum Grand Cru Clos de Vougeot oder Clos de Bèze eigentlich immer ultra trinkig ist, wie manch Landwein, ist 2015 sehr komprimiert und lüftungsbedürftig. Bitte also diese Weine etwas zur Seite legen und davor eher 2014 oder 2011 genießen. Man wird für das Warten belohnt! Beim Ladoix Le Cloud gibt es ab sofort eine andere Vinifikation. Man hat den konventionell bewirtschafteten Weinberg gekauft und dann auf biodynamische Bewirtschaftung umgestellt. Daher ist das auch der günstigste Wein des Hauses. Er hat nicht das ganz große Potenzial wie die anderen Weine, die seit jeher biodynamisch bewirtschaftet werden. Mit dem Jahrgang 2015 hat Yannick entschieden, die Maceration Carbonique nicht mehr einzusetzen. Das aus dem Beaujolais bekannte Verfahren entspricht seiner Auffassung nicht mehr der Ernsthaftigkeit dieser Lagen. Und in der Tat ist der Le Cloud 2015 ein ganz anderer, viel tiefgründigerer Wein als zuvor. Davor hatte man einen ultra genialen Zechwein im Glas, nun sicher das Beste, was man aus dem Underdog Ladoix, das nahe bei Nuits-St-Georges liegt, machen kann. Was für ein Wein!

Weinflaschen

Es geht weiter mit den Nuits-St-Georges 2015 Vieilles Vignes. Die Trauben stammen hier aus dem 1er Cru Clos des Corvées. Es sind die jüngeren Trauben aus dem Corvées, die im Schnitt 40 jährig sind, also im Maßstab anderer Domainen bereits sehr alt! Das ist immer ein Geheimtipp, da man ja eigentlich einen 1er Cru hat! 2015 ist wunderbar erdig aber ohne Kakaonoten. Dann viel Sauerkirsche. Extrem trinkig, verrückt aber immer frisch dank der Rappen. Der eigentliche Clos des Corvées stammt nur aus den kleinsten Beeren der Lage. Das ist nochmal eine Spur tiefgründiger und nachdrücklicher im Ausklang. Ein ganz großer Wein. Der 1er Cru Les Suchots ist extrem geradlinig und delikat. Ich hätte blind eher auf einen weicheren Jahrgang wie 2014 getippt. Ein unglaublich guter Les Suchots, so filigran und vibrierend frisch. Zum Ende gibt es den Grand Cru Clos de Bèze. Dieser Gevrey-Chambertin ist die Spitze des Hauses aber auch unter den besten Burgundern anzusiedeln. Aber Vorsicht: Er schmeckt extrem anders als man sonst einen Pinot dieser Lage kennt. Das ist Freakstoff auf oberstem Niveau, der leider fast unerschwinglich geworden ist. 

Nachmittags geht es dann nach Morey-St-Denis. Hier ist der Sitz der legendären Domaine Ponsot. Sicherlich zählt dieses Haus zu den Top 10 der Erzeuger. Das zuletzt auch deshalb, weil man hier recht markante Eckdaten hat. So besitzt die Domaine Ponsot den größten Anteil an Rebflächen im legendären Grand Cru Clos de la Roche. Hieraus werden zwei Cuvées erzeugt. Ein Vieilles Vignes mit 60-80 jährigen Reben und die Très Vieilles Vignes mit über 100 jährigen Reben! Außerdem hat man große Teile des darüber liegenden, an den Wald grenzenden 1er Crus Clos des Mont Luisants im Besitz. Man praktiziert biodynamische Bewirtschaftung, wobei man auf eine Zertifizierung verzichtet. Die Domaine wurde 1872 von William Ponsot gegründet, war immer in Familienhand und hat bereits 1932 Wein in Flaschen gefüllt, was damals eine Rarität war. Vom Bourgogne Rouge bis zum Grand Cru wird kein neues Holz eingesetzt. Der Anteil liegt quasi bei null Prozent. Ganze 12 Grand Crus sind im Besitz.

Weingut

Eines der Highlights ist der Morey-St-Denis 1er Cru Clos des Monts Luisants. Ein Weißwein, der jedoch nicht aus Chardonnay besteht, sondern Aligoté. Es ist der einzige Aligoté Burgunds mit 1er-Cru-Status! In diesem Jahr empfängt mich nicht Laurent Ponsot, sondern Rose-Marie Ponsot. Laurent Ponsot hat 2017 die Domaine verlassen und wird voraussichtlich ein eigenes Négociant-Bussiness eröffnen. Rose-Marie wird vom sehr sympathischen Alexandre Abel unterstützt. Ich verkoste hier den Jahrgang 2015, der erst jetzt gegen Ende des Jahres verfügbar sein wird. Von 2016 ist erst nächstes Jahr die Rede!

