Deutschland Jahrgang 2018 - Der Reisebericht

Autor:
Heiner Lobenberg
Heiner ist der Gründer und Chef von Lobenbergs Gute Weine. Als Jäger und Sammler und Wein-Trüffelschwein ist sein Ziel, den Kunden die beste und interessanteste Weinauswahl in Deutschland zu bieten. In seinem Blog erzählt er interessante und schöne Geschichten von großartigen Weinen und Winzern.

Deutschland 2018, gehypt wie selten ein Jahr zuvor, klar einnehmender und offener im fruchtig leckeren und überaus aromatischen Charme als der stylische, langlebige, aber zurückhaltende Superjahrgang 2016 und der fruchtstarke und doch klassische Jahrgang 2017. Nur gehypt oder echt groß wie der geniale Sommer? Breit wie das heiße Jahr 2003 oder lecker-süß wie das erst jetzt zu großer Form auflaufende 2011? Mein ersten Eindrücke lassen auch 2005 und 2007 in Betracht kommen....Sicher ist, dass 2018 nach dem aussortieren von Mehltau extrem cleanes Lesegut hatte. Unglaublich rein, reif und gesund! Keinerlei Botrytis in den vom Sommerregen meistens verschonten Regionen, sogar mittlere Säurewerte. Die Botrytisfreiheit in den meisten Gebieten Deutschlands ist ein großer Fortschritt zu 2012, 2011, 2005 und 2007. Der eher elegante Jahrgang 2018 ähnelt in seiner Finesse-Stylistik eher 2016 und weist nicht die aufregende Spannung von 2017, 2015 und 2013 auf, dafür hohe Aromatik und Reife wie 2011 und leckere Eleganz. 2018 ist überwiegend sogar etwas feiner und alkoholärmer als der grandiose, aber lautere Frühstarter und zugleich Langläufer 2016, damit hatte 2018 niemand gerechnet. Vereinzelt gab es aber durchaus Trockenstress, unterversorgte Reben, karge Trauben, das kann bittere Weine geben. Die besten Winzer sortierten aber Mehltau und Trockenstress radikal aus. Ein im Ergebnis frisches Jahr aus der reifen Frucht und Phenolik und immensen Mineralik und Struktur, dabei erstmalig wieder hoher Ertrag. Somit weniger extrem sondern fein, filigran, frisch und aromatisch reif. Eine traumhafte Balance und Harmonie. Bei den Besten leckere, feine, aromatisch frische Weine mit Eleganz, Feinheit und geringem Alkohol. Sicher scheint mir jedoch, dass es anders als 2017 eben nicht das Jahr der Kabinette, Spätlese und Auslesen ist. Klar, es gibt 2018 genial spannende Ausnahmen, Weltklasse-Auslesen voller Frische und Rasse neben explodierender Reife, auch gibt es zu meinem Geschmacksglück wenig bis keine Botrytis, aber es gibt auch viele wuchtige Süßweine mit ewiger Lebenserwartung aber ohne frischen Kick. Und nur lieb und süß und harmonisch ist eben zu wenig, wer wartet noch 30-40 Jahre, bis diese Riesen dann letztlich doch genial zu trinken sind? Fazit nach 2 Tagen: Geniale trockenen Weine, oft zu den ganz großen Weinen der Geschichte gehörend, fast dramatisch lecker und wohlschmeckend, aber es gibt trotz einiger Weltklasse-Auslesen in Summe weniger spannende Süßweine, da lieber mehr vom noch vorhandenen süßen Ausnahmejahr 2017 nachkaufen.

Sonntag, 14. April 2019
(Heiner Lobenberg und Sarah Löwenstein)

 

Bei Heymann Löwenstein in Winningen geht’s Sonntag los. Teamplay heute zwischen Tochter Sarah, Vater Reinhard, Kellermeisterin Katrin, und Weinbergsmanagerin Patrycja.

Schieferterrassen und Blauschiefer sind zwei Seiten der gleichen, 2018 besonders wertvollen Medaille. Nicht nur sagenhaft fein, auch alkoholarm und superaromatisch, sooo lecker und zugleich mineralisch ausdrucksstark. Leicht exotische Frucht mit milden Limetten und Orangenzesten. Zum Reinspringen, ich bin restlos begeistert, nicht nur trinkig, eher wollüstig trinkwütig, zwei Weine im 95 Punkte Bereich. Groß!

Das GG Röttgen war dann der Gesteinshammer, irre Mineralik. Der große Wein braucht Zeit bis der reine Fels verdaut ist. Ein verspieltes Finesse-Wunder war ganz unerwartet der Uhlen Blaufüßer Lay, dem ich erstmalig in meinem Leben 97-100 gab. Die Krönung, und vielleicht schon zu Beginn der Tournee ein Kandidat fürs Podium, der unendlich multikomplexe Roth Lay, satte Mineralität des Röttgen mit unendlicher Verspieltheit des Blaufüßer und dem totalen Lecker-Gen des Schieferterrassen. Wow mit *

(Lage: Uhlen Blaufüsser Lay / Quelle: VDP)

Heymann-Löwenstein 2018 Riesling Röttgen GG

Lobenberg: Der Weinberg des Röttgen liegt in Winningen, direkt am Fluss, auf verwitterten Schieferterrassen. Sehr steiniger, karger Weinberg, deshalb ist der Wein immer überaus mineralisch, aber auch eine sehr warme Lage mit hoher Sonneneinstrahlung, sehr exponiert. Als vor knapp 200 Jahren zur Steinbeschaffung die Terrassen im Röttgen vom Koblenzer Militär gesprengt wurden, lag auf dem Feld nicht nur das Geröll vom verwitterten Felsen, sondern auch eine dünne Schicht Lößlehm, die sich hier über die Jahrtausende abgelagert hatte. Bei der Anlage der Weinberge wurde hierauf eine 0,5 bis 4 Meter hohe Schicht aus Schieferboden und Gestein aufgebracht. Der Wein wird, wie alle Weine, als Ganztraube 12 Stunden auf der Maische und den Schalen gelassen, dann vorsichtig abgepresst. Spontan vergoren im großen Holzfass. Er verbleibt bis zur Füllung im Sommer auf der Vollhefe. Nur ab und zu Batonnage. Der Röttgen ist eigentlich immer der idealtypische Wein von diesen mineralisch geprägten Schieferterrassen, der in vielen Jahren aber auch schon diese große Erhabenheit der Uhlen-Lagen aufweist. Und diese extreme, steinige Mineralität mag ich sehr, gepaart mit der reifen Frucht von den warmen Schieferterrassen. Hier kommt zur Exotik mit Maracuja, auch sehr viel Boskoopapfel, etwas Litschi und wieder die Orangenzeste, zieht sich hier wohl Jahrgangsspezifisch durch die reife Frucht. Auch hier sehr viel Gripp im Mund, deutlich mehr auf der Frische laufend als die Basisweine, die Augen ziehen sich zusammen ob dieser intensiven Mineralik, hier kommt wirklich der pure, harte Stein zum Vorschein, Feuerstein, mit großer Länge. Daneben wieder Orangenzeste, Limette, Nektarine Zitronengras, auch viel Ceylon Tee, sehr lang und intensiv mit grandioser Frische im Nachhall. Sehr moderat im Alkohol aber dennoch üppig in der Reife und Dichte, Zitronengras, Ananas und Limette und Tee, jetzt her grüner Tee rollen immer wieder hoch, die Teearomatik ist schon sehr ausgeprägt hier, wird getragen von dieser hohen, steinigen Mineralik. Das ist schon ein ziemlicher Kracher in genau dieser Intensität und Mineralik. Der Wein braucht viele Jahre Zeit um diese immense Steinigkeit zu verdauen. 97-100/100

Heymann-Löwenstein 2018 Riesling Uhlen Blaufüßer Lay GG

Lobenberg: Eine sehr spezielle Lage im Uhlen, direkt neben dem Laubach gelegen und mit purem, öligem und kühlem Blauschiefer Gestein, dazu eine etwas nach innengeneigte Hangexposition, sodass wir hier insgesamt die kühlste Expression des Uhlen wiederfinden. Während der Röttgen der Expressivste ist, so sind wie hier bei Blaufüsser Lay in der Regel beim Feinsten und Elegantesten und das ist 2018 auch nicht anders. Wo wir beim Röttgen in dieser steinigen, expressiven Exotik sind, finden wir im Uhlen Blaufüsser diese total verspielte Eleganz, die Exotik ist gar nicht so ausgeprägt. Eine sehr viel feinere Frucht, Quitte, Birne, Apfel, Darjeeling Tee, etwas Minze, erst dann kommt Mineralität mit dieser Anmutung von kühlem, feuchtem Stein. Langsam kommt Orangenzeste hinzu, hocharomatisch, aber sehr lecker, ein Ausbund von kühlem Charme. Der Mund bestätigt die Nase, einfach nur wunderschön verwoben, sehr aromatisch mit deutlich ausgeprägter Mineralität und Frische. Alles ist fein mit Tee, Orangenzeste, Limette, feiner Birne hin, leichte Apfelaromatik, aber nicht so tief wie im Röttgen, nicht so viel Boskoop, eher Golden Delicious. Das Ganze ist fein miteinander spielend mit hoher Ausdrucksstärke und Aromatik, das ist für einen Wein von der Terrassenmosel, also den absoluten Powerbereich von der Mosel, sicherlich mit das Feinste. Und erstmalig seit langer Zeit werde ich den Blaufüsser wieder kaufen, weil er einfach so unendlich schick ist. Ein Traum von Wein. 99-100/100

