Sangiovese - Herz der Toskana

Autor:
Marc Dröfke
Wein ist für Marc ein Hobby, das er allerdings mehr als ambitioniert betreibt. Woher der Wein dabei genau kommt, ist nicht so wichtig. Er sollte nur seine Herkunft nicht verleugnen. Nebenbei schreibt Marc noch für Originalverkorkt.de.

Vor einiger Zeit hatte ich hier im Blog damit begonnen mich etwas intensiver mit autochthonen italienischen Rebsorten auseinander zu setzen. Nachdem meine beiden letzten Beiträge der Lagrein un der Timorasso auf den Zahn gefühlt haben, soll heute eine der bekanntesten und wichtigsten Rebsorten ganz Italiens im Fokus stehen: Die Sangiovese.

Herkunft und Verbreitung

Sangiovese bildet die Grundlage und damit das Herz der drei berühmtesten Rotweine der Toskana, dem Brunello (100% vorgeschrieben), dem Vino Nobile di Montepulciano (mind. 70%) sowie dem Chianti (mind. 80% bzw. 70%). Die Traube taucht allerdings weitaus häufiger auf als nur in der Toskana.

Man findet sie zusätzlich in nahezu allen nördlichen sowie mittleren Gefilden Italiens. Wobei es zu erwähnen gilt, dass die Mengen relativ klein sind und die Traube dort zumeist als Verschnittpartner auftritt. Über die Landesgrenzen Italiens hinaus, gibt es Anbauten in Frankreich (häufig anzutreffen auf Korsika unter dem Pseudonym Nielluccio), Griechenland, Malta, Schweiz, Ungarn und in der Türkei sowie Argentinien, Brasilien, Australien, Neuseeland, Südafrika, etc. Ich beschränke mich heute, mit der Betrachtung des Chiantis, allerdings auf eines der Kerngebiete der Sangiovese.

Felsina
Fontodi

Kein Massenwein - eigentlich

Ich wage zu behaupten, dass der Chianti einer der am meist konsumierten Rotweine in Deutschland ist. Beim Lieblingsitaliener um die Ecke wird entweder Montepulciano (Rebsorte, nicht zu verwechseln mit den Anbaugebiet in der Toskana) oder eben Chianti getrunken. Das kennt man, das mag man. Korrigieren Sie mich wenn ich falsch liege.

Dabei besitzt die Sangiovese für meine Begriffe eigentlich nicht die Eigenschaften, welche für einen Massenwein taugen. Sie ist nicht fruchtig, weich und füllig, sondern kann durchaus mit prägnanter Säure nebst erdigen Tönen und spürbarem Tannin auftreten. Um ihr Erscheinungsbild etwas abzurunden, wird sie deshalb häufig mit Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot (oder beiden) verschnitten.

Isole e Olena

Chianti DOGC und Chianti Classico DOGC

Das gesamte Chianti Gebiet läuft unter der Herkunftsbezeichnung DOGC (Denominazione di Origine Controllata e Garantita), was in Italien die höchste Qualitätsstufe abbildet. Im Jahr 2014 wurde hier ca. 1 Million Hektoliter Wein abgefüllt. Allerdings gilt es innerhalb des Gebietes nochmals in Sub-Zonen zu unterscheiden. Insgesamt gibt es acht davon. Die mit Abstand Bekannteste ist die Chianti Classico. Sie bildet die ursprüngliche Kernzone des Chianti Gebietes zwischen Florenz und Siena.

1932 kamen zum Classico, im Zuge einer Erweiterung des Gebietes durch die Dalmasso-Kommission in Rom, die sieben anderen Sub-Zonen hinzu. Kritiker sprechen von einem Identitätsverlust, da das Gebiet zunehmend größer und inhomogener wurde.

Das Konsortium „Chianti Classico“ hat über zahlreiche Vorschriften versucht sich (besonders qualitativ) abzugrenzen. So herrschen strengere Regeln was die maximale Ertragsmenge, Reifezeit und den Extraktgehalt angeht. Daneben dürfen im Gegensatz zu den anderen Chianti Zonen, keine weißen Rebsorten mit in die finale Blend eingehen und der Sangiovese Anteil muss mindestens 80% betragen (in den anderen Gebieten liegt die Stufe bei 70%). Ein Chianti Classico lässt sich immer an dem sehr bekannten „Gallo Nero“ (schwarzen Hahn) auf der Banderole und Flaschenhals erkennen. Alle drei von mir heute vorgestellten Weine, stammen aus dem Chianti Classico Gebiet. Ich denke von dort stammen die unverfälschten Weine, die einen möglichsten puren Eindruck der Sangiovese Traube vermitteln.