Weingläser
Im Glas Clos de la Roche Grand Cru 2004 versus 2015

Den Einstieg macht der Saint Romain Cuvée de la Mesange 2015. Ponsot hat hier Reben gepachtet, weil Gründer William Ponsot ursprünglich aus Saint-Romain stammte. Das ist also der Grundstein der Domaine. Wer hier aber eine Basis erwartet, hinter der große Mengen stehen, liegt falsch. Nur rund 5 Fässer werden in einem durchschnittlichen Jahr hiervon erzeugt. Weil er kein Holz hat, ist das ein ganz verspielter, sehr lebendiger Chardonnay mit viel weißen Früchten. Ich habe gelbe Kiwi und eine feine Säure. Das ist typisch, auch im wärmeren Jahrgang 2015, da die Lagen kühleres Terroir aufzeigen. Ponsot ist eher eine Rotwein-Domaine. Man hat neben diesem Wein lediglich den Corton-Charlemagne und den legendären 1er Cru Aligoté. Der Corton Charlemagne 2015 ist ein reinsortiger Chardonnay, hat keinen Pinot Blanc. Er ist wunderbar duftig, etwas mehr vom Jahrgang geprägt, mit Steinobst und gelber Frucht. Er hat aber keine Holzeinflüsse, da auch dieser Grand Cru nur im gebrauchten Holz ausgebaut wird. Sehr satt und ausladend. Das ist typisch Corton-Charlemagne und für Liebhaber dieser reichhaltigen Powerlage ein wunderbarer Wein.

Korken

Der Morey Saint Denis 1er Cru Clos des Monts Luisants Vieilles Vignes Monopole 2015 ist rauchig und ausgeglichen. Man denkt an Chardonnay. Aber das ist Aligoté und der einzige 1er Cru mit Aligoté-Status. Viel gelbe Melone, eine tolle Lage, die auch vom Wald her aus frische Luft einbringt. Prädestiniert für Weißwein, denn hier wird die Frische erhalten. Das ist komplex, tiefgründig und schmeckt wie ein Chardonnay mit Lasersäure. Man muss diesen Wein einfach mal probiert haben. Obwohl hier kein neues Holz drinsteckt, hat man einen leichten Feuersteinton im Boquet, so wie bei einem guten Chablis. Morey-St-Denis 2015, Cuvée des Grives, ist aus der Parzelle Monts Luisants, aber die obig am Wald anliegenden Lagen, die nicht 1er Cru Status besitzen. Sehr expressiv, fruchtig und ätherisch. Sauerkirsche, Johannisbeere. Alles sehr klar und präzise. Am Gaumen hat man reife Frucht, auch Pfirsich und weiche Tannine. Sehr lang, sehr anhaltend. Das macht viel Freude und ist richtig gut. Die Cuvée des Alouettes ist sozusagen der 1er Cru aus dem Mont Luisants aus besten Parzellen. Das ist noch mal viel erdiger und fruchtiger aber auch fester. Ein echter Potenzialwein aber so delikat in der Jugend. Das ist quasi der kleine Clos de la Roche, mit ähnlichem Entwicklungspotenzial.

Weinkeller

Dann folgt der Clos de la Roche 2015. Was für ein Monument an Wein. Das zählt zu den besten Weinen aus 2015 und auch allgemein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man mehr Finesse und Tiefe vereinen kann. Alles schwebt hier auf dieser kirschig-ätherischen Note. Glücklich kann sich schätzen, wer jemals in den Genuss dieses Weins kommt. Zum Abschluss gibt es dann einen Clos de la Roche 2004 aus der Halbflasche. Er zeigt sich sehr erdig, leicht reduktiv und mit etwas Eisennoten. Aber am Gaumen kommt dann die pure Finesse durch. Ein sehr schönes Beispiel für den sehr schwierigen Jahrgang 2004, der meist eher von Grüntönen gekennzeichnet ist. Ich bin beeindruckt. Was für eine Kollektion in 2015. Man hat niemals zu viel Kraft, Überreife oder Überextraktion im Glas. Alle Weine haben Finesse und enorme Tiefe. Das ist eine gnadenlos gute Kollektion und so charmant. Ein erneuter Beweis, dass man auch im Burgund immer erst auf den Winzer schauen sollte, erst dann spielt die Lage eine Rolle. Und hier stimmt eben beides. Zu Recht einer der ganz großen Betriebe Burgunds.


Was für ein Feuerwerk an grandiosen Weinen an der Côte de Nuits! Im nächsten Teil geht es nun weiter an die Côte de Beaune, wo die legendären Weißwein-Appellationen Meursault, Chassagne-Montrachet und Puligny-Montrachet folgen. Man darf also gespannt sein, ob auch die Chardonnays 2016 an das immens hohe Niveau der Pinots anschließen können.