Heymann-Löwenstein 2018 Riesling Schieferterrassen

Lobenberg: Löwensteins Gutsriesling ist das, was bei anderen Weingütern eigentlich als trockene Spätlese zählt. Der Wein wird nach der Ernte in ganzen Trauben kurz angequetscht, mindestens 12 Stunden Standzeit auf der Maische. Vergärung mit Spontanhefe im großen Holzfass. Er verbleibt bis zur Füllung im Sommer auf der Vollhefe. Nur ab und zu leichte Batonnage. Der Alkoholgrad wird 2018 wahrscheinlich sogar unter 12.5% liegen. Sehr intensive Aromatik mit Quitte, Litschi, etwas Kimchi, darunter ein feiner Hauch Aprikose, Zitronengras, dann kommt erst Zitrusfrucht, Orangenzesten und feine, fast süßliche Limette. Nichts ist aggressiv, alles ist fein verwoben, lecker und schon in der Nase zum Reinspringen. Aber durchaus sehr intensiv in der Aromatik, nur eben nicht fett, sondern ganz fein. Der Mund kommt frischer als es die Nase erwarten lies, hier ist jetzt die Zitrusfrucht vorne, wieder Orangenzeste, eher keine spitze Zitrone, sondern mehr von milder Limette, dann kommt auch Quitte hinzu. Wieder dieser Kimchi-Charakter, etwas krautwürzig, Ananassaft dazu. Klingt nach einer wilden Mischung, ist aber insgesamt total lecker. Auch eine steinige Mineralität gesellt sich hinzu, toller Druck und mittlere Länge, alles ist fein verwoben, große Harmonie und anders als die 3 Vorgängerjahrgänge präsentiert er sich direkt super charmant, ohne aber zu dick daherzukommen, sondern sehr fein und aromatisch, schick, frisch und mit guter Länge. Unanstrengend und doch mit Größe. Aber eben auch ungemein lecker und sofort da. Trinkig ist das falsche Wort für diese wollüstige Saufigkeit, nie waren die Schieferterrassen so überwältigend schön, das sprengt den Gutsweinrahmen nach oben. 95+100

Heymann-Löwenstein 2018 Riesling Vom blauen Schiefer

Lobenberg: Dieser Wein kommt von einer sehr kleinen Parzelle, noch hinter Uhlen gelegen. Das Schiefergestein ist bläulich, öliger, kühler. Die Exposition ist zwar auch südlich, aber die sehr kargen, kühlen Steine und die sehr geringen Erträge machen diesen Wein so hochwertig. Eine sehr viel mineralischere und krachendere Version der Schieferterrassen. Der Wein wird nach der Ernte in ganzen Trauben kurz angequetscht, mindestens 12 Stunden auf Rappen und Schalen belassen, dann vorsichtig abgepresst. Vergärung mit Spontanhefe im großen Holzfass. Bleibt bis zur Füllung im Sommer auf der Vollhefe, nur ab und zu Batonnage. Die Nase des vom blauen Schiefer weißt, wie fast immer, eine deutlich höhere Spannung als beim Schieferterrassen auf. Diese kühleren, öligeren Böden ergeben eben dieses Plus an Struktur. Eine leichte Ananas-Exotik, Maracuja, nebst Zitronengras, auch hier die reife Limette und fast süßliche Orange. Alles unglaublich gut verwoben, aromatisch und sehr reif, ohne fett zu sein. Im Mund deutlich mehr Druck zeigend als die Schieferterrassen, das kühlere Gestein sorgt für eine wahnsinnige Spannung, ergibt die größere Frische, die Augen ziehen sich zusammen und die Zunge rollt sich, das ist schon intensiv und trotzdem ist 2018 so viel milder als die Jahrgänge davor. Es wird immer deutlicher, dass 2018 sehr früh zugänglich ist, aber dennoch auch ein Langstreckenläufer wird, weil hier die Spannung aus dem Extrakt und der spannungsgeprägten Mineralik kommt. Neben der exotischen Frucht von Ananas, Maracuja und viel Orangenzeste alles immer wieder über kühlen, nassen Stein laufend. Insgesamt einfach eine sehr große Harmonie ausstrahlend im Charmejahr 2018. Zwei geniale Einstiegsweine bei Heymann-Löwenstein, ich persönlich finde den etwas ausdrucksstärkeren, mineralischeren vom blauen Schiefer sogar noch eine Nummer erwachsener, erhabener als der verspielte Bubi von den Schieferterrassen. Erhabener, somit von der reinen Klasse leicht oberhalb des perfekten Genussweines Schieferterrassen, den er dafür in der Genussfreude nicht schlagen kann. 94+/100

Heymann-Löwenstein 2018 Riesling Uhlen Roth Lay

Lobenberg: Es gibt nur 4000 Liter. Der Roth Lay wächst auf Schieferterrassen direkt zur Mosel. Der Schiefer ist klassischer Schiefer mit rotem Einschlag von einem sehr hohen Eisengehalt, es ist der Ausläufer des Uhlenhangs, mit kühleren und etwas wärmeren Abschnitten, die für eine Balance und Komplexität sorgen. Verwitterungsgestein. Der Wein wird nach der Ernte in ganzen Trauben angequetscht. 12 Stunden Maischestandzeit auf Rappen und Schalen. Vorsichtiges abpressen und Vergärung mit spontaner Hefe im großen Holzfass. Er verbleibt bis zum übernächsten Frühjahr, also ganze 17 Monate, auf der Vollhefe. Ab und zu Batonnage. Das ist Reinhard Löwensteins langsamer Wein. Ich habe alle Uhlen hintereinander probiert, davor den Röttgen. Der Blaufüsser Lay besticht durch seine ungeheure Finesse, der Laubach durch seine fast etwas monogame Direktheit, durch seine Schieferwürze und seinen irren Geradeauslauf. Aber im Grunde sind Blaufüsser, Röttgen und Uhlen Roth Lay die 3 Weine, die jeweils für einen eigenen Charaktertyp in fast exzessiver Ausprägung stehen. Die Lagen Laubach, Kirchberg und Stolzenberg finden leichten keinen Eingang in mein Portfolio, denn am Ende sind alle 5 Weine von Schieferterrassen, vom blauen Schiefer über den Röttgen bis hin zu Uhlen Blaufüsser und Roth Lay ganz eigenständige Charaktere, völlig unterschiedliche Weine, mit der Krönung im Roth Lay. Schon der erste Mundeintritt war fast eine Explosion, wir haben so eine irre Mineralik und eine wahnsinnige Frische. Wir haben einerseits diese immense Steinigkeit und Schieferwürze aus dem Röttgen, aber gleichzeitig diese totale Verspieltheit aus dem Blaufüsser, die Kühle des vom blauen Schiefer und die feine Exotik, diese verspielte Geselligkeit, dieser Wohlgeschmack mit Turbolader aus den Schieferterrassen. Und dennoch braucht der Roth Lay einfach Zeit, um all diese Elemente miteinander zu verbinden, der Wein kommt zu Recht erst im September 2020 auf den Markt und er bekommt ein ganzes Jahr länger im Fass als alles anderen. Hier bei Heymann-Löwenstein lässt man sich sehr viel Zeit dem Wein seine Entwicklungsmöglichkeiten einzuräumen, der Roth Lay verbleibt über ein Jahr auf der Vollhefe und danach weitere Monate auf der Feinhefe. Und während ich diese Worte spreche kommt der Wein für Minuten immer wieder hoch, die Feinheit der Frucht, wie sie auch im Blaufüsser Lay war, die Steinigkeit, alles hallt nach. Die Zunge rollt sich ob dieser Superkombination aus Zitronengras, Limette und Schiefergestein, gepaart mit Grün- und Schwarztee-Aromatik. Wir haben eine satte Cremigkeit und Reichhaltigkeit am Gaumen, viel Hefe- und Schieferwürze unter den üppigen Aromen und dennoch ist 2018 so völlig anders als die Vorgängerjahre, wobei noch am ähnlichsten zu 2016. Man glaubt es gar nicht, aber er ist sogar etwas geringer im Alkohol und doch höher in der Aromatik, damit hätte ich nicht gerechnet dieses Jahr. Das ist perfekter Stoff in großer Harmonie. Unendlich lecker und groß zugleich. 100/100

(Janina Schmitt und Rebecca Materne)

 

Dann die zwei Nachwuchs Starlets, Janina und Rebecca vom Weingut Materne & Schmitt. Terrassenmosel in Winningen, 500 Meter von Heymann Löwenstein entfernt, bei ihm gelernt. Die Weine aus Lehmen waren superb, vom Ortswein bis zu den Lagen Antoniusstein und auf der Lay. Auch das Brückstück aus Winningen, Nachbar von Löwensteins Röttgen, verspricht ganz viel. Finale Texte gibt es aber erst wenn es nicht mehr blubbert, entsprechend des Lehrmeisters Reinhard Löwenstein wird hier langsam und nur spontan vergoren.

(Heiner Lobenberg und Clemens Busch)

 

Dann am Sonntag zum dritten Winzer der Terrassenmosel bzw. Untermosel, DER Biodynamiker der Mosel, Clemens Busch in Pünderich. Saftige, aromenstarke Weine, grandiose Cremigkeit, milde Säure, extrem lecker und charmant mit feiner Struktur. Hier gäbe es, anders als an der Terrassenmosel und der Mittelmosel, doch wegen einiger Regenfälle im Sommer ganz ordentliche Botrytis. Alles rausgelesen, es gibt reichlich Spätlesen in 2018. Die trockenen Weine sind demnach total clean und sauber von Botrytis. Der Riesling „Vom grauen Schiefer“ ist berauschen aromatisch und lecker. „Vom blauen Schiefer“ ist sogar groß, fein, cremig erhaben. Beide sind Auskoppelungen aus den großen Lagen, abgestufte GGs. Das Marienburg GG vom Grauschiefer und das Fahrlay GG vom Blauschiefer zeigten von den wenigen schon probierfähigen, nicht mehr blubbernden Stückfässern ein cremige fruchtige Größe mit extrem feiner Textur. 2 Kandidaten für ganz hohe Bewertungen. Wir werden aber alle 2018er nach der Gärphase im Mai/Juni erst vertexten. Der 100 Punkte Überflieger bei Clemens ist aber das GG (oder auch mal nicht GG wenn wie im abends mit Verzückung genossenen 2013 der Restzucker zu hoch bleibt und das Fass nicht ganz trocken durchgärt) Fahrlay Felsterrassen. Eine kleine, abgeschlossene Terrassenanlage mitten im Fahrlay, blauer Schiefer mit 130 Jahre alten wurzelechten Reben in Einzelpfahlerziehung. Biodyn wie alles hier, wahnsinnig spannungsgeladen, cremig schmelzig und mineralisch Energie- und Säurebelasen, der Wein vibriert. Der erst im Herbst 2019 herauskommende 2017 bekam heute ohne jede Frage glatte 100. Der 2018 wird das auch bekommen. Einer der allerbesten trockenen Weine an der Mosel, auf gleicher Höhe wie Löwensteins Roth Lay.