Einen möglichst unverfälschten Chianti Classico zu erzeugen ist auch das erklärte Ziel von Giovanni Manetti. Er ist zusammen mit seinem Önologen Franco Bernabei für die Geschicke des Weingutes Fontodi verantwortlich. Der Betrieb liegt mitten im Herzstück des Gebietes, südlich der Stadt Panzano, in der berühmten „Conca d’Oro”. Hier wird bereits seit 1968 auf Herbizide und andere Chemikalien im Weinberg verzichtet. Mittlerweile ist man als biologischer Betrieb zertifiziert. Fontodi ist eine große Nummer im Chianti Classico.

Mit dem Flaccianello erzeugen sie einen der bekanntesten Weine des gesamten Gebietes. Aber auch beim „einfachen“ Chianti Classico werden keine Abstriche in Sachen Qualität gemacht. 100% Sangiovese werden hier nach 18 Monaten Lagerung im Barrique auf die Flasche gezogen. In der Nase merkt man den etwas kühleren Jahrgang im direkten Vergleich mit den später folgenden 2015ern. Rote und schwarze Kirsche trifft auf Himbeere, Tabak, viel Würze und erdige Noten. Eine absolut typische Sangiovese Nase mit durchaus Ecken und Kanten. Am Gaumen tolle, lebendige Säure die dem Wein einen gefährlichen Trinkfluss verleiht. Die Tannine sind mittlerweile etwas abgeschmolzen, aber durchaus noch merkbar. Mittlerer Körper und eine schöne Länge hinten heraus runden das Bild ab. Geht nur anders, typischer nicht.


Qualität steht bei Paolo de Marchi an erster Stelle. Als der ursprünglich aus dem Piemont stammende, heutige Besitzer von Isole e Olena von einem Praktikum aus den USA zurückkam, stellte er seinen Betrieb peu à peu um, um fortan nur noch Spitzenqualitäten auf die Flasche zu ziehen. Alte Rebflächen, bestockt mit weißen Rebsorten, wurden zugunsten des Sangiovese entfernt. Hierbei setzt de Marchi auf besondere Klone, die er in Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten immer weiterentwickelt hat. Die Erträge wurden massiv nach unten gefahren. Im Keller zogen aus Inox-Stahl gefertigte Tanks und neue, sowie gebrauchte Barriques ein.

Neben der Sangiovese, ist de Marchi ein ausgesprochener Fan der Syrah, welche sich im Blend des 2015er Chianti Classicos mit 10% wiederfinden lässt. Die anderen 90% sind Sangiovese. Diese Zugabe von Syrah verleiht dem Wein einen Tick mehr Volumen und Geschmeidigkeit. Der wärmere 2015er Jahrgang spielt hier sicherlich auch eine Rolle. Bereits jetzt wunderbar zugänglich, ist dieser Isole e Olena ein idealer Einstieg für Sangiovese Neulinge. Trotz all seiner Seidigkeit und Geschmeidigkeit, bewahrt sich der Wein eine tolle Power und Intensität. Es mischt sich ein bisschen Brombeere unter die alles dominierende rote Kirsche. Daneben findet sich Rosmarin, etwas Lavendel sowie den für die Syrah so typischen Pfeffer. Ein Wein für den puren Genuss und ein idealer Essensbegleiter. Nicht nur zur Pasta oder Pizza, sondern auch für anspruchsvollere Gerichte.


Felsina ist für mich so etwas wie der Preis/Leistung Champion im Chianti Gebiet. Die Fattoria von Guiseppe Mazzocolin fliegt etwas unter dem Radar, produziert aber in Punkto Qualität Weine, die mit den Top Tops des Gebietes durchaus mithalten können. Felsina liegt am südlichen Rand der Chianti Classico Zone, die Weine sind dadurch immer etwas gehaltvoller als die der Kollegen weiter nördlich.

Der geringe Kalkanteil des Bodens sowie der bereits erwähnte, wärmere Jahrgang 2015 sorgen im Chianti Classico Berardenga für einen hohen Anteil an warmer, dunkler Frucht in der Nase. Brombeere trifft auf schwarze Kirsche und etwas schwarze Johannisbeere. Daneben finden sich viele erdige, steinige Noten im Bouquet. Am Gaumen ist der Wein ausladend, kraftvoll und betörend mit einer leicht cremigen Note im Abgang. Die Säure hält alle Komponenten zusammen, ohne das sie heraussticht. Ein wirkliches Powerteil, ohne zu fett zu werden. Für einen Einstiegs- (!) Wein, ist das eine ganz schöne Ansage. Hier steckt ordentlich Potential unter der Haube. Besser einen ganzen Karton kaufen und zusehen, wie sich der Wein über die kommenden Jahre hinweg entwickelt.