Wer macht den besten trockenen Gutsriesling?

Autor:
Markus Budai
Markus Budai ist studierter Weinbetriebswirt und war einige Jahre Teil von Lobenbergs GUTE WEINE. Das Burgund und die Champagne haben es ihm besonders angetan. In unserem Blog berichtet er direkt von seinen Verkostungsreisen sowie ganz besonderen Entdeckungen.

Natürlich schaut die ganze Weinwelt auf die Großen Gewächse. Sie stellen die Referenz des Jahrgangs im trockenen Bereich dar und erlauben den Winzern Spielraum und persönliche Entfaltung. Hier kann auch etwas gewagt und Jahr für Jahr in Nuancen optimiert werden. Nicht unwichtiger sind aber die Basisweine, von denen weitaus mehr Flaschen den Weg in die Gläser der Endkonsumenten finden. Ein Gutsriesling fungiert als Visitenkarte des Winzers. Er zeigt, was man vom Weingut erwarten kann, in welche Richtung der Weinstil geht. Vor allem aber soll er Trinkfluss bieten, einen Vorgeschmack auf den Jahrgang geben und direkt aus der Flasche eingegossen, Freude bereiten.

Speziell dem Gutsriesling hat Martin Zwick, ein in Berlin lebender Weinliebhaber, eine eigene Veranstaltung gewidmet. Unter dem BerlinGutsrieslingCup werden jährlich ausgewählte Weine verkostet. Darunter befanden sich die großen, etablierten Namen wie Dönnhoff, Keller, Emrich-Schönleber, aber auch Weine von unbekannten Erzeugern sowie Jungwinzern und heiß diskutierten Newcomern.

Am 14. April wurden 37 trockene Gutsrieslinge verkostet. Die Jury bestand sowohl aus Weinprofis, als auch aus Liebhabern, also Konsumenten wie Ihnen. Alle Weine wurden blind verkostet. Dabei war vorab nicht klar, welche Weine in diesem Jahr angestellt wurden.

Die Spitze haben sich diesmal die Pfalz und Rheinhessen geteilt. Beides Regionen, die in 2014 in Deutschland recht gute Lesebedingungen hatten. Ich war bei der in Berlin vor Ort und habe alle Weine verkostet. Hier finden Sie meine Eindrücke zu den drei bestplatzierten Rieslingen:

Platz 1: Bürklin Wolf, Riesling trocken 2014 (Pfalz)

Die Trauben stammen aus Anlagen in Wachenheim, Deidesheim und Ruppertsberg. Ausbau sowohl im Edelstahl, als auch Doppelstück-Holzfass. Brillantes gold mit hellen Reflexen. Im Bukett ausgereifte Frucht, mürber Apfel. reife Nektarine und gelbe Pflaume. Am Gaumen zieht sich eine angenehme Phenolik entlang des Weins, die auch in Form von Grapefruit daherkommt. Besitzt die typisch kräftige-reife Art eines Pfälzers und wirkt ob der Struktur und Länge im Abgang athletisch. Angenehmes Spiel mit der Reife und herben Art des Gutsrieslings, machen den Wein verständlich. Sehr zugänglicher Gutsriesling!

Platz 2: Keller, Riesling trocken 2014 (Rheinhessen)

Zartes hellgold mit silbernen Reflexen. Die Nase verkörpert reife Äpfel, Steinobstfrucht, Grapefruit und Zitronen, auch etwas Salz und weiße Blüten. Am Gaumen schlanker Körper, ungemein ruhig und harmonisch. Dicht verwobene Aromatik, etwas grüner Tee, reife Birne, wieder etwas Zitrusfrüchte. Dahinter klemmt sich eine feine Würzigkeit und gut integrierte Säure. Wird geleitet von einer hauchfeinen Phenolik und erscheint wie aus einem Guss. Enorm saftige Frucht, die dem Wein seinen Trinkfluss verleiht. Ein ausgesprochen vielschichtiger, die Klarheit ausstrahlender Gutswein!

Platz 3: Sankt Antony Riesling Rotschiefer 2014 (Rheinhessen)

Riesling aus alten Reben. Spontane Vergärung, Ausbau in alten Doppelstückfässern und Stahltank. Keine Maischestandzeit, dafür langsames Pressen. Tiefes vollgold, im Bukett Pampelmuse und kräutrige Anklänge und etwas Schieferwürze. Auch am Gaumen wirkt der Rotschiefer enorm vielschichtig. Etwas Zitrus- und Orangenschale, Tee und reifes Steinobst bescheren Trinkfluss und Saftigkeit. Sehr verspielt und trotzdem bestens balanciert, fast erhaben wirkend. Ein Riesling mit Wiedererkennungswert!


Top 10

Die Jury

Die Weine zum Beitrag
Bürklin Wolf, 2014, Deutschland - Pfalz
0,75 l
13,27 €/l