(Heiner Lobenberg und Elias Schlichting - Lage Pünderich Marienburg)

Clemens Busch 2017 Fahrlay Terrassen GG

Lobenberg: Das Fahrlay Terrassen GG kommt ab dem Jahrgang 2017 erst 2 Jahre nach der Ernte auf den Markt, Markstart wird im September 2019 sein. Dementsprechend hat dieser biodynamisch produzierte Wein ein dramatisch längeres Hefelager von 14 Monaten auf der vollen Hefe bekommen, danach wird er abgezogen und im Stahltank belassen. In den Fahrlay Terrassen, einem kleinen abgegrenzten Teilstück im Herzen des Fahrlay, stehen die absolut ältesten Reben des Weingutes, 110 bis 130 Jahre alt, wurzelecht, Einzelstock. Sie stehen komplett auf Blauschiefer, dieser ist deutlich öliger als der Grau- und Rotschiefer und gleichzeitig deutlich härter. Viele Bereiche mit blauem Schiefer gehen schon in Richtung Feuerstein mit deutlichem Silex-Charakter. Dieses Fahrlay Terrassen GG ist schon enorm spannungsgeladen. Die Nase zeigt Zitronengras, Limette und Orangenzesten, auch Maracuja, auch feine Apfelnoten, alles steigt wie eine Wolke aus dem Glas. Der Wein hat enorm viel Druck und von Anfang an viel Salz. Die ganze Nase ist beladen von dieser Zitrus-Salz-Fracht, aber es ist nicht anstrengend, sondern einfach nur wahnsinnig intensiv. Gelbe Frucht in Hülle und Fülle, Salz, Frische, eine Rassigkeit in unvergleichlichem Ausmaß. Der Mund ist eine Explosion, eine Orgie in Zitrus, Tee, Zitronengras, aber auch Maracuja, so pikant, Salz, Feuerstein, eine unglaubliche Mineralität. Dazu aber eine wollüstige Cremigkeit, man mag den dramatisch leckeren Wein nicht ausspucken. Trinkig ist als Bezeichnung viel zu wenig. Saufig. Der 2017er ist einer der aufregendsten Jahrgänge von Clemens Busch, so voller Spannung, so pikant und rassig. Und das aus einer Lage, die so prädestiniert ist, genau das zum Ausdruck zu bringen. Ich habe hier schon viele große Weine probiert und 2017 hier letztes Jahr vielleicht sogar etwas unterschätzt, aber dieser Wein aus den ältesten Reben, aus einem so extremen Jahr, ist das Beste, was ich als 2017 je probiert habe. Wenn ich bei Clemens Busch eine glatte 100 vergeben habe dann immer für die Fahrlay Terrassen, seit 2015 ununterbrochen, es geht gar nicht anders. Einer der allerbesten Weine Deutschlands. 100/100

Montag, 15. April 2019

 

Morgens um 9h Start auf dem Mönchhof in Ürzig. Der Jahrgang 2018 kostet mich Nerven und Anstrengung. Nichts ist wie sonst. Kein klares gut oder schlecht. So unendlich viel Hochgenuss bei den besten Weingütern. So schwer zu entscheiden. So viel Orgien in Schönheit.

Prälat Auslese ist ein Wein (oder Beerensaft) für ewiges Leben, oder auch für sofort austrinken, eine aromatisch leckere Offenbarung. Total Botrytisfrei, cleane reife gelbe Beeren ohne Rosinen, gab es das schon mal so puristisch? (2011 hatte da noch Botrytis dabei)

Die feinherbe Ürziger Spätlese mit nur 22 Restzucker und 10 Alkohol ist bei 8 Gramm Säure eine Explosion in sofort trinkbarer pikanter Delikatesse, das ist die abgestoppte Version der Kranklay Spätlese trocken. Beide aus wurzelechten und weit über 100 Jahre alten Reben ganz oben über der Sonnenuhr. Nur 12% Alkohol in der trockenen Version. Beide Weine eint ein wahnsinniger Genussfaktor, ich habe hier wohl nie so leckere Weine mit immens komplexer Frucht und zugleich verspielter Komplexität und Frische aus der Reife probiert. So pikant und zum reinspringen schön. Wie sagte mein Mitverkoster Elias: Es ist unglaublich, dass aus den aller schwierigsten Steillagen mit den brutalsten Arbeitsbedingungen in einen tendenziellen Hochlohnland die weltbesten Weine zu einem solchen Spottpreis kommen.

(Julia und Christian Hermann)

 

Dann weiter zu Dr. Hermann. Mit die besten Lagen in süßen Prädikaten. Groß, reichhaltig, unerhört aromatisch. Bis zur BA und TBA hoch. Erden und Ürzig und Piesport. Groß! Immens! Irrwitzig aber doch weniger essensbegleitende Trinkweine. Die große unerwartete Sensation für mich war hier aber der trockene (nur 2 Gramm Restzucker) Riesling Erdener Treppchen. Nur ein ganz oben liegendes Gewann (Rothkirch) besteht aus rotem Schiefer. Nur 1200 Flaschen. Immense Spannung. Satter Schmelz und hohe Säure und salzige Mineralität, eingebunden in die Feinheit und fruchtstarke Aromatik von 2018. 95-96 Punkte für nur 15 Euro EVP. So etwas Geniales gibt’s nur an der Mosel.

(Thomas und Ute Haag)

 

Dann Schloss Lieser. Bin gespannt. Die trockenen Kabinette und Spätlesen sind ein harmonischer Traum, Perfektion in Aromatik mit großem Lecker-Gen. So soll es sein. Leider blubbern alle GGs noch, wenn der Einstieg schon so perfekt ist muss ich mit dem besten rechnen. Süß ist im Bereich Piesport echt schick und spannend, über alle anderen Lieser Süßweine aber jung etwas zu lieb und mehr was für geduldige Sammler, sie halte wohl ewig.

Schloss Lieser 2018 Riesling trocken Kabinettstück

Lobenberg: Dieser Wein ist das was vorher der SL Kabinett trocken war. Durch die VDP Bestimmungen sind die Prädikate nur noch im restsüßen Bereich vorgesehen, daher die Umbenennung. 2018 kommt mit dieser wunderschönen Reife, schön weich und gelbfruchtig aus dem Glas steigend, tolle Reife anzeigend. Schöne Aromatik im Mund, schick und lang in gelber Frucht mit Melone und reifer Birne. Dieser 2018er ist der legitime Verfolger des 2016ers, der auch schon so schick war. 2018 ist sogar noch etwas wärmer, zeigt sehr reife Frucht, sehr harmonisch und das in diesem Preisbereich. Der Wein ist letztlich so günstig, dass man den Gutswein eigentlich weglassen kann, der einfach nicht an dieses Kabinett herankommt. Das ist eine ziemliche Perfektion an Charme und Reife im Glas mit schöner Frische und guter Länge. Macht richtig Freude. 93-94/100

Schloss Lieser 2018 Riesling trocken Heldenstück

Lobenberg: Das Heldenstück ist die frühere Niederberg Helden Spätlese trocken. Auf Grund der VDP Statuten, die vorschreiben, dass trockene Prädikate nicht mehr möglich sind, wurde der Wein in Heldenstück als Ortswein umbenannt. Dieser Wein ist seit vielen, vielen Jahren ein Highlight im Preisleistungsbereich der Mosel und ganz Deutschlands. Eine trockene Spätlese mit so hoher Qualität und schon deutlicher Lagentypizität, das passt hervorragend in so feinen Jahren wie 2016 und 2018, bei letzterem nochmal mit dem zusätzlichen Plus an Reichhaltigkeit und Wärme. Es gab hier weder Trockenstress noch Botrytis in diesem Jahr. Wir haben schöne gelbe Früchte, die von der Niederberg Helden-typischen Mineralik von würziger Erde und dunklem Gestein begleitet werden, das ist der Charakter des Helden mit dieser Steinigkeit und der erdigen Würze. Saftige gelbe Birne, auf schöne weiße Melone hinauslaufend, alles harmonisch verwoben, mit sehr schönem Gripp im Mund. Und wenn wir das mit dem Kabinettstück vergleichen kommen wir hier schon zu einem ganz großen Wein, zu einem Ortswein, der beim ein oder anderen Weingut als Großes Gewächs durchgehen dürfte, weil wir hier schon so viel Power und Mineralität aus dieser Lage haben. Dunkles, würziges Gestein mit dieser intensiven, gelben Apfelnote, auch schönes Salz, tolle Würze hintenraus, schöne Frische, der Wein hat richtig Biss und Druck und ist zugleich reif und charmant. Aber die würzige Wucht bleibt dennoch erhalten, ein Powerwein in feiner, reifer, gelber Frucht badend. Das ist durchaus sehr schick, sehr edel. 95-96/100

Schloss Lieser 2018 Piesporter Goldtröpchen Kabinett

Lobenberg: Das Piesporter Goldtröpchen ist eine der eindrucksvollsten Lagen der Mittelmosel, eine endlos langgezogene, Amphitheater-artige Moselschleife mit perfekter Exposition, und dennoch ist das Goldtröpchen immer auch säurestark und frisch, hat immer auch Rasse bei aller Reife und ist deshalb so grandios, gerade auch im restsüßen Bereich absolute Weltklasse und auf Augenhöhe mit Wehlen und Graach. Und so hat auch 2018 das Goldtröpfchen bei Lieser höhere Säurewerte als alle anderen Kabinette. Das ist in einem Jahr, welches nicht mit hohen Säuren gesegnet war, sondern eher mit reifer Frucht brilliert eben ein ausschlaggebendes Kriterium im süßeren Bereich. In diesem Kabinett aus Piesport ist genau diese Spannung vorhanden, die die anderen etwas vermissen lassen. Hochintensive, spannende Nase, schöne Steinigkeit, Zitronengras, Orangenzesten, hohe Intensität in der Nase. Auch ein sehr sanfter und balancierter Mund, aber trotzdem sehr schöner Gripp, tolle Frische zeigend. Die Harmonie steht im Vordergrund, diese reife, gelbe Frucht, hier läuft 2018 wirklich auf der Zitrusfrucht, aber auch mit reifer Birne, Golden Delicious Apfel, so schöne gelbe Melone. Ein Riesling, der aromatisch eine Tendenz zum Weißburgunder zeigt. Wir haben die Energie und die Spannungsladung im Goldtröpfchen, aber auch die Reife, den Schmelz und den Charme des Jahres 2018 aus der reifen, gelben und etwas weißer Frucht. Das ist schon charmant und anschmiegsam, aber eben nicht so brav, und nicht nur extrem liebreizend wie die anderen, sondern Piesport behält eine Ecke mehr frischen Druck am Ende, in diesem so speziellen Jahr. Ein superschickes, leckeres Kabinett, aber sogar hier in Piesport nicht ganz mit der Spannung der Jahre 2016 oder 2017, dafür mit einem immens hohen Genussfaktor. 95+/100

Schloss Lieser 2018 Riesling Auslese Piesporter Goldtröpfchen

Lobenberg: Das Piesporter Goldtröpchen ist eine der eindrucksvollsten Lagen der Mittelmosel, eine endlos langgezogene, Amphitheater-artige Moselschleife mit perfekter Exposition und dennoch ist das Goldtröpchen immer auch säurestark und frisch, hat immer auch Rasse bei aller Reife und ist deshalb so grandios, gerade auch im restsüßen Bereich absolute Weltklasse und auf Augenhöhe mit Wehlen und Graach. Und so ist Piesport gerade in 2018 mit diesem Plus an Frische und Rassigkeit ganz vorne bei den süßen Prädikaten. Alle anderen Lagen zeigen deutlich höhere Cremigkeit und Schmelz, aber wie es schon bei den Kabinetten und Spätlesen sichtbar war neigen die süßen Weine in diesem Jahr etwas zu sehr dem Liebreiz zu, sind zu cremig und nett, es fehlt die Spannung und die Rasse, doch im Goldtröpfchen ist das anders. Diese Auslese vibriert, ist total verspielt, aber trotzdem zeigt es diese cremige Fülle der gelben Frucht, die Zitrusfrüchte wurden ersetzt durch Melone und gelbe Birne, aber wir bleiben ohne große Exotik, weil es hier kaum Botrytis gibt in diesem Jahrgang, alles total clean und reintönig. Eine Auslese die sich wie ein Kabinett Plus trinkt, einfach bei allen Parametern die Regler etwas weiter nach rechts geschoben, wir haben die Energie und die Spannungsladung im Goldtröpfchen, aber auch die Reife, den Schmelz und den Charme des Jahres aus der reifen, gelben Frucht. Das ist schon charmant und anschmiegsam, aber eben nicht so brav und nur extrem liebreizend wie die anderen, sondern Piesport behält eine Ecke mehr Druck am Ende in diesem so speziellen Jahr. Das zeigt das Goldtröpfchen Kabinett ebenso wie die Auslese und somit sind sie hier bei Thomas Haag auf Schloss Lieser und überhaupt an der Mosel auch ganz vorne dabei. 97-100/100

(Oliver Haag und Mitarbeiter Christoph)

 

Ich weiß, Achtung Superlativ, das nutzt sich ab... aber was tun? Oliver Haags bis dato beste trockene Kollektion. Die Quadratur des Kreises: hohe, kerngesunde Reife total cleanen Lesegutes trifft auf reife mineralische Frische mit großer Pikanz und moderat stützendem Alkohol. Cremige Fülle aus großem Holz dazu. Kann hohe Reife auch Frische und Finesse und Komplexität zulassen? Bei Oliver Haag, Clemens Busch und Heymann Löwenstein offensichtlich ja. Die haben soviel dazu gelernt seit 2011... und 2018 war dazu noch soviel cleaner im Lesegut. Gesundheit und hochkomplexer Fruchtgenuss pur in Flaschen! Süß war feinherb auch genial bis Kabinett, dann wurde es wie schon bei Lieser zu reichhaltig. Aber da gibt es zum Glück noch den best ever 2017!

(Ernie Loosen mit seinem Hund)

 

Ernie himself mit Assistentin Desiree gaben sich die Ehre. Mit der Prälat Auslese vom Mönchhof hatte ich unter vielen enttäuschenden Süß-Weinen des Jahrgangs 2018 ein 100 Punkte Elixier, ein genialer Einzelfall, aber nun das Erdener Treppchen Auslese bei Loosen. Dito 100. Unglaublich. Aber ganz ehrlich, nur wenige Süßweine sind ein Muss in 2018. Aber die wahre Stärke liegt hier 2018 auf den GGs. Das Erdener Treppchen vom harten Schiefer ist ein 100 Punkte schmelzig reifer Riese, der Ürziger Würzgarten vom Vulkanfelsen ist ganz anders und nur unmerklich dahinter. Die Wehlener Sonnenuhr ist eine 97-100 Punkte sichere Bank. Ganz groß ist das neue GG vom blauen Schiefer, das Bernkasteler Johannisbrünnchen direkt am Haus. Multikomplex. Groß!

Dienstag, 16. April 2019

 

Start bei Daniel Vollenweider in Traben-Trabach. Daniel ist DER Terroir-Spezialist, Spontanvergärer und Biowinzer schlechthin, ähnlich extrem wie Clemens Busch. Nur dass Daniel, anders als Clemens, dazu noch wenig Faible für viel Frucht hat, er liebt karge Puristik und Eleganz. Der sehr reife Jahrgang 2018 müsste da doch den perfekten Ausgleich schaffen. Aber man kann die Weine, die sämtlich im Keller noch blubbern, erst nächstes Jahr verkosten. Irre langsame und lange Fermentation im kalten Keller und auch danach noch mehr als ein Jahr auf der Hefe. 2017 kommt demnach erst im September 2019 auf den Markt. Die durften wir nun probieren. 2017 gab es nur die halbe Menge. Frostschäden. Ein extremes Jahr. Ein Jahr, das Daniel mit seinem puristischen Anspruch viel mehr liegt als 2018. 2016 in seiner unerschöpflichen Eleganz war ebenfalls sein Liebling.

Seine 2017er Kollektion zeigt unerschöpfliche Mineralität und viel Sponti-Ton. Ein geniales feinherbes Kabinett aus der Goldgrube. Ein Schimbock, der mindestens 15 Jahre weggesperrt gehört, dann aber ein riesiger Stilist wird. Und aus der wärmsten und ältesten Teilen des Schimbocks (97-100) kommt mit dem Aurum ein glatter 100 Punkte Wein für Freaks, und der wird wahrscheinlich schon in 10-12 Jahren aufmachen. Hier bei Vollenweider ist in Bezug auf Terroir, Eleganz und Mineralität der Gipfel der Mosel. Aber nur für Liebhaber der Puristik.

Selbach Oster

Danach ein erstes Kennenlernen von Selbach Oster in Zeltingen. Die trockenen 18er blubberten noch aber ließen sich in der Verkostung sehr vielversprechend an. Wir werden es im Herbst erneut probieren, ich bin sicher, das wird was.

Carl Loewen

 

Mittags dann Weingut Carl Loewen. Ein Bio-Extremist ohne Zertifizierung, keine Fesseln von niemand! Auch nicht im VDP sondern im Berncastler Ring. Gegensätzlicher als morgens der puristische Fruchtgegner und elegante Terroir-Fetischist Vollenweider und jetzt hier der Fruchtkönig Loewen kann es kaum sein. Verbunden sind sie jedoch durch ihr unzertifiziertes Extrembio und den Natureinklang nebst langsamer Spontanvergärung im alten Holz. Beide Weingüter sind auch große Fans knackiger Frische. Da passt das warme und reife Jahr 2018 ganz hervorragend. Carl und Sohn Christopher Loewen haben eine famose Kollektion hingelegt. Das begann mit dem komplett im Holz vergorenen Pinot Blanc aus elsässischen Klonen, für unter 10 Euro ein frecher Dumping Preis für einen fast großen Wein.

Der Varidor Riesling aus der Selection Massale war grandios komplex, auch unter 10 Euro. Das zieht sich durch das Weingut. Grandiose Lagenweine aus dem Laurentiuslay und dem Maximin Herrenberg, alles wurzelechte Reben über 100 Jahre. Dazu zwei GGs wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, filigran mineralisch und opulent kraftvoll. Den nur 1896 genannten Wein gibt es dann nur in homöopathischer Dosierung. Nicht nur 120 Jahre wurzelecht Einzelpfahl, auch noch eine Reminiszenz an die Weinbereitung vor Jahrhunderten... von Einmaischung im Weinberg bis zur Spindelpresse. Einer der Top-Weine des Jahrgangs überhaupt. Rundum ein genialer Betrieb trockener Rieslinge in 2018.

 

Das Finale bei Maximin Grünhaus an der Ruwer. Nur 8 km Luftlinie zu Loewen.

Die Ruwer blüht auf in warmen Jahren. Sonst gibt’s hier schon mal heftig viel Säure... 2016 war hier schon ganz groß, 2018 nun wieder. Alte Reben trocken gehört zum allerbesten der Ortsweine. Sogar feinherb ein Gedicht. Abtsberg GG wieder in der ersten Reihe. Dann aber eine Sensation, erstmalig nach 2011 wieder ein Fusion. GG 2015 im Barrique vergoren und 2 Jahre im neuen Holz ausgebaut, dann noch 2 Jahre Flaschenlager. 100 Punkte glatt und in der allerersten Reihe mit den Holz ausgebauten Weinen aus der Mittelhaardt. Feinstes Burgund. Groß!

Mittwoch 17. April 2019

Van Volxem

 

8.00 Uhr morgens - Roman Niewodniczański Weingut van Volxem. DER Senkrechtstarter der letzten 10 Jahre an der Saar. Bester Freund von Markus Molitor, sie befruchten sich gegenseitig und machen diverse Projekte an der Saar gemeinsam. Für mich ist van Volxem seit dem Jahrgang 2016 in der ersten Reihe angekommen, die Feinheit, Finesse und Frische hat 10 Jahre Anlauf gebraucht, bis sie nun über fette Power siegen konnte. 2017 könnte van Volxem gar die beste Kollektion der gesamten Mosel erzeugt haben. 2018 im Keller mit Kellermeister Dominik Völk war aber qualitativ auch denkwürdig gut. Vieles blubberte noch, da müssen wir nochmal hin. Die Alten Reben, der Einstieg in die GGs, präsentierte sich aber unglaublich frisch und fein, dazu stramme Phenolik und mineralische Power. Ein grenzgenialer Wein mit 96/100 im Preisbereich um 15 Euro, superb.

(Kellermeister Dominik Völk)
(Heiner Lobenberg und Egon Müller)

 

Reif wie 2011, dabei 2018 total clean, keinerlei Trockenstress hier wegen guter Regenfälle im Mai und Juni, das hielt bis November den Boden feucht. Niedrigste PH Werte von 2,9 und hohe Säure bis und über 10 Gramm. Eine Woche früher als 2011 gelesen. 2018 ist somit total sauber und vollreif ohne Botrytis bis zur Spätlese und ohne jede Schwere. Extrem elegant und fein und spielerisch frisch in Vollreife. Die genialste Kollektion seit ich hier probiere und überhaupt die beste süße Kollektion des Jahres. Wegen dieser eleganten Frische größer als je zuvor.

 

Dann Florian Lauer in Ayl. Wir sind immer noch an der Saar. Den ganzen Tag. Wie immer sehr eigenständige Weine. Aber die GGs blubbern noch, wir müssen nochmal kommen. Die Einstiegsweine waren wie immer sehr harmonisch aber weniger aufregend als die superbe 2017er Kollektion. Einzig der Ortswein Fass 25 bestach in seiner cremigen Feinheit. GGs dann später...

(Christian Ebert von Schloss Saarstein)

 

Christian Ebert vom Schloss Saarstein danach. Sein Riesling Gutswein ist eine sichere Bank, nicht besser als 17 aber sehr gut, den 2018 kaufen wir ganz sicher nach dem 17er ein. Auch sein Pinot Blanc 2018 war superb, auch der nur leicht schwächer als 2017. 2017 war einfach erste Sahne hier, in den Alten Reben und im GG, noch mehr im Bereich feinherb und süß. 2018 GG und Alte Reben haben einfach zu viel Kraft und Alkohol, und Powerweine von der Saar braucht man ja nicht wirklich.

(Hanno und Dorothee Zilliken)

 

Dann Zilliken, alle Winzer zuvor raunten von Zillikens Perfektion in 2018. Nun ja, Gerüchte dachten wir... Die Wahrheit war aber noch ärger. Nicht nur eine der besten trockenen Kollektionen der gesamten Mosel, auch die süße Spätlese und Auslese waren eine Offenbarung. Ich, der erklärte Skeptiker bei Süßweinen, muss Ihnen jetzt erklären, warum Sie an diesen extraterrestrischen Weinen nicht herum kommen. Dieser Winzerbesuch allein war die Reise wert. Rien ne va plus!

Donnerstag 18.4. (Gründonnerstag)
(Rudolf May)

 

Weingut Rudolf May in Franken, Retzstadt, nah am Main. Muschelkalkböden, Steillagen mit 50% Neigung, Südexpositionen. Dichtpflanzung. Kleine Erträge aus durchschnittlich 30 Jahre alten Reben, 25 hL/ha. Begrünte Rebzeilen. Unter 500 Gramm pro Stock. Bio. Ab 2019 auch zertifiziert. Handlese. Ganztraubenpressung. Rotwein nur zum Teil entrappt. Spontan vergoren mit ggfs. etwas Nachhilfe mit Zuchthefe. Alles unter 2 Gramm Restzucker. Vergärung der ersten und großen Lagen im Holzgärständer. Ausbau Silvaner in neuen und gebrauchten Stückfässern von 1200 Litern und auch etwas im Betonei, Pinot Noir in Burgunder Barrique. Ein toller Recis Spätburgunder aus französischen Klonen, erinnert an Meo Camuzet.

Die obige Vorgeschichte für die besten Silvaner Deutschlands? Horst Sauer muss sich anstrengen, ist aber stilistisch auch ganz anders. Sauer zeigt Frucht, May Eleganz und Purismus und Terroir. 2018 war hier sehr Loire-haft, große Chenin Blancs aus Silvaner. Diese Rebsorte hat so großes Potenzial, man darf sie nur nicht mit Riesling vergleichen.

 

Rudolf May 2018 Silvaner Der Schäfer Erste Lage

Ich habe mir dieses Jahr die Weinberge mit Rudolf May ausgiebig persönlich angeschaut, hier stehen sehr alte Stöcke in dichter Pflanzung, jedes Jahr gibt es geringe Erträge von kleinen, dickschaligen Beeren. Seit 2016 wird alles biologisch bewirtschaftet, ab 2019 wird May dann Naturland zertifiziert sein, aber die Bewirtschaftung ist schon seit Jahren Bio. Die Weinreben sind um die 40 Jahre und älter, der Ertrag liegt bei gerade einmal 30 bis 35 hl/ha. Komplett auf 1g Restzucker durchgegoren, die Säure liegt bei knapp 6.5g/L Die Gärung findet im offenen Holzgärständer statt. Der anschließende Ausbau erfolgt im neuen 1200L Stückfass aus Spessarteiche, von 400-jährigen Bäumen, die Rudolf May mit dem Fassbauer Aßmann und einem Förster der Gemeinde selbst aussuchen konnte, das Holz ist enorm dicht und feinporig. Der Wein bleibt bis zum ersten Umzug auf der Vollhefe im neuen Fass und verbleibt danach weiter auf der Feinhefe im gebrauchten Holzfass. Diese Holzbegleitung bekommt dem Schäfer ganz besonders, denn ein großer Silvaner kann so erhaben sein wie ein großer Chenin Blanc von der Loire. Ein Wein, der nicht über Zitrusfrucht besticht, sondern über die Erhabenheit und Eleganz großer Chenin Blancs, über Quitte, Nashibirne, Melone, weißen Pfirsich, sehr fein und gleichzeitig sehr verspielt. Man merkt direkt, dass dieser Silvaner nicht mit berstender Frucht überzeugen will. Im Mund eine tolle Struktur zeigend, das Holz schafft den Rahmen, in dem die Frucht aus den zuvor angesprochenen Elementen spielt, dazu eine immense Blumigkeit, viele weiße Blüten, weißer Pfirsich, Melone, auch weißer Pfeffer, daneben ein wenig Hagebutte und vielleicht ein Hauch Rhabarber und Zitronengras, viel Assam Tee. Lang und intensiv mit tollem Körper, aber nie bloß das cremige, leicht ordinär Geschminkte eines Weißburgunders zeigend, oder gar das Grobe und Erdige eines Grauburgunder, oder gar die Chardonnay-artige Frucht-Opulenz. Silvaner ist eben fern von Burgundersorten, sie ist eine häufig unterschätzte Rebsorte, weil sie eben genau das abbilden kann, was sonst keine weiße Rebsorte in Deutschland abbilden kann, das was die großen Chenins von der Loire so perfekt können. Das ist genau die Lücke, die in Deutschland klaffen würde, wenn wir keinen Silvaner hätten. Das ist ein großer Wein, ein eleganter Wein, ein sehr eigenständiger Wein. Dieser 2018er Schäfer ist der beste Schäfer, den ich hier je probiert habe. 96-97/100

Rudolf May 2016 Spätburgunder Recis Erste Lage Retzbacher Benedictusberg

Von 20 Jahre alten Reben auf extrem kargem, steinigem Untergrund, reiner Muschelkalkboden. Nur französische Klone, Dijon 667 und 777, das sind die bekanntesten und bewährtesten Burgunder-Klone, auf Empfehlung von Paul Fürst gepflanzt. 25 bis 30 hl/ha Ertrag von sehr kleinen Beeren. Zu einem Teil entrappt, zu einem Teil als Ganztraube im Holzgärständer spontanvergoren, dann mit der Holzspindelpresse abgepresst und für 20 Monate im 2/3 neuen Barrique ausgebaut, bis kurz vor der unfiltrierten Füllung auf der Feinhefe. Nicht nur das beste Klonmaterial aus dem Burgund, sondern auch der extrem harte, karge Boden und die Steillage mit reiner Südneigung sind hier der Ausgangspunkt für diesen grandiosen Spätburgunder. Wir haben einige Jahrgänge dieses Weines zurückprobiert und diese Lage zeigte einige Eigenarten, die wir auch von Burgunderwinzern kennen, nämlich deutliche Cassis und Johannisbeernoten, sehr prägnant in der hohen Intensität, dazu salzig, fast eine gewisse Schärfe im Tannin. Das liegt aber auch ein bisschen an den Rappen, die Nase ist jedenfalls total faszinierend, eine typische Meo Camuzet-Nase, voller Intensität. Selbst das vermeintliche schwächere Jahr 2014 zeigte schon eine verblüffende Süße in der enormen Cassis-Nase, sodass ich sogar nach Verfügbarkeiten fragte, 2016 gibt es glücklicherweise noch etwas, und das ist auch noch der größere Wein. Sicherlich das beste Rotweinjahr in Franken bisher. Gott, die Nase ist so betörend. Der Mund ist überhaupt nicht fett, sondern fein, aber hochintensiv, saftig, dicht und gut strukturiert. Rote und schwarze Kirsche, Sauerkirsche, auch wieder Cassis, sehr lang, Salz kommt hoch, auch diese leichte Würzigkeit aus den Rappen. Das ist Franken von seiner besten Seite, dieser Recis kann ohne weiteres in die Phalanx der Weine von Fürst auf rotem Buntsandstein mithalten. Das ist erste Reihe deutscher Pinot Noirs, und während ich das spreche rollt der Wein immer wieder hoch, hallt mit Cassis und Sauerkirsche immer wieder nach. 2016 wird ca. 2022 – 2023 so langsam in die Trinkreife kommen und dann locker 15, vielleicht 20 Jahre schön bleiben und sich zunehmend verbessern. Das ist wirklich ein Gedicht von einem Pinot Noir in dieser Feinheit, dieser aromatischen Komplexität. Der Wein muss sich bei diesem Endverbraucherpreis weder in Deutschland noch im Burgund irgendwo verstekcken, das ist sogar eigentlich ein ausgesprochenes Schnäppchen. 98+/100

Rudolf May 2018 Silvaner Himmelspfad GG

Ich habe mir dieses Jahr die Weinberge mit Rudolf May ausgiebig persönlich angeschaut, hier stehen sehr alte Stöcke in dichter Pflanzung, jedes Jahr gibt es geringe Erträge von kleinen, dickschaligen Beeren. Seit 2016 wird alles biologisch bewirtschaftet, ab 2019 wird May dann Naturland zertifiziert sein, aber die Bewirtschaftung ist schon seit Jahren Bio. Die Weinreben dieses Grand Cru sind um die 60 Jahre und älter. Auch hier besteht das Terroir aus Muschelkalk. Direkt in Retzstadt an einem Berg in Südexposition, der wie der Corton-Charlemagne aussieht. Dieser Wein wird im gebrauchten Holzgärständer spontanvergoren und dann im 1.200l Holzfass ausgebaut, er verbleibt auf der Vollhefe bis zur Füllung. Das Große Gewächs Himmelspfad steht angequetscht mit Stielen und Stängeln länger noch als der Schäfer auf der Maische, nämlich 24 Stunden. Die Nase ist etwas weniger offensiv, als die des Schäfers. Aber extrem hintergründig. Das große gebrauchte Holz kommt trotzdem durch. Der Unterschied zum grandiosen Schäfer besteht in dieser immensen Tiefe, diesem profunden Unterbau, viel Aprikose, Pfirsich, Orangenzesten, Grapefruit, die Nase zeigt auch viel mehr gelbe Blüten, ist nicht so spielerisch, sondern intensiv, schiebt von unten. Das ist ein Silvaner aus der ersten Reihe, ohne Zitruslastigkeit, etwas grüner Tee darunter, sehr schöne Frische zeigend mit etwas Minze, fast Eukalyptus, aber eben nicht zitrisch, nur schiebend mit viel Druck. Erinnert etwas an eine Super-Cuvee aus Chenin Blanc, alles in einer Feinheit ,wie man sie im Burgunder nicht findet, ein spannender, leicht erdiger Touch liegt zusätzlich in diesem Silvaner. Das ist lang, dicht, reich, mit schönen Apfelnoten, leichter Erdigkeit, Würze, viel Schub. Und während der Schäfer noch eine tänzelnde Primaballerina war in ihrer Komplexität und ihrer rassigen Feinheit, so haben wir hier einfach mehr intensiven Schub von unten und einen viel dichteren Körper, ohne jemals fett zu werden, es bleibt fein. Wir bleiben auch hier stilistisch eher an der Loire, gerade in 2018 fällt mir diese Verwandtschaft zwischen großen Chenin Blancs und Silvaner so sehr auf. Nach so vielen, in diesem Jahr probierten Rieslingen und Weißburgundern, wird mir immer klarer, dass der Silvaner eine der wirklich eigenständigen, traumhaften und echt hochklassigen Rebsorten Deutschlands sein kann. Es braucht die richtigen Böden, niedrige Erträge, biologisches Arbeiten, es braucht einfach etwas Einsatz, aber dann kann ganz Großes daraus entstehen. Wenn man denn diese Weine mit weniger Frucht und dafür großer Eleganz und feiner Mineralität möchte. Niemals mit einem Riesling zu verwechseln und in keinster Weise das gleiche Geschmacksbild abgebend, aber das will er ja auch gar nicht. Erdig, würzig, nobel, elegant und erhaben, ein grandioser Wein. 97-100/100

(Paul Fürst)

 

Nachmittags Paul und Sebastian Fürst In Bürgstadt. Bundsandstein. Eleganz wie im Rheingau. Auch eine ähnliche Stilistin. Das andere Franken. Riesling-Land und Pinot Noir Land. Ich bin gespannt den ersten Riesling 2018 aus Franken zu probieren. Der Start war der sehr aromatische Pur Mineral. Guter Druck. Sehr gelungen. Etwas besser noch die erste Lage. Aber richtig groß war nur das GG Centgrafenberg. So frisch und doch so reif dabei, gehaltvoll und ungemein komplex. Erste Reihe der GGs! Groß.

Danach die 2017er Kollektion der Spätburgunder. Sooo fein. Weniger Power als 2016 aber elegant und fein wie 2008. Begeisterung pur.

(Lage Klingenberger Schlossberg)
Freitag, 19. April 2019 (Karfreitag)
(Horst Sauer und Heiner Lobenberg)

 

Horst und Sandra Sauer in Escherndorf. In dieser Mainschleife herrscht immer die größte Trockenheit Deutschlands. 500 ml im ganzen Jahr. Schlimmer als Nahost sagt Horst. Er hat schon vor 15 Jahren mit Tröpfchen-Bewässerung begonnen, zulässig in deutschen Steillagen. 50 Liter pro Pflanze und Jahr. Nur so geht es hier, um den Reben den Wasserstress zu nehmen, in der befindlichen Klimaveränderung. Und das warme, trockene Jahr 2018 war ja besonders herausfordernd. Wegen dieser geringen Wassergabe mussten sie nicht alle Weine aufsäuern und konnten die Säure in den Weinen stabil halten. Alles was ohne Reinzuchthefen vergoren wurde, ist durchgegoren. Ganz große erhabene 100 Punkte GGs, vielleicht noch besser als 2016.

Hier entstand auch einer der besten Ortsweine des Jahres. Der Riesling aus Escherndorf ist traumhaft reif und aromatisch. Die erste Lage aus dem Lumpen hat sogar als Riesling und auch als Silvaner GG Qualität, die feinherbe Scheurebe ist berauschend schön.

Ein total cleanes Jahr hier bei Horst Sauer ohne jegliche Botrytis oder Fäulnis bis hoch zur 100 Punkte süffig saftigen Auslese und zur einfach nur göttlich frischen TBA. Dass ich so etwas mal erlebe im Süßwein hätte ich nicht gedacht.

Zwischen-Fazit nach einer Woche Mosel und Franken:

Jetzt, nach der kompletten Mosel und Franken kann ich den Hype um den Jahrgang endlich verstehen.

Die trockenen Weine sind sehr reif aber nie fett. Die Winzer haben aus 2003 und 2011 enorm viel gelernt. Die Stillstandzeit der Reben in der langen Trockenheit bewahrte gute Säure. Die sich scheinbar ebenfalls aus der Trockenheit ergebenden niedrigen PH Werte beförderten ebenfalls die Frische. Wir haben also vollreife, leckere, hocharomatische, mineralische Weine mit überraschender Frische. Nicht so forever klassisch elegant wie 2016 und nicht so frischfruchtig wie 2017. Aber alles ohne aggressive Spitzen, immer saftig und lecker. Trinkig. Süffig. Fast dramatisch wohlschmeckend. Auf allerhöchstem Genuss-Niveau. Besser geht es nicht!

2017 bleibt DAS Süßweinjahr Deutschlands. Aber... Die Süßweine ohne Botrytis wie 2018 sind mein Eldorado. Und obwohl in Summe 2017 das offenbar über alle Weine bessere Süßweinjahr war (2018 gibt es anders als 2017 auch viele dicke Weine für ewiges Leben aber ohne Spannung), ist die absolute Spitze in 2018 einfach göttlich. Das Beste meines bisherigen Lebens. Egon Müller, Zilliken und Sauer stellen für mich noch vor Loosen, Dr. Hermann, Lieser und Mönchhof die berauschendsten Süßweine des Jahres. Ich hoffe aber noch auf Prüm als 4. Kleeblatt! Und ich hoffe noch auf Schäfer Fröhlich, Dönnhoff und Weil.

Nach Rudolf Mays extremen Silvanern und Sauers ganz anderen, nicht minder spannenden Silvanern, muss ich jetzt als Zwischenfazit 2018 mal eine Lanze für diese Rebsorte brechen. Wenn wir Rheinhessen mit Schätzel, Teschke, Wittmann, Keller und Wechsler ergänzen, dann ist diese Rebsorte eine riesige Chance. Unsere Antwort auf die großen Chenin Blancs von der Loire und Südafrikas. Oder auf das Jura und Savoyen, auf weiße reife Rioja oder die Topweine des Alentejo. Eleganz und Terroir ohne Zitrusfrucht und ohne das Fett und die fruchtige Wucht der Burgundersorten.

Samstag, 20. April 2019

 

Von Sauer zu Laible in der Ortenau wechseln wir nicht nur das Bundesland, die Weinregion, das Terroir und das Klima, wir wechseln auch die Wein-Philosophie. Alexander Laibles beeindruckende Weine wollen nicht Ehrfurcht erwecken und Erhabenheit ausstrahlen, sie wollen bei aller Klasse erst mal schmecken und gefallen. Saugut schmecken! Ziereisen und Alex Laible sind in meinem Sortiment zuständig für die hedonistische Befindlichkeit, fürs Wohlfühlen. Vom Grauburgunder bis zum Grand Cru, seinem qualitativ überragenden Riesling Tausend Sterne, sind Alex Weine Leckerlies, selbsterklärende Zechweine der obersten Güteklasse, der Traum eines jeden Gastronomen im Ausschank. Das schafft Alex Laible jedes Jahr wieder, eine beeindruckende Konstanz. Das 2018 den Wohlgeschmack mit seinem reifen Schmelz besonders unterstützt ist ein wunderbarer Nebeneffekt, aber das spielt bei Alexander Laibles Weinen keine ganz große Rolle. Hier ist immer vorne, hier ist immer lecker!

(Alexander und Corinna Laible)
(Julian Huber)

 

Am weiteren Vormittag dann einer der Superstars der deutschen Burgunderszene, Julian Huber. Chardonnay und Pinot Noir in ziemlicher Vollendung. Erst im September kommt 2017 auf den Markt. Hier immer gut ein Jahr später. Die 17er Pinot Noirs, das wussten wir ja schon von Fürst, sind ungewöhnlich zart, fast zerbrechlich. Delikatessen in seidiger Verträumtheit. Die sehr früh bei nur 90 Öchsle gelesenen Chardonnays sind eine cool climate Sensation, in ihrer kühlen Erhabenheit besser denn je. Huber 2017 ist vom Frost und dazu vom gewollt niedrigen Ertrag (nur 270 Gramm je Rebe) aber um 40% in der Menge reduziert. Das wird leider eine echt mickrige Zuteilung. Dafür gibt’s 2018 viel mehr, und grandiose Pinot Noirs wie die Fassproben zeigten.

(Holger Koch)

 

Mittags Holger Koch im hohen Kaiserstuhl. Die tendenziell eher breiten und hochreifen 2018er Weißweine Badens rettete er über Phenolik, einen Teil fermentierte er immer auf der Maische. Das Gesamtwerk dieses Kunstgriffs „rettete dem Jahrgang den Arsch“ - Zitat Holger Koch. Spannende 2018er, anders, aber durchaus gleichwertig zu 2016, nicht so traumschön und fruchtig wie 2017. Aber die roten 18er sind sein bis dato bester Jahrgang. Immens in Frucht und Tannin...stilistisch auf den Pfaden Daniel Gantenbeins aus Graubünden, wahrlich keine schlechte Referenz! Chapeau Holger!

(Koch Grauburgunder normal vergoren und Maische-vergoren)
(Friedrich Keller)

 

Finale ho ho ho ho... zu Fritz Keller, Weingut Franz Keller und in Personalunion Präsident des FC Freiburg... anders als unser Werder Bremen können die aber nicht vom Finale in Berlin träumen. Dafür macht sein Sohn Friedrich allergeilste Rotweine. 2017 zarter als 2016, aber sooo aromatisch und aufregend in der Frische. Nicht die Power der großen 2016er, aber in dieser zartesten Versuchung seit es Pinot Noir gibt, hochkonzentrierte Grand Cru Traumweine. Friedrich, du bist genau so gut wie dein bester Freund Julian Huber. Zusammen mit Fritz Becker aus Schwaigen/Pfalz und Hanspeter Ziereisen aus dem Markgräflerland bilden die 4 mit Sebastian und Paul Fürst aus Franken und Markus Molitor von der Mosel die Sixtinische Kapelle zur Anbetung deutscher Pinot Noirs. Pure Verzückung!

Sonntag 21. April 2019 (Ostersonntag)
(Hanspeter Ziereisen)

 

Der Tag der Ziereisens. Hanspeter und Edeltraud. Markgräflerland, Ihre Weine stehen auf reinem Kalksteinfelsen. Bis über 500 Meter hoch. Höhenlage und kühle Expositionen. 2016. Für mich DER bisherige Jahrgang Badens. 2017 mag laut Fassproben in weiß noch aufregender werden, 2018 wird womöglich die Krone in rot. Aber die schicke, coole Eleganz der stylischer 2016er ist ganz schwer zu toppen. Langes Hefelager in Holzfässern zwischen 600 und 1200 Litern, dazu für rot Barriques in Zweit- und Drittbelegung, hier nimmt man sich die nötige Zeit. Erst jetzt kommen die 16er auf den Markt, manche sind noch nicht gefüllt. Weiß und rot. Grauburgunder gibt es nur bei Ziereisens in total schicker Finesse und Weltklasse, Gutedel bringen sie in die erste Reihe der größten Weißweine der Welt. Dass sie Chardonnay können ist bekannt, mit dem Jaspis stehen sie in der gleichen ersten Reihe Deutschlands wie Huber und Heger. Syrah in Nordrhone-Eleganz und Pinot Noir in Verspieltheit und ausgeprägter Vosne Romanée Aromatik. Rhini, Jaspis und alte Reben in der obersten Liga. Lieber Hans Peter Ziereisen, ich zitiere mich leider selbst, es muss sein: Für mich bist du jedes Jahr der beste deutsche Winzer des Jahres!

VIDEO: Musik im Keller - Weingut Ziereisen

(14000 Stöcke per Hektar im Cordon Schnitt und 200 Gramm pro Stock)
Montag, 22. April 2019 (Ostermontag)
(Joachim Heger)

 

Joachim Heger. Ihringen. Heißester Part des Kaiserstuhls. Was machen da die weißen 2018er? Eine bange Frage. Das Riesling GG 2018 steht unter einem zu heißen Stern? Ja, etwas, wie die Verkostung zeigt, gelbe Frucht, reich, da war 2017 doch klar spannender. Chardonnay 2018 dagegen ist bisher bei anderen Winzern sehr gut ausgefallen, aber wie ist Grau- und Weißburgunder mit der Hitze bei Heger klargekommen? Aber das ist jetzt egal, jetzt sind es erst mal die weißen Burgundersorten als 2017er im Verkauf, und das ein ganz großes Weißweinjahr in Baden, best ever sogar. Grandiose Spannung im Chardonnay GG Gras im Ofen, der kühlsten Lage im Ihringer Winklerberg, der Weißburgunder aus gleicher Lage ist nur knapp dahinter. Ganz überragend sind die Spätburgunder des Kaiserstuhls 2017 ausgefallen. Diese tendenziell heiße Region kann in kühleren Jahren mit langer Vegetationsperiode größere Weine erzeugen als im heißen 2015. Schon bei Keller und Koch war 2017 phänomenal. Bei Heger werden sogar 4 Weine ein Muss in meinem Angebot: Der extrem harmonische Ortswein aus Ihringen, der Breisacher erste Lage und die zwei total unterschiedlichen GGs vom wilden Rappenecker und Clos de Vougeot artigen Häusleboden. Joachim Heger hat 2017 das beste Jahr seiner bisherigen Geschichte.

Ende Baden, Start in die Pfalz.

(Der alte und kleine Fritz Becker)

 

Später Nachmittag am Ostermontag dann Friedrich Becker in der Pfalz. Sohn Fritz ist eine der Koryphäen der Burgundersorten in Deutschland. Ein Großteil der Weinberge steht auf den nach Frankreich reinragenden Hängen. Natürlich überwiegend französische Selektion Massale. Eine geniale 2017er Kollektion in Chardonnay und Weißburgunder, selbst Grauburgunder war extrem beachtlich. Die erste Reihe Deutschlands, sicher unter den Top 5. In Pinot Noir ist Fritz sowohl im opulent generösen 2015er als auch im stylisch eleganten Jahrgang 2016 ganz schwer vom ersten Platz zu verdrängen. Vom Gutswein bis zu den GGs mehr als beeindruckend. Einer der allerbesten!

Dienstag, 23. April 2019
(Birgit und Hansjörg Rebholz)

 

Die Südpfalz, viel kühler als die Mittelhaardt. Alles im Stahl und spontan durchgegoren auf unter 1 Gramm Restzucker. Hansjörg sagt, dass so warme reiche Jahrgänge wie 2018 wegen ihrer hohen Extraktsüße unbedingt knochentrocken sein müssen und möglichst 13 oder weniger Alkohol haben dürfen. Und so sind seine Weine. Puristisch, knochentrocken, dazu schmelzig aus dem Extrakt, mineralisch bis zum abwinken. Sonnenschein und Kastanienbusch, einmal reiner Muschelkalk, einmal eisenhaltige Vulkanböden und Permafrost mit Eisen. Also ein GG nebst Zweitwein Ortswein extrem elegant und ein GG nebst Zweitwein Ortswein extrem würzig. Der Ortswein vom Kastanienbusch gehört zum besten aller Ortsweine, das Kastanienbusch GG ist unter den Top 12 des Jahrgangs überhaupt. Dazu aus dem Sonnenschein Muschelkalk der vielleicht beste Weißburgunder (nur im Stahl), den ich je probiert habe, mineralisch, extrem lang, puristisch. Ganz groß.

(Familie Christmann)

 

Danach der Präsident des VDP, Steffen Christmann in Gimmeldingen. Biodynamiker. Inzwischen arbeitet seine Tochter Sophie mit ihm, dazu der neue Kellermeister Oscar, ehemals zweiter Kellermeister hinter Nicola Libelli bei Bürklin-Wolf. Neuer Wind. Ungemein frische Weine 2018. Einer der besten Ortsweine aus Gimmeldingen, sehr kühle Lagen. Auch die erste Lage, der Bienengarten, mehr als famos. Großes Kino. Dem Idig 100 (+) Punkte zu geben ist natürlich Eulen nach Athen zu tragen. Seit Jahren einer der Besten. 2018 der Allerbeste? Egal, wie immer eine Benchmark der Pfalz und des deutschen Rieslings. Chapeau Familie Christmann!

(Heiner Lobenberg und Uwe Brenneisen)

 

Zum Tagesabschluss von Winning. Der Shooting Star der Pfalz seit dem Jahrgang 2008, nun das 10 jährige Jubiläum. Seit 2008 wieder vereint mit Buhl und Bassermann. 300 Jahre Geschichte. Achim Niederberger, leider verstorbener Werbemagnat, vereinte die in asiatischer Hand gesplitteten Weingüter 2008. Alle 3 Weingüter mit verschiedenen Ansätzen. Bei Winning volle Frucht, etwas Restzucker, Holzeinsatz mit zum Teil neuem Holz. Die pure Wollust mit Exotik und einem sehr speziellen Kick. Von Winning ist in der Stilistik unique.

Ein sehr, sehr sexy starker Deidesheimer Ortswein wird geschlagen von der wollüstigen ersten Lage aus dem Paradiesgarten. Strukturierter, weniger Wollust aber insgesamt noch grandioser im Stil eines GG kommt die erste Lage Ruppertsberger Reiterpfad. Wow! Und von Kalkofen bis Ungeheuer spannte sich der Bogen zweier total unterschiedlicher GGs. Danach Forst. Seit wie vielen Jahren nun DIE beste Riesling Gemeinde Deutschlands? Kraft im Ungeheuer, mehr Kraft im Pechstein, sexy Jesuitengarten, erhabenes und ewiges Kirchenstück. Alkes reif und doch alles tänzelnd. Opulenz in Frucht und Restzucker und zugleich geringer Alkohol und hohe Säure. Dazu perfekter Holzeinsatz. Winning oder Buhl, wo ist vorne in Deidesheim? Groß!

Mittwoch, 24. April 2019
Richard Grosche und Mathieu Kauffmann

 

Das Weingut von Buhl bringt alle 18er GGs erst zum Herbst 2020. Wir probierten zum Teil noch blubbernde Fässer. Man schafft hier bei den GGs unter 2 Gramm Restzucker bei 13 Alkohol und wahnsinnig schmelzig süßem Extrakt. Richtig bewerten kann ich den potenziell großen Jahrgang 2018 erst nach der Gärung, Texte also nächstes Jahr. Die Frische des Jahrgangs passt auf jeden Fall pikant zur Reife und dem irren Extrakt. Mathieu Kauffmann, der von Champagne Bollinger gekommene Betriebsleiter, hält aber 2017, der erst im Herbst 2019 rauskommt, für den best ever Jahrgang hier. Sensationell frisch, stylisch wie 2016, aber mit etwas mehr Frucht und extreme Langläufer. Neu kommt hier im Herbst der Rieslingsekt Suez 2015. Ein großes Jahr, nur aus Forster Grand Cru Lagen, 40 Monate Hefe. Der beste deutsche Sekt bis dato vom Zauberer aus der Champagne? Dieser Superstoff kommt im November zum 150. Jubiläum der Eröffnung des Suez Kanals, bei der Reichsrat von Buhl seinerzeit die Weine stellte.

Philipp David Catoir

 

Müller Catoir. Stück für Stück wieder zu alter Form auflaufend. Der extrem talentierte und erfahrene Kellermeister Franzen hat 2018 aus dem 1er Cru Bürgergarten und dem GG Breumel zwei wahnsinnig spannende Weine gekeltert, sie gehören in ihrer Kategorie zum besten des gesamten Jahrgangs in der Pfalz. Chapeau!

Betriebsleiter und Kellermeister Martin Franzen

Odinstal

Im Keller mit Betriebsleiter Andreas Schuhmann

 

Odinstal, ein biodynamischer Winzling von 6 Hektar oberhalb Wachenheims. Der Überzeugungstäter Andreas Schuhmann ist nicht nur in ALLEM konsequenter Biodynamiker, er hat auch das richtige Händchen für die Lagen. Zusammen mit seinen Assistenten Susan und Max macht Andreas Schuhmann hier aufregende Sachen. Alles aus 2018 blubberte noch, mehr dazu leider erst im Herbst. Aber das wird toll.

 

Philipp Kuhn ist einer der talentiertesten Winzer der Pfalz und ein Mega-Sympath. Der Kallstadter Saumagen ist mit dem schwarzen Herrgott zusammen so groß wie 2016. Wahnsinn. Dazu eine geniale zweite und dritte Reihe Rieslinge und fettfruchtige, fast üppige, aber in der roten Kirsche burgundische Pinots. Philipp hat alles richtig gemacht und noch viel mehr.

Kellermeister Nicola Libelli

 

Bürklin Wolf, Biodynamiker aus Wachenheim. Mit der Magier Nicola Libelli als Kellermeister. Ein grandios schmelziger Ortswein aus Ruppertsberg, einer der allerbesten dieser Kategorie im ganzen Land. Die zwei 1er Cru Böhlig und Gerümpel gehören zum besten der Pfalz überhaupt und sind gar besser als die 2 GG Langenmorgen und Gaisböhl. Dafür sind Ungeheuer, Pechstein und Kirchenstück, die erst 2020 auf den Markt kommen, in der allerersten Reihe deutscher GGs.

Heiner und Elias bei Bürklin-Wolf
Donnerstag 25. April - Rheinhessen
Katharina Wechsler

 

Katharina Wechsler aus Westhofen. Ein liebes Jahr 2018. Etwas brav, aber das ist hier eben so in 2018, 2017 war natürlich frischer und aufregender. Perfekte Gastro-Weine, nichts zum anbeten, einkellern lieber die 2017er. Schlotzig ist 2018 wir die Menschen hier im Süden sagen. Zechweine mit hohem Spaßfaktor. Dazu zwei sehr gelungene Lagen-Rieslinge mit Klasse vom Kirchspiel und Morstein. 2017 war sicher aufregender, 2018 macht dafür mehr direkte Trinkfreude.

Saalwächter

Carsten Saalwächter

 

Der Vormittag gehörte dann Carsten Saalwächter. In Ingelheim am Rhein. 8 Hektar alte Reben auf Kalkstein. Reinstes Burgund. Die besten Flächen mit Ostexposition, dann ist es sogar mehr wie im französischen Jura. 60 Jahre alte Silvaner und Weißburgunder, 25 Jahre alte Chardonnay. Dazu Pinot Noir hier in Ingelheim und etwas in Assmannshausen.

Carsten ist erst 25 Jahre jung. Der Opa machte schon Wein, der Vater betreibt das Weingut jetzt und Carsten ist in der Phase der Nachfolge. Alte Reben auf Kalk, besser geht’s nicht. Unendlich viel Platz im riesigen Keller, aber eben auch sehr alter Gebäudebestand. Da ist unendlich viel Arbeit.

 

Carsten ist zum Glück um Geisenheim und Uni herumgekommen, nicht verbildet wie Hanspeter Ziereisen immer sagt. Schulung zu Hause und dann viele, viele lange Praktika bei den besten Universal-Winzern. Friedrich Keller Pfalz, Clos de Lambray Burgund und 2x Ziereisen. Hanspeter sagt, dass Carsten der beste Praktikant war, den er je hatte. Und so schickte er uns nach Ingelheim.

Dass der Silvaner Reserve dann mit zum Besten gehörte was die Rebsorte mir je gezeigt hat, konnte ich ja nicht ahnen. Weißburgunder dazu wie aus dem Burgund. Chardonnay wie aus dem französischen Jura, faszinierend. Die Reserve des Chardonnay ist echt abgehoben, seine zwei Pinots aus Ingelheim und Assmannshausen sind dramatisch unterschiedlich und verblüffend gut. Das wird alles ganz großes Kino hier.

Hanspeter Ziereisen hat uns dringend gebeten, nicht gleich mit dem aktuellen Jahrgang mit Saalwächter zu beginnen. Damit er nicht gleich abhebt. Damit er erst mal seine Infrastruktur auf die Reihe bekommt. Er ist doch erst 25! Sorry Hanspeter Ziereisen, es muss leider doch sein!

Erik und Carolin Riffel

 

Mittags Spargel bei Riffel in Bingen am Rhein. Quarzitböden. Sehr feine und elegante Rieslinge von einem talentierten, und geschmacklich doch sehr kompatiblen Biodynamiker. Lecker Stoff! Und das spannende Experiment, ob der Lagenwein Scharlachberg extrovertierter schmeckt wenn man die Höhe Laubwand im Sommer konventionell abschneidet, oder wenn man alles biodynamisch wachsen lässt und die Triebe frei wachsen lässt und sie nur wickelt. Gewickelt ist besser. Zweites Experiment: trocken ganz durch, was ganz easy ist für Biodynamiker, oder 4 Gramm Restzucker. Das „normale“ Publikum will 4 Gramm. 2019 machen die Riffels uns exklusiv einen Scharlachberg „Gewickelt Zero“.

Wittmann / Clüsserath

 

Der Abend. Das Ehepaar Wittmann/Clüsserath. Rheinhessen meets Mosel. Zweimal Qualität von oben. Ganz oben. Eva Clüsserath macht Weine ihrer Persönlichkeit entsprechend. Nicht nur Herrchen und Hund passen sich im Laufe des Lebens in ihrer Persönlichkeit aneinander an. Das gilt auch für Winzer/in und den Wein. Aufregend zarte Weine, total verspielt, multikomplexe Tänzerinnen. Nirgendwo an der Mosel (wohl an der Saar bei Zilliken) gibt es diese zarteste Versuchung sooo filigran und zugleich so lebendig. Und 2018 dazu satter Extrakt, warme Hände im Rücken stützen alle Weine aufs charmanteste. Ihr Trittenheimer Ortswein Steinreich ist Teil meiner allerbesten Ortsweine des Jahres. Wäre sie im VDP, ihre trockene Auslese Apotheke wäre in meinem GG Paket. Feinherb ist das tänzelnde Meisterwerk Kabinett aus der Apotheke einer der allerbesten Weine, das gilt auch für das süße Kabinett aus dem Piesporter Goldtröpfchen. Ihre Spät- und Auslesen sind superb, aber meines Erachtens hat die extraterrestrische Beerenauslese aus der Apotheke das Beste nach oben gesogen. 100 fast mit Plus.

 

Was für Eva gilt ist für Phillip ganz sicher übertragbar. Talent, Genie und Akribie im Detail trifft auf Kontrolle, Planung und Weitsicht. Die 2018er sind die beste Kollektion, die es bisher bei Wittmann gab, dabei dachte ich, dass 2016 unschlagbar ist. Schon der „Mundputzer“ nach Evas Süßweinen, der Gutswein Weißburgunder, zeigte eine neue Dimension in Kraft und Spannung. Philipp hat sein Grand Cru Konzept im Morstein neu geordnet. Von oben runter. Wie immer thront der Versteigerungswein La Borne über dem 100 Punkte GG Morstein. Alles schwächere Lesegut, weiterhin 100% Grand Cru, geht in den neu geschaffenen 1er Cru Westhofen, also nun Ortswein mit Adelskrone. Dafür gingen weitere Teile aus diesem 1er Cru runter in den neu geschaffenen Überwein, ein zweiter „Gutswein vom Kalksteinfels“ rein aus Westhofen und Morstein, das ist nun quasi der Westhofener Ortswein. Aufregend hier!